Logoland - Barry, Max

Max Barry 

Logoland

Roman

Aus d. Engl. v. Anja Schünemann
Broschiertes Buch
 
Vergriffen, keine Neuauflage
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Logoland

"Gegen Barrys Marketingwelt wirken die albtraumhaften Werbelandschaften aus Minority Report geradezu harmlos." -- New York Times Book Review

"Max Barry hat mit 'Logoland' eine beunruhigende und gleichzeitig unglaublich witzige Satire abgeliefert." -- Esquire

"In Max Barry turbulenter Satire gegen den globalen Kapitalismus bleibt im Kampf um Marktanteile kein Stein auf dem anderen." -- Entertainment Weekly


Produktinformation

  • Verlag: Heyne
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 399 S. m. Übers.-Kte.
  • Seitenzahl: 399
  • Heyne Bücher Nr.81065
  • Deutsch
  • Abmessung: 19 cm
  • Gewicht: 322g
  • ISBN-13: 9783453810655
  • ISBN-10: 3453810651
  • Best.Nr.: 23330149
"Eine Satire über die Folgen einer Amok laufenden freien Marktwirschaft, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt." (People Magazine)

"Eine Satire über die Folgen einer Amok laufenden freien Marktwirschaft, bei der einem das Lachen im Halse stecken bleibt." People Magazine

"Has you on the edge of your seat from the very beginning... a compelling story about consumerism, greed, and the people who try to survive in between." USA Today

"The most fun you'll find in a bookstore this year." TimeOut New York

"A total blast... funny and clever" The New York Times Book Review

"Brillant und wahnsinnig komisch." Naomi Klein

"Does just about everything right... wicked and wonderful, fast-moving and funny." Washington Post

"Refreshingly creative and unique... rip-roaring, action-packed, off-the-wall" Booklist

"Extremely funny... Barry is a smart writer with a Cassandra's gift for dark-edged prognostication" Time Magazine

"Frightening and funny... a riotous satirical rant" Entertainment Weekly

"Searing... hilarious... a thoroughly modern tale in the tradition of George Orwell and Aldous Huxley" Book Magazine

"Catch-22 by way of The Matrix" Kirkus Reviews

"Fresh and very clever... plenty entertaining." The Boston Globe

"Very cool... wonderfully dark" Atlanta Journal-Constitution

"Darkly hilarious" San Diego Union-Tribune

"Barry's got a snap and crackle few pop novelists can muster, let alone match" Bully Magazine

"Will hold up as one of 2003's best reads... whiplash action with sharp, and often hilarious, social commentary" HippoPress

"Corporations take a body slam... riotous parody" Bookpage

"Barry never allows the pace to falter" The News-Press (Florida)

"You weren't expecting anything ordinary from the author of Syrup, were you?" Library Journal

"Gegen Barrys Marketingwelt wirken die albtraumhaften Werbelandschaften aus Minority Report geradezu harmlos." New York Times Book Review

"Max Barry hat mit 'Logoland' eine beunruhigende und gleichzeitig unglaublich witzige Satire abgeliefert." Esquire

"In Max Barry turbulenter Satire gegen den globalen Kapitalismus bleibt im Kampf um Marktanteile kein Stein auf dem anderen." Entertainment Weekly

"Voller Witz, Humor und Verstand - 'Logoland' hält, was das gewagte Konzept verspricht. Das unterhaltsamste Buch des Jahres." Time Out

"Als hätte Fight Club-Autor Chuck Palahniuk bei der Matrix Regie geführt." USA Today

"Bissige, böse, brillante Utopie." TV Movie

"Ein Buch, das den Leser nicht loslässt." Münchner Merkur

"Ein absurd-witziger Zukunfsroman. Satire pur!" Maxi
Max Barry, 1973 geboren, lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Melbourne, Australien. Er arbeitete zunächst bei Hewlett-Packard, bevor er seine Festanstellung gegen das Schreiben von Romanen eintauschte.

