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| Bewertung von McFayden aus St. Ingbert am 27.04.2012 | |
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Doch wer ist der Puppenspieler? Issa, ein tschetschenischer Moslem, flüchtet sich nach Deutschland, wo ihn eine türkische Familie aufnimmt. Diese stellt für ihn Kontakt zu einer jungen Flüchtlingshilfswerk-Anwältin Annabelle her, die ihm dabei hilft, sein ihm „zustehendes“ Geld aus Kriegsgeschäften seines Vaters vom Bankhaus Frères zu beschaffen, damit er das geplante Medizinstudium in Deutschland aufnehmen kann. Dadurch werden beim Bankier Brue „alte Wunden“ aufgerissen, denn die sog. Lippizaner-Konten rühren aus dubiosen Bankgeschäften, die sein Vater mit ausländischen Geldwäschern zu Zeiten des Kalten Krieges abgewickelt und in die er selbst nie involviert war. Doch damit nicht genug. Aufgrund seiner Herkunft und seiner umständlichen Einreise nach Deutschland ist der Geheimdienst auf Issa aufmerksam geworden und beobachtet ihn. Dies hat auch für seine „Kontaktpersonen“ in Deutschland verheerende Folgen, denn auch sie geraten ins Visier der Terrorfahnder. Auch wenn der Autor und ehemalige MI5-Agent in seiner Heimat in England regelrecht gefeiert und über den grünen Klee gelobt wird, so kann ich diese Euphorie nicht ganz nachvollziehen. Mich hat sein Werk „Marionetten“ nicht gerade bedingungslos überzeugt. Das mag vielleicht aber auch daran liegen, dass mich der Kalte Krieg und die damit einhergegangenen Folgen noch nie sehr interessiert haben. Und dieses geschichtliche Ereignis kam bisweilen häufiger und intensiver in der Geschichte vor als die angekündigten Folgen des 11. September. Weiterhin ist das Buch sprachlich eine wahre Herausforderung. Es ist inhaltlich sehr anspruchsvoll geschrieben, setzt einiges an geschichtlichem Wissen und bilateralen Beziehungen voraus, so dass man sich darauf konzentrieren muss, um es vollends zu verstehen. Am Ende gibt es nur Verlierer, die trotz des Gefühls eigenständig zu handeln, letztendlich Marionetten und somit für den (nicht existierenden) Puppenspieler durchschaubar waren. Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch |
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Bewertung von Silke B. aus Köln am 22.09.2009 |
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"Marionetten" von John Le Carrè hat mir sehr gut gefallen. Schauplatz ist die Stadt Hamburg im Jahr 2008. Zu Anfang dachte ich, dass es sich um den üblichen Thriller rund um 9/11 handelt und hier mal wieder die Gefahr geschürt werden soll, die von islamischen Attentätern ausgeht. Dem ist jedoch absolut nicht so! Ganz im Gegenteil zeigt uns John Le Carrè hier, welche Gefahr die Rechtfertigung von Aktionen mit dem Argument des "Heimatschutzes" oder der "Terrorverhinderung" birgt. Sollte die Vorgehensweise der deutschen Behörden wie dem Verfassungsschutz auch nur zum Teil der Wahrheit entsprechen, so finde ich das sehr bedenklich. Bisher war ich noch von der wagen Hoffnung ausgegangen, dass eine aggressive Vorgehensweise, wie sie hier beschrieben ist und wie sie eher der Manier amerikanischer Geheimdienste entspricht, in unserem Land noch keinen Einzug gefunden hat. "Marionetten" ist erschreckend realistisch und spannend bis zur letzten Minute. John Le Carrè zieht an den richtigen Fäden und auch seine Figuren sind eigentlich nur Puppen im großen Spiel. Auch wenn es sich hier um eine Übersetzung aus dem englischen handelt, merkt man, dass der Autor sehr vertraut mit Deutschland, der deutschen Kultur und Mentalität ist. Alles wirkt sehr stimmig und von den Figuren bis zu den Schauplätzen gut recherchiert und ausgearbeitet. Die beiden so gegensätzlichen Figuren des Privatbankiers und der Sozialanwältin sind mir sehr sympathisch und ich hätte auch nichts dagegen, wenn sie einmal in einem weiteren Buch von John Le Carrè erneut auftauchen. |
