Maurice, der Kater - Pratchett, Terry

Terry Pratchett 

Maurice, der Kater

Ein Märchen von der Scheibenwelt. Ausgezeichnet mit der Carnegie Medal 2001

Aus d. Engl. v. Andreas Brandhorst
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Maurice, der Kater

Herr Wunder Maurice - ein geschäftstüchtiger Kater - ist auf der Scheibenwelt mit einer ganz besonderen Truppe unterwegs: mit Ratten, die intelligent geworden sind, weil sie von den Abfällen der magischen Unsichtbaren Universität fraßen. Maurice lässt den stillen, bescheidenen Jungen Keith in die Rolle des Flötenspielers schlüpfen, um die Bewohner verschiedener Scheibenwelt-Städte hereinzulegen. Erst wird eine zünftige Rattenplage veranstaltet, dann folgt die Befreiung mit Hilfe des Flötenspielers. Später teilen sie sich das Geld. Alles geht gut, bis die Ratten auf ein Buch der Menschen stoßen. "Herr Schlappohr hat ein Abenteuer", das bei ihnen ein soziales Gewissen und auch nationalen Ehrgeiz weckt. Sie beschließen, ein eigenes Königreich zu gründen. Denn es muss doch mehr geben im Leben einer Ratte, als in den Abfällen der Menschen zu wühlen und ihre Fallen zu meiden. Man entscheidet, noch eine letzte Plage stattfinden zu lassen, bevor sich die Ratten ihren neuen Ambitionen widmollen. Doch in Bad Blintz, einem Ort in Überwald, treffen sie auf überraschende Probleme ....

Der klevere Kater Maurice hat das perfekte Geschäft laufen. Er hat einen Flötenspieler und seine eigene Rattenplage an der Hand und vor allen Dingen, er hat einen Plan...



Produktinformation

  • Verlag: GOLDMANN
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 285 S.
  • Seitenzahl: 288
  • Goldmann Taschenbücher Bd.45513
  • Deutsch
  • Abmessung: 186mm x 118mm x 22mm
  • Gewicht: 223g
  • ISBN-13: 9783442455133
  • ISBN-10: 3442455138
  • Best.Nr.: 14151093
"Er ist zum Schreien komisch. Er ist weise. Er hat Stil."

"Erneut persifliert Terry Pratchett Welt und Menschen auf seine ganz einzigartige, satirische Weise." Rheinischer Merkur
Andreas Brandhorst, 1956 im norddeutschen Sielhorst geboren, schrieb bereits in jungen Jahren phantastische Erzählungen für deutsche Verlage. Andreas Brandhorst lebt als freier Autor und Übersetzer in Norditalien.

Leseprobe zu "Maurice, der Kater" von Terry Pratchett

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Leseprobe zu "Maurice, der Kater" von Terry Pratchett

Ratten!

Sie jagten die Hunde und bissen die Katzen, sie ...

Aber das war längst nicht alles. Wie Wunder Maurice sagte: Es war nur eine Geschichte über Leute und Ratten. Und der schwierige Teil bestand darin herauszufinden, wer die Leute waren und wer die Ratten.

Aber Malizia Grimm meinte, es wäre eine Geschichte über Geschichten.

Sie begann - ein Teil von ihr begann - in der Postkutsche, die von den fernen Städten in der Ebene kam und durch die Berge rollte.

Diesen Teil der Reise mochte der Kutscher nicht. Die Straße wand sich durch Wälder und um Berge herum. Tiefe Schatten lauerten zwischen den Bäumen. Manchmal glaubte der Kutscher, dass etwas der Kutsche folgte und darauf achtete, außer Sichtweite zu bleiben. Ihm wurde ganz mulmig zumute.

