Lügendetektor - Padover, Saul K.

Saul K. Padover 

Lügendetektor

Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45

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Lügendetektor

Als die amerikanischen Truppen im Oktober 1944 von Belgien aus nach Deutschland vorstießen, folgte den ersten Panzern ein unbewaffneter Offizier, der perfekt Deutsch sprach. Sein Auftrag war es zu erforschen, was in den Köpfen der Besiegten vorging. "Ich komme mir vor wie ein Ethnologe", sagte er sich, "der in das Gebiet eines unbekannten Stammes eindringt."
Seine Absicht war es nicht in erster Linie, die Nazis zu entlarven. Das war nicht nötig. Den kollektiven Wahn der Deutschen betrachtet er mit erstaunlicher Sachlichkeit. Dabei kam ihm zugute, dass die Deutschen noch keine Zeit gefunden hatten, sich komplizierte Ausreden zurechtzulegen. Die Zeit der Verdrängungen und Deckerinnerungen war noch nicht gekommen.
Seine Probanden waren vielfältig. Von der Bauerntochter bis zum Industriellen, vom Bischof bis zum Zwangsarbeiter, vom Nazibonzen bis zum kommunistischen Arbeiter hat er keine Schicht ausgelassen. Die Auskünfte zeugen von Mut und von kollektiver Depression, von Sel bstmitleid und unbelehrbarer Arroganz.
Auch von den politischen Auseinandersetzungen innerhalb der Militärregierung berichtet Padover und von den ersten Regungen einer deutschen Selbstverwaltung. Sein Bericht war einflussreich. Eisenhower hat sein frühes Plädoyer für eine zukunftsorientierte Deutschlandpolitik zu Rate gezogen und beherzigt. Es dürfte kein Zufall sein, dass diese wichtige Quelle nie ins Deutsche übersetzt worden ist. Auch nach einem halben Jahrhundert hat Padovers Bericht von seiner Brisanz nichts verloren.


Produktinformation

  • Verlag: Eichborn
  • 1999
  • 1999.
  • Ausstattung/Bilder: 334 S.
  • Seitenzahl: 334
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 132mm x 23mm
  • Gewicht: 539g
  • ISBN-13: 9783821844787
  • ISBN-10: 3821844787
  • Best.Nr.: 08137077
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.10.1999

Wie sollst du mich befragen?
Mein lieber Schwan: Nur eine Arie hörte Saul K. Padover 1945 von den Deutschen, vorwärts und rückwärts / Von Hartmut Hänsel

Als im September 1944 alliierte Truppen die Deutschen aus Frankreich zurückdrängen, wird den Amerikanern deutlich, dass sie wenig über den Feind wissen, den sie bald besiegt zu haben hoffen. Der Nachrichtenoffizier Saul K. Padover erhält daher den Auftrags herauszufinden, wie die Lage und vor allem die Stimmung im Reich aussieht. Er schlägt vor, über persönliche Interviews an politisch-militärische Informationen zu gelangen. Schließlich gilt es zu wissen, wie viel Widerstand von den Deutschen zu erwarten ist und wie groß die Aussicht ist, sie zu Demokraten umzuerziehen. Padover befragt zwischen September 1944 und Mai 1945 zahlreiche Deutsche in den von den Amerikanern befreiten Gebieten und meldet die aus den Interviews gewonnenen Ergebnisse an seine Vorgesetzten.

Die von ihm entwickelte Informationsbeschaffung prägt die Deutschland-Propaganda der Amerikaner und verkürzt den Krieg "um ein paar Sekunden", wie der Autor selbst es ausdrückt. Eine Schilderung seiner Reise von Paris …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Hier ist mal ein Kritiker, der sich Arbeit macht. Die Interviews, die der amerikanische Soldat Padover mit Deutschen am Ende und direkt nach dem Krieg geführt hatte, waren ja seinerzeit schon in englisch erschienen. Nun hat die Neuübersetzung in der "anderen Bibliothek" unter anderem in Aachen für Protest gesorgt. Der dortige Bürgermeister Franz Oppenhoff, der bis heute in Aachen verehrt wird, gehörte zu den Interviewten - und nun wurden Vorwürfe laut, die Neuübersetzung sei gekürzt. Hänsel hat verglichen. Tatsächlich hat die Übersetzung nur 62, statt 66 Kapitel, und auch innerhalb der Kapiteln wurde gekürzt. Wichtige Passagen aus dem Oppenhoff-Interview fehlen in der neuen Version. Dennoch empfiehlt Hänsel diesen "interessanten Reisebericht" dem Publikum, das diese Zeit nicht mehr selbst erlebt hat.

© Perlentaucher Medien GmbH

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