3 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich. War diese Bewertung für Sie hilfreich? |
| Bewertung von stjerneskud aus Stuttgart am 03.05.2009 | |
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Leben in Hamburg nach dem 11. September 2001 Issa Karpow, ein Tschechene, reist illegal über Dänemark nach Deutschland ein, mit der Freien und Hansestadt Hamburg als Ziel. Mehrere Tage lang heftet er sich an die Fersen des zwanzigjährigen Meliks, aber erst am Ende der Woche folgt Issa ihm bis zu seinem Elternhaus und hält dort Melik ein Pappschild entgegen. Seiner Mutter Leyla, die aus der Türkei stammen und sich gemeinsam mit Melik um die deutsche Staatsbürgerschaft bewirbt, hat Mitleid mit Issa und gewährt ihm Unterschlupf in ihrem Haus. Schließlich wird Annabelle Richter vom Fluchthafen Hamburg, die illegale Einwanderer juristisch betreuen, eingeschaltet. Sie wiederum nimmt Kontakt zu Tommy Brue auf, der Issa zu dem Erbe seines Vaters verhelfen kann. Issas Aufenthalt in Hamburg zieht weite Kreise. Ich hatte bislang keinen von John le Carrés Romanen gelesen und wusste auch jetzt nicht worauf ich mich da eigentlich einlasse. Anfangs las sich die Geschichte noch gut, obwohl sie etwas Aberwitziges an sich hatte, aber später tat ich mich schwer damit und ich konnte nicht übermäßig viel mit ihr anfangen. Ich konnte nicht einschätzen, in weit es der Realität in Deutschland entspricht, dass man eine Anwältin auf Schritt und Tritt verfolgen darf, ihr droht, sie gegen ihren Willen zu einem Lockvogel macht und sie ihren Mandanten verraten soll. Zum Ende hin wurde es für mich immer verworrener, ich kam mit den Namen durcheinander, konnte mich oftmals nicht mehr daran erinnern, wer wer ist, wer zu wem gehört und was für ein abgekatertes Spiel die Spezialeinheiten und Geheimdienste spielten. Für mich hätten noch ein paar offene Fragen beantwortet werden müssen. Für die Figur des Issa konnte ich keine rechte Sympathie empfinden. Möglicherweise lag es daran, dass aus seiner Sicht die Geschichte nie erzählt wurde und man somit in Issas Gedankenwelt keinen Einblick erhält. Ich wusste nichts so recht mit ihm anzufangen und was er wirklich für einer ist. Vielleicht hätte er einfach in Schweden bleiben sollen, denn es ist doch utopisch glauben zu können, dass ihm jemand einfach so einen Medizinplatz verschaffen könnte, wenn viele andere junge Menschen diesen Berufswunsch haben und sich um einen Studienplatz bewerben, aber eine Absage erhalten. Am wenigsten mochte ich seine Denkweise Annabels betreffend, dass er sie einfach wie ein Stück Vieh auf einem Markt, in seinen Besitz bringen kann, ihr seine Kultur und seine Religion aufzwingt und sie nur noch das tun muss, was ihr der (Ehe-)Mann vorschreibt. Es war kein Buch für mich, aber jemand anderer könnte seinen Gefallen daran finden. |
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| Bewertung von Leserin aus Deutschland am 18.03.2009 | |