Und bei dieser Reise wurde ihm noch viel mulmiger, als er hinter sich Stimmen hörte. Er war ganz sicher. Sie kamen vom Dach der Kutsche, und dort gab es nichts weiter als die alten Postsäcke aus Ölzeug und das Gepäck des Jungen, nichts davon groß genug, dass sich jemand darin verstecken könnte. Und doch glaubte der Kutscher, quiekende Stimmen zu hören, die miteinander flüsterten.

In der Kutsche war nur ein Fahrgast. Der blonde Junge saß ganz allein in der schaukelnden Kabine und las ein Buch. Er las langsam und laut, strich dabei mit dem Finger über die Wörter.

"Ubberwald", las er.

"Das heißt 'Überwald', sagte eine kleine, quiekende, aber sehr klare Stimme. "Die beiden Punkte machen das U zu einem Uuueee. Aber du machst das ganz gut."

"Uuuueeeeberwald?"

"Man kann es mit der Betonung auch übertreiben, Junge", ertönte eine andere Stimme. Sie klang schläfrig. "Aber weißt du, was an Überwald so gut ist? Die große Entfernung von Sto Lat. Und von Pseudopolis. Überwald ist von überall weit entfernt, wo ein Kommandeur damit drohen könnte, uns bei lebendigem Leib zu kochen, wenn er uns noch einmal erwischt. Und Überwald ist nicht sehr modern. Schlechte Straßen. Viele Berge, die im Weg sind. Die Leute hier kommen nicht viel herum. Nachrichten breiten sich sehr langsam aus, verstehst du? Und wahrscheinlich gibt's hier keine Polizisten. Wir können ein Vermögen verdienen, Junge!"

"Maurice?", fragte der Junge vorsichtig.

"Ja?"

"Was wir tun ... Du glaubst doch nicht, dass es, du weißt schon, unehrlich ist, oder?"

Es folgte eine kurze Pause, bevor die Stimme erwiderte: "Was meinst du mit unehrlich?"

"Nun ... wir nehmen ihr Geld, Maurice." Die Kutsche schlingerte, als ein Rad durch ein Schlagloch rollte.

"Na schön", sagte der unsichtbare Maurice, "aber du musst dich fragen: Von wem nehmen wir das Geld?"

"Nun ... meistens stammt es vom Bürgermeister oder dem Stadtrat oder so."

"Genau! Und das bedeutet, es ist ... was? Ich habe dir das schon einmal erklärt."

"Äh ..."

"Es ist das Geld der Re-gie-rung, Junge", sagte Maurice geduldig. "Wiederhol es: das Geld der Re-gie-rung."

"Das Geld der Re-gie-rung", wiederholte der Junge ge­horsam.

"Genau! Und was machen Regierungen mit Geld?"

"Äh, sie ..."

"Sie bezahlen Soldaten", sagte Maurice. "Sie führen Kriege. Wahrscheinlich haben wir viele Kriege verhindert, indem wir das Geld nahmen und dorthin brachten, wo es keinen Schaden anrichten kann. Die Leute würden uns Denkmäler setzen, wenn sie genauer darüber nachdächten."

"Einige der Orte schienen sehr arm zu sein, Maurice", erwiderte der Junge skeptisch.

"Dann sind es genau die Orte, die keine Kriege brauchen."

"Gefährliche Bohnen meint, es ist ..." Der Junge konzentrierte sich, und seine Lippen bewegten sich, bevor er das Wort formulierte; er schien die Aussprache erst auszuprobieren. "... un-e-thisch."

"Das stimmt, Maurice", quiekte eine Stimme.

"Gefährliche Bohnen meint, wir sollten nicht von Gaunereien leben."

"Hör mal, Pfirsiche, Gaunereien entsprechen dem menschlichen Wesen", sagte Maurice. "Menschen sind so erpicht darauf, sich gegenseitig hereinzulegen, dass sie Regierungen wählen, die das für sie erledigen. Wir geben ihnen was für ihr Geld. Sie bekommen eine schreckliche Rattenplage, sie bezahlen einen Flötenspieler, die Ratten folgen dem Jungen aus der Stadt, hoppeldihopp, Ende der Rattenplage, alle sind froh, dass niemand mehr ins Mehl pinkelt, der Stadtrat wird von der dankbaren Bevölkerung wiedergewählt, ein Fest findet statt. Gut investiertes Geld, wenn du mich fragst."

