Liebe, Leid und Größenwahn - Hintz, Hans

Hans Hintz 

Liebe, Leid und Größenwahn

Eine integrative Untersuchung zu Richard Wagner, Karl May und Friedrich Nietzsche

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Liebe, Leid und Größenwahn

Richard Wagner, Karl May, und Friedrich Nietzsche, Ausnahmeerscheinungen jeder für sich schon in seiner Domäne, sind in einem Zusammenhang zu sehen, der zusätzliches Interesse an der Beschäftigung mit ihnen beanspruchen darf. Ob als Protagonisten 'meisnischer Geistigkeit' (Nadler), 'Dreigestirn des 19. Jahrhunderts' (Scheier), 'Führermentoren' (K. Mann) oder, salopp formuliert, 'unverwüstliche Dauerbrenner' der Wirkungsgeschichte bis in die Gegenwart: Ein inneres Band zwischen ihnen anzunehmen, ist keine neue Idee, eine solche aber, der konsequent bisher nicht nachgegangen wurde. Gerade die 'typologische' Betrachtungsweise, die den lebensgeschichtlichen Kontakt nicht voraussetzt, vermag hier einiges Neue zutage zu fordern und vor allem das vermeintlich nur 'schwarze Schaf' Karl May als vollwertiges Mitglied des Triumvirats zu erweisen. Ein Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf den lebensgeschichtlichen Voraussetzungen den Sozialisationsbedingungen zum einen, den existentiellen Entwürfen zum anderen, 'wodurch das Kind sich dazu bringt, das zu sein, was man aus ihm gemacht hat' (Sartre). In der Tat: Ein Blick in die 'Kinderstube' der drei Männer entdeckt überraschend ähnliche Strukturen: in den familiären Verhältnissen, in den seelischen Reaktionsweisen sowie in den Bildungsmomenten der Persönlichkeit, nicht zuletzt auch im Hinblick auf ihre genuine intellektuell-künstlerische Produktivität. Von daher erhellt manches mehr, was sich rhapsodisch bisher nur von Wagner, May und Nietzsche im Kontext sagen lies.

Inhaltsverzeichnis:
Einleitung 24
Größenphantasien bei Hölderlin 24 - Was den Schwaben mit den drei Sachsen verbindet: menschliche Elementarerfahrungen, "Schicksalsverwandtschaft" mit Nietzsche 26 - Epochale Krisenerfahrung und "Dichter des deutschen Sonderweges" 29 - Nationalstaat versus Kulturnation 30 - Auf Distanz zum Deutschen Reich 31 - Hitler und die Deutschen: "hörige Liebe", Narzißmus und Größenwahn 33 - Vom Führer in Anspruch genommen 35 - Nach der Katastrophe: Nationalstaat diskreditiert 36 - Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft 37 - Wirtschaftswunder und konsumtiver Narzißmus 37
1. Teil: Konstitution und Personalisation 41
I. Das Land 43
Sachsen: ein "Herzland" Deutschlands 43 - Das alte und das neue Sachsen 43 - Paradigma einer alternativen Geschichtsschreibung 44 - Luther und die Reformation als historisch-kultureller Brennpunkt 45 - Religiosität und Nonkonformismus 46 - Volkstümlichkeit und Sprachbildung 47 - Späte Zeitzeugen: Wagner, May und Nietzsche 50
II. Die Familien 51
Häuslichkeit und Gemütlichkeit in der Klassengesellschaft 52 - Erziehung zwischen Tradition und Aufklärung 52
1. Die Familien Wagners, Mays und Nietzsches 55
Wagner: Die Vorfahren 55 - Die Väter Friedrich Wagner und Ludwig Geyer 56 - Die Mutter Johanna Rosine 58 - Die Schwester Rosalie 60 - Der Onkel Adolf 61;
May. Die Vorfahren 62 - Der Vater Heinrich August 64 - Die Mutter Christiane Wilhelmine 65 - Die Schwester Christiane Wilhelmine 66 - Die Großmutter Johanne Christiane 67;
Nietzsche: Die Vorfahren 69 - Der Vater Carl Ludwig 69 - Die Mutter Franziska 71 - Die Schwester Elisabeth 72 - Der Großvater David 73