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John le Carrés neuster Roman „Marionetten“ spielt in Hamburg, das deutlich von den Folgen der Attentate des 11. September 2001 geprägt ist. Hamburg wurde nicht zufällig als Schauplatz ausgewählt, sondern weil dort zeitweise einige der Attentäter lebten. In John le Carrés Hamburg leben der türkische Sportler Melik und seine Mutter Leyla, die engagierte Anwältin Annabel Richter und der schottische Bankier Tommy Brue sowie Issa, ein Tschetschene, der illegal über Schweden und Dänemark nach Deutschland kam. Issa taucht plötzlich in Meliks Leben auf und nistet sich auch bei ihm zu Hause ein, weil Meliks Mutter hat Mitleid mit dem offensichtlich körperlich und geistig kranken Issa hat. Issa ist jedoch bei verschiedenen Geheimdiensten kein unbeschriebenes Blatt und wird als islamischer Terrorist gesucht. Sein Vater soll ein vermögender Osteuropäer sein, der bei dem Vater von Tommy Brue ein Schwarzgeldkonto angelegt hatte. Tommy Brue und Annabel Richter sollen ihm eine Aufenthaltsgenehmigung und einen Studienplatz organisieren. Als die verschiedenen Geheimdienste und der Verfassungsschutz ins Geschehen eingreifen, wird die meiner Meinung nach ohnehin schon sehr konstruierte Grundidee überstrapaziert. Bis zum Ende wird nicht deutlich, wer die Fäden zieht. Spätestens ab der Mitte des Buches hätte ich jedoch auf sehr verknotete Fäden getippt, so verworren wird die Handlung. Issa ist für mich eine unglaubwürdige Figur und auch die anderen Hauptfiguren wirken eher wie Karikaturen. John le Carré hat sehr gründlich für diesen Roman recherchiert und seine eigenen Erfahrungen als ehemaliger Geheimagent des britischen Geheimdienstes eingebracht. Das Ergebnis ist leider eine überladene und unglaubwürdige Geschichte, die viel zu spät auf den Markt kommt. In den sieben Jahre seit den Anschlägen in den USA habe ich so viel darüber gehört und gelesen, dass mich „Marionetten“ nicht fesseln konnte. Fazit: Gute Idee, langweilige Umsetzung und Jahre zu spät veröffentlicht. Vielleicht ist das Buch in ein paar Jahren wieder interessant, wenn eine jüngere Lesergeneration erfahren möchte, welche Auswirkungen die Attentate hatten und wie Geheimdienste arbeiteten. |
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| Bewertung von Wiebke am 10.03.2009 | |
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Gefangen im Spiel der Geheimdienste Hamburg nach dem 11.09.2001. Issa, ein tschetschenischer Flüchtling, hält sich illegal in Deutschland auf und bittet eine ihm unbekannte türkische Familie um Hilfe. Melik, der Sohn der Familie, ist von der Bitte des Fremden völlig irritiert und versucht ihn abzuweisen. Seine Bemühungen sind nicht von Erfolg gekrönt, da seine Mutter Leyla Mitleid mit dem Schwerkranken hegt und so verstecken sie ihn gemeinsam in ihrer Wohnung. Was sie zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht ahnen können, der unbekannte Fremde ist kein unbeschriebenes Blatt mehr. Im Verlaufe des Geschehens übernimmt die Anwältin Annabel Richter, die für eine Hamburger Hilfsorganisation tätig ist, die rechtliche Unterstützung für Issa. Von Zweifeln geplagt, versucht sie bei Issa alles richtig zu machen. Denn schon einmal hat sie einen Mandanten verloren, der trotz ihrer Unterstützung abgeschoben wurde. Voller Engagement hängt sie sich in die Sache rein, bis auch sie zur Zielperson des Verfassungsschutzes wird und mit ihnen zusammenzuarbeiten muss. Weitere Hilfe erfährt Issa durch den Bankier Tommy Brue, der nach anfänglicher Skepsis Issa seine volle Unterstützung gewährt. Als Besitzer einer Privatbank verwaltet er das Erbe des Flüchtlings, schmutziges Geld aus Russland, angelegt vor Jahren noch von seinem Vater auf einem so genannten Lippizanerkonto. Sein Interesse an Issa besteht vorrangig darin, sich der Altlasten seines Vaters zu entledigen und die Bank von ihnen zu säubern. All diese Geschehnisse werden zunächst