Männer - Jerofejew, Viktor

Viktor Jerofejew 

Männer

Ein Nachruf. Aus d. Russ. v. Beate Rausch

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Männer

Die Tragikomödie des europäischen Mannes - eine polemische, drastische und zärtliche Erforschung des Mannes als Macho, Liebhaber, Ehemann, als Künstler und lächerliche Figur.


"Der 'Mensch von männlichem Geschlechte', wie Wladimir Dal den Mann definiert hat, begrüßt das 21. Jahrhundert mit der weißen Fahne der Kapitulation in der Hand. Das erinnert an ein Winken mit langen Unterhosen. Jubiliere, Feministin! Im Westen hat die Frauenbewegung, die statutenmäßige Formen einer Ideologie angenommen hat, das geschlechtliche 'Reich des Bösen' zerschlagen. Der zivilisierte Mann hat friedlich in allen Punkten den Rückzug angetreten. (...) Die Männer haben begonnen, die Frauen für alle Fälle zu fürchten. Oder sie tun so. Mimikry ist die Waffe der Besiegten." Eine Selbstverortung des europäischen Mannes in 37 Texten, die zwischen Essay und verschiedensten literarischen Formen changieren. Virtuos im Einsatz der stilistischen Mittel und stets mit ironischem, parodierendem, provokativem Witz betrachtet Jerofejew den Mann als Macho, Liebhaber, Ehemann, als Künstler und lächerliche Figur, er ergründet das Wunder der morgendlichen Erektion, spekuliert über die Seele nverwandtschaft von Solschenizyn und James Bond oder stellt Tschechow, der erkannt hatte, dass es doch viel bequemer sei, im Bett statt auf dem Sofa Liebe zu machen, als gefeierten Dichter des Banalen bloß - Beiträge zu einer "Selbsterkundung in anderen". Vom Schlachtfeld der Geschlechter kehrt der Künstler lädiert, aber nicht geschlagen heim, wie das Selbstporträt im Mantel erweist: "Und so trat ich ein, in einem schwanzfarbenen Mantel. Kahlgeschoren. Barfuß. Mit einem Holzkoffer in der Hand. Der Arsch - rot. Voll Lippenstift von Küssen."


Produktinformation

  • Gewicht: 274g
  • ISBN-13: 9783462029246
  • ISBN-10: 346202924X
  • Best.Nr.: 24728217

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Politisch korrekte Ansichten sind von einem Autor wie Jerofejew ohnehin nicht zu erwarten, meint Klaus Sibleski in seiner Besprechung dieses 36 verschiedene Texte und Textgattungen wie Feuilletons, Prosaskizzen oder Essayistisches umfassenden Buches. Aber ganz so unbekümmert, wie er sich gebe, schiebt Siblewski hinterher, schreibe Jerofejew auch wieder nicht. Das Buch sei provozierend gemeint: nicht gegenüber Frauen, sondern den Männern gegenüber, insbesondere den russischen Männern oder noch genauer: einem bestimmten Typ, nämlich dem russischen männlichen Intellektuellen. Vor allem der ehemalige Weiberheld und Literat, der sich mit dem Kommunismus gut arrangiert hatte, bringt den Autor auf die Palme, schreibt Siblewski. In manchen seiner Texte versteige sich Jerofejew zu seltsamen Behauptungen, etwa wenn er sich als Modeautor oute, dem der Stil über alles gehe, was ihn dann über die Qualität der eigenen Texte stolpern lasse. Und dass die Amerikaner den Krieg gewonnen hätten, weil sie die schickeren Uniformen trugen, hält Siblewski gleichfalls für abwegig. Der schönste Text aber widmet sich laut Siblewski einer Birke, die Jerofejew nahe dem Polarkreis gefunden hat: ganz unmodisch sentimental und - unmännlich?

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.12.2000

Die Frauenverächter
Viktor Jerofejews glänzende Glossen · Von Hannelore Schlaffer

Auf den Auslegetischen der Buchhandlungen, wo vor den Regalen noch einmal die Bestseller, Neuerscheinungen, Lieblingsromane des Ladenbesitzers ins Auge der Kunden gerückt sein sollen, finden sich meist mehrere Titel von Max Goldt, kein Buch aber von Viktor Jerofejew. Auch in den Regalen sucht man nach seinen Romanen, "Die Moskauer Schönheit", "Das Jüngste Gericht" meist vergebens. Die Entscheidung der Buchhändler, Jerofejew zu übersehen, wirft ein Licht nicht nur auf den Geschmack des Lesers, sondern vor allem auf den heute dominanten Stil des Feuilletons.

Die Glossen und Kolumnen, die der deutsche und der russische Schriftsteller sammelt, verhalten sich zueinander wie Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Der Geschmack des Publikums hat sich auf die Seite der ersteren geschlagen. Im Stil einer "neuen Mündlichkeit" holt Max Goldt - und mit ihm Maxim Biller, Joseph von Westphalen und andere - seine Erfolge ein. Diese Glossenschreiber plaudern nicht, sie plappern, sie bemühen kein Bildungswissen, sondern schauen den Leuten aufs Maul, sie distanzieren sich nicht …

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Viktor Jerofejew, 1947 in Moskau geboren, gilt als einer der führenden Autoren Russlands. Er schreibt regelmäßig für den New Yorker sowie für Geo, Die Zeit und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

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