Leseprobe zu "Logoland"

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Leseprobe zu "Logoland" von Max Barry

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Leseprobe zu "Logoland" von Max Barry

Teil l

Nike

Hack hörte am Wasserspender zum ersten Mal von Jennifer Government. Dass er sich überhaupt dort aufhielt, lag nur daran, dass das Gerät auf seiner Etage leer war. Das Gesetz werde über Nature's Springs hereinbrechen wie eine Tonne Scheiße, jede Wette. Hack war Merchandise Distribution Officer. Das hieß im Klartext: Wenn Nike eine neue Serie Plakate oder Kappen oder Strandlaken herausbrachte, hatte Hack dafür zu sorgen, dass sie ihren Bestimmungsort erreichten. Und wenn irgendwo Plakate oder Kappen oder Strandlaken fehlten, dann musste Hack sich mit den Beschwerdeanrufen herumschlagen. Auf die Dauer war das nicht besonders spannend.

"Eine Katastrophe ist das", sagte einer der Männer am Wasserspender. "Nur noch vier Tage, bis wir die Dinger auf den Markt werfen, und ich hab Jennifer Government am Arsch."

"Schöne Scheiße", sagte der andere. "Und was jetzt?"

"Wir müssen uns schnell was einfallen lassen." Er bemerkte Hack, der gerade seinen Becher füllte. "Hi."

Hack blickte auf. Die Männer lächelten ihn an, als ob sie ihn für ihresgleichen hielten - was natürlich nur daran lag, dass Hack sich auf einer fremden Etage befand. Sie wussten nicht, dass er nur ein Merc Officer war. "Hi."

"Hab dich hier noch nie gesehen", sagte der Katastrophen-Typ. "Neu?"

"Nein, ich arbeite im Merc."

Naserümpfen. "Ach so."

"Bei uns ist das Wasser alle", erklärte Hack und wollte eilig wieder verschwinden.

"He, wart mal", sagte der Typ im Anzug. "Hast du schon mal was mit Marketing zu tun gehabt?"

"Ahm ..." Hack wusste nicht recht, ob das ein Scherz sein sollte. "Nein."

Die Anzugtypen wechselten einen Blick. Der Katastrophen-Typ zuckte mit den Schultern. Dann streckten beide Hack die Hände entgegen. "Ich bin John Nike, Guerilla Marketing Operative, Produkt-Neueinführungen."

"John Nike, Vice-President Guerilla Marketing, Produkt-Neueinführungen", sagte der andere.

"Hack Nike", sagte Hack und schlug ein.

"Hack, ich bin zu Personalentscheidungen mittlerer Reichweite befugt", sagte Vice-President John. "Hättest du vielleicht Interesse an einem Job?"

"Im ... Marketing?" Hack spürte einen Kloß im Hals.

"Natürlich keine Festanstellung, nur auf Honorarbasis", stellte der andere John klar. Hack brach in Tränen aus.

"Hier", sagte einer der Johns und reichte ihm ein Taschentuch. "Geht's wieder?"

Hack nickte beschämt. "Tut mir Leid."

"Schon in Ordnung, kein Problem", sagte Vice-President John. "Berufliche Veränderungen können sehr belastend wirken. Hab ich mal irgendwo gelesen."

"Hier, lass uns den Papierkram erledigen." Der andere John drückte ihm einen Stift und einen Stapel Blätter in die Hand. Auf der ersten Seite stand VERTRAG ÜBER ZU ERBRINGENDE LEISTUNGEN, die übrigen Seiten waren unleserlich klein bedruckt.

Hack zögerte. "Soll ich das jetzt sofort unterschreiben?"

"Keine Sorge - nur die üblichen Konkurrenzklauseln und Geheimhaltungsverpflichtungen."

"Na ja, aber ..." Die Unternehmen wurden in letzter Zeit immer heikler mit ihren vertraglichen Bestimmungen. Hack hatte da Geschichten gehört - bei Adidas konnte man, wenn man kündigte und der Nachfolger nicht dasselbe leistete, wegen Gewinneinbußen verklagt werden.

"Hack, das hier ist was für Kurzentschlossene. Wir brauchen jemanden, der aus dem Stand entscheiden kann."

"Einen, der nicht lange rumfackelt, sondern den Stier bei den Hörnern packt."

"Wenn das allerdings nicht dein Ding ist ... vergessen wir das Ganze einfach. Schwamm drüber, dieses Gespräch hat nie stattgefunden, und du bleibst eben im Merchandising." Vice-President John wollte ihm den Vertrag wieder aus der Hand nehmen.