unbemerkt, später aber offensichtlich, von verschiedensten Organisationen, ob nun Verfassungsschutz oder Geheimdienste überwacht und als diese ihre Chance wittern, über Issa an einen noch größeren Fisch heranzukommen, schlagen diese erbarmungslos zu. Alle Skrupel werden dabei über den Haufen geworfen und zurück bleiben letztendlich nur die Opfer. Und Opfer sind sie alle in diesem Spiel. Der Autor John le Carre, selbst ein Ex-Agent des britischen Geheimdienstes profitiert von seinem Wissen und den Erfahrungen in dieser Branche, die er gezielt in seinen Romanen einsetzt. Sprachlich recht anspruchsvoll unter Bezugnahme einzelner, sehr relitätsnah umgesetzter Charaktere versteht er es, den Leser stellenweise gut zu fesseln. Leider stolpert dieser aber immer wieder über langatmige Passagen oder Protagonisten, denen es einfach am nötigen Tiefgang fehlt und die dadurch zunehmend blass erscheinen. Das Thema des Buches ist sehr aktuell gewählt. Die Auseinandersetzung mit moralischen Grundsätzen unserer heutigen Zeit wird aus verschiedenen Positionen heraus verarbeitet, so dass der Leser während des Lesens gezwungen ist, des Öfteren nachdenklich einzuhalten. Alles in allem, ein gut gewählter Stoff. Und trotzdem konnte mich dieser Roman insgesamt nicht so richtig überzeugen. Es bleibt das Gefühl, dass der Autor durch das Buch einen Weg gefunden hat, seine Wut und die Unfähigkeit, Dinge verändern zu können, verarbeitet. Man selbst als Leser bleibt aber ziemlich unzufrieden zurück. |
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| Bewertung von vöglein aus B.-W. am 04.03.2009 | |
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Gemischte Gefühle..... Ausgerechnet das weltoffene Hamburg diente als Schauplatz der Attentäter des 11. September. Der Tschetschene Issa Kapow reist illegal über Schweden nach Hamburg. Er versteckt sich zunächst bei der türkischen Familie Melik und Leyla bis er in der Juristin Annabel eine Verbündete findet, die ihn erstmal versteckt. Aber....verdächtige Muslime wie z.Bsp. Issa geraten ins Fadenkreuz der Behörden. Egal ob BKA, BND oder andere geheime Spezialeinheiten, jeder mißtraut jedem und das große Tauziehen geht los.... Schnell ist man mitten im Geschehen. Die Personen sind gut dargestellt und man hat das Gefühl man hätte sie schonmal irgendwo gesehen.... Bei Issa wußte ich nie so genau was ich von ihm halten sollte....ist er jetzt ein "Böser" oder eigentlich doch nur ein ganz harmloses "Kerlchen"? Die ersten 2/3 des Buches fand ich dann auch ganz spannend und interessant, leider bricht dann irgendwo der rote Faden und es wird undurchsichtig und es zieht sich dann m.E. auch ziemlich zäh dahin. Leider bleibt auch am Ende alles offen und es bleiben vielen offen Fragen ...... Insgesamt ein Buch, das ich mit gemischten Gefühlen zur Seite lege und erstmal nachwirken lasse. |
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| Bewertung von Jazzy aus Bremen am 04.01.2009 | |
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„Marionetten“ von John le Carré hat mich beeindruckt, ein Roman, der einem wirklich einmal zum Nachdenken bringt, der einen fesselt und auch im Nachhinein nicht mehr loslässt. Der deutsche Titel ist sehr passend gewählt. Alle auftauchenden Charaktere scheinen Marionetten zu sein, die von dem einen unbekannten Spieler gesteuert werden, der alle Fäden in der Hand hat. Dieser agiert vollkommen verdeckt und steuert die Personen nach seinen Wünschen. Bis zur letzten Seite bleibt dem Leser dieser Fadenzieher verborgen, mit Spannung habe ich Seite um Seite gelesen und habe mich