Mann im Dunkel - Auster, Paul

Paul Auster 

Mann im Dunkel

Roman

Dtsch. v. Werner Schmitz
Gebundenes Buch
 
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Mann im Dunkel

"Paul Auster ist ein fach ein glänzender Fabulierer und Geschichtenerzähler." (The New Yorker)

Der 72-jährige August Brill, Ex-Literaturkritiker und Journalist, sitzt morgens um drei in seinem Rollstuhl im dunklen Wohnzimmer. In der Schwebe zwischen Wachen und Schlaf denkter sich eine Geschichte aus, um seine nächtens überhandnehmenden Sorgen zu verdrängen: Ein Mann erwacht in einem tiefen Erdloch. Wie er hineingekommen ist, weiß er nicht. Zufällig hat er noch seine Brieftasche und versichert sich, dass er Owen Brick heißt und als Zauberer in Queens lebt. Als ihn bei Tagesanbruch schließlich ein Uniformierter befreit, spricht der ihn jedoch als «Corporal» Brick an und gibt ihm nebst einer geladenen Pistole den Auftrag, sich in die nächste Stadt zu begeben und dort im Auftrag der Sezessionstruppen einen Mann zu erschießen, dessen Tod den seit Jahren tobenden Bürgerkrieg sofort beenden würde. Bürgerkrieg? Man schreibt doch das Jahr 2007, Amerika führt Krieg im Irak, aber einen Bürgerkrieg? Der Soldat starrt Brill an: Krieg im Irak? 9/11? Nein. Er spinne wohl. In Wahrheit hätten sich nach der betrügerischen Wahl im Jahre 2001 diverse Staaten aus der Union verabschiedet, die Folge sei ein blutiger Krieg um die Macht in Amerika. «Mann im Dunkel» ist eine glanzvolle Parabel, künstlerisch gewagt und unerbittlich kritisch.


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt, Reinbek
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 219 S.
  • Seitenzahl: 224
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 134mm x 21mm
  • Gewicht: 306g
  • ISBN-13: 9783498000806
  • ISBN-10: 3498000802
  • Best.Nr.: 23333334
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
"Manche Leute mögen diese Wendung belächeln, aber das können sie nur, weil sie von der Welt keine Ahnung haben. Menschen sterben an gebrochenem Herzen. Das geschieht jeden Tag, und es wird geschehen bis ans Ende aller Zeiten." Paul Auster macht abgegriffene Sätze wieder fühlbar. Auf gerade mal 220 Seiten erzählt er von generationsübergreifenden Gefühlen, webt passend zur US-Wahl eine politische Parabel ein. Über sein großes Einfühlungsvermögen für die Liebe und den Schmerz seiner Hauptfiguren kommt er der Idee, was Menschsein wirklich bedeutet, so nah wie kaum ein Autor zuvor. In "Mann im Dunkel" hantiert Auster meisterlich mit verschiedenen Fiktionsebenen, er lässt sie scheinbar ineinanderlaufen und nähert sich der perfekten Entsprechung von Inhalt und Form. Hauptfigur und Erzähler ist der 72-jährige Literaturkritiker August Brill. Ans Bett gefesselt kämpft er gegen die Schlaflosigkeit und flieht vor den quälenden Erinnerungen an seine verstorbene Frau, indem er Geschichten erfindet. Doch er kommt nicht umhin, sich seiner Wirklichkeit zu stellen, denn mit ihm leben seine Tochter und die Enkelin. Auch sie haben ihren Schmerz, der sie die Nächte durchwachen …

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Als ”kleines, turbulentes kafkaesk-komisches, im Grunde todtrauriges Meisterwerk” feiert Rezensent Klaus Harpprecht Paul Austers vielschichtig erzählten neuen Roman. Darin geht es Harpprecht zufolge um einen alten, verkrüppelten Literaturkritiker im Ruhestand, seine Tochter und seine Enkelin. Der alte, albtraum-geplagte Mann denke sich als Überlebenstechnik immer wieder Geschichten aus, so dass sich für den Rezensenten langsam Realitäten ineinander schieben, weil der alte Mann in seinen Fantasien in verschiedene Rollen schlüpft. Erotik kommt ins Spiel, eine Liebesgeschichte. Am faszinierendsten findet der Rezensent jedoch, wie Auster in seinen von wuchernder Fantasie geprägten Roman immer wieder ”die eindeutige Realität der gegenwärtigen amerikanischen Krise” einbrechen lässt - samt der daran geknüpften Kriege, wo Auster, wie man liest, auch vor großer Drastik nicht zurückscheut. Bewegt notiert Harpprecht auch, dass Auster das Buch dem israelischen Schriftsteller David Grossman und seiner Frau Michal gewidmet hat, die ihren ältesten Sohn im Libanonkrieg verloren haben.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.01.2009