"Doch, doch, ich kann sofort unterschreiben", protestierte Hack und hielt die Papiere fester.

"Liegt ganz bei dir", sagte der andere John und setzte sich auf den Stuhl neben Hack. Er schlug die Beine übereinander, verschränkte die Hände über dem Knie und lächelte. Im Lächeln waren sie beide gut, bemerkte Hack. Wie wahrscheinlich alle diese Marketing-Fuzzis. Auch ihre Gesichter ähnelten sich auffällig. "Nur eine Unterschrift da unten."

Hack unterschrieb.

"Und da noch eine", sagte der eine John. "Und dann noch auf der nächsten Seite ... und da. Und da."

"Willkommen im Team, Hack." Vice-President John nahm den Vertrag und ließ ihn in einer Schublade verschwinden. "Und jetzt: Was weißt du über Nike Mercurys?"

Hack blinzelte."Das ist unsere neueste Entwicklung. Ich habe sie noch nicht selbst gesehen, aber ... ich hab gehört, dass sie fantastisch sind."

Die Johns lächelten. "Wir haben vor einem halben Jahr die ersten Mercurys auf den Markt gebracht. Und weißt du, wie viele Paar seitdem abgesetzt wurden?"

Hack schüttelte den Kopf. Mercurys kosteten Tausende Dollar pro Paar, aber das hielt die Leute sicher nicht davon ab, sie zu kaufen. Sie waren die heißesten Sneakers der Welt. "Eine Million?"

"Zweihundert."

"Zweihundert Millionen?"

"Nein, zweihundert Paar."

"John hatte die bahnbrechende Idee, das Produkt zurückzuhalten, um den Markt anzuheizen. Das steigert die Nachfrage bis zur Ekstase."

"Und jetzt ist es Zeit abzukassieren. Am Freitag werfen wir 400 000 Paar auf den Markt, und zwar zum Preis von jeweils zweieinhalb Riesen."

"Was uns bei Produktionskosten von - wie viel war das noch mal?"

"85."

"... bei Produktionskosten von 85 Cent einen Bruttogewinn von knapp einer Milliarde Dollar einbringt." Der andere John blickte Vice-President John an. "Genialer Schachzug."

"Im Grunde ein ganz simpler Trick", sagte der Vice-President. "Aber jetzt kommt der Haken: Wenn die Leute merken, dass es die Mercurys in jeder Mall im ganzen Land gibt, dann ist die Nachfrage, die wir so mühsam aufgebaut haben, mit einem Schlag wieder dahin. Hab ich Recht?"

"Klar." Hack hoffte, dass das überzeugend klänge. Eigentlich verstand er rein gar nichts von Marketing.

"Und weißt du, wie wir das verhindern werden?"

Er schüttelte den Kopf.

"Wir knallen die Leute, die welche kaufen, einfach ab."

Schweigen. "Was?", fragte Hack ungläubig.

"Na ja, natürlich nicht alle", schränkte der andere John ein. "Wir haben uns überlegt, dass wir nur ... was hatten wir gesagt, wie viele wir kaltmachen? Fünf?"

"Zehn", korrigierte Vice-President John. "Sicher ist sicher."

"Genau. Wir legen zehn Käufer um, lassen es so aussehen, als wären es Getto-Kids gewesen, und schon haben wir Street Credibility bis zum Abwinken. Ich wette, wir werden auf die Art und Weise unseren gesamten Bestand in 24 Stunden los."

"Ich weiß noch, früher ... da war auf diese kleinen Straßengören echt Verlass. Haben immer irgendwen für die neuesten Nikes abgeknallt", sinnierte Vice-President John. "Heutzutage gehen sie den Leuten schon für Reeboks ans Leder, für Adidas - und sogar für gottverdammte Billig-Imitate."

"Kein Modebewusstsein mehr auf der Straße", seufzte der andere John. "Die würden wahrhaftig jeden Schrott anziehen."

"Es ist eine Schande! Na ja - Hack, ich denke, du hast kapiert, worum es geht. Wir reden hier von einer bahnbrechenden Kampagne."