stets im Unklaren befunden, konnte beim besten Willen nicht sagen, wer mit wem und wer gegen wen. Die Geschehnisse sind undurchschaubar. Jeder der Charaktere scheint ein Geheimnis zu haben und jeder verschweigt jedem etwas. So wird der Leser hin und hergerissen in seinen Theorien. Andererseits macht es dieses „Durcheinander“ besonders am Anfang sehr schwer, in die Geschichte hineinzufinden, die Personen richtig zuzuordnen. So empfand ich die zweite Hälfte des Buches deutlich besser, als ich sagen konnte – der gehört dazu und der dorthin. Was zu Beginn ein wenig in Längen ausartet, macht den zweiten Teil wieder wett und endet mit einem spannenden Showdown. Eines ist sicher: Bei dem Buch handelt es sich nicht um einen Roman, den man eben mal so wegliest und dann zur Seite legt. Ich habe mir dafür Zeit gelassen und nach der letzten Seite kam mir dann der Gedanke – unglaublich! Gibt es sie – die Marionettenspieler, die viele, viele Personen wie ein Werkzeug nach ihren Wünschen steuern? |
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| Bewertung von Al aus München am 26.12.2008 | |
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Nach einer Menge positiver Bewertungen zu Marionetten hatte ich mich wirklich auf die Lektüre des neuen Romans von John Le Carré gefreut. Grund zur Freude hatte ich auch als ich am Ende des Buches angekommen war. Anlass dafür war jedoch kein erschreckendes Ende, sondern ein Ende des seichten Schreckens. Damit meine Gefühlsregungen nachvollziehbar bleiben, hier die Erläuterung: John Le Carré versteht es den Leser in ein Interessantes Setting hineinzuführen. Er bewerkstelligt dies mit interessanten Persönlichkeiten, die auf andere noch interessantere Persönlichkeiten treffen und - streiten. Vorgesetzte streiten hier mit Untergebenen, Frauen mit Männern, Kinder mit Eltern und jeweils in der Gegenrichtung, verschiedene Kulturen, Religionen und Nationen wiederum in Verkörperung einzelner Protagonisten untereinander, sowie Geheimdienste und von Geheimdiensten Verfolgte gegeneinander. Streiten ist hier durchaus im Sinne von Machtkampf zu verstehen, die Kämpfe werden allerdings auch allzu häufig in Form von schlichten Wortgefechten dargebracht. So viel zum Stil des Romans. Inhaltlich begegnen dem Leser potentielle Terroristen, Spione verschiedener Nationen, Menschenrechtler, ein Privatbankier und etliche andere Gestalten. Ein Tschetschene flieht nach diversen Gefängnisaufenthalten und Folterqualen aus seiner Heimat über Umwege nach Deutschland. Dies bleibt der einzige Schauplatz. Der Flüchtling will in Deutschland Medizin studieren und sucht als illegaler Einwanderer bei türkischen Verwandten Unterschlupf. Verschiedene Geheimdienste halten ihn für einen islamistischen Terroristen und leiten entsprechende Maßnahmen ein, in die im Laufe der Geschichte immer mehr Personen verstrickt werden. So interessant und tagesaktuell das Thema sein mag, so uninteressant ist es leider umgesetzt worden. Ich möchte nicht behaupten, dass der Roman schlecht ist, aber Herr Le Carré hätte einiges mehr daraus machen können. Ich werde auch das Gefühl nicht los, dass er tatsächlich einige Wendungen geplant hatte, die dann doch dem Rotstift zum Opfer gefallen sind. So verwunderte mich der seitenlange Monolog des muslimischen Gelehrten Dr. Abdullah kurz vor Schluss, der nur einen Sinn haben kann, wenn das Ende des Buches ursprünglich anders aussehen sollte. Dieses ist im Übrigen keine wirklich große Überraschung und verpufft fast unbemerkt, so dass man das Buch leicht konsterniert zur Seite legt. Die großen Konflikte, die