Nele & Paul - Birbæk, Michel

Michel Birbæk 

Nele & Paul

Roman

Broschiertes Buch
 
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Nele & Paul

Paul vermisst Nele. Seit neun Jahren schon. Dann steht sie plötzlich wieder vor ihm ...

Es roch nach Frau. Ich schlug die Augen auf und lächelte. Bis ich sah, wo ich war. Ein fremdes Schlafzimmer. Über mir hing eine Wanduhr, deren Ticken mich die ganze Nacht genervt hatte. Auf der Kommode neben dem Bett lag kein Zettel. Es duftete nicht nach Kaffee. Niemand küsste mich wach. Niemand legte sich noch mal zu mir. Niemand verpasste mir einen süßen Blick wegen letzter Nacht. Nachts ließen One-Night-Stands einen bisweilen vergessen, dass es nicht die Frau des Lebens war, die da so schön seufzte. Doch das Morgenlicht rückte das Verhältnis zurecht. Bloß zu Besuch. Ich rollte mich aus dem Bett, griff nach meiner Hose und dachte an Nele. Das ist das Problem mit der großen Liebe - sie versaut einen für die kleinen.


Produktinformation

  • Verlag: Bastei Lübbe
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 416 S.
  • Seitenzahl: 415
  • Bastei Lübbe Taschenbücher Nr.16433
  • Deutsch
  • Abmessung: 187mm x 125mm x 31mm
  • Gewicht: 395g
  • ISBN-13: 9783404164332
  • ISBN-10: 3404164334
  • Best.Nr.: 27919040
Michel Birbæk, geboren in Kopenhagen, lebt seit vielen Jahren in Köln. Der Drehbuchautor, Entertainer und Erfinder der Sit-Down-Comedy hat bereits drei Romane veröffentlicht. „Wenn das Leben ein Strand ist, sind Frauen das Mehr“ (2004), „Was mich fertig macht ist nicht das Leben, sondern die Tage dazwischen“ (2004) und „Beziehungswaise“ (2007), mit denen er Leser und Kritiker gleichermaßen begeistern konnte. Michael Birbæk liebt die deutsche Sprache und das Leben.

Leseprobe zu "Nele & Paul" von Michel Birbæk

zehn

Das Thermometer zeigte siebenunddreißig Grad. Es waren Gewitter angesagt, aber der Himmel blieb blau, und der Wind hatte nachgelassen. Eine schwere Schwüle lag über allem, als sei die Welt aus Sirup. Das Bürofenster stand sperrangelweit offen, dennoch drang kein Lüftchen zu uns herein. Ich blätterte in einem Frauenmagazin und versuchte, mich nicht totzugähnen. An manchen Tagen konnte man die Anrufe kaum entgegennehmen, und dann gab es Tage wie heute. Seit fünf Stunden hatte sich im ganzen Landkreis kein Unfall zugetragen, niemand hatte sich geprügelt, jemanden verletzt oder sonst wie geschädigt. Eine Nachricht, die nie in den Medien auftauchen würde. »Hör dir das an …«, sagte Rokko und fächelte sich mit einer Zeitung Luft zu, während er auf seinen Monitor starrte. »Klassefrau sucht Klassemann für Klassesachen. Kein B und B. Keine Spinner, Frustrierten und … oh, schade.« Er warf mir einen bedauernden Blick zu. »Keine Muttersöhnchen.« »B und B?«, fragte ich.

»Bauch und Bart«, sagte er und ließ seinen Finger über den Monitor gleiten. Bei jeder Bewegung spielten die Muskeln unter seiner Haut. »Hm, das könnte passen: Ich, dick, 63, Freude am Essen und Kochen, suche dich, lustig, mit Spaß am Zuhören … Zuhören kannst du ja.« Er grinste, und wie zum Beweis blinkte die Telefonanlage und mit ihr die Lichterkette, die wir letztes Jahr Weihnachten angeschlossen hatten.

Die Nummer einer Telefonzelle im Nachbardorf. Ich ging ran.
»Polizeinotruf.«
»Ich bin mit dem Fahrrad gestürzt. Ich glaube, ich habe mir den Arm gebrochen.«
»Ich schicke Ihnen einen Krankenwagen. Ich sehe, Sie stehen in einer Telefonzelle, bleiben Sie bitte da, bis der Krankenwagen eintrifft. Wie ist Ihr Name?«
»Das können Sie wirklich sehen?«
»Nein, darum frage ich ja.«
»Was?«
»Ihren Namen, den kann ich nicht sehen. Dass Sie in einer Telefonzelle stehen, wird angezeigt.«
»Wirklich?«

Die Wunder der Technik schienen ihn mehr zu interessieren als seine Verletzung. Schließlich verriet er mir seinen Namen, ich schickte ihm den Rettungswagen und eine Streife. Kaum hatte ich aufgelegt, blinkte die Lichterkette wieder. Eine Festnetznummer aus dem Ort. So war es oft. Stundenlang nichts, dann alle auf einmal.

