Im Judentum, Christentum und Islam finden sich unterschiedliche
Theorien zur Beseelung des Menschen; sie sind oftmals entscheidend
sind für die Setzung einer moralisch relevanten Zäsur innerhalb der
menschlichen Ontogenese. Die Frage, ab wann ein Mensch zu einem
Menschen wird, ist auch in maßgeblichen religiösen Schriften genuin
interdisziplinären Ursprungs: Ein natürliches Geschehen wie die
Entstehung eines Menschen wird zunächst innerhalb eines bestimmten
biologischen Weltbildes und Denkhorizontes erfasst und beschrieben,
um jenes Geschehen in einem zweiten Schritt philosophisch oder
theologisch zu deuten. Eine zentrale These ist demnach, dass die
philosophisch-theologischen Interpretationen für den Zeitpunkt der
Beseelung des Menschen von den oft unterschiedlichen biologischen
Grundannahmen einer Epoche beeinflusst sind. Biologische
Grundannahmen sind durch den Fortschritt wissenschaftlicher
Erkenntnis korrigierbar und ihr Verhältnis zu religiösen Motiven
sollte im Licht dieser Erkenntnisse jeweils neu bestimmt werden.
Diese Studie legt die wichtigsten antiken medizinhistorischen
Theorien (z.B. Aristoteles, Hippokrates, Galen) dar. Die Spuren
dieser antiken Weltanschauungen lassen sich in ausgesuchten Texten
der drei monotheistischen Religionen nachweisen. Einige der
wichtigsten jüdischen, christlichen und islamischen Rezeptionen
werden diskutiert. Mögliche normativ relevante, anthropologische
Konsequenzen werden abschließend im Kontext theologischer Motive
gezogen.
Michael Willam, geb. 1978 in Hohenems, studierte in Innsbruck und Rom "Kombinierte Religionspädagogik" und Italienisch. Seit Januar 2004 ist er Stipendiat (zuletzt als Postdoc) im Graduiertenkolleg "Bioethik" am "Interfakultären Zentrum für Ethik in den Wissenschaften" der Universität Tübingen.
Ein Marktplatz-Angebot für "Mensch von Anfang an?" für EUR 23,80
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