Naive Kunst. Ein Versuch über das Glück - Garcia Düttmann, Alexander

Alexander Garcia Düttmann 

Naive Kunst. Ein Versuch über das Glück

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Naive Kunst. Ein Versuch über das Glück

"Als sie in San Francisco lebte, zwei Jahre lang, wusste sie nicht, dass sie glücklich war. Gemerkt hat sie es erst, als sie wusste, dass sie bald nicht mehr in der Stadt leben würde. Jetzt lebt sie schon seit über zehn Jahren nicht mehr in San Francisco. Deshalb will sie versuchen, den Bildern das erlebte Glück abzugewinnen. Hat sie das erlebte Glück überhaupt erlebt?" Das Gefühl des Glücks, dem Daphne, die Protagonistin in Alexander García Düttmanns erster Prosaveröffentlichung, nachspürt, entzieht sich nicht erst im Nachhinein der bewussten Vergegenwärtigung. Weil die Bedingung seiner Gegenwart Unwissenheit ist, übt sich Daphne in der Kunst der Naivität: das Glück in denjenigen "imitations of life" erfahrbar zu machen, die mit ihrem Leben in San Francisco verbunden sind. Ihre Kunst ist eine Kunst der Verwandlung: Daphne baut ihre Erfahrung der Stadt wieder auf, sie schichtet Erinnerungsstein auf Erinnerungsstein, bis ihr dargestelltes Leben als das einer "Mrs. San Francisco" erscheint - als singuläres Bild des Lebens der Stadt selbst. Der erste Prosatext, der in der Kleinen Edition erscheint, trägt der Tatsache Rechnung, dass "Theorie" nicht an die Form des theoretischen Textes gebunden ist. Ihre Einsichten entfalten sich auch dort, wo die Eigenart ihres Gegenstandes - die Nachträglichkeit des Glücks - eine ihm entsprechende Artikulationsform erfordert: eine zugleich prosaische und "naive" Kunst.

Als sie in San Francisco lebte, zwei Jahre lang, wusste sie nicht, dass sie glücklich war. Gemerkt hat sie es erst, als sie wusste, dass sie bald nicht mehr in der Stadt leben würde. Jetzt lebt sie schon seit über zehn Jahren nicht mehr in San Francisco. Deshalb will sie versuchen, den Bildern das erlebte Glück abzugewinnen. Hat sie das erlebte Glück überhaupt erlebt?
Das Gefühl des Glücks, dem Daphne, die Protagonistin in Alexander García Düttmanns erster Prosaveröffentlichung, nachspürt, entzieht sich nicht erst im Nachhinein der bewussten Vergegenwärtigung. Weil die Bedingung seiner Gegenwart Unwissenheit ist, übt sich Daphne in der Kunst der Naivität: das Glück in denjenigen imitations of life erfahrbar zu machen, die mit ihrem Leben in San Francisco verbunden sind. Ihre Kunst ist eine Kunst der Verwandlung: Daphne baut ihre Erfahrung der Stadt wieder auf, sie schichtet Erinnerungsstein auf Erinnerungsstein, bis ihr dargestelltes Leben als das einer Mrs. San Francisco erscheint als singuläres Bild des Lebens der Stadt selbst.
Der erste Prosatext, der in der Kleinen Edition erscheint, trägt der Tatsache Rechnung, dass Theorie nicht an die Form des theoretischen Textes gebunden ist. Ihre Einsichten entfalten sich auch dort, wo die Eigenart ihres Gegenstandes die Nachträglichkeit des Glücks eine ihm entsprechende Artikulationsform erfordert: eine zugleich prosaische und naive Kunst.


Produktinformation

  • Abmessung: 161mm x 102mm x 5mm
  • Gewicht: 125g
  • ISBN-13: 9783941360136
  • ISBN-10: 3941360132
  • Best.Nr.: 34771176

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Alexander Garcia Düttmanns neues Buch "Naive Kunst" ist ganz "große Literatur" schwärmt Rezensent Andreas Platthaus - auch wenn er sich nicht ganz sicher ist, wie er das Werk des deutschen Philosophen bezeichnen soll. Denn obwohl er selten ein so schönes, topografisch und soziologisch genaues Porträt über San Francisco gelesen hat, ist die Geschichte um die Philosophiedozentin Daphne, die sich hier über fast fünfzehn Jahre hinweg an ihren zweijährigen Aufenthalt in der kalifornischen Metropole erinnert, kein Reiseführer. Zugleich, so Platthaus, sei das Buch aber auch kein Traktat - trotz des Untertitels "Ein Versuch über das Glück" und der deutlich spürbaren Vorliebe des Autors für Adorno. In jedem Fall lobt der Kritiker die Kunstfertigkeit dieser Erzählung. Wer "Eleganz, Einfallsreichtum und Präzision" schätzt, sollte diesen Band unbedingt lesen, rät der eingenommene Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 26.05.2012

Sucht nach Versuchung
Alexander García Düttmanns Schreibkunst

Dieses Buch ist kein Roman, es ist keine Erzählung, keine Novelle. Und doch ist es all das auch und vor allem große Literatur. "Naive Kunst" verfolgt über einen Zeitraum von mehr als anderthalb Jahrzehnten die Entwicklung des Lebens der Philosophiedozentin Daphne - ein Geschehen, das in knappster Form erzählt wird und seinen Fokus in einem besonderen Ereignis hat: Daphnes zweijährigem Aufenthalt in San Francisco, während dessen sie sich überschwenglich in die Stadt verliebt.

Dieses Buch ist kein Reiseführer und keine Kulturgeschichte San Franciscos. Doch es leistet auch das, denn die topographische wie soziologische Genauigkeit, mit der Daphnes Zeit in Kalifornien rekonstruiert wird, taugt allemal zum Leitfaden für eine Insider-Tour und weit mehr noch für den Nachvollzug jener Faszination, die die Protagonistin für das San Francisco der mittleren neunziger Jahre verspürt. "Daphne versucht schon seit Jahren, das Lob der Stadt San Francisco zu singen, es ist ihr aber bisher nie gelungen, und sie hat ihr Unternehmen meist schnell wieder abgebrochen", heißt es im Text. Nun …

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Alexander García Düttmann ist Professor für Philosophie und Visuelle Kultur am Goldsmiths College der University of London.

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