Ein Jahr nach dem Verlust ihres Mannes kriegt Jo Mackenzie so
langsam den Dreh raus als stolze Besitzerin eines florierenden
Wollgeschäftes und alleinerziehende Mutter zweier heranwachsender
Söhne. Doch dann bleibt Jo aus einem romantischen Kurzurlaub mit
dem Fotografen Daniel ein Andenken der besonderen Art - sie ist
schwanger und der Vater dazu auf einmal gaaaanz weit weg.
Gil McNeil hat bereits vier Bestsellerromane veröffentlicht, die teilweise für das britische Fernsehen verfilmt wurden. Sie stammt aus einer Familie exzellenter Strickerinnen und lebt mit ihrem Sohn in Kent. Gil McNeil arbeitet bereits an einer Fortsetzung zu Komme was Wolle sowie an einem Schal und einem besonders kniffligen Pullover.
Leseprobe zu "Mit Liebe gestrickt"
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Es ist Sonntagmorgen halb acht, und ich sitze in der Küche, stricke ein blassrosa Kaninchen und zerbreche mir den Kopf, was ich heute anziehen soll. Bei all diesen Sendungen, in denen Frauen mit schlaffen Haaren und sackartigen Hosen ein kleines Vermögen später mit neuem Haarschnitt und erstklassig aufeinander abgestimmter Garderobe wieder auftauchen, bekommt man nie Tipps, was man anziehen soll, wenn man ein Jahr nach der Beerdigung seines Ehemanns zum Friedhof fährt, um sein Grab zu besuchen. Schon gar nicht in Verbindung mit einem Lunch mit Künstlerin Elizabeth, der früheren Schwiegermutter, die todsicher etwas Elegantes erwartet, wahrscheinlich etwas in Richtung kleines Schwarzes, zur Not auch Dunkelblaues. Und da ich weder ein schwarzes noch ein dunkelblaues Kostüm besitze, stecke ich möglicherweise in der Klemme.
Vielleicht wäre alles halb so schlimm, wenn ich gestern Nacht anständig geschlafen hätte, aber das Geräusch des Windes und der Wellen hat mich wach gehalten. Das ist einer der Nachteile vom Leben am Meer: Es ist wunderschön im Sommer, Strandhütten und massenhaft Tagesgäste, die in den Laden strömen, wenn es anfängt zu nieseln, aber langsam wird mir klar, dass der Winter ziemlich hart sein kann. Ständig eiskalter Nebel und Wind, und wenn es hier stürmt, dann stürmt es richtig. Vielleicht hätte ich nicht ganz so viele Träume, in denen ich als Schiffbrüchige versuche, zwei kleine Jungs über Wasser zu halten, wenn das Haus weiter als zehn Minuten vom Strand entfernt läge.
Gegen zwei bin ich endlich eingedöst und wurde prompt von Archie geweckt, der hereingetrottet kam, um mir mitzuteilen, dass er wieder seinen Weltraummonstertraum hatte. Noch etwas, was nicht ganz so toll ist, wie es laut Packungsbeschreibung klingt: Wie kriegt ein Fünfjähriger es hin, einerseits ein großer, schon zur Schule gehender Junge zu sein, der viel zu alt ist für langärmlige Unterhemden, aber andererseits noch unbedingt sein Nachtlicht und seine Schmusedecke zu brauchen, sobald man es geschafft hat, den kleinen Rabauken in seinen Pyjama zu stecken? Nicht, dass Archie je eine besondere Vorliebe für Schmusedecken hatte - anders als Jack, der sieben ist, aber immer noch sehr an seiner Fischdecke hängt, die ich ihm für sein neues Schlafzimmer am Meer gestrickt hatte -, aber seine Mutter weckt er immer noch gern mitten in der Nacht auf, um ihr von Monstern zu erzählen und über ein eventuelles Bonbon zu verhandeln.
