Lookalikes - Meinecke, Thomas
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Thomas Meinecke 

Lookalikes

Roman

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Lookalikes

Die poshe Düsseldorfer Königsallee ist ihr bevorzugtes Revier, dort flanieren sie auf und ab: Josephine Baker, Serge Gainsbourg, Marlon Brando, Elvis Presley, Justin Timberlake, Shakira (und wie sie alle heißen). Sie alle sind Lookalikes, haben sich bei einschlägigen Agenturen registrieren lassen und sind damit beschäftigt, ihre Ähnlichkeit mit den berühmten Namensträgern produktiv zu machen. Sie lesen Bücher (auch über ihre Idole), sehen sich Spielfilme an (wie gingen die Regisseure der Nouvelle Vague mit den Körpern der Frauen um?), haben Affären miteinander (zum Beispiel Josephine Baker und Justin Timberlake) und kommunizieren vorzugsweise elektronisch mit Hilfe sozialer Netzwerke (deren Jargon sich diesem Roman einschreibt). Dabei dreht sich alles um die Frage, inwiefern Männer und Frauen doch immer nur "Gattungswesen" sind?
Thomas Meinecke, mit allen postmodernen theoretischen Wassern gewaschener Literatur-Discjockey und Zitatraubritter, bekommt in seinem neuen Roman die Rechnung präsentiert: Der Text verschlingt seinen Autor und spuckt ihn als Romanfigur wieder aus und mitten hinein ins verspielte und gleichzeitig todernst gemeinte Treiben der Lookalikes und ihrer Role Models.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 392 S.
  • Seitenzahl: 392
  • Best.Nr. des Verlages: 42245
  • Deutsch
  • Abmessung: 204mm x 128mm x 35mm
  • Gewicht: 518g
  • ISBN-13: 9783518422458
  • ISBN-10: 3518422456
  • Best.Nr.: 33381922
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.10.2011

Lady Gaga jobbt bei Kaufhof Galeria

Doppelt gemoppelt: Thomas Meinecke schreibt mit "Lookalikes" einen Mischpultroman. Beim Samplen gibt es kein Original, nur Variationen des Immeranderen.

Von Daniel Haas

Shakira ist genervt von Lacan. Vor allem von den Tiervergleichen. Frauen und das Animalische, wenn das nicht nach Essentialismus klingt. Justin Timberlake liest Schlegels "Lucinde" und freut sich nebenbei, dass Lacan einst Bataille die Frau ausspannte. Josephine Baker hält sich unterdessen an afroamerikanische Kulturkritik, sie studiert die Schriften von Henry Louis Gates. Über so viel Denkarbeit gerät das Leibliche leicht in Vergessenheit. Zum Glück machen Marlon Brando und Elvis Presley einen Zwischenstopp am Alexanderplatz, um dort Crêpes mit Nutella zu essen. Dazu erörtern sie den Flyer des Techno-Clubs Berghain. Zu welcher Themennacht sollte man gehen? Slime? Oder doch lieber Gummi? Wir sind, ganz klar, in ein Paralleluniversum geraten. Aber wo liegen die Grenzen dieses Textes, in dem auch noch ein gewisser Thomas Meinecke auftaucht, in der Rolle des Kulturstipendiaten, der Brasilien bereist?

Schabernack mit der Realität …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Sind wir mal ehrlich, scheint Rezensent Jan Füchtjohann augenzwinkernd zu erklären: Wir alle leben doch längst aus der Konserve. Internet, Film, Musik, Buch, statt Orgasmus, Disco, Schützengraben. So gesehen möchte er Thomas Meinecke gern empfehlen. Gelingt ihm aber nicht. Als Referenzhöllenhüter nämlich sieht Meinecke gar nicht so gut aus, jedenfalls nicht in einer Reihe mit Enzensberger, Bachmann und den anderen. Der Rezensent muss schon weit zurückschauen, um zu verstehen, wie Meinecke zu der Ehre der Frankfurter Poetikdozentur kommt. Meineckes Anteil an der 1978 gegründeten Zeitschrift "Mode und Verzweiflung" scheint ihm jedenfalls mehr Eindruck zu machen, als Meineckes neues Buch, in dem sich eine Handvoll Düsseldorfer Prominenten-Imitatoren in guter alter Meinecke-Manier über Lacan auslassen. Das nervt, findet Füchtjohann. Als perfektionierter "Jargon der Uneigentlichkeit", wie er es nennt, ist es aber eigentlich auch enorm nah dran an der Wirklichkeit, oder?

© Perlentaucher Medien GmbH

"Meinecke komponiert seinen Textsound aus Fragmenten, die gleichwohl Eindrücke und Erkenntnisse von unserer Welt erzählen. Nicht einfach, aber anregend zu lesen."
Neue Presse, Hannover

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.01.2012

Alles irre komplex
Thomas Meineckes materialwütiger Roman „Lookalikes“
Die Bücher von Thomas Meinecke sind eine wilde Mischung. Fast immer finden sich darin Geschlechterfragen, Sex, Lacan, Postkolonialismus, irgendeine deutsche Stadt, Detroit-Techno und eine kleine Prise Handlung. Diese Mischung finden viele lecker, lesen sie aber eher nicht. Stattdessen loben sie, sehr popliterarisch, den „Sound“. Komisch, in der Disco lobt ja auch niemand die Grammatik.
Gemeint ist: Wer etwa beim Durchblättern von „Lookalikes“ mit dem Kopf nickt, hat noch lange nichts verstanden, sondern wippt einfach nur im Takt. Den klopft bei Meinecke die immer gleiche Textform: Früher hätte man sie „Bricolage“ genannt, später war dann von „Sampling“, „Zitatkarussell“, „Textkompilation“ oder „Referenzhölle“ die Rede. Soll heißen: Meinecke kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen und vom Stöckchen sofort auf die amerikanische Philosophin Judith Butler, was in seinem assoziativen Wahnsinn eher Singsang erzeugt als Sinn.
Das Ergebnis liest sich zumeist wie die Notizen zu einer im 26. Semester endgültig aus dem Ruder gelaufenen Magisterarbeit, manchmal …

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»Meineckes Figuren bestehen nie aus Fleisch und Blut, schon gar nicht, wenn sie >Thomas Meinecke< heißen. Sie setzen sich vielmehr immer nur aus den von ihnen konsumierten Texten, Filmen und Songs zusammen. Seltsamerweise sind sie genau darin echter als die meisten Geschichten über das vermeintlich echte Leben.«

»Meinecke komponiert seinen Textsound aus Fragmenten, die gleichwohl Eindrücke und Erkenntnisse von unserer Welt erzählen. Nicht einfach, aber anregend zu lesen.«
Thomas Meinecke, geboren 1955 in Hamburg, lebt seit 1994 in einem oberbayerischen Dorf. Er ist Schriftsteller, Musiker und Radio-DJ. Romanveröffentlichungen.

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