Wie schon seine Teilung wurde auch die Wiedervereinigung
Deutschlands besonders aufmerksam in Korea verfolgt einem Land, das
bis auf den heutigen Tag selbst das Schicksal einer divided nation
erleidet. Young-Ae Chon, eine koreanische Germanistin, konzentriert
sich im vorliegenden Band auf die Lyrik. Anhand von Gedichten aus
der Wendezeit arbeitet sie heraus, wie die Lyrik mit ihrem kleinen
Umfang doch eine Serie von Zeitbildern bietet, wie sie als ein
Zugang zu Menschen mitten im geschichtlichen Wandel dient, wie sie
trotz ihres Anscheins der Subjektivität in hohem Maße im Dienst der
Zeitzeugenschaft und damit auch der Erinnerungsarbeit stehen kann,
indem sie dank ihrer konzentrierten Sprache eine ganz spezifische
Nachhaltigkeit erreicht.
Bei der Auswahl der untersuchten Gedichte standen zunächst
Sammlungen im Zentrum, die noch im Sog der historischen
Geschehnisse, nämlich im Jahr des Mauerbaus und in dem der
Wiedervereinigung, konzipiert wurden. Anschließend wird der Fokus
auf einzelne Dichter gerichtet: Reiner Kunze, Wolf Biermann, Volker
Braun, Günter Kunert, Heinz Czechowski, Uwe Kolbe, Durs Grünbein
und andere. Im abschließenden Kapitel wird ebenfalls anhand der
Lyrik die Lage im geteilten Korea betrachtet.
Young-Ae Chon, geb. 1951, ist Lyrikerin, Professorin für deutsche Literatur an der Seoul National University und ehemalige Präsidentin der Koreanischen Goethe-Gesellschaft. Veröffentlichungen zu Goethe, Kafka, Celan und zeitgenössischer Lyrik; Übersetzungen u.a. von Goethes Lyrik sowie "Dichtung und Wahrheit" und eigener Lyrik in koreanischer und deutscher Sprache.
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