»Polizeinotruf.«
Ein Kind kicherte unterdrückt.
»Ich will fiiiickennn!«

Ich drückte den Anruf weg und lehnte mich wieder zurück. Bei Hitze und Vollmond nahmen die Anrufe der Verrückten zu. Das war wie Ebbe und Flut. Kinder waren davon allerdings ausgenommen, die kannten zu keiner Zeit Pardon. »Spinner?«, fragte Rokko, ohne den Blick vom Bildschirm zu lösen.

»Kind.«
Ich las einen Artikel über die Probleme moderner Großstadtfrauen, einen Mann zu finden, und versuchte, mich dabei möglichst wenig zu bewegen. Die Hitze war überall, und wenn man sich zu schnell bewegte, spürte man sie auf der Haut wie nach einem Saunaaufguss. Als ich aufstand, löste mein Rücken sich mit einem Klettgeräusch von der Rückenlehne des Bürostuhls.

»Was aus dem Kühlschrank?«

Rokko winkte ab, ohne den Blick vom Bildschirm zu nehmen. Ich ging raus auf den leeren Flur. Vorne am Empfang plärrte ein Radio, ein Ventilator lief, sonst war nichts zu hören. Die Dienstküche war ein vier Quadratmeter großes Loch ohne Fenster, dafür mit einer Espressomaschine, die wir beim Polizeibingo gewonnen hatten. Ich holte eine Flasche Wasser aus meinem Kühlschrankfach und trank einen halben Liter auf ex. Man sollte meinen, dass man sich an Temperaturen gewöhnte, aber auch nach zehn Wochen Hochsommer schwitzte man die Flüssigkeit genauso schnell wieder aus, wie man sie aufnahm. Ich trank noch einen Schluck und lauschte der Trägheit im Revier. Das Radio spielte die allergrößten Hits der wirklich allergrößten Hits, zwischendurch hörte man leisen Funk und gelegentlich eine Antwort von Karl-Heinz, der die Wagen koordinierte, sonst war alles ruhig. Die Temperaturen lähmten sogar das Verbrechen. Alles, was die schweren Jungs momentan wollten, war hitzefrei und ein schattiges Plätzchen

Kundenbewertungen zu "Nele & Paul" von "Michel Birbæk"

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Bewertung von Kristin Friedrich aus Hof am 11.01.2011 ***** ausgezeichnet
Nele liebt Paul und Nele ist Pauls große Liebe. Das war schon immer so. Und doch zieht Nele irgendwann nach Amerika und lässt ihren Partner zurück. Und der muss sein Leben nun ohne seine Liebste leben.
Die Jahre vergehen, Paul hat einige wenige OneNightStands, aber das reicht ihm nicht. In Gedanken ist er immer nur bei seiner Nele. Neun Jahre später trifft ihn dann beinahe der Schlag, denn Nele ist plötzlich wieder da. Aber irgendetwas ist anders...

Wer denkt, dass es sich bei "Nele & Paul" nur um eine kitschige Romanze handelt, liegt völlig falsch mit seiner Vermutung. Klar geht es in erster Linie um die wundervolle Liebe der beiden, allerdings passiert so einiges, was dem Buch die spannende Würze gibt.
Paul ist Polizist und so bekommt der Leser Einblick in seinem Berufsalltag. Dieser ist auf der einen Seite witzig, andererseits aber auch sehr ernst. Paul sitzt in der Notrufzentrale. Er und sein Arbeitskollege, der gleichzeitig sein bester Freund ist, bekommen ständig "Junk Calls" und haben so einiges zu lachen. Gleichzeitig treibt eine Einbrecherbande in dem kleinen Ort ihr Unwesen.
Alle anderen Protagonisten, wie zum Beispiel Pauls Mutter und seine Freunde sind von Michel Birbaek so wundervoll beschrieben, dass man alle ganz klar vor Augen hat.

Dem Autor ist hier eine wundervolle Geschichte gelungen, was nicht zuletzt an den schönen Sätzen liegt, die wir immer wieder lesen können. Ein Beispiel für einen solchen Satz findet sich auf dem Klappentext: "Das ist das Problem mit der großen Liebe - sie versaut einen für die kleinen."

Mir persönlich hat "Nele & Paul" sehr gut gefallen. Ich konnte mich entspannt zurücklehnen und einfach nur genießen. Ich konnte eine wundervolle atemberaubende Liebesgeschichte mit viel Charme, Witz und Spannung miterleben.

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