"Aber es gibt doch nur eine Plage, weil wir das die Leute glauben lassen", sagte Pfirsiche.

"Nun, meine Liebe, Regierungen geben ihr Geld noch für etwas anderes aus, nämlich Rattenfänger, verstehst du? Eigentlich weiß ich gar nicht, warum ich mich mit euch abgebe."

"Ja, aber wir ..."

Sie merkten, dass die Kutsche angehalten hatte. Draußen im Regen klirrte das Pferdegeschirr. Dann schwankte die Kutsche ein wenig, und man hörte das Geräusch laufender Füße.

Eine Stimme aus der Dunkelheit fragte: "Sind irgendwelche Zauberer dort drin?"

Die verwirrten Fahrgäste musterten sich gegenseitig.

"Nein", erwiderte der Junge, und das "Nein" bedeutete so viel wie: "Warum fragst du?"

"Was ist mit Hexen?", fragte die Stimme.

"Nein, keine Hexen", antwortete der Junge.

"Na schön. Sitzen dort drin schwer bewaffnete Trolle in Diensten der Postkutschengesellschaft?"

"Das bezweifle ich", sagte Maurice.

Eine Pause schloss sich an, gefüllt vom Geräusch des Regens.

"In Ordnung, was ist mit Werwölfen?", erkundigte sich die Stimme schließlich.

"Wie sehen die aus?", fragte der Junge.

"Äh, sie sehen ganz normal aus, bis ihnen plötzlich Haare und Zähne und große Pranken wachsen, und dann springen sie durchs Fenster und greifen an", entgegnete die Stimme.

"Wir alle haben Haare und Zähne", sagte der Junge.

"Dann seid ihr also Werwölfe?"

"Nein."

"Gut, gut." Wieder folgte eine Pause, als ginge der verborgene Sprecher eine Liste durch. "Na schön, Vampire", sagte er. "Es ist eine ziemlich feuchte Nacht, bei solch einem Wetter wollt ihr sicher nicht fliegen. Sind Vampire da drin?"

"Nein!", sagte der Junge. "Wir sind vollkommen harmlos!"

"Meine Güte", brummte Maurice und kroch unter den Sitz.

"Da bin ich erleichtert", sagte die Stimme. "Heutzutage kann man nicht vorsichtig genug sein. Es treiben sich viele seltsame Leute herum." Eine Armbrust wurde durchs Fenster geschoben, und die Stimme fügte hinzu: "Geld und Leben. Heute ist beides inbegriffen."

"Das Geld ist im Koffer auf dem Dach."

Maurices Stimme erklang in Bodenhöhe.

Der Straßenräuber blickte ins dunkle Innere der Kutsche. "Wer hat das gesagt?", fragte er.

"Äh, ich", erwiderte der Junge.

"Ich habe nicht gesehen, wie sich deine Lippen bewegt haben, Junge!"

"Das Geld ist auf dem Dach. Im Koffer. Aber an deiner Stelle würde ich nicht ..."

"Ha, na klar würdest du's nicht", sagte der Straßenräuber. Sein maskiertes Gesicht verschwand vom Fenster.

Der Junge griff nach der Flöte, die auf dem Sitz neben ihm lag. Es war eine einfache Blechflöte.

"Spiel 'bewaffneter Raubüberfall', Junge", sagte Maurice ruhig.

"Könnten wir ihm nicht einfach das Geld geben?", erklang die Stimme von Pfirsiche. Es war eine kleine Stimme.

"Geld ist dazu da, dass die Leute es uns geben", sagte Maurice streng.

Sie hörten ein Kratzen, als der Straßenräuber den Koffer vom Dach der Kutsche zog.