2. Vergleich 74
Ausgeprägtes Gefühl der Brüchigkeit menschlicher Beziehungen 74 - Bemerkenswerte Tradition schulischer und kirchlicher Amtstätigkeit 75 - Kontinuität und Niedergang der Familien 76 - Erwartungen und Anspruchsdenken der Eltern 77 - Schwache Väter, starke Mütter 78 - Die Helfer: Onkel, Schwestern, Großeltern 79
III. Die großen Söhne 82
1. Lebensläufe 82
Wagner: Werdegang bis zum Dresdner Kapellmeister 82 - Die Jahre des Exils, auf der Suche nach einer Heimat 83 - Der Glücksfall König Ludwig, Niederlassung in Bayreuth 84;
May: Irrungen und Wirrungen eines sozial Deklassierten 85 - Aufstieg zum erfolgreichen Schriftsteller 86 - Der Glücksfall Fehsenfeld, die Villa in Radebeul 87;
Nietzsche: Vom "kleinen Pastor" zum Hochschulprofessor 89 - Der "Fall Wagner", menschliche und geistige Neuorientierung 90 - Unstetes Leben zwischen Meer und Gebirge 91
2. Entwürfe
a) Die Entwurfsstruktur der Kindheit 92
Wagner: Die "große Verstörung" 92 - Eine Mutter und zwei Väter 93 - Wechselnde Koalitionen 94;
May: Soziales Elend, frühes Leid 96 - Vater, Mutter und Geliebter 96 - Die Heilige und der Tyrann 98;
Nietzsche: Die trügerische Pfarrhausidylle 99 - Allein unter Frauen 100 - Die Vater-Mutter-Symbiose 102
b) Die Reproduktion der Struktur im Erwachsenenleben. Adoleszenz und Beruf 104
Wagner: Überdeterminierung und Eigensinn 104 - Zwei Väter, zwei Lehrer: C. G. Müller und Theodor Weinlig 106;
May: "Pseudologia phantastica" als produktive Kraft 107 - Der "heilige Vater": Johannes Kochta 108;
Nietzsche: Die hohe Kunst der Verstellung 109 - Der Adoptiwater: F. W. Ritschi 111
c) Die Reproduktion der Struktur im Erwachsenenleben. Spätere Umbrüche und Krisen 112
Wagner: Die einmalige Inszenierungschance: der Dresdner Aufstand 112 - Der Tod der Mutter als Befreiung 114 - Gegen den Vater: der Revolutionär 114 - Ausbildung der Struktur des "geschädigten Dritten" 115;
May: Die Unabweisbarkeit der Realität: die späten Reisen 116 - Sünder, Hure und Heilige: Karl, Emma und Klara 118 - Pressefehden und Prozesse 119;
Nietzsche: Die "dritte Autonomiekrise": mit Lou gegen Mutter und Schwester 121 - Krise der menschlichen Beziehungen überhaupt: Rückzug in die Einsamkeit 123 - Die Resurrektion des Vaters 124
3. Vergleich 125
Lebensläufe: Markante Jahre, Knotenpunkte 125 - Die Entwurfsstruktur der Kindheit: Großfamilie und Dominanz der Frauen 127 - Narzißmus, Ambivalenz und Regression 128 - Krankheit, Tod und menschliche Schwächen 131 - Kindliches Selbst- und Rollenverständnis: "Kosack", "Trommler" und "Pastor" 132 - Entwurfs- und Planungsspielräume 133 - Die Reproduktion der Struktur im späteren Leben. Adoleszenz und Beruf: Kinderwunsch und Elternerwartung 134 - Absetzbewegungen und Fixierungen 136 - Spätere Umbrüche und Krisen: Die Erosion der Ideale, Einfluß auf Leben und Werk 137 - Zusammenfassung: Glücksritter, Parvenü und Desperado 139
IV. Religiosität 143
1. Protestantismus 143
Wagner: Hohe Meinung von Luther 143 - Der Freigeist 145 - Im Leben formell protestantisch, katholisch im Werk 146;
May: Vielzitierte Lutherbibel 147 - Der gläubige Christ 148 - Zwischen Protestantismus und Katholizismus, Christentum überkonfessionell 149;
Nietzsche: Gespaltenes Urteil über Luther 150 - Die Lösung vom Glauben der Väter 152 - Der Antichrist 153
2. "Erlösung" 154
