Mein erstes T-Shirt - Hein, Jakob

Jakob Hein 

Mein erstes T-Shirt

Mit einem Vorwort von Wladimir Kaminer

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Mein erstes T-Shirt

Das Beispiel Jessica Drechser: Was hat sie, was andere nicht haben? Und wie gelangt man als schmalbrüstiger Komiker in den Besitz des Poesiealbums von Claudia Ross? Das Leben steckt voller Geheimnisse, und unser jugendlicher Held Jakob Hein macht sichdaran, sie zu lüften. Er bietet jeder Herausforderung die Stirn, besäuft sich mit einem Getränk namens 'Grüne Wiese' und stellt sich tapfer den zersägten Schweinehälften im Fleischkombinat Berlin. Jakob Hein erzählt die tollsten Geschichten, ungeschminkt, schwärmerisch und gnadenlos witzig - von der mobilen Wahlurne bis zu den intimen Details seiner Jugend, wie dem ersten T-Shirt, das eigentlich ein Nicki war.


Produktinformation

  • Verlag: PIPER
  • Sonderausg.
  • Seitenzahl: 149
  • Deutsch
  • Abmessung: 195mm x 123mm x 20mm
  • Gewicht: 246g
  • ISBN-13: 9783492047227
  • ISBN-10: 349204722X
  • Best.Nr.: 13263274
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Jakob Heins Geschichtenband könnte ein ähnlicher Erfolg beschieden sein wie Florian Illies' "Generation Golf". Nicht nur, weil er so schön pointiert und witzig die Kindheit, Schulzeit und Pubertät seiner Altersgenossen Revue passieren lässt. Hein wirft einen sanften Blick auf die Reste der DDR-Kultur und den sozialistischen Alltag zwischen illegalen Punkkonzerten, mobilen Wahlurnen, Sekundärrohstoffsammlungen und ersten Besäufnissen. Keine zynische Abrechung, eher ein hintersinniges Kramen in der Erinnerung. Herausgekommen sind kleine, feine Geschichten über eine ganz normale Jugend, deren Absurditäten, Peinlichkeiten und intimen Höhepunkte jeder auf seine - und ziemlich ähnliche - Art erlebt hat. Ob erste Liebe oder ein Ausflug ins Fleischkombinat Berlin: zu wahrhaftig, um pure Erfindung zu sein - und viel zu gut, zu einfallsreich und zugespitzt, um einfach nur schlichte Nacherzählung des Lebens zu sein. (ascho)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 01.12.2001

Darauf eine Grüne Wiese
Jakob Heins Ost-Berliner Jugend · Von Friedmar Apel

Jakob Hein ist Arzt an der Charité und 1971 geboren. Weil also seine Jugend schon ein Weilchen her ist und die DDR auch, schreibt er gern seine schönsten Erlebnisse in Elternhaus, Kindergarten, Schule und Patenschaftsbetrieb auf. Die liest er dann sonntags auf der Reformbühne "Heim und Welt" vor. Jetzt sind sie endlich als Buch erschienen. Dafür hat ihm sein Freund Wladimir Kaminer ein Vorwort geschrieben. Darin teilt er mit, Hein gebe sich gelegentlich "als großer Freidenker, Dissident und Philosoph, eine Mischung aus Charles Bukowski und Heiner Müller, der in der DDR politisch aktiv war und wie viele seiner Zeitgenossen auf beiden Seiten der Barrikade kämpfte".

Das soll vermutlich so "gnadenlos witzig" sein wie die "Russendisko" und Heins Geschichten. Die sind aber auch lehrreich. Sie zeigen nämlich, daß eine Ost-Berliner Jugend um 1980 ziemlich genau so war wie eine West-Berliner Jugend um 1960. Man benutzte Adjektive und Adverbien wie "schau", "schnafte" und "tüffig" und schrieb Mädchen häßliche Sachen ins Poesiealbum. Die Lehrer waren autoritäre …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.11.2001

Generation Trabant
Jakob Hein erzählt vom Aufwachsen in der schon mürben DDR
Über die Generation Golf sind wir gut informiert. Wenig Konflikte, viel Fürsorge gab’s in der Kindheit und Jugend der West- Dreißigjährigen, und am Ende der Adoleszenz verfügte das Individuum dann zumindest über ein ausgeprägtes Markenbewusstsein: Lieber Boss- als Witboy- Jeans. So war’s im Westen. Doch wie war’s im Osten? Jakob Hein, 1971 geboren und in Ost-Berlin aufgewachsen, erzählt aus dem Leben der Generation Trabant. Er zeigt die andere Seite der Medaille, die sich von der glänzenden Westseite jedoch gar nicht so sehr unterscheidet. Kindheit und Jugend waren im Westen wie im Osten offensichtlich gut behütet, und vielleicht erinnern sich die heute Dreißigjährigen deshalb so gerne und so wehmütig an die just vergangene Zeit. Allerdings tarnt sich die Wehmut früherer Generationen dabei meist als Ironie.
In seinen kurzen, zwei bis fünf Seiten umfassenden Geschichten agiert Jakob Heins Ich-Erzähler vor einer grau schraffierten Landschaft, in der – wir befinden uns in der DDR der Endsiebziger und Achtziger Jahre – die einstigen Ideale und Autoritäten nur …