"Das ist mehr als provokant - es ist der Inbegriff des Provokanten", ergänzte der andere John.

"Ähm ..." Hack schluckte."Ist das nicht irgendwie ... illegal?"

"Er fragt, ob es illegal ist!", sagte der eine John belustigt. "Du bist ein echter Witzbold, Hack. Ja, es ist allerdings illegal, Leute ohne deren Zustimmung umzubringen. Das ist sogar ganz verdammt illegal!"

Vice-President John ergriff wieder das Wort. "Aber die entscheidende Frage für uns lautet: Was kostet es uns? Selbst wenn man uns auf die Schliche kommt - dann gehen eben ein paar Millionen für Anwaltskosten drauf, ein paar Millionen für Geldstrafen ... Aber unterm Strich haben wir immer noch einen riesigen Schnitt gemacht."

Eine ganz bestimmte Frage brannte Hack gewaltig auf den Nägeln. "Und dieser Vertrag ... was steht da jetzt drin, was habe ich dabei zu tun?"

Der John neben ihm faltete die Hände."Tja, Hack, wir haben dir unseren Plan erklärt. Was wir von dir wollen, ist ..."

"... dass du ihn ausführst", ergänzte Vice-President John.

McDonald's

Erst als Hayley vorn an der Tafel stand, fiel ihr zum ersten Mal auf, wie viele ihrer Mitschülerinnen blond waren. Das war der reinste Sandstrand. Sie hatte den Trend verschlafen. Gleich nach der Schule würde sie schnurstracks zum Frisör gehen müssen.

"Bitte, du hast das Wort", sagte der Lehrer.

Hayley warf einen Blick auf ihre Notizkärtchen und holte tief Luft. "Warum ich Amerika liebe, von Hayley McDonald's. Amerika ist der großartigste Zusammenschluss von Ländern auf der Welt, weil wir frei sind. In Ländern wie Frankreich, wo die Regierung nicht privatisiert ist, müssen die Menschen noch Steuern zahlen und alles tun, was die Regierung ihnen vorschreibt, was ganz schön ätzend sein muss. Wir in den USA-Ländern respektieren die Rechte des Individuums, und bei uns darf jeder tun, was er will."

Der Lehrer kritzelte etwas auf seinen Notizblock. McDonald's gesponserte Schulen waren wirklich billig ausgestattet. In den Pepsi-Schulen hatten alle Notebooks. Deren Schuluniformen waren auch viel cooler. Mit dem Golden Arches-Firmenlogo auf dem Rücken hatte man es wahrhaftig nicht leicht, cool zu sein.

"Bevor in den USA-Ländern die Steuern abgeschafft wurden, nahm die Regierung den Menschen, die arbeiteten, Geld weg und gab es denen, die keinen Job hatten. Das heißt, je nutzloser man war, desto mehr Geld bekam man." Keine Reaktion von den Mitschülern. Selbst der Lehrer verzog keine Miene. Hayley stutzte - das hätte eigentlich ein Brüller sein sollen.

"Aber jetzt haben wir in Amerika die besten Unternehmen und massenhaft Geld, weil alle arbeiten und die Regierung das Geld nicht für Kampagnen, Wahlen, neue Gesetze und solchen Schwachsinn verpulvern kann. Sie sorgt nur dafür, dass keiner stiehlt oder einen anderen verletzt. Den Rest regelt die Privatwirtschaft, die - wie ja jeder weiß - sowieso viel effizienter arbeitet." Hayley warf einen Blick auf ihre Notizen, ja, das war alles. "Zum Abschluss möchte ich noch sagen, dass Amerika der großartigste Zusammenschluss von Ländern auf der Welt ist und dass ich stolz bin, in den Australischen Territorien der USA zu leben!"

Spärlicher Applaus. Es war das achte Referat in diesem Kurs. Allmählich riss der Kapitalismus offenbar niemanden mehr vom Hocker, stellte Hayley fest. Sie wollte zu ihrem Platz zurückkehren.

"Augenblick noch", meinte der Lehrer. "Ich habe ein paar Fragen."

"Oh", sagte Hayley.

"Haben Steuern auch positive Aspekte?"