Wagner: Erlösung des Mannes durch die Frau 154 - Erlösung kosmologisch, theologisch 155 - "Erlösung dem Erlöser" 156;
May: Der Traum des Gefangenen 157 - Buße und Vergebung der Sünden 158 - Die Erlösung des Christentums 159;
Nietzsche: Erlösung vom Christentum 161 - "Erlösung vom Erlöser" 162 - Die Erlösung des "Willens zur Macht" 163
3. Vergleich 164
Traditioneller Glaube und persönliche Zweifel 164 - Religion und Familie: Das Weihnachtsfest 166 - Sympathien für den Katholizismus 168 - Säkularisiertes Erlösungsdenken, Abstandsgrad zur kirchlichen Lehre 170
V. Künstlertum 174
1. Doppelbegabung 174
Wagner: Anfänge und große Oper 174 - Die romantische Oper 175 - Das Musikdrama 176 - Das Bühnenweihfestspiel 177 - Eigener Texter 177 - Die sprachliche Form der musikalischen Werke 178 - Der Stabreim 179;
May: Vielseitiges Musizieren in der ersten Lebenshälfte 180 - Später: die Musik im Werk 182 - "Märchengroßmutter", Wandertheater und Leihbibliothek 182 - Die Entwicklung zum Schriftsteller: Kolportageschreiber, Reiseerzähler, "Symbolist" 183 - Schriftstellerisches Selbstverständnis 185 - Der Dialog 186;
Nietzsche: Frühes Musizieren und Komponieren 187 - Einfluß des Umgangs mit Wagner 188 - Musik privat, theoretisch 189 - Die einzelnen Schaffensphasen: Jugendschriften, die Basler Zeit, der "freie Geist" 190 - Sprachstil: Leitmotiv und Dialog, Aphorismus, entfesselte Rhetorik, gesteigerter Aphorismus 191
2. Dilettantismus 195
Wagner: Die Heraufkunft des Schauspielers in der Musik 195 - Reisen durch ganz Europa, die "wandernden Helden" 197 - Das Gesamtkunstwerk Wagner und Bayreuth 198 - "Form der falschen Identität" (Adorno) 200 - Kritik des Leitmotivs und des Stabreims 201;
May: Dilettantismus milieubedingt, Charakterschwäche 202 - "Die Welt als Bühne": die "Old-Shatterhand-Legende" 203 - Spätes Erwachen: die "wirklichen" Reisen 206 - "Landschaften der Flucht und der Zuflucht" 207 - Die Lesergemeinde: ein "imaginäres Kollektiv" 208 - Serielle Massenfertigung: Schund 208 - Vorwurf des Plagiats 209;
Nietzsche: Maske und Verkleidung der Gedanken 210 - Seßhaftigkeit und Nomadentum 212 - Der Philosoph als Wanderer 212 - Der Übermensch: Vision des "ganzen Menschen" 214 - Der dilettantische Philosoph: Nietzsche als Autodidakt 214 - Der "freie Philosoph": einsam und unverstanden 216
3. Vergleich 217
Luthertum, Laientum, Dilettantismus 217 - Berufstypische Doppelbegabung: Schulmeister und Kantor 218 - Ausprägung dieser Tradition in Wagner, May und Nietzsche 219 - Doppelbegabung und doppelte Begabung, Wagners Vorrangstellung 220 - Der Dialog: Kunstprinzip und kommunikative Kompetenz 224 - Der große Bewegungsdrang: Umzüge, Reisen, Vagabundieren 227 - Schauspielertum: Verkleidung, Maske und Kostüm 230 - Kurzschluß zwischen Künstler und Publikum 234 - Wiederholung, Wiederholungszwang und Wiederkehr des Verdrängten 237 - Der Künstler als Außenseiter 242 - Das Vermögen und Unvermögen der Kräfte 244
2. Teil: Personalisation und Objektivation 247
I. Götter 249
1. Wagners Christus 249
Jesus von Nazareth: Ein Plan und sein Scheitern 249 - Die biblische Botschaft im Geiste der neuen Zeit (Hegel, Feuerbach, Proudhon) 250 -Jesus: Prototyp des "freien Helden" 251 - Gliederung, Inhalt des Entwurfs 252 - Die welthistorische Tat: Versöhnung des Individuellen und des Allgemeinen 253; Parsifal: "Parzival" und Parsifal: Anregungen, Vorbilder im Leben 254 - Gral und Heiliger Speer 257 - Von Feuerbach zu Schopenhauer: Erlösung durch Mitleid 258 - Kundry: Inbegriff des Weiblichen 259; Religion und Kunst: Die Kunst als "Erbin" der Religion 260 - Christus: der Gott in Menschengestalt 261 - Das Wunder der jungfräulichen Mutter 261 - Problematisch: der jüdische Vatergott 262 - Zweifel am Judentum Christi 263