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»Er hat als versierter Stolperer einen Sinn für Situationskomik und versteht es, im Alltäglichen die schrägen Momente zu entdecken.« Süddeutsche Zeitung
Jakob Hein, geb. 1971 in Leipzig. 1977 hat er die ersten Geschichten geschrieben und seiner Mutter vorgelesen. Seine erste Regiearbeit wurde 1982 beim 'Fest der jungen Talente' mit einer Urkunde ausgezeichnet. 1988 entdeckte er die Möglichkeit, seine Geschichten auch anderen Leuten als seiner Mutter vorzulesen. Das macht er jetzt jeden Sonntag in der Reformbühne 'Heim und Welt' im Berliner 'Kaffee Burger'. Jedes Frühjahr moderiert er die 'Lesershow' im Roten Salon in der Volksbühne. In Wirklichkeit ist er Arzt an der Berliner Charite.

Leseprobe zu "Mein erstes T-Shirt" von Jakob Hein

"Es begann bei mir wie bei den meisten, es begann mit einer Gitarre. Christian aus meiner Klasse hatte im Keller eine E-Gitarre gefunden und mußte uns allen davon erzählen. Er war der Typ, der immer jedem etwas echt Wertvolles borgen oder etwas weniger Wertvolles schenken wollte. Seit dem Kindergarten hatte er nicht gelernt, daß man so keine Freunde gewinnen konnte.Jetzt glaubte er wieder einen Grund gefunden zu haben, uns in der Raucherecke zu belästigen. Eigentlich rauchte er auch und hatte immer Zigaretten dabei, aber ob man in der Raucherecke stehen durfte oder nicht, hatte ja nichts mit Rauchen zu tun. Sogar manche Mädchen durften dabeisein, wenn sie zum Beispiel schwarz gefärbte Haare hatten, total auf diesen ganzen Schönheitskult schissen und außerdem nicht gerade stockhäßlich waren. Jedenfalls kam Christian in die Raucherecke und tönte groß herum, er habe eine Stromgitarre von seinem Vater gefunden. Wir sagten, daß er sich verpissen so ll.Nach der Schule ging ich immer ein Stück gemeinsamen Weg mit ihm. Wenn niemand anders mit war, vor allem keins von den Mädchen, die sich total nicht für Jungs und den ganzen Scheiß interessierten, unterhielt ich mich dann auch mit Christian. Ich fragte ihn, was das mit der Gitarre heute denn eigentlich gesollt habe. Sofort fing er an, die Gitarre zu beschreiben und wie er die seinem "Alten" klauen könnte und daß er so was schon öfter gemacht hat usw. Er war wirklich nicht besonders cool. Dann sagte ich ein paar Sätze, die ganz klarmachten, daß ich mich total gut mit E-Gitarren auskannte. Ich flocht Worte wie "Stratocaster" und "Plektron" in meine Sätze und sagte zum Beispiel: "Hat das Gerät zwei oder drei Tonabnehmer?" "Du kennst dich ja gut mit den Dingern aus, fast so wie Florian", sagte Christian. "Flo!" Ich konnte nur lachen, "der kennt doch den Unterschied zwischen einer A-Saite und einer K-Saite nicht. Aber wenn du willst, kann ich mir das Teil ja mal anschaun." "Das hat mi r Florian auch schon angeboten." Flo, dieser alte Arsch! Wollte mir meine Gitarre wegnehmen, obwohl er noch nicht mal einen gemeinsamen Heimweg mit dem Loser hatte. Ich machte mir sofort Zeit und ging mit zu Christian nach Hause.Ich möchte über das Haus von ihm hier nichts Schlechtes sagen, in Kurzform: seine Eltern waren Zahnärzte. Sein Zimmer war dekoriert mit Plakaten von laschen Heavy-Metal-Kapellen, busenlosen Tittenmäuschen und schlecht angezogenen Popstars. Eigentlich war er ganz o. k., wenn man sich mal nicht so sicher war, dann mußte man nur Christian fragen, ob es ihm gefiel. Sein Geschmack war immer und mit Sicherheit out. Ich hatte Angst, wenn ich zu lange in seinem Zimmer sitzen würde, könnte ich mich an irgendeinen von den Gegenständen dort gewöhnen. Ich wollte sofort hinunter in den Keller.Es war der ordentlichste Keller, den ich je gesehen hatte. Es gab einen richtigen Fußboden und Licht. Die Decke war hoch, und alles war nicht nur aufgeräumt, sondern auch blütensaube r. Es gab einen Tisch mit einem Aschenbecher darauf, wo Christians Vater im Winter rauchen durfte, wenn es auf der Veranda zu kalt war. Christian holte die Gitarre aus einem Schrank hervor, anstatt sie aus irgendeinem Stapel alter Kisten zu zerren. Es war der gruseligste Keller, den ich je gesehen hatte. Die Gitarre war ein Traum! Drei Tonabnehmer und ungeheuer viele Schiebe- und Drehregler! Das Beste daran war, daß Klinkenbuchsen dran waren, ich also berechtigte Hoffnung hatte, Kabel und Stecker dafür zu bekommen. Denn daß es meine Gitarre war, daran gab es für mich keinen Zweifel mehr: Sie war schwarz und verchromt, war schwer und hatte einen Lederriemen ..."

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