So eine billige Frage, dachte Hayley erleichtert. "Manche finden Steuern gut, weil auf diese Art Leute Geld bekommen, die keins haben. Aber wer kein Geld hat, muss doch entweder faul oder dumm sein, und warum soll er dann das Geld von anderen Leuten bekommen? Die Antwort ist also ein klares Nein."

Der Lehrer kniff die Augen zusammen und machte sich eine Notiz. Bestimmt war er schwer beeindruckt von ihrer Antwort. "Und wie steht es mit sozialer Gerechtigkeit?"

"Bitte?"

"Ist es denn gerecht, dass manche Leute reich sind, während andere gar nichts haben?"

Hayley trat von einem Fuß auf den anderen. Gerade war ihr eingefallen: Dieser Lehrer hatte es mit der Armut. Er ritt ständig darauf herum. "Ähm ... ja, das ist gerecht, weil ... wenn ich zum Beispiel für eine Prüfung ordentlich büffele und die volle Punktzahl bekomme, und Emily tut nichts und fällt durch ." Die Klasse horchte auf. Emilys blonde Augenbrauen zuckten in die Höhe." ... dann wäre es doch wohl ungerecht, mir Punkte wegzunehmen und sie ihr zu geben, oder etwa nicht?"

Der Lehrer runzelte die Stirn. Hayley geriet plötzlich in Panik. "Außerdem - in den Nicht-USA-Ländern sollen alle Leute gleich sein. Wenn man da zum Beispiel eine Schwester hat, die blind zur Welt gekommen ist, wird man auch geblendet - zum Ausgleich. Ist das nicht furchtbar ungerecht? Ich bin jedenfalls lieber Amerikanerin als EU-Mensch." Sie strahlte ihre Mitschüler an. Diese klatschten jetzt erheblich eifriger als zuvor. "War das alles?", fragte sie hoffnungsvoll.

"Ja, danke."

Welch Erleiterung! Während sie zu ihrem Platz ging, zwinkerte ein cooler Typ in der dritten Reihe ihr zu.

"Übrigens, Hayley", sagte der Lehrer, "in den Nicht-USA-Ländern wird niemand geblendet."

Hayley blieb stehen. "Tja, ist doch irgendwie scheinheilig, nicht?"

Die Klasse johlte. Der Lehrer öffnete den Mund, doch dann schloss er ihn wieder. Hayley setzte sich. Astreiner Auftritt, dachte sie. Dem hatte sie es gezeigt.

Hack bog in eine Seitenstraße ein und parkte seinen Toyota. Das Auto knatterte wütend und stieß eine schwarze Rauchwolke aus. Hack brauchte dringend ein neues. Wenn sich dieser Job auszahlte, würde er vielleicht aus St. Kilda wegziehen und sich eine etwas geräumigere Wohnung mieten können, vielleicht mit mehr Tageslicht.

Er schüttelte wütend seinen Kopf. Was waren das bloß für Gedanken? Er würde niemanden erschießen. Noch nicht mal für eine bessere Wohnung.

Er stieg die Treppe zur zweiten Etage hoch und schloss die Tür auf. Im Wohnzimmer hockte Violet im Schneidersitz auf dem Boden, ihr Notebook auf dem Schoß. Violet war seine Freundin. Außer ihr kannte er niemanden, der keine Anstellung hatte - abgesehen von den Obdachlosen, die manchmal versuchten, von ihm Geld zu schnorren. Violet war selbstständige Unternehmerin. Eines Tages würde sie bestimmt reich sein - klug und energisch wie sie war. Manchmal wusste Hack nicht recht, warum sie eigentlich zusammen waren.

Er ließ die Aktentasche fallen und wand sich aus seiner Jacke. Der Tisch war übersät mit Rechnungen. Hack hatte sich bei seiner letzten Gehaltsverhandlung nicht besonders geschickt angestellt, was ihn jetzt ziemlich wurmte. "Violet?"

"Hmm?"

"Kann ich mal mit dir reden?"

Ohne aufzublicken, fragte sie: "Ist es was Wichtiges?"

"Ja."

Sie runzelte die Stirn. Hack wartete. Violet ließ sich nicht gern bei der Arbeit stören. Violet ließ sich überhaupt nicht gern stören. Sie war klein und zierlich und wirkte mit ihrem langen, braunen Haar viel zerbrechlicher, als sie tatsächlich war. "Was gibt's?"