Der Junge setzte gehorsam die Flöte an die Lippen und blies einige Töne. Darauf folgten unterschiedliche Geräusche: ein Knacken, ein Pochen, ein Schlurfen und dann ein sehr kurzer Schrei.

Als es still wurde, kletterte Maurice auf den Sitz und streckte den Kopf durchs Fenster in die dunkle, regnerische Nacht. "Gut", sagte er. "Du bist vernünftig. Je mehr du dich bewegst, desto fester beißen sie. Du blutest noch nicht, oder? Gut. Komm ein wenig näher, damit ich dich sehen kann. Aber vorsichtig, klar? Wir wollen doch nicht, dass jemand in Panik gerät."

Der Straßenräuber kehrte ins Licht der Kutschenlampen zurück. Er ging ganz langsam und vorsichtig, die Beine weit auseinander. Und er wimmerte leise.

"Ah, da bist du ja", sagte Maurice fröhlich. "Sie sind in den Hosenbeinen nach oben gelaufen, nicht wahr? Typischer Rattentrick. Nick einfach nur, denn wir wollen ja nicht, dass sie erneut zubeißen. Wer weiß, wohin das führen würde."

Der Straßenräuber nickte ganz langsam. Dann kniff er die Augen zusammen. "Du bist eine Katze?", brachte er hervor. Und dann verdrehte er die Augen und schnappte nach Luft.

"Habe ich dich zum Reden aufgefordert?", fragte Maurice. "Ich glaube nicht, dass ich dich zum Reden aufgefordert habe. Ist der Kutscher weggelaufen, oder hast du ihn umgebracht?" Das Gesicht des Mannes blieb leer. "Ah, du lernst schnell, das gefällt mir an einem Straßenräuber", sagte Maurice. "Du darfst die Frage beantworten."

"Er ist weggelaufen", sagte der Straßenräuber heiser.

Maurices Kopf kehrte ins Innere der Kutsche zurück. "Was haltet ihr davon?", fragte er. "Eine Kutsche, vier Pferde, vermutlich einige Wertsachen in den Postsäcken ... vielleicht, äh, tausend Dollar oder mehr. Der Junge könnte die Kutsche lenken. Es ist einen Versuch wert."

"Das ist stehlen, Maurice", erwiderte Pfirsiche. Sie saß auf dem Sitz neben dem Jungen. Sie war eine Ratte.

"Nicht stehlen in dem Sinne", sagte Maurice. "Mehr wie ... finden. Der Kutscher ist weggelaufen. Man könnte also von einer ... Bergung sprechen. He, gar keine schlechte Idee. Wir könnten die Kutsche zurückbringen, um die Belohnung zu kassieren. Das ist viel besser. Und auch legal. Na?"

"Die Leuten würden zu viele Fragen stellen", sagte Pfirsiche.

"Wenn wir sie hier zurücklassen, klaut sie jemand njaulp", jammerte Maurice. "Ein Dieb bringt sie weg! Ist doch viel besser, wenn wir sie nehmen. Wir sind keine Diebe."

"Wir lassen sie hier, Maurice", sagte Pfirsiche.

"Dann stehlen wir eben das Pferd des Straßenräubers", meinte Maurice, als könnte die Nacht nicht richtig zu Ende gebracht werden, ohne etwas zu stehlen. "Einem Dieb etwas zu klauen, ist kein richtiges Stehlen, denn es gleicht sich aus."

"Er hat nicht ganz Unrecht", wandte sich der Junge an Pfirsiche. "Wir können nicht die ganze Nacht hier bleiben."

"Das stimmt", sagte der Straßenräuber rasch. "Ihr könnt nicht die ganze Nacht hier bleiben!"

"Stimmt", kamen Stimmen aus seinen Hosenbeinen. "Wir können nicht die ganze Nacht hier bleiben!"