Der Irak-Krieg im Nebenzimmer
Von der Hoffnung, sein fröstelndes Leben an einem gelesenen Tod zu erwärmen: Paul Austers Roman „Mann im Dunkel”
Ein Mann, der in einem dunklen Loch eingeschlossen ist und sein Schicksal zu verstehen versucht; ein anderer, der sich im Dunkel seines Schlafzimmers Geschichten erzählt; wirkliche und erfundene Welten und die Schwierigkeit, zwischen ihnen zu unterscheiden; das alles kennt man von Paul Auster, dessen Werk um wenige Motive mit hohem Wiedererkennungswert kreist. Wo aber bleibt in seinem neuen Roman der Detektiv, ohne den seine Vorgänger nicht denkbar gewesen wären?
Verglichen mit früheren Romanen Austers ist „Mann im Dunkel” düsterer und weniger verspielt, besitzt dafür aber eine menschlichere und auch offenkundig persönlichere Seite. Er ist der Familie des Schriftstellers David Grossmann gewidmet, dessen Sohn Uri 2006 bei einem Einsatz der israelischen Streitkräfte im Südlibanon umkam. Austers Roman erzählt von Owen Brick, der eines Tages in einem Erdloch erwacht und merkt, dass er in einer alternativen Gegenwart gelandet ist. Es herrscht Bürgerkrieg im Jahr 2007, die USA haben sich in die Unabhängigen …

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Paul Auster , geb. 1947 in Newark, New Jersey, als Nachkomme eingewanderter österreichischer Juden. Er studierte Anglistik und vergleichende Literaturwissenschaft an der Columbia University New York (B.A. und M.A.) und fuhr danach als Matrose auf einem Öltanker zur See. 1971-74 lebte er in Frankreich, hauptsächlich in Paris. Nach seiner Rückkehr in die USA nahm er einen Lehrauftrag an der Columbia University an und arbeitete zusätzlich als Übersetzer französischer Autoren (Blanchot, Bouchet, Dupin, Joubert, Mallarmé, Sartre) sowie als Herausgeber französischer Literatur in amerikanischen Verlagen. 2006 erhält er den Prinz-von-Asturien-Preis in der Sparte Literatur.

Kundenbewertungen zu "Mann im Dunkel" von "Paul Auster"

3 Kundenbewertungen (Durchschnitt 3.7 von 5 Sterne bei 3 Bewertungen ***** sehr gut)
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Bewertung von Harnolft aus Mainz am 18.07.2010 ***** gut
Mann im Dunkel hinterlässt einen mit reichlich unguten Gefühlen, und wird so gesehen seinem Inhalt mehr als gerecht.
Dem Leser wird mitten im Buch abrupt ein Haupterzählstrang weggenommen, aber erst so entsteht eine Erkenntnis darüber, worum es Paul Auster mit dieser kleinen (naja, ist es eine??) Parabel zu gehen scheint.
Je mehr sich das Buch dem Ende nähert, desto mehr wünscht man sich, daß die Spannung der ersten Buchhälfte wieder auferstehen möge. Zwischendurch scheint es, als habe Auster selbst keine Lust mehr, den Stoff dieses Buches weiter zu verfolgen. Ich werde es demnächst nochmal zu lesen, um meinen diesbezüglichen Eindruck zu überprüfen...

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

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Bewertung von Andrea K. aus NRW am 17.11.2008 ***** gut
August Brill ist ein alter Mann, der seit einem Unfall im Rollstuhl sitzt und an Schlaflosigkeit leidet. So bringt er die Nächte damit zu, an die Decke zu starren und sich Geschichten auszudenken; es entsteht eine Geschichte in der Geschichte.
Brills Protagonist heißt Owen Brick, ist von Beruf Zauberer und findet sich nach dem Aufwachen unerklärlicherweise in einem dunklen Loch wieder, in einer Welt, die dem wirklichen Amerika ähnlich zu sein scheint, dessen Geschichte aber ganz andere Wendungen genommen hat. Nach seiner Befreihung und einigen Gesprächen stellt sich heraus: Der um 1600 verbrannte Philosoph Giordano Bruno soll recht gehabt, Brick in einer Parallelwelt gelandet sein. In dieser Welt herrscht ein Bürgerkrieg, seit sich mehrere Staaten vom Rest des Landes unabhängig erklärt haben; Ereignisse wie der Krieg im Irak oder die Anschläge auf das World Trade Center sind dagegen nie passiert.
Letztendlich bekommt Brick einen Auftrag: Er soll eine bestimmte Person töten, und zwar jene, die sich den Krieg im alternativen Amerika erdacht hat...

