Mittelreich - Bierbichler, Josef

Josef Bierbichler 

Mittelreich

Roman

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Mittelreich

Im Ersten Weltkrieg zerschlägt eine feindliche Kugel zuerst den Stahlhelm und dann den Schädel des ältesten Sohnes vom Seewirt. Also muß sein jüngerer Bruder Pankraz das väterliche Erbe antreten. Der überlebt zwar den zweiten großen Krieg, wäre aber trotzdem lieber Künstler als Bauer und Gastwirt geworden. Da braucht es schon einen Jahrhundertsturm, der droht, Haus und Hof in den See zu blasen, damit aus Pankraz doch noch ein brauchbarer Unternehmer und Familienvater wird. Aber als der eigene Sohn ihn später anfleht, ihm die Erziehung im katholischen Internat zu ersparen, versteht er ihn nicht. Zu sehr ist man in diesen Zeiten mit anderem beschäftigt: das Vergangene vergangen sein zu lassen und die Geschäftsbedingungen der neuen Gegenwart zu studieren.
Eine Seewirtschaft in Bayern, bizarre Gäste und eine Familie über drei Generationen, heillos verstrickt ins ungeliebte Erbe. Josef Bierbichler, der große Menschendarsteller des deutschen Theaters und Films, erzählt hundert Jahre Deutschland. Ein Epos über Krieg und Zerstörung, alte Macht und neuen Wohlstand, über die vermeintlich fetten Jahre.


Produktinformation

  • Verlag: (Suhrkamp)
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 391 S.
  • Seitenzahl: 391
  • Best.Nr. des Verlages: 42268
  • Deutsch
  • Abmessung: 215mm x 138mm x 43mm
  • Gewicht: 553g
  • ISBN-13: 9783518422687
  • ISBN-10: 3518422685
  • Best.Nr.: 33381489

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Als Schauspieler schätzt Roman Bucheli Josef Bierbichler sehr, nun überzeugt dieser den Rezensenten mit seinem Debütroman "Mittelreich" auch als Schriftsteller von Rang. Bierbichler erzählt eine schaurige Familiengeschichte von der vorletzten Jahrhundertwende bis in die Nachkriegszeit hinein. Gewaltig imponiert es dem Rezensenten, mit welcher lakonischen Kürze Bierbichler zwei Weltkriege, aus denen die Söhne des Seewirts jeweils versehrt heimkehren und alle ihre künstlerischen Ambitionen im Dienst am Familienunternehmen begraben, in den Blick nimmt. Es ist ein "Jahrhundert der Toten", das der Autor hier zeichnet, und er tut dies mit dem "Pathos der Nüchternheit" und zugleich mit Empathie, die Bucheli tief beeindrucken. Sinnlich, facettenreich und erschütternd zeigt Bierbichler die Spur der Verwüstung, die die Kriege und die nachfolgende beklemmende Totenstille im Leben der Menschen hinterlassen hat, so der Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.09.2011

Die Untergeher
Ach, Heimat: Josef Bierbichler entwirft in seinem Roman „Mittelreich“ ein zeitgeschichtliches Provinz-Panoptikum
Autobiographisch? Natürlich ist dieses Buch nicht autobiographisch, sonst würde es ein lupenreines Mordgeständnis beinhalten und Josef Bierbichler müsste sofort ins Gefängnis. Der junge Mann, Semi heißt er, der in der Geschichte seine demente Mutter umbringt, indem er sich nackt zu ihr ins Bett kuschelt und sie zu Tode küsst, kann nicht der echte Bierbichler sein, auch wenn frappierende Indizien darauf hindeuten, dass der Autor sich selbst porträtiert in diesem Semi. Viel historische und erlebte Wirklichkeit ist in diesem Buch geronnen zu einem Werk, das, je mehr Bierbichler seine Phantasie einsetzt, zu einem mitreißenden Roman wird.
„Mittelreich“ – so der Titel – spielt im Wesentlichen in jener Gastwirtschaft in Ambach am Starnberger See, in der Bierbichler geboren wurde und wo er aufwuchs. Das Wirtshaus, zu dem lange Zeit eine Landwirtschaft gehörte, heißt „Zum Fischmeister“, im Roman ist es der Seewirt. Hier lebt der 63-jährige Bierbichler, wenn er nicht seinem Hauptberuf als Schauspieler an den großen …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.09.2011

Der Seewirt, der alte Sepp und die Deppen

Sanfter ist er nicht geworden, aber doch reif für Suhrkamp: Josef Bierbichler wütet in seinem ersten Roman wie die Axt im Walde gegen Gschaftlhuberei und Nationalsozialismus.