Ich schreibe eine neue Fassung meiner nie endenden Was-zu-erledigen-ist-Liste, während der Regen in Strömen gegen das Küchenfenster prasselt. Bei gestreiften Pullis und kunstvoll drapierten Fischernetzen können wir uns möglicherweise nicht mit Whitstable messen, aber was strömenden Regen angeht ganz bestimmt. In der Hight Street gibt es jetzt eine Kunstgalerie, die durchaus das eine oder andere schicke Teil im Schaufenster ausstellt, wie zum Beispiel eine raffiniert beleuchtete große Holzschale, sodass wir auf diesem Gebiet langsam mithalten können. Außerdem gibt es hier Häuser, die sich normale Menschen leisten können, und einen morschen Pier und frisch gestrichene Strandhütten, die nicht für mehr Geld versteigert werden, als die meisten Menschen für ihr erstes Haus bezahlt haben. Gran hatte ihre jahrelang vermietet, was mich daran erinnert, dass ich noch etwas auf meine Liste setzen muss: Ich muss ein neues Handtuch mitnehmen, wenn wir das nächste Mal zum Strand gehen. Gestern sind wir mit dem nervtötenden Wunderhund Trevor spazieren gegangen, und Archie ist mal wieder im Wasser gelandet.
Ich koche gerade Tee, als Archie, dessen Haare in kleinen Büscheln abstehen, im Pyjama mit umgebundenem Bademantelgürtel nach unten kommt.
"Es ist nicht sinnvoll, nur den Gürtel zu tragen, Schätzchen. Du wirst dich erkälten."
"Nein, werde ich nicht. Ich mag es so, es ist mein Seil, falls ich irgendwo raufklettern muss. Und ich esse keine Shreddies zum Frühstück - ich will Würstchen, nur Würstchen. Ich muss auch keine Shreddies essen, weil Wochenende ist. Und am Wochenende kannst du dir wünschen, was du willst, und kriegst es."
Wie nett; ich glaube, ich bestelle mir Eier Benedict und ein Glas Champagner. Oder vielleicht ein kleines Stück leckeren geräucherten Schellfisch.
Ich genieße gerade mein Fantasiefrühstück in vollen Zügen, als Archie den Kühlschrank inspiziert und empört schnaubt.
"Da sind gar keine Würstchen."
"Ich weiß."
"Warum nicht?"
"Weil du letzte Woche gesagt hast, dass du Würstchen hasst, als wir welche zum Abendessen hatten." Er schnaubt wieder. "Das war doch nur Spaß."
Jack kommt hereingeschlurft und sieht schlecht gelaunt aus. "Ich will keine Würstchen. Ich will Rühreier."
Offenbar betreibe ich eine Art Bed-and-Breakfast für Kinder. Vielleicht sollte ich mir einen kleinen Notizblock und einen Stift besorgen.
"Also, da wir keine Würstchen haben, wie wäre es mit Rühreiern, Archie, bevor wir uns anziehen und zu Granny fahren?"
"Igitt. Letztes Mal hast du doofen Käse reingetan, und sie haben einfach eklig geschmeckt."
"Tja, entweder gibt's Shreddies oder Rühreier. Sonst nichts. Also entscheidet euch."
Er seufzt, während Jack an der Tür steht und aussieht, als würde er noch halb schlafen.
"Mochte Daddy Käse in seinen Rühreiern?"
Mist. In letzter Zeit waren die "Hat mein wunderbarer Vater das auch gemocht?"-Fragen sehr viel seltener geworden, aber eigentlich wundert es mich nicht, dass sie heute wieder auftauchen.
"Ja, Schätzchen, mochte er."
"Also, dann möchte ich meine mit Käse."
Archie zögert.
"Also, ich nicht. Er mochte sie auch ohne Käse, nicht wahr, Mum?"
"Ja, Schätzchen."
"Und es gibt keine Würstchen?"
"Nein."
"Bist du sicher?"
Glaubt er vielleicht, dass ich eine Packung in meinem Bademantel verstecke?
"Ganz sicher, Archie."
"Also, ich nehme Rühreier, und Toast. Aber die Eier nicht auf dem Toast - der soll auf einen Extrateller." Herrjemine.
Ellen ruft an, als ich das Frühstücksgeschirr abwasche.
"Du wirst es nie erraten. Frag mich, wer dich anruft."
"Ich weiß, wer mich anruft, Ellen. Du bist es, Großbritanniens beliebteste Moderatorin."
"Ja, aber frag mich trotzdem. Sag einfach: >Wer ist da?<"
"Wer ist da?"
"Die zukünftige Mrs. Harry Williams. Er hat mich gestern Abend gefragt, als wir beim Dinner waren. Hat einen Kniefall gemacht und alles - hatte sogar einen Ring gekauft. Tiffany. Echte Diamanten. Mit allem Drum und Dran. Es war absolut perfekt."