Maurice seufzte und streckte wieder den Kopf aus dem Fenster. "Na schön", sagte er. "Wir machen es so. Du stehst ganz still, blickst starr geradeaus und versuchst keine Tricks, denn wenn du irgendwelche Tricks versuchst, brauche ich nur ein Wort zu sagen ..."

"Sag es nicht!", stieß der Straßenräuber mit noch mehr Nachdruck hervor.

"Na schön", sagte Maurice. "Und wir nehmen dein Pferd als Strafe, und du kannst die Kutsche haben, denn das ist stehlen, und so was dürfen nur Diebe. In Ordnung?"

"Was immer du sagst!", erwiderte der Straßenräuber. Er überlegte kurz und fügte hastig hinzu: "Aber bitte sag nichts!" Er blickte starr geradeaus und sah, wie der Junge und die Katze ausstiegen. Er hörte verschiedene Geräusche hinter sich, als sie das Pferd nahmen. Und er dachte an das Schwert. Sicher, bei diesem Geschäft bekam er eine ganze Postkutsche, aber es gab auch so etwas wie Berufsstolz.

"Na schön", erklang nach einer Weile die Stimme der Katze. "Wir verlassen dich jetzt, und du musst versprechen, dich nicht zu bewegen, bis wir weg sind, einverstanden?"

"Ihr habt mein Ehrenwort als Dieb", sagte der Straßenräuber und senkte die rechte Hand zum Schwertknauf.

"Gut", entgegnete die Katze. "Wir vertrauen dir natürlich."

Der Mann spürte, wie seine Hose leichter wurde, als die Ratten hinausrutschten und sich davonmachten. Er vernahm das Klirren des Pferdegeschirrs. Er zögerte noch einige Sekunden, drehte sich dann um, zog das Schwert und lief los.

Besser gesagt: Er wollte loslaufen. Stattdessen fiel er und prallte schwer auf den Boden, weil ihm jemand die Schnürsenkel zusammengebunden hatte.

Man hielt ihn gewissermaßen für ein Wunder. Herr Wunder Maurice, so nannte man ihn. Er hatte nie ein Wunder sein wollen. Es war einfach geschehen.

An jenem Tag hatte er gemerkt, dass etwas nicht stimmte, als er kurz nach dem Mittagessen sein Spiegelbild in einer Pfütze sah und dachte: Das bin ich. Zuvor war er sich seiner selbst nicht bewusst gewesen. Er erinnerte sich kaum daran, wie er gedacht hatte, bevor er zu einem Wunder wurde. Sein Geist schien damals eine Art Suppe gewesen zu sein.

Und dann waren da die Ratten, die unter dem Müllhaufen in der einen Ecke seines Reviers gelebt hatten. Ihm war klar geworden, dass sie etwas Gebildetes an sich hatten, als er eine von ihnen fing, und die Ratte sagte: "Können wir darüber reden?" Ein Teil seines wundersamen neuen Gehirns teilte ihm mit, dass man niemanden verspeisen durfte, der sprechen konnte. Zumindest sollte man sich zunächst anhören, was der Betreffende zu sagen hatte.

Jene Ratte war Pfirsiche gewesen. Sie war nicht wie andere Ratten, ebenso wenig wie Gefährliche Bohnen, Zutritt Verboten, Sonnenbraun, Gekochter Schinken, Sonderangebot, Gifti und all die anderen. Aber auch Maurice war nicht mehr wie andere Katzen.

Die Ratten verbrachten viel Zeit damit, sich zu fragen, was sie plötzlich so schlau gemacht hatte. Maurice hielt das für Zeitverschwendung. Dinge geschahen. Aber die Ratten überlegten dauernd, ob es an etwas aus dem Müllhaufen lag, das sie gefressen hatten, und selbst Maurice begriff, dass dies nicht seine Veränderung erklärte, denn er hatte nie Müll verspeist. Von dem Müllhaufen hätte er ganz gewiss nichts gefressen, denn er wusste, woher das Zeug stammte ...