hier quasi nur als Kulisse dienen, werden leider nur gestreift. Sinnvolle Zusammenhänge (die von Bedeutung für unsere globalisierte Welt sein könnten) werden nicht geliefert. Ein Beispiel: Warum hier manche Geheimdienste überhaupt Hand in Hand zusammen arbeiten sollten, bzw. wie die deutschen Geheimdienste eine Legitimation für ihr Handeln erhalten sollten, wird elegant verschwiegen. Dass Terroristen, sonstige Schurken und auch einfache Verbrecher der erfolgreicheren Sorte ihr Geld international verschieben und auf diversen (Privat-) Banken parken, sollte nun wirklich keine Neuigkeit sein. John Le Carré mag gut recherchiert haben. Allerdings wäre der Roman keinen Deut schlechter ohne diese Recherche ausgefallen. Somit bleibt ein schönes, teils spannendes Bauernstück, das nicht unbedingt aus der Masse heraus sticht, aber auch nicht arg dahinter zurücksteht. Wer etwas Leichteres mit aktuellem Bezug sucht und nichts gegen notorische Streithähne hat, der kann dieses Buch ruhigen Gewissens erwerben. |
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| Bewertung von Amber aus Hessisch Lichtenau am 22.12.2008 | |
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Sieben Jahre ist es nun schon her seit vier Selbstmordattentäter auf zivile und politische Gebäude in den USA Anschläge verübt haben. Spätestens seit dem 7. Juli 2005 als in London Rucksackbomber in drei Zügen und einem Doppeldeckerbus Explosionen herbeiführten können wir die Thematik nicht mehr von uns schieben. Carré hat in seinem neuen Roman „Marionetten“ genau diese Thematik aufgegriffen und nach Hamburg verfrachtet. Hier geht es um den jungen Tschetschenen Issa Karpow, der unerlaubt nach Deutschland einreist und sofort in das Visier verschiedener Geheimpolizeien gerät. Als sich dann auch noch herausstellt das er der Erbe eines Schwarzgeldkontos ist geht die Geheimpolizei davon aus das er das Geld für terroristische Aktivitäten nutzen will und sie schmieden einen Plan wie man gleich zwei Fische mit einem Netz fangen kann. Dazu werden Issa Karpows Anwältin Annabel Richter und der Bankier Thomas Brue miteinbezogen. Diese beiden Charaktere sind die einzigen die näher beleuchtet werden. Man erfährt etwas über ihre Familiengeschichte und über ihre inneren Beweggründe Issa helfen zu wollen. Und genau diese Beweggründe sind der Grund dafür dass sie, Dank der Einwirkungen des Deutschen und Britischen Geheimdienstes, zu Marionetten werden. Sie können die Fäden nicht mehr selbst lenken und werden zu Statisten in diesem Machtspiele. Selbst Menschen die eher im Hintergrund mit Issa zu tun haben werden von dem Geheimdienst unter die Lupe genommen und plötzlich als gefährliche Personen gebrandmarkt. Genauso wenig wie sich die Geheimagenten sicher sind das Issa ein gefährlicher Terrorist ist, so kann sich der Leser auch nicht sicher sein welche Persönlichkeit genau hinter Issa Karpow steckt. Anfangs als Issa sich den Türken Melik und Leyla aufdrängt ist Melik voller Misstrauen gegen Issa. Das ändert sich aber und später bezeichnet Melik Issa sogar als seinen Bruder. Das demonstriert eindrucksvoll was für eine charismatischer Mensch Issa seien muss und wie er die Leute in seinen Bann zieht. Auch hier kann man sich fragen ob Issa die Menschen in seiner Umgebung als Marionetten benutzt? Hofft man noch am Ende des Buches auf eine Aufklärung wird man herb enttäuscht. Das Ende lässt so ziemlich alles offen was offen gelassen werden kann und der Leser wird doch ziemlich unbefriedigt zurückgelassen. Für Spionage und Agentenliebhaber, die einen auch am Ende im Dunklen stehen lassen, dem ist das Buch wärmsten zu empfehlen. Alle anderen dürfte es etwas abschrecken und sie werden sicher über einige langatmige und langweilige Passagen stolpern und sich über den Sinn mancher Dialoge wundern. |
