Ludwig Polzer-Hoditz (1868-1945) gehörte zu den wichtigsten und
selbständigsten Schülern Rudolf Steiners. In Prag geboren, erlebte
er den kulturellen Reichtum sowie den Niedergang der Donaumonarchie
aus nächster Nähe mit. Durch Rudolf Steiner, dessen Schüler er 1908
wurde, und durch seinen Bruder Arthur, Kabinettschef von Kaiser
Karl I., war er aber auch an der ersten Aussaat eines neuen
sozialen Aufbauimpulses beteiligt: der Dreigliederung des sozialen
Organismus. Zusammen mit seiner Frau Berta bewirtschaftete er das
Gut Tannbach b. Linz. Schicksalsmäßig mit der römischen Kaiserzeit
des zweiten Jahrhunderts verbunden, erkannte er das unberechtigte
Fortwirken römischer Impulse in der römischen Kirche. Ein von
römischen Tendenzen und westlichen Logenintentionen freies Europa
aufzubauen gehörte mehr und mehr zu seinen Herzimpulsen. Im
"Testament Peters des Großen" sah er dagegen eine
Quintessenz antieuropäischer Machtbestrebungen, die bis heute
dominierend wirken. Nach Steiners Tod
führte Polzer Gespräche mit Masaryk und Benes, verfasste
Memoranden, wirkte als Vortragender und pflegte ungewöhnliche
Freundschaften. Besonders verbunden war er Otto Lerchenfeld, Walter
Johannes Stein, Ita Wegman, Sophie und Menny Lerchenfeld und Paul
Michaelis. 1935 griff er mit einer bedeutenden Rede in den
tragischen Gang der Ereignisse innerhalb der Anthroposophischen
Gesellschaft ein. Vergeblich: Am Todestag von D.N. Dunlop trat er
1936 aus der AAG aus. Vermehrt arbeitete er nun am Brückenschlag
zwischen Mittel- und Osteuropa sowie an einer geistgetragenen
Verbindung mit dem Westen. Polzer veröffentlichte 1928 sein Werk
Das Mysterium der europäischen Mitte und 1937 seine Erinnerungen an
Rudolf Steiner. 1942 entstand ein noch unveröffentlichtes
karmisches Drama um Kronprinz Rudolf. Ludwig Polzer-Hoditz starb am
13. Oktober 1945 in Wien.
Thomas Meyer wurde 1950 in Basel geboren. Nach dem Humanistischen Gymnasium Studium von Philosophie, Germanistik und Anglistik. Später Waldorflehrerausbildung und Unterrichtstätigkeit. Ab 1985 freie Publizistik und Herausgabe des Nachlasses von W. J. Stein. Mitarbeit im Basler Troxler-Institut. 1990 Gründung des Perseus Verlages.
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