Er hielt die Ratten offen gestanden für doof. Na schön, sie waren schlau, aber auch doof. Maurice hatte vier Jahre lang in den Straßen überlebt, kaum mehr Ohren übrig und überall Narben an der Schnauze. Er war gerissen. Wenn er ging, stolzierte er so sehr, dass er langsamer werden musste, um sich nicht selbst zu Fall zu bringen. Wenn er den Schwanz aufplusterte, gingen die Leute darum herum. Man musste gerissen sein, um vier lange Jahre in den Straßen zu überleben, vor allem, wenn man den Hundebanden und den freiberuflichen Kürschnern begegnete.

Man musste auch reich sein. Es war nicht leicht gewesen, das den Ratten zu erklären. Maurice hatte die Stadt durchstreift und gelernt, wie die Dinge funktionierten. Geld war der Schlüssel zu allem, betonte er.

Und dann hatte er eines Tages den dumm wirkenden Jungen gesehen, der auf seiner Flöte spielte, mit der umgedrehten Mütze auf dem Pflaster, in der Hoffnung, die eine oder andere Münze zu bekommen. Und plötzlich hatte Maurice eine Idee. Eine wundervolle Idee. Sie kam ganz plötzlich, war - zack! - auf einmal da. Ratten, Flöte, dumm aussehender Junge ...

Und er hatte gesagt: "He, dumm aussehender Junge! Was hältst du davon, viel Geld zu verdienen ... Nein, Junge, ich bin hier unten ..."

Der Morgen dämmerte, als das Pferd des Straßenräubers aus dem Wald kam, einen Pass überquerte und dann stehen blieb.

Unten erstreckte sich ein Flusstal mit einem Ort, der sich an die Klippen schmiegte.

Maurice kletterte aus der Satteltasche und streckte sich. Der dumm aussehende Junge half den Ratten aus der anderen Satteltasche. Sie hatten die Nacht zusammengedrängt auf dem Geld verbracht und waren zu höflich, um den Grund dafür zu nennen: Niemand von ihnen wollte in der gleichen Satteltasche schlafen wie eine Katze.

"Wie heißt der Ort, Junge?", fragte Maurice, setzte sich auf einen Felsen und blickte ins Tal. Hinter ihm zählten die Ratten erneut das Geld und stapelten die Münzen neben dem Lederbeutel. Sie zählten es jeden Tag. Zwar hatte Maurice keine Taschen, aber etwas an ihm weckte in allen den Wunsch, so oft wie möglich den Bestand des Geldes zu überprüfen.

Der Junge sah im Reiseführer nach. "Er heißt Bad Blintz", sagte er.

"Ähem ... sollten wir einen bösen Ort aufsuchen?", fragte Pfirsiche und sah von den Münzen auf. "Ich meine, 'bad' heißt doch böse, oder?"

"Oh, die kleine Stadt dort unten heißt nicht Bad, weil sie böse ist", sagte Maurice. "In der ausländischen Sprache ist damit ein Bad oder Badezimmer gemeint, verstehst du?"

"Der Ort heißt also eigentlich Badezimmer Blintz?", fragte Zutritt Verboten.

"Nein, nein, er heißt Bad, weil ..." Herr Wunder Maurice zögerte, aber nur kurz. "Weil es dort ein Badezimmer gibt. Hier ist alles sehr rückständig. Es gibt nicht viele Bäder, und deshalb sind die Bewohner so stolz und wollen ganz deutlich darauf hinweisen, dass sie ein Bad haben. Vermutlich muss man Eintrittskarten kaufen, um es zu sehen."

"Stimmt das, Maurice?", fragte Gefährliche Bohnen. Er stellte die Frage ganz höflich, aber es bestand kein Zweifel daran, dass sie in Wirklichkeit lautete: "Ich glaube nicht, dass das stimmt, Maurice."