Brills Geschichte wird zwischendurch immer wieder unterbrochen, sodass man Gelegenheit hat, etwas über Brill und seine Familie zu erfahren, die aus ihm selbst, seiner Tochter Miriam und deren Tochter Katya besteht. Das mag eine ungewohnte Konstellation sein, aber alle drei haben etwas gemeinsam: Sie alle haben eine ihnen nahestehende Person verloren und können die Gedanken an diese nicht abschütteln.
Zwischendurch ziehen sich zudem immer wieder verschiedene Erinnerungen Brills durch das Buch.

"Mann im Dunkel" ist ein interessantes Buch, denn Paul Auster schafft es auf ansprechende Weise, zwei eigentlich unabhängige Geschichten miteinander zu verstricken, erzählt sowohl eine spannende Sciene-Fiction-Story in einem alternativen Amerika ("Was wäre, wenn...?") und die Geschichte dreier Personen, die ihre Trauer zu bewältigen suchen.
Das schafft teilweise Verwirrung, macht das Weiterlesen aber auch interessant. Die zwischendurch eingestreuten Erinnerungen Brills - die eigentlich schon als eigenständige Geschichten stehen könnten - sorgen für eine angenehme Abwechslung; man findet quasi mehrere Geschichten in einer Geschichte.
Auch vom Stil her lässt sich das Buch gut lesen - Auster verzichtet nämlich auf zu komplexe Satzstrukturen, aber dass er bei gesprochener Rede auf die entsprechenden Satzzeichen verzichtet, hat mich dann doch ein wenig überrascht. Soll das ein neues Stilmittel in moderner Literatur sein? Ich fand es jedenfalls stören, da ich manchmal nicht direkt wusste, wer spricht.

Während das Buch vielversprechend anfängt, lässt die Handlung zum Ende hin leider nach und auch das plötzliche Ende der Brick-Geschichte hat mich ziemlich ratlos zurückgelassen, sodass ich vermute, dass der Leser sich sicher irgendetwas hineininterpretieren soll. Dazu bin ich nicht der Typ, also lasse ich es sein.

Schade, wenn der Autor seinem anfänglichen Erzählstil treu geblieben wäre, hätte mir das Buch wohl besser gefallen, denn den Anfang finde ich sogar ziemlich gut. Wirklich schade.

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Bewertung von Polar aus Aachen am 04.10.2008 ***** ausgezeichnet
Paul Auster schafft es mal wieder seine Leser mit der Frage, wie es um die Wirklichkeit bestellt steht, in die Irre zu führen. August Brill leidet an Schlaflosigkeit. Es ist weniger so, dass er sich etwas ausdenkt, um die Nacht zu verkürzen, sein Leben rutscht einfach ab, er befindet sich plötzlich mitten in einem amerikanischen Bürgerkrieg wieder, in dem er den Auftrag erteilt bekommt, gegen seinen Willen jemanden zu ermorden. August heißt nun Owen, und es drängt sich der Eindruck auf, dass hier jemand seinem Leben zu entfliehen versucht, indem er in die Farce abgleitet. Brill will nicht wahrhaben, was aus seinem Amerika geworden ist. Auster spielt mit dem Gedanken des Widerstandes, er unterstellt seinem Land, dass es nicht in den Irak-Krieg gezogen ist, dass es sich widersetzt hat, selbst auf die Kosten der Abspaltung hin, des Kampfes der Staaten gegeneinander. Wo manche Schriftsteller ihre politische Meinung über ihre Leser ausgießen, läßt Auster den Figuren freien Lauf. Brill und seine Familie, seine Freunde treiben durch eine Geschichte, auf die das heutige Amerika immer wieder ihren Schatten wirft. Die Hinrichtung eines Fahrers, der sich weniger berufen fühlt, für sein Land zu kämpfen, als dass er Geld mit dem Krieg machen will, taucht im Netz als Video auf, setzt dem literarischen Spiel ein Ende. Auster ist ein zu kluger Autor, als dass er sich vorgaukelt, auf ewig entkommen zu können. Und so bietet sein neuer Roman einen Einblick in die Verstörung einer Gesellschaft, die sich unverstanden, ungeliebt, ihrer Wurzeln beraubt fühlt.

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