Leseprobe zu "Mord im Garten Eden" von Faye Kellerman
Am Anfang war es etwas Erholsames, eine Möglichkeit, die Zeit vergnüglich zu vertreiben, allmählich aber, und heimtückisch wie eine gefräßige Made, entwickelte es sich zu einer Sucht. Nachdem ein halbes Jahr verstrichen war, legte jedes Zimmer im Haus ein biologisches Zeugnis von Rina Deckers Hobby ab: Angefangen von den Schlafzimmern und Badezimmern, bis hin zu Wohnzimmer und Waschküche verdrängten Grünzeug, Sprossen, Schösslinge und Kulturpflanzen den einst für menschliche Bewohner vorgesehenen Platz. Angesichts dieses Dilemmas war ihr klar, dass sie zur Tat schreiten musste, aber die Entscheidung war qualvoll. Welche verdienten die Ehre, zu Zimmerpflanzen ernannt zu werden, und welche mussten zum Wohle der Familie geopfert werden?
"Ich komme mir vor wie im Kongo", beklagte sich Decker, als er seinen Kaffee am Frühstückstisch schlürfte. Er wollte sich gerade die Sonntagszeitung vornehmen, obwohl er nur wenig Hoffnung hatte, sie zu Ende zu lesen. Etwas kam immer dazwischen.
"Was hast du gegen den Kongo?", konterte Rina. "Er ist fremdartig, exotisch ... 'Wo bleibt dein Sinn für Abenteuer?"
"Den hat mir das Gelichter auf den Straßen von Los Angeles gründlich ausgetrieben, vielen Dank. Es hat seinen Grund, dass Gott und die Kühlschrankindustrie für unser leibliches Wohl sorgen, Rina. Wollte ich in einem tropischen Regenwald leben, würde ich mir eine idyllischere Gegend als San Fernando Valley aussuchen. Hier im Haus ist es unerträglich geworden - viel zu heiß, triefend nass, und es wimmelt nur so von Insekten."
"Weil du immer die Tür zum Garten offen lässt."
"Ich lasse die Tür zum Garten offen, weil ich ein großer Mann bin und ein bisschen frische Luft brauche. Anderenfalls würde ich in meinem eigenen Schweiß ertrinken."
Das stimmte. Peter war eins neunzig groß, gut hundert Kilogramm schwer und in bester Verfassung. Die Ausbuchtung seines Winterbauches schwand normalerweise in den aktiveren Sommermonaten dahin. Die einzigen Anzeichen seines Alters im sechsten Lebensjahrzehnt waren die weißen Fäden, die sich in wachsender Anzahl durch seine rotblonden Haare und den Schnurrbart zogen. Rinas Ehemann machte immer noch eine ansehnliche Figur. Sie sagte: "Ich weiß, dass du etwas Luft brauchst. Deswegen laufen ja die Deckenventilatoren auch ununterbrochen."
"Die machen auch nichts anderes, als die heiße Luft zu verquirlen. Wir brauchen eine Klimaanlage, Liebling."
"Orchideen sind empfindlich."
"Ehemänner auch." Das Geplänkel war freundlich, enthielt aber eine Menge Wahres. "Sieh mal. In den Badezimmern kann ich das tolerieren. In Badezimmern ist es normalerweise feucht und heiß. Und in Küchen und Waschküchen auch. Mit dem Wohnzimmer und dem Aufenthaltsraum kann ich mich auch noch gerade so abfinden. Aber bei den Schlafzimmern hört es definitiv auf. Sogar Hannah beschwert sich. Sie findet, dass du ihr Zimmer enteignet hast."
"Das ist doch lächerlich. Abgesehen von ein paar afrikanischen Veilchen, steht in ihrem Zimmer überhaupt nichts."
"Fünfzehn Stück nach letzter Zählung."
"Die nehmen nicht mal die ganze Fensterbank in Anspruch."
Decker holte tief Luft und versuchte, sich mit Geduld zu wappnen. "Rina, deine Tochter und ich sind froh, dass du etwas gefunden hast, womit du deinen Fürsorgeinstinkt befriedigen und dein ästhetisches Auge erfreuen kannst."
Rina bewerkstelligte ein Lächeln. "Es ist meine Berufung."
"Fantastisch!", sagte Decker ironisch. "Alle sollten einer Leidenschaft nachgehen. Nur habe ich statt einer Leidenschaft leider einen Beruf ... einen anstrengenden Beruf. Ich muss arbeiten, was bedeutet, dass ich auch schlafen muss. Entweder ziehe ich oder deine Bletilla striata aus."
Rina sah den verzweifelten Ausdruck im Gesicht ihres Mannes. Seine Geduld war am Ende. "Ich räume die Schlafzimmer aus. Ich glaube, ich habe noch einen klitzekleinen Platz auf einem Regal in der Waschküche."
Innerlich schalt Decker sich für seine Faulheit. "Ich weiß, ich habe dir versprochen, den Bausatz für das Gewächshaus aufzubauen." Er wollte hinzufügen: Der übrigens den meisten Platz in der Garage beansprucht, weswegen mein Porsche-Oldtimer in die Auffahrt unter ein mickriges Schutzdach verbannt wird. Aber die Jahre der Ehe hatten ihm ein wenig Taktgefühl beigebracht. Er wusste nicht, weshalb er den Aufbau des Gewächshauses immer wieder verschob. Er würde höchstens einen halben Tag dazu brauchen. Vielleicht - von der psychologischen Seite her gesehen - hatte er Angst, was geschähe, wenn sie noch mehr Platz für ihre Pflanzen hätte. "Und ich weiß es zu schätzen, dass du mir nicht damit in den Ohren gelegen hast, obwohl wir es schon vor Monaten gekauft haben."
"Du arbeitest so schwer und nimmst auch noch diese langen Arbeitszeiten auf dich. Die Freizeit sollte dir allein gehören." Rina versuchte, so viel Selbstlosigkeit wie möglich in ihre Stimme zu legen. "Genau deshalb habe ich ja mit dem Gärtnern angefangen. Damit ich mich während der vielen Stunden, die du arbeiten musst, beschäftigen -"
"Ja, ist ja schon gut!", unterbrach Decker sie. Er hielt sich die Hände vors Gesicht und schaute sie durch die Finger an. "Versprich mir einfach nur, dass du dich nicht zu einer so schrulligen Alten entwickelst, wie die wie heißt sie noch mal?"
"Cecily Eden."
Decker lächelte. "Genau, die schrullige alte Cecily mit dem passenden Namen für ihren Garten. Ist Eden wirklich ihr Familienname, oder hat sie ihn nur angenommen, damit er zu ihrem Fimmel passt?"
"Soviel ich weiß, ist es ihr richtiger Name, und sie ist nicht schrullig. Sie ist sehr intelligent - eine pensionierte Mikrobiologin. Sie witzelt immer, dass sie sich vom Züchten von aerobem Material aufs Züchten von Aerides verlegt hat." Rina lachte laut auf. Als Decker keine Antwort gab, stupste sie ihn zart an die Schulter und sagte: "Kleiner Witz unter Gärtnern."Decker versuchte, ernst zu bleiben, gab dann aber auf und lachte mit. Sie war an diesem Morgen so aufgekratzt.
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