Literarische Interpretationen des 11. September: Vom Umgang mit Erinnerung
Magisterarbeit aus dem Jahr 2010 im Fachbereich Amerikanistik -
Literatur, Note: 1,7, Technische Universität Chemnitz (Anglistik /
Amerikanistik), Sprache: Deutsch, Abstract: Der 11. September 2001
ist wahrscheinlich der am besten dokumentierte Tag der Geschichte.
Millionen Menschen sahen live im Fernsehen, wie die Türme des World
Trade Center in sich zusammen fielen. Die Einschätzung der
Tragweite dieses Ereignisses, insbesondere in kultureller Hinsicht,
hat in den letzten Jahren stark variiert und verändert sich noch in
Abhängigkeit von der verstrichenen Zeit und von der kulturellen
Produktion zum Thema.Nach mittlerweile neun vergangenen Jahren seit
2001 ist die zuerst postulierte Undarstellbarkeit der Anschläge
nicht mehr haltbar. Viele Romane wurden seitdem über oder um 9/11
herum geschrieben, publiziert und besprochen. Zwei dieser Romane
sollen in der vorliegenden Arbeit analysiert werden, Falling Man
von Don DeLillo und Netherland von Joseph O Neill. Beide behandeln
9/11 auf sehr unterschiedliche Arten, bieten aber dennoch genügend
Gemeinsamkeiten, damit ein Vergleich sinnvoll ist. Insgesamt geht
es bei der literarischen Verarbeitung von 9/11 immer auch um die
Frage, wie dieses Ereignis in Zukunft erinnert werden soll. Somit
bietet sich für diese Arbeit ein erinnerungstheoretischer Ansatz
an, mithilfe dessen sowohl die Nachahmung und Darstellung von
individuellem Erinnern untersucht werden kann, als auch die
Verhandlung von kollektiven Erinnerungen. Dabei werden auch
Traumatheorie und Identitätsbildung eine zentrale Rolle spielen,
denn natürlich war 9/11 ein traumatisches Ereignis. Außerdem ist
eine der zentralen Thesen der Kulturwissenschaften heute, dass
Erinnerungen und Identität in einer Wechselbeziehung stehen. Somit
ist es auch für das aktuelle Selbstverständnis einer Kultur
wichtig, wie vergangene Ereignisse kollektiv erinnert werden. Und
gerade weil 9/11 auch ein historisches Ereignis ist, bleibt es dann
nicht aus, nach dem Zusammenwirken von realen Geschehnissen und
Literatur zu fragen.Die vorliegende Arbeit will also vor allem
untersuchen, wie 9/11 in den beiden gewählten Romanen erinnert wird
und welches Bild vom 11. September sich daraus für die jeweilige
Gegenwart der Romane ergibt. Dabei soll gezeigt werden, dass 9/11
in beiden Romanen als traumatisches Ereignis verarbeitet wird, und
zwar sowohl auf individueller als auch auf kollektiver Ebene.
Weiterhin stellt sich die Frage, wo sich innerliterarische Diskurse
an außerliterarische Diskurse anschließen und ob man daraus auch
Aussagen zum historischen 11. September ableiten kann.
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