Ah, ja ... Gefährliche Bohnen. Ein schwieriger Bursche. Und das hätte er eigentlich nicht sein sollen. Damals, vor der Veränderung, wäre Maurice nicht einmal bereit gewesen, eine so kleine, blasse und krank aussehende Ratte zu fressen. Er blickte auf die Albinoratte mit dem schneeweißen Fell und den rosaroten Augen hinab. Gefährliche Bohnen erwiderte den Blick nicht, weil er zu kurzsichtig war. Fast blind zu sein war kaum ein Nachteil für Geschöpfe, die den größten Teil ihrer Zeit in der Dunkelheit verbrachten und über einen Geruchssinn verfügten, der, soweit Maurice wusste, fast so gut war wie Sehen, Hören und Sprechen zusammen. Wenn er sprach, wandte sich Gefährliche Bohnen ihm immer zu, als könnte er ihn ganz genau sehen. Es war geradezu unheimlich. Maurice hatte eine blinde Katze gekannt, die immer wieder gegen Türen stieß, aber Gefährliche Bohnen passierte so etwas nie.

Gefährliche Bohnen war nicht das Oberhaupt der Ratten. Diese Rolle kam Gekochter Schinken zu, der groß, grimmig und ein wenig schäbig war. Ihm gefiel das neumodische Gehirn nicht, und noch weniger gefiel es ihm, mit einer Katze zu reden. Er war schon recht alt gewesen, als es zu der Veränderung kam, und er glaubte, zu alt zu sein, um sich ihr anzupassen. Das Reden mit Maurice überließ er Gefährliche Bohnen, der unmittelbar nach der Veränderung geboren worden war. Und diese kleine Ratte war clever, verdammt clever, zu clever. Maurice musste auf alle seine Tricks zurückgreifen, wenn er es mit Gefährliche Bohnen zu tun bekam.

"Es ist erstaunlich, wie viel ich weiß", sagte Maurice und blinzelte langsam. "Wie dem auch sei: Scheint ein netter Ort zu sein. Sieht recht wohlhabend aus. Also, wir gehen folgendermaßen vor ..."

"Ähem ..."

Maurice hasste dieses Geräusch. Wenn es ein schlimmeres Geräusch gab als Gefährliche Bohnen, der eine seiner lästigen Fragen stellte, so war es die sich räuspernde Pfirsiche. Es bedeutete, dass sie mit ruhiger Stimme etwas sagen würde, das ihn ärgerte.

"Ja?", fragte er scharf.

"Musst du wirklich damit weitermachen?", fragte Pfirsiche.

"Nein, natürlich nicht", erwiderte Maurice. "Ich müsste überhaupt nicht hier sein. Ich bin eine Katze. Eine Katze mit meinen Talenten? Ha! Ich könnte einen gemütlichen Job bei irgendeinem Zauberkünstler haben. Oder bei einem Bauchredner. Es gibt zahllose Dinge, mit denen ich mich beschäftigen könnte, denn die Leute mögen Katzen. Aber weil ich unglaublich dumm und außerdem gutherzig bin, habe ich beschlossen, einigen Nagetieren zu helfen, die, lasst uns offen sein, bei den Menschen nicht sehr beliebt sind. Einige von euch ..." - bei diesen Worten blickte Maurice kurz zu Gefährliche Bohnen - "... haben die Idee, irgendeine Insel aufzusuchen und dort eine Art Rattenzivilisation zu gründen. Das ist ein sehr bewundernswertes Vorhaben, zweifellos, aber um eure Pläne zu verwirklichen, braucht ihr ... Na, was braucht ihr dafür? Ich hab's euch gesagt."

"Geld, Maurice", sagte Gefährliche Bohnen. "Aber ..."

"Geld. Das stimmt, denn mit Geld kann man sich was kaufen?" Ein fragender Blick strich über die Ratten hinweg.

Kundenbewertungen zu "Maurice, der Kater" von "Terry Pratchett"

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Bewertung von schmirzbirz aus hamburg am 27.07.2010 ***** sehr gut
spannend zu lesen, sehr zu empfehlen!

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