Mozart oder die Entdeckung der Liebe - Borchmeyer, Dieter

Dieter Borchmeyer 

Mozart oder die Entdeckung der Liebe

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Mozart oder die Entdeckung der Liebe

Ein Opernführer der besonderen Art: Der Theater- und Literaturwissenschaftler Dieter Borchmeyer untersucht, wie Mozart sich in seinen großen Opern mit dem Thema "Liebe" auseinander gesetzt hat. Der Autor lässt die Werke durch seine außergewöhnliche Betrachtungsweise in einem neuen Licht erscheinen und gibt zugleich Einblick in das Leben des Künstlers, dessen eigene Liebesheirat gegen die Konventionen seiner Zeit verstieß.

Mozarts sieben große Opern, innerhalb nur eines Jahrzehnts entstanden, bilden ein einzigartiges Panorama der einander überlagernden Liebeskonzeptionen des späten 18. Jahrhunderts, als zum erstenmal in der Geschichte der Gefühle die Ehe zum Ort der wahren Liebe wurde. Es ist der Goldgrund der "Empfindsamkeit", die der Epoche ihren Namen gab, vor dem sich Zärtliche und Rasende, Schwärmer und Zyniker, Passionierte und Entsagende, Spiritualisten, Sensualisten und Sexualisten abheben.
Dieter Borchmeyer entziffert Mozarts Opernschaffen vom Idomeneo bis zur Zauberflöte als Liebes-Geschichte und Mozart selbst als musikalischen Entdecker der unter der Kruste gesellschaftlicher Konventionen verborgenen Autonomie der Liebe. Das Finalquartett des zweiten Aufzugs der Entführung aus dem Serail mit seinem umstürzenden Hymnus "Es lebe die Liebe!" ist gleichsam der Sturm auf die Bastille der Gefühlskonventionen. Don Giovanni, Widersacher der empfindsamen Liebe, erscheint abgelöst von romantischer


Produktinformation

  • Verlag: INSEL, FRANKFURT
  • 2006
  • 2. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 425 S.
  • Seitenzahl: 425
  • Best.Nr. des Verlages: 17267
  • Deutsch
  • Abmessung: 204mm x 132mm x 30mm
  • Gewicht: 502g
  • ISBN-13: 9783458172673
  • ISBN-10: 345817267X
  • Best.Nr.: 14122235
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 25.11.2005

Die krummen Finger des Götterlieblings
Aus dem Kosmos der Neuerscheinungen zum Mozart-Jahr 2006: Eilig schreibt man dem Genie hinterher / Von Gerhard R. Koch

Mit tsunamihafter Wucht baut sich das Mozartjahr 2006 auf, wenn im Januar der 250. Geburtstag des Künstlers begangen wird. Zumal in Österreich, vor allem in Salzburg und Wien, rotiert die "Heilig-heilig"-Walze, gilt es doch, einen Nationalheros zu feiern, der dies, zumindest im kulturchauvinistischen Sinn, nicht einmal war.

Zum Hyperkult gehört das Beschwören überzeitlicher Werte. Dem entspricht die Nemesis alles Kanonischen. Schon das Bonmot des Komponisten Mauricio Kagel: "Es mögen nicht alle Musiker an Gott glauben, an Bach glauben sie alle" trifft in dieser Massivität nicht zu. Vorbehalten kann man häufig begegnen, wenn auch hinter vorgehaltener Hand. Ebenso hat es Mozart-Skeptiker, ja -Verächter gegeben. So monierte 1826 der Schweizer Musikschriftsteller Nägeli Mozarts "Styllosigkeit", den Wechsel der Genres und Idiome auf engem Raum. Für das neunzehnte Jahrhundert, das den "Götterliebling" als "zweiten Raffael" feierte, war das ein Tort. Analog zu Scheibes Bach-Kritik hat …

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Die Liebe bei Mozart, so die These von Dieter Borchmeyer, ist eine Sache des Augenblicks. Was geschieht, wird anders nicht plausibel denn als so plötzliche wie unwahrscheinliche Wirkung von Liebe. Kenntnisreich, so der Rezensent Wolfram Goertz, beschäftige sich der Autor mit dem Personal im Mozart-Repertoire und berichte über die empfindsamen Tenöre. Man erfährt, was nicht stimmt mit den Don-Juan-Darstellungen des 19. Jahrhunderts, und "wie viel Marivaux in Mozart steckt". All das findet der Rezensent sehr interessant und lehrreich, allein: es hilft nichts. Borchmeyer hat nämlich, seufzt Goertz, vom rein Musikalischen zu wenig Ahnung. Er kann daher seine Deutungen nicht ausreichend mit Lektüren der Partitur unterfüttern. Und ein weiteres Manko benennt der Rezensent: "sprachliche Lässigkeiten", Formulierungen, die sich gelegentlich dem "Unsinn" nähern.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 18.10.2005

Diese vermaledeite Musik
Jan Assmann und Dieter Borchmeyer nehmen mutig den Kampf mit Mozart auf. Doch die „Zauberflöte” ist weit davon entfernt, sich den Akademikern zu ergeben
Von Reinhard J. Brembeck
Opernpartituren sind eine grausige Angelegenheit - wenn man sie lesen kann. Denn sie sind nicht das Werk, sie enthalten allenfalls Hinweise zu dessen klingend-szenischer Herstellung. Um das zu leisten, braucht es die Kenntnis der Aufführungstradition, viel Können, viel Wissen - und noch mehr Fantasie. In welchem Verhältnis die Partitur zur Aufführung steht, inwiefern die meist nur schwer zu ergründende Absicht der Autoren sich in der Notation niederschlägt und wie sich Musik, Libretto und Szene zueinander verhalten - diese Fragen sind verzwickt und oft nicht so recht zu beantworten. So ist die Musik zwar von großer Bedeutung - aber nicht der alles bestimmende Faktor. Musik, Text und Szene müssen einander nicht entsprechen, manchmal ergibt sich erst aus ihrem Widerspruch das Ganze.
Schwerer als Regisseure tun sich Wissenschaftler mit den rational oft nur schwer fassbaren Unwägbarkeiten von Opernpartituren. Auch deshalb, weil es nur wenige …

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"Die bislang wichtigste Neuerscheinung zum Mozart-Jahr in Form einer wissenschaftlichen Liebesgeschichte
Dieter Borchmeyer, geb. 1941, lehrt Neuere deutsche Literatur und Theaterwissenschaft an der Universität Heidelberg. Zahlreiche Publikationen und Editionen auf dem Gebiet der deutschen Literatur- und Theatergeschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts.

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