Was hat Odysseus' Ehebett mit der Kulturgeschichte der Olive zu
tun? Wie kommt der französische Renaissance-Dichter Joachim du
Bellay dazu, einen ganzen Olivenhain von Sonetten zu dichten? Irrte
sich Shakespeare, als er "Oliven von endloser Dauer"
verkündete? Was bedeuten "gefüllte Oliven" beim
ungarischen Romancier Sándor Márai? Ob wir im Olivenbaum den ersten
Demokraten des Abendlandes oder van Goghs letzten Therapeuten
vermuten dürfen, in der Hand des sterbenden Somerset Maugham einen
Fetisch für die Sehnsucht nach dem Süden entdecken oder mit dem
Philosophen Mark Aurel in der fallenden Olive ein Symbol für das
Menschenleben erkennen - eine Vielzahl amüsanter, Staunen
erregender oder nachdenklich stimmender Geschichten ist aufgehoben
in Ralph Dutlis hinreißendem Bändchen über eine kleine Frucht mit
dem botanischen Namen "Olea europaea sativa".
Ralph Dutli, geboren 1954 in Schaffhausen/Schweiz, Studium der Romanistik und des Russischen in Zürich und Paris. Er lebte von 1982 - 1994 in Paris. Er ist Essayist, Lyriker und Übersetzer sowie Herausgeber der zehnbändigen Ossip-Mandelstam-Gesamtausgabe. Mehrfache Auszeichungen, u. a. 2002 der Stuttgarter Literaturpreis. Der Autor lebt in Heidelberg.