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| Bewertung von Daniela Möhrke aus Leipzig am 19.12.2008 | |
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Adrenalinlose Berg- und Talfahrt Ich glaube John le Carrés Schreibstil kann man nur wirklich mögen oder aber gar nichts damit anfangen. Zu Beginn des Buches war ich richtiggehend begeistert von seinem Schreibstil und dem rasanten Einstieg in eine vielversprechende Story. Das erste Kapitel verging förmlich im Fluge. Dann kam jedoch für mich schon der erste Haken an diesem Buch. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit völlig anderen Figuren, als noch das erste und man wird "brutal" aus dem Zusammenhang gerissen. Dieser Szenenwechsel nahm für mich so ziemliche das gesamte Tempo aus der Geschichte. Leider geht es dann auch so weiter, denn im 3. Kapitel wird der Leser wieder in eine neue Szene geführt. Zwar sieht man nun schon minimale Zusammenhänge zum ersten Kapitel, aber trotzdem riss der rote Faden auf diese Weise ab. Ich mag diesen ständigen Wechsel einfach nicht und die unterschiedlichen Betrachtungsweisen bleiben lange Zeit unklar. Dabei beginnt alles so spannend: Melik, ein junger, türkischer Boxer, der in Hamburg lebt, trifft auf der Straße immer wieder einen ausgezehrt wirkenden Jungen. Dieser begegnet ihm an den ungewöhnlichsten Orten. Eines Tages steht er plötzlich vor seiner Haustür und bittet um Obdach. In den Zeiten nach dem 11. September sind aber alle viel misstrauischer, lebten doch einige der Attentäter zuvor in Hamburg. Jedoch führen der Glaube und das Mitgefühl von Meliks Mutter dazu, dass sie Issa, so heißt der junge Mann, aufnehmen. Melik ist davon wenig begeistert, aber je mehr er über Issa erfährt, desto mehr Mitgefühl hat er auch mit ihm. Die Figur des Issa wird nach und nach auch in den anderen Szenen und aus Sicht anderer Personen betrachtet. Durchaus interessant ist dabei, welches Licht hier nun auf Issa geworfen wird, sind es doch vollkommen verschiedene Blickwinkel unter denen er fortan betrachtet wird. So etwa aus Sicht des Bankiers Brue oder der etwas verschroben wirkenden und geheimnisvollen Anwältin Annabel Richter. Jedoch hat auch der Geheimdienst seine Aufmerksamkeit auf Issa gerichtet. Da stellt sich für den Leser natürlich die Frage, welches Issas wahres Gesicht ist. Es handelt sich also durchaus um eine interessante Geschichte, die nicht ohne Belang ist, ja sogar gehaltvoll ist. Aber ist es nicht wie beim Essen? Gehaltvolle Nahrung muss noch lange nicht schmecken. Mir persönlich ging zu viel der Spannung aus dem ersten Kapitel verloren. Alles wirkt darauffolgend sehr konstruiert und der Autor verliert sich des öfteren in ausufernden und langatmigen Situationsbeschreibungen, die die Geschichte in keiner Form voranbringen und auch nicht wichtig für das Verständnis sind. Zudem kommen noch einige sprachliche Fehler hinzu, die ich als störend empfunden habe. Da hat der Übsetzer bzw. das Lektorat nicht gut gearbeitet. Insgesamt ist es folglich ein inhaltlich interessanter, aber leider nur einigermaßen passabel umgesetzer Roman, der mich in seinem Grundtenor nicht überzeugen konnte. Zwar gab es ab und zu Lichtblicke, aber der Autor schafft es dann doch immer wieder diese zunichte zu machen. Ich fürchte, dass man ihm das nicht als Talent anrechnen kann. |
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