Sepp Bierbichler, der feinfühlige Holzhacker des deutschen Theaters, hat schon manchen groben Klotz gespalten. Regisseure sind Deppen, Schauspieler Idioten, Kritiker sowieso Watschenmänner, und das Publikum ist auch "relativ wurscht". "Das Spiel mit der Sprache und den Figuren, die ich bin", sagt Semi, sein Alter Ego, nachdem er in der Theater-AG des Internats seine Aggressionen dämpfen gelernt hat, "schützt mich davor, zu morden." Dafür zerstückelt er dann aber auf dem Papier Turnvater Ezechiel, der Semis Heimweh am Barren sexuell missbrauchte. Bierbichler ergeht es mit seiner literarischen und theatralischen Wut indes wie mit seinem Wirtshaus am Starnberger See: Je mehr er den Münchner Cabriofahrern und Kulturtouristen den Laberkäs seines Hasses um die Ohren haut, desto zahlreicher und ehrfürchtiger nähern sie sich dem grantelnden Wirt. "Für Talente vom Land gibt es im Kulturbetrieb immer eine erhöhte Aufmerksamkeit", ermunterte …

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"Nun hat Bierbichler einen Roman geschrieben, der in einer klaren, poetischen Sprache von den Schrecken und Torheiten des 20. Jahrhunderts erzählt. Er ist ein Ereignis in diesem Bücherjahr."<br />Wolfgang Höbel Der Spiegel

kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Ein Dorf in Bayern, See, Kirche, Gasthof. Da können die Zeiten vorbeischwimmen, Erster Weltkrieg, Weimar, Nazis, Wirtschaftswunder, der Seewirt sitzt da, trinkt ein Bier und weiß: Nichts wird die eingespielten Hierarchien angreifen. Josef Bierbichler ist von Haus aus Schauspieler, ein Berg von einem Mann, intellektuell, kraftvoll, geprägt von einer tiefen inneren Unruhe. Diese Charaktereigenschaften zeichnen auch sein Romandebüt aus, eine eigentlich unoriginelle Anlage, die Weltgeschichte auf den Mikrokosmos eines Dorfes eindampft. Für diese Geschichte findet Bierbichler aber eine ganz eigene Sprache, die mehr dumpfes Brüten ist als strukturiertes Beschreiben. Das Dorf wird hier zum Organismus, der geprägt ist von Verdrängung - und dass Verdrängung nicht gut ausgehen kann, das wusste schon Freud. "Nun aber war alles wieder da. Alles./Und der Seewirt begriff, dass Kunst Leben ist./Und Leben Geschichte./Und Geschichte Menschheitsgeschichte." Dunkel. Schwer. Groß. (fis)

»Das ist, in kraftvoll realistischer, manchmal auch kleistisch kataraktgleicher Prosa geschrieben, ein Märchen: wie es im Leben manchmal passiert. Doch der große Theater- und Filmschauspieler Josef (Sepp) Bierbichler ... erzählt auch von der Fülle des Scheiterns. Von heillos komischen Katastrophen, von fürchtertlicher deutscher Weltgeschichte, die selbst die Dörfler am oberbayrischen See in ihren erdbraunen, blutigen Fängen hält.«

»Im Grossen und Ganzen ist hier ein Schriftsteller geboren, der, selbst wenn es bei diesem einen Roman bliebe, zu den unvergesslichen Stimmen dieser Jahre gehören wird. Was für ein Kerl. Was für ein Roman!«
Josef Bierbichler, geboren 1948 in Ambach am Starnberger See, ist einer der großen und das deutsche Theater prägenden Schauspieler. Er war "Mein Herbert" in dem Stück seines Freundes Achternbusch, er war Müllers "Philoktet", Marthalers "Faust" und Lopachin in Zadeks "Kirschgarten". Er spielte in Michael Hanekes Filmen "Code Inconnu" und "Das weiße Band", in Jan Schüttes Film "Abschied" den alten Brecht sowie in Hans Steinbichlers "Winterreise".

Kundenbewertungen zu "Mittelreich" von "Josef Bierbichler"

1 Kundenbewertung (Durchschnitt 5 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
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Bewertung von Joachim aus Esslingen am 17.03.2012 ***** ausgezeichnet
Bedrohlich beeindruckend

"Mittelreich" ist ein kraftvoller Roman über das 20. Jahrhundert in der Provinz in Bayern. Viele Szenen sind drastisch bis brutal, die Sprache ist direkt.

Ich fand das Buch bedrohlich, es hat mich tief beeindruckt.

Das ist kein Buch für Menschen mit schwachen Nerven, es geht nicht um die Gute Alte Zeit in der angeblich heilen Provinz..
Auch die katholische Kirche kommt nicht gut weg.

Unbedingt lesenswert!

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