LJOD. Das Eis - Sorokin, Vladimir

Vladimir Sorokin 

LJOD. Das Eis

Roman

Aus d. Russ. v. Andreas Tretner
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LJOD. Das Eis

In Moskau passieren rätselhafte Morde, eine geheime Bruderschaft untergräbt die russische Gesellschaft und im Herzen eines Meteoriten in der sibirischen Steppe schlummert eine geheimnisvolle Substanz, die über das Schicksal der Menschheit entscheiden könnte: LJOD - das Eis. Ein fantastisches, apokalyptisches Politmärchen vom umstrittenen russischen Kultautor. Verstörend und bildgewaltig wie kein anderer inszeniert Sorokin in LJOD die menschliche Suche nach dem verlorenen Paradies.


Produktinformation

  • Abmessung: 186mm x 118mm x 27mm
  • Gewicht: 314g
  • ISBN-13: 9783833302985
  • ISBN-10: 3833302984
  • Best.Nr.: 13449738
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Sorokin mag es drastisch: Herzen sollen wieder sprechen, müssen jedoch erst wachgeklopft werden. Eine Sekte macht Jagd auf blonde, blauäugige Menschen. Mit großen Eis-Hämmern dreschen die Erleuchteten auf den Brustkorb eines Entführten ein. Wer stirbt, war hohl, wertlos für die Sekte. Ist der Entführte einer der ihren, erwacht das Herz nach langem Schlaf und beginnt zu sprechen. Vladimir Sorokin lässt die Erleuchteten in Stalins Sowjetunion in höchsten Ämtern agieren, in Nazideutschland reichen ihre Verbindungen bis in die SS-Spitze. Dass er über den Totalitarismus schreibe, behaupten viele nicht erst seit Erscheinen dieses Romans. Nein: Sorokin schreibt über die Suche des Menschen nach Metaphysik und Sinn im 20. Jahrhundert. Dabei wertet er nicht, und das stellt eine große Herausforderung für den Leser dar. Die Mittel der Sekte unter Stalin und Hitler sind Mittel der Zeit. In der Warenwelt Russlands Anfang des 21. Jahrhunderts ersetzen Wellness-Sets die tödliche Methode: kapitalistische Marktstrategie statt Gewalt. Sprachlich ist "Ljod" nicht so stark wie Sorokins frühere Romane, vor allem der wohl satirisch gemeinte dritte Teil baut (übersetzungsbedingt?) ab. Dem steht die Geschichte gegenüber, die Sorokin erzählt. Sie kommt vor allem in ihrer Vielschichtigkeit so genial daher, wie man es von dem Russen schon lange gewohnt ist. Überrascht ist man gleichwohl jedes Mal von neuem. (jw)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.10.2003

Brüder, zur Sonne, zum Lichte empor
Mit dem Eishammer gegen das Brustbein gefahren: Vladimir Sorokin befreit Russland von sich selbst
Jemand hat Leonid Batow gegen die Brust geklopft: Jetzt erinnert sich der Filmregisseur an seine Kindheit in der russischen Provinz. Ein Specht ist in einem Wäldchen in der Nachbarschaft aufgetaucht, schwarz, mit zottigen weißen Füßen, weißem Kopf und größer als alle Spechte, die man dort je gesehen hat. Wie besessen hat dieser Specht gehämmert, schallend laut und ohne Pause. Doch dann hat ihn ein Knabe mit einem Stein vom Baum geschossen und an einem Ast aufgehängt, mit dem Kopf nach unten. Er habe schrecklich heulen müssen, berichtet Leonid Batow. Und weint wieder über den Tod des Vogels, heftiger noch als damals. Denn Leonid Batow ist aufgeklopft worden; er hat sein Herz entdeckt, und sein Herz spricht, was alle Herzen sprechen: nur Worte der Liebe.
Vom Klopfen handelt „Ljod” oder „Das Eis”, der jüngste Roman des russischen Schriftstellers Vladimir Sorokin, das Manifest einer metaphysischen Sehnsucht, der nichts gewisser ist als das Unsinnige ihrer selbst. Um Menschen geht es, denen ein Hammer aus dem …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.08.2002

Die Eistester
Ist das Pornographie? Wladimir Sorokins jüngster Roman "Ljod"

MOSKAU, im August

Nachdem die von der Moskauer Staatsanwaltschaft bestellten Experten in Wladimir Sorokins drei Jahre altem Roman "Himmelblauer Speck" Passagen entdeckten, die sie für pornographisch halten (F.A.Z. vom 7. August), ließ man vorsichtshalber auch Sorokins neuestes Buch, den Roman "Ljod" (Eis), auf Sittenwidrigkeit überprüfen. Diesmal war der Befund negativ. Das in diesem Jahr erschienene Werk enthält einige wenige Sex-Szenen, die von Sorokin erbarmungslos protokollarisch geschildert werden. In der früheren Prosa des Schriftstellers, dessen künstlerischer Blick mit der Zeit philosophische Abgeklärtheit gewonnen hat, hätte man erheblich mehr solcher Stellen finden können.

Das nährt den Verdacht, daß sich die Säuberer der russischen Kultur gar nicht so sehr über Pornographie aufregen, zumal echte Pornographie an jeder Straßenecke zu haben ist und etwa der Kampf gegen die Internet-Vertreiber von pädophilen Bildern am zähen Widerstand der Moskauer Staatsanwaltschaft scheitert. Außer in Thailand gibt es heute nur in Rußland kein Gesetz …

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"Dieser Roman zieht die Summe des verrückten 20. Jahrhunderts und markiert den vorläufigen Gipfel in Sorokins Schaffen." (Tagesspiegel)<br/><br/>"In <em>LJOD. Das Eis</em> macht der Autor seinem Namen als bedeutendstes enfant terrible der russischen Literatur alle Ehre." (taz)<br/><br/>

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Sehr angetan, geradezu angerührt ist Herrmann Wallmann von diesem Buch. Liebevoll erzählt er seine vier Teile nach, obwohl er findet, dass "eine Inhaltsangabe alt aussieht" angesichts des "schrill und schräg" komponierten Textes. Und am Ende seiner Besprechung biegt Wallmann den für ihn "wunderschönen, leisen Schluss" in der Art eines Kinderbuches zurück zur am Anfang stehenden Hiob-Frage. Es ist die Sinnfrage, der sich Sorokin in seiner oft "ostentativ geschmacklos" erzählten Sektengeschichte verweigert und dabei "die faschistischen wie die stalinistischen Totalitarismen" bewältigt, findet Wallmann. "Diametral entgegen" stellt sich Sorokin mit seinem "qua Un-sinn unvereinnahmbaren Buch" der anderen Art von Schweigen, lobt der Rezensent, nämlich dem aus harmlos-gutwilliger Betroffenheit. Nur dies sei das "Verbrechen" Sorokins, der in Moskau mit Anzeigen überhäuft wurde, und Wallmann zieht tief vor ihm den Hut.

© Perlentaucher Medien GmbH
Vladimir Sorokin, geb. 1955, gilt als der bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller Russlands. Er ist einer der schärfsten Kritiker der politischen Eliten Russlands und sieht sich regelmäßig heftigen Angriffen regimetreuer Gruppen ausgesetzt.

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