Ein Versäumnis wurde für Günter Wallraff zum Schlüsselerlebnis, das
alle seine weiteren Arbeiten bestimmte. 1963 hatte er seinen Antrag
auf Kriegsdienstverweigerung zu spät eingereicht. Er mußte,
obgleich er keine Waffe in die Hand nahm, als "Schütze"
dienen. Dabei lernte er die inhumanen Absurditäten des Drills und
die Pathologien der militärischen Moral hautnah kennen. Trotz
Schikanen und "Bearbeitungen" blieb er bei seiner
Verweigerung und wurde bestraft.Sein Antrag auf
Kriegsdienstverweigerung wurde abgelehnt, und er selbst fand sich
kurz darauf in der neurologisch-psychiatrischen Abteilung eines
Bundeswehrlazaretts wieder. Während dieser ganzen Zeit hat Günter
Wallraff ein Tagebuch geführt, das schon alle unverwechselbaren
Züge seiner Reportagen verrät: Witz, Genauigkeit, Scharfsinn und
Mut. Heinrich Böll ermutigte ihn, das Tagebuch zu veröffentlichen,
und schrieb nach dem Erscheinen den bekannten Brief an Günter
Wallraff, der den Titel Brief an einen jungen Nichtkatholiken hat.
Er wurde ebenso in das Buch aufgenommen wie der aktuelle Beitrag
von Flotillenadmiral Elmar Schmähling zur augenblicklichen
Legitimationskrise der Bundeswehr und das Gespräch zwischen Günter
Wallraff und Jürgen Fuchs über ihre verschiedenen und doch so
gleichen Erfahrungen als Soldaten in den jeweiligen Feindlagern Ost
und West. Mein Tagebuch aus der Bundeswehr erscheint, um zahlreiche
Texte erweitert, zum ersten Mal als Einzelausgabe.
Günter Wallraff, geb. 1942 in Burscheid bei Köln, war zuerst Buchhändler, dann Journalist und Schriftsteller. Heute engagiert er sich vor allem in Ostdeutschland gegen Rechtsradikalismus und Rassismus. Zahlreiche weitere Veröffentlichungen. 2010 wird ihm der Gerty-Spies-Literaturpreis der rheinland-pfälzischen Landeszentrale für politische Bildung verliehen.
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