Er setzte sich auf die Couch. "Ich habe eine Dummheit gemacht."

"Oh nein, Hack, nicht schon wieder!"

Hack hatte in letzter Zeit mehrmals auf dem Heimweg die richtige Abzweigung verpasst. Am vergangenen Dienstag war er auf eine Premium-Straße geraten und hatte elf Dollar an Gebühren verpulvert, ehe eine Abfahrt kam. "Nein, ich meine eine richtig große Dummheit." "Was ist passiert?"

"Tja, also man hat mir einen Job angeboten ... im Marketing ..."

"Ist doch spitze! Wir können das Geld gut gebrauchen."

"... und ich habe einen Vertrag unterschrieben, ohne ihn vorher zu lesen."

Pause. "Oh", sagte Violet dann. "Na ja, vielleicht ist ja gar nichts dabei ."

"Da steht drin, dass ich Leute umbringen muss."

"Dass du was?"

"Das Ganze ist so eine Art Promotion-Kampagne. Ich muss ... ähm ... zehn Leute umbringen."

Einen Moment lang sagte sie gar nichts. Hack hoffte nur, dass sie ihn nicht anschreien würde. "Ich glaube, ich sehe mir diesen Vertrag lieber mal an."

Er ließ den Kopf hängen.

"Du hast keine Kopie davon?"

"Nein."

"O Hack!"

"Tut mir Leid."

Violet biss sich auf die Lippe.

"Also, du kannst das auf keinen Fall durchziehen. Diese Regierungsleute sind nicht solche Weicheier, wie alle meinen. Die würden dich garantiert schnappen. Andererseits weißt du aber nicht, was für Strafklauseln in dem Vertrag stehen ... Ich finde,du solltest zur Polizei gehen."

"Meinst du wirklich?"

"An der Chapel Street ist eine Wache. Wann sollst du ... es machen?" "Freitag."

"Geh zur Polizei. Jetzt sofort."

"Okay. Du hast Recht." Hack griff nach seiner Jacke. "Danke, Violet."

"Warum passieren solche Sachen immer ausgerechnet dir, Hack?"

"Ich weiß es nicht", sagte er. Ihm war zum Heulen zu Mute. Behutsam zog er die Tür hinter sich zu.

Die Polizeiwache war nur ein paar Häuserblocks entfernt. Beim Anblick des Gebäudes schöpfte Hack gleich neue Zuversicht. An der neonblau angestrahlten Fassade stand unter einem blinkenden Blaulicht in riesigen Buchstaben das Wort POLIZEI. Wenn es jemanden gab,der ihm aus diesem Schlamassel heraushelfen konnte, dann müsste dieser Jemand in einem solchen Gebäude zu finden sein, dachte Hack.

Die Automatiktür glitt auf, und Hack ging zum Empfangsschalter. Eine Frau in Uniform - Hack wusste nicht, ob sie eine echte Polizistin war oder eine stilecht gekleidete Empfangsdame - lächelte. Aus einem Lautsprecher ertönte der Song aus der Fernsehwerbung der Polizei, Every Step You Take.

"Guten Abend, was kann ich für Sie tun?"

"Ich habe da ein Problem, das ich gern mit einem Officer besprechen würde,bitte."

"Darf ich fragen, worum es geht?"

"Ähm, tja ... man hat mich beauftragt, jemanden umzubringen",erklärte Hack. "Genauer gesagt, mehrere Leute."

Die Augenbrauen der Empfangsdame zuckten einen Millimeter nach oben und kehrten gleich darauf in ihre Ausgangsposition zurück. Hack atmete erleichtert auf. Eine Strafpredigt von der Empfangsdame hätte ihm gerade noch gefehlt. "Nehmen Sie bitte einen Moment Platz, Sir. Ein Officer wird gleich bei Ihnen sein."

Hack ließ sich in einen weichen, blauen Sessel sinken und blätterte in einer Zeitschrift herum. Nach ein paar Minuten kam ein Polizist auf ihn zu. Hack erhob sich."Ich bin Senior Sergeant Pearson Police", stellte der Mann sich vor und begrüßte Hack mit einem festen Händedruck.

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