2. Nietzsches Dionysos 264
Dionysos vor der Gehurt: Vorarbeiten des Schülers 264 - Vorträge und Abhandlungen des jungen Professors 265 - Quellen und Anregungen 266; Die Gehurt der Tragödie: Die "Duplicität" des Apollinischen und Dionysischen 267 - Das Wesen des Dionysischen: Lebensfreude, Leiden und Todesangst ekstatisch gefeiert 268 - Der Ursprung des tragischen Chors 269 - Die Blütezeit der Tragödie und ihr Niedergang 270 - Sprung in die Gegenwart: Die "Wiedergeburt" der griechischen Tragödie aus dem "deutschen Wesen" 271 - Richard Wagner: der Vollender 272; Dionysos nach der Gehurt: Kritischer Rückblick in Ecce homo 273 - Der Einfluß Zarathustras: vom "Künstler-Gott" zum "Philosophen" 274 - "Symbol höchster Weltbejahung und Daseins-Verklärung" 274 - Der adäquate Ausdruck: die Dionysos-Dithyramben 275 - Das göttliche Paar: Dionysos und Ariadne 275 - Rätselbild des Daseins: das Labyrinth 276
3. Vergleich 278
Die "Engführung" des Christus und Dionysos in der Romantik 278 - Konsequenz: Reziprozität des Vergleichs 280 - Der gemeinsame Ausgangspunkt Wagners und Nietzsches: der dionysische Chor 281 - Die Differenzen: Apollon und Dionysos "auseinanderdividiert" 282 - Christus: Vermittler und Entzweier 283 - Schopenhauer: Vorzugsstellung der Musik, Dionysos gestärkt 284 - Verneinung des Willens zum Lebens versus "Wille zur Macht" 285 - Christus von Schopenhauer her interpretiert 286 - Die Ausbildung einer neuzeitlichen Kunstreligion 287 - Der entfesselte Christus-Dionysos 288 - Nietzsche dagegen: "Dionysos gegen den Gekreuzigten" 291 - Die Verschiebung der Akzente 292 - Wagners Flexibilität, Nietzsches Unversöhnlichkeit 293
II. Helden 294
1. Wagners Siegfried 294
Auf der Suche nach "dem" Mythos 294 - Inmitten gesellschaftlicher Umbrüche 294 - Literarische Grundlagen, historische Vorbilder 295 - Wagners liebstes Kind 296 - Der Held und seine Taten: "Wälsungenblut" 297 - Gott und Mensch, "tumber Tor" und "freier Held" 297 - Frauengeschichten und Intrigen 298 - Die verfehlte Bestimmung 299 - Teil und Ganzes, die Einheit der Tetralogie 300 - Der Fluch des Goldes, Macht und Liebe 302 - Die Idee des freien Helden und ihre Aporien 303 - Vom willigen Werkzeug zum Usurpator 304 - Das verdiente Ende 304 - Die heldische Würde verspielt, doch Unsterblichkeit gewonnen 305 - Die "bakunistische" Grundformel und ihre Varianten 305
2. Mays Winnetou 307
Die frühen Erzählungen 307 - Die Fehsenfelder Buchedition: Winnetou I-III 307 - Der Nachkömmling: Winnetou IV 309 - Der wilde Indianer, grausam und unkultiviert 311 - "Winnetou, der Rote Gentleman", Old Shatterhands bildender Einfluß 311 - Winnetou IV: Der rote Heiland, Apostel der Liebe 312 - Die Tetralogie: Der Bruch zwischen Winnetou I-III und Winnetou IV 313 - Der Held im Schatten des Ich-Erzählers: das Alter ego Old Shatterhands 314 - Der nordamerikanische "Kosmos": Zeit und Raum, die personale Vielfalt, "Aktionismus", der Schein der Abgeschlossenheit 315
3. Vergleich 319
Stoffliche Komplexität und lebenslange Beschäftigung 319 - Die "Lieblinge" ihrer geistigen Väter 319 - Schöpfer fiktionaler Welten besonderer Art: "germanische" Mythologie und amerikanische "Urlandschaft" 320 - Biographische Bildungsmomente: Empörung; Flucht und Strafverbüßung 320 - Vorrang des Mythos vor der Historié, Urgeschichte und Zukunftsvision 312 - Die Magie des edlen Metalles, "Natur und Zivilisation" 392 - Die Herkunft der Helden 326 - Männer voller Tatendrang, doch "Marionetten" 328 - Früher Tod: selbstverschuldet 329 - Posthume Karriere: Erlösergestalten 330 - Das Werk der Frauen: Verklärung und Idolisierung 330
III. Übermenschen 332
1. Nietzsches Übermensch 332
"Sturzgeburt" im Engadin 332 - Abermals: eine Tetralogie 333 - Quellen, Vorbilder, Einflüsse 333 - Der Übermensch im Zarathustra: Kernaussagen des Textes 334 - Der Wille zur Macht: die Kraft metaphysischer Sinngebung 337 - Die ewige Wiederkunft des Gleichen: die absolute Bejahung der Welt 338 - Dichotomische Konzeption: naturalistisch, idealistisch 339 - Der Übermensch: utopisch 340 - Begründung einer neuen Religion? 340 - Die Überbietung aller Religionen: die Gottwerdung des Menschen 341 - Die neue "Dreieinigkeit": Zarathustra, Christus, Dionysos 342 - Der Übermensch: Kontrafaktur des christlichen Menschensohnes 342 - Der Name des Übermenschen: Dionysos 342
2. Mays Edelmensch 343
Babel und Bibel: Gewaltmensch und Edelmensch 343 - Der Dichter über sein Werk: Der Edelmensch: der wahre Christ 345 - Die politische Dimension: umfassender Völkerfriede 346 - Ardistan und Dschinnistan: Kara Ben Nemsi: Friedensstifter und Missionar 346 - Mays "neue Psychologie" 348 - Der "fertige" und der "werdende" Edelmensch 348 - Winnetou IV: Das Gesetz von Dschinnistan" 349 - Die höchste Bestimmung des Edelmenschen: Völkervereinigung und -Versöhnung 349 - Die "Schutzengel"- Konzeption 349 - Mein Leben und Streben: Vom "ethischen Tiefland" zum "ethischen Hochland" 350 - Das "Karl-May-Problem": das große "Menschheitsproblem" 351 - Die religiöse Dimension: Sündenfall und Wiederkunft Christi 352
3. Vergleich 353
"Schnitt" und Neubeginn 353 - Der einsame "freie Geist" 353 - Höhe und Tiefe: Aviatik, Todesstürze 354 - "Ex oriente lux" 356 - Personalisierung als Konstruktionsprinzip 357 - Neubelebung alter Werte oder "Umwertung aller Werte" 357 - Die "Verwirrung" der Begriffe: Anleihen und Umdeutungen 357 - Mays Auseinandersetzung mit Nietzsche: Ahriman Mirza und der "Panther" 359 - Nietzsches "Kenntnis" von May: divinatorisch, visionär 361 - Ein Mißverständnis und seine Erklärung: Dualismus versus Monismus 362 - Übermensch nicht gleich Gewaltmensch 363 - Der starke, "böse" und der weise, "gute" Übermensch 364
IV. Das Leben im Werk 366
1. Wagner: Christus und Siegfried 366
Die "heilige" und die eigene Familie: zwei "Väter" hier wie dort 366 - Das Doppelgesicht der Mutter: Jungfrau und Sünderin 367 - Die Erweiterung des Konfliktfeldes: die "Geliebte" und der "geschädigte Dritte" 367 - Die Väter in Wotan: Ohnmacht und Omnipotenz 368 - Die Dimensionen der Frau: Brünnhilde und Gutrune 368 - Regression auf das mütterliche Ichideal 369 - Amfortas/Klingsor: die beiden Väter, doch auch der alte Wagner 370 - Kundry. Wissendes, "wildes" Weib: Cosima; Verführerin: Judith Gautier; "Heilige": die im Tode verklärte Minna 371
2. May: Winnetou und Edelmensch 374
Winnetou: "Vexierbild für die Mutter" und "Mutter-Imago" 374 - "Doppelrollen": Winnetou-Nscho-tschi: Emma Pollmer-May, Winnetou-Marah Durimeh: Mays zweite Ehefrau 374 - "Szenen einer Ehe": von Ellen zu Harry, Winnetous Feminisierung 376 - Mays Lösung von Emma: Nschotschis Tod 377 - Die Neubelebung des mütterlichen Ich-Ideals: Klaras platonisierender Einfluß 378 - Zusammenbruch des väterlichen Ich-Ideals: die große Orientreise 378 - Die Verklärung der Mutter zur "Heiligen": Vorbild des Edelmenschen 379
3. Nietzsche: Dionysos und Übermensch 380
Apollon - Dionysos: Binäres Spannungsfeld der familiären Trias 380 - Nietzsches Beziehung zu Richard und Cosima Wagner 380 - Die Dreiecksbeziehung Nietzsche - Lou Salome - Paul Rée 381 - Der Zarathustra-Vater gegen die Dionysos-Mutter 382 - Rückfall in die Dreieinigkeit des familiären Narzißmus 382 - Vom Hoffnungsträger zum kraftlosen Ichideal: Zarathustras Niedergang 383 - Causa sui: der Wahn der narzißtischen Selbstvergötterung 383 - Die Rückkehr in den Schoß der Mutter: das Phantasma einer alternativen Geburt 384 - Die Ausschaltung aller Konkurrenten: ein Pyrrhussieg 386
4. Vergleich 387
Die frühe Schaffensphase: mütterlich geprägt; der "revolutionäre" Jesus-Christus (Wagner), Mays "wilder" Winnetou, der apollinisch gebändigte Dionysos Nietzsches 387 - Die mittlere Schaffensphase: vaterzentriert; der "postrevolutionäre" Siegfried-Wotan Wagners, das Old Shatterhand-Winnetou-Zwillingspaar (May), der Zarathustra-Übermensch Nietzsches 389 - Die späte Schaffensphase: die Neubelebung des mütterlichen Ich-Ideals; Wagners "konservativer" Parsifal-Christus, der Winnetou-Edelmensch Mays, der entfesselte Dionysos (Nietzsche) 390 - Die "Regression im Dienste des Ich" 391
3. Teil: Objektivation und Rezeption 393
I. Die Epoche 395
Die politische Einigung Deutschlands 395 - Industrielle Revolution 396 - Lohnarbeit und Kapital 397 - Großmachtpolitik des Reiches 398
1. Die kollektiven Subjekte 399
Narzißten: Die Familie als "Gegenstruktur" 399 - Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung; Wagner, May und Nietzsche: "narzißtischer Überhang" 401 - Korrespondenz zwischen Autor/Künstler und Publikum 403;
Christen: Protestantismus: Bündnis zwischen "Thron und Altar" 403 - Katholizismus: Kulturkampf 406; May: im "Dienste" des Katholizismus 407 - Wagner: Bayreuth als Kirchenersatz 408 - Nietzsche: der "Antichrist" 409;
Artisten: Autonomie der Kunst 409 - Neues Genieverständnis: der Künstler-Heros 411 - Dekadenz und Boheme; Wagner: "romantischer Aristokrat" 413 - Nietzsche: das Wahnsinns-Genie 414 - May: der verhinderte Bohemien 415
2. Die kollektiven Ideale 416
Götter. Christus: Anthropozentrismus, historische Rekonstruktion und künstlerische Freiheit 416 - Dionysos: der "kommende Gott" der romantischen Mythologie 418; Wagners Christus: zwischen feuerbachianischem Humanismus und "Leben-Jesu"-Forschung 420 - Nietzsches Dionysos: philosophisches Pathos und persönliche Aneignung 421;
Helden. Siegfried: Der Nibelungenstoff im 19. Jahrhundert: Grundstein einer nationalen Mythologie 422 - Winnetou: Indianerromane und Presseberichterstattung 423; Wagners Siegfried: mit dem Zeitgeist gegen denselben, der "freie Held" 426 - Mays Winnetou: Potenzierung des "edlen Wilden", Eskapismus 427;
Übermenschen. Übermensch: Jean Paul, die Linkshegelianer und die Evolutionstheorie 428 - Edelmensch: Der Übermensch moralisch verstanden 430; Nietzsches Übermensch: zwischen Idealismus und Darwinismus 431 - Mays Edelmensch: Abkömmling des christlichen Humanismus 433
3. Die kollektiven Objekte 434
Die Oper: Operette und Große Oper 434 - Die nationalen Opernstile (Frankreich, Deutschland, Italien) 436; Wagner: Abriß der Aufführungsgeschichte, der Weg zum "Musikdrama" 437;
Die Literatur: Die Literatur als Institution, "Lesekultur" 440 - Das Genre Abenteuerliteratur und sein Spektrum 442; May: am "Puls der Zeit", kleinbürgerliche Ängste und politische Großwetterlage 443;
Die Philosophie: Von der Philosophia perennis zur ancilla scientarum 446 - Alternative Neuansätze 448; Nietzsche: von Dichtern begeistert aufgenommen, Schulphilosophie reserviert 450
II. Die Nachwelt 454
1. Die Verwaltung des Erbes 454
Wagner: Etablierung der Festspiele und Gründung einer Dynastie (Cosima, Siegfried und Winifred) 454 - Der Hausfreund: Adolf Hitler 455;
May: Der "Gesellschaftsvertrag" und die Anfänge des Karl-May-Verlages (E. A. Schmid) 459 - "Diplomatisch" durch das Dritte Reich 461;
Nietzsche: Eine Usurpation und die Arbeit des Nietzsche-Archivs (Elisabeth und die drei Oehler-Vettern) 464 - Anbiederung an die Nazis 468;
Vergleich: Fragwürdige Nachlaßverwalter allenthalben 468 - Familiencharakter der Unternehmungen 472 - Elisabeth, Klara, Winifred: dem Führer treu ergeben 474
2. Hitler und der Nationalsozialismus 475
Wagner: Hitlers große Leidenschaft 475 - Politische Instrumentalisierung: Massenverzauberung durch Musik 477;
May: Hitlers liebste Freizeitlektüre 480 - Militärische "Sandkastenspiele": Winnetou in die Wehrmacht rekrutiert 481;
Nietzsche: Hitlers dosiertes Engagement 484 - Ideologische Ausbeutung durch die Adlaten (Rosenberg, Baeumler) 487;
Vergleich: Führungsrolle Wagners unbestritten: öffentlich und privat, May privat an zweiter Stelle, Nietzsche öffentlich 488 - Gründe für Hitlers Favorisierung: lebensgeschichtlich fundiert 491 - Konzentration des Destruktionspotentials 495
3. Die Entwicklung nach 1945 497
Wagner: Neubeginn in Bayreuth: Symbolik der Werke und Ideologiekritik 497 - Wagner in der DDR: kein großes Problem 500 - Forschungslage kompliziert: materiale Fülle, Beharrungstendenzen und Kontroversen 501 - Niederschläge in der Kunst, besonders im Film 504;
May: Neubeginn in Bamberg: Ausbau und Bearbeitung der Gesammelten Werke 506 - May in der DDR: ein Hin und Her 508 - Intensivierung der Forschung (Schmidt, Wollschläger und die Karl-May-Gesellschaft) 509 - Vielfältige Formen der Kommerzialisierung (Comic, Film und Freilichtbühne) 511;
Nietzsche: Nachhall der Vorkriegsphilosophie (Heidegger, Jaspers, Löwith, Frankfurter Schule) 513 - Nietzsche in der DDR: persona non grata 516 - Kräftige Forschungsimpulse: Kritische Gesamtausgabe, Nietzsche-Studien und Friedrich-Nietzsche-Gesellschaft 517 - Nietzsche in Frankreich: Existentialismus (Malraux, Camus) und Postmoderne (Derrida, Foucault, Deleuze) 518;
Vergleich: Unterschiedliche Startbedingungen nach dem Kriege, Wagner im Vorteil 521 - Ausweitung der Wirkungskreise, Publikumsumstrukturierungen 522 - "Logik der Forschung": historische Kontinuität und "Nachholbedarf" 523 - Wagnerbühne: künstlerisch-innovativ; May-Verlag: konservativ-populistisch; Nietzsche-Editionen: jedem das Seine 525 - Kulturindustrie, Massenproduktion und Gesamtkunstwerk 528 - Zukunftsaussichten: rosig für Wagner und Nietzsche, eingetrübt für May 530
Schluß 534
Wagner, May und Nietzsche: Künstler und Denker der industriellen Moderne 534 - Produktion, Simulation und Narzißmus 535