Es war Paul Tillich, der große evangelische Theologe, der 1941 im
amerikanischen Exil auf eine spezifische Schwäche des
Protestantismus als Kirche des »prophetischen Protests« aufmerksam
machte. Diese Schwäche sah er in einer Unterbewertung des
sakramentalen Elements, denn »das Heilige«, so Tillich, sei nicht
nur »Kriterium und Richter des Profanen«, sondern es gelte: Wo »das
Heilige sichtbar gegenwärtig ist, da ist es die Quelle und das Maß
alles Menschlichen«. Deshalb brauche der Protestantismus »das
ständige Korrektiv des Katholizismus und den immerwährenden Zustrom
seiner sakramentalen Elemente«. Mit dieser Einsicht gehen die Texte
des schön gestalteten und bildreichen Buches den theologischen und
künstlerischen Dimensionen einer evangelischen Wiederannäherung an
Maria nach.
Martin Luther selbst, in seiner noch selbstverständlichen Nähe zur
Mutter Jesu, hat die Autoren des Buches inspiriert. Mit seiner
Magnificat-Auslegung von 1521 legt er faszinierende theologische
und spirituelle Spuren, die - wie er selbst sagt - dazu dienen,
»von großen Tatwerken Gottes zu singen, zu stärken unseren Glauben,
zu trösten alle Geringen und zu schrecken alle hohen Menschen«.
Ausstattung/Bilder: 2011. 269 S. m. meist farb. Abb.
Seitenzahl: 269
Deutsch
Abmessung: 238mm x 164mm x 25mm
Gewicht: 784g
ISBN-13: 9783374028849
ISBN-10: 3374028845
Best.Nr.: 33339954
Ulrich Schacht wurde 1951 im Frauengefängnis Hoheneck geboren und wuchs in Wismar auf. 1973 in der DDR wegen staatsfeindlicher Hetze zu sieben Jahren Freiheitsentzug verurteilt, wurde er 1976 in die Bundesrepublik entlassen. Dort arbeitete er als Feuilletonredakteur und Chefreporter Kultur für Die Welt und Welt am Sonntag. Schacht erhielt verschiedene Preise, Auszeichnungen und Literaturstipendien, u. a. den Theodor-Wolff-Preis für herausragenden Journalismus. Er gilt als ein streitbarer Publizist, der sich nicht Konventionen, sondern einer humanistischen Tradition verpflichtet fühlt. Seit 1998 lebt Ulrich Schacht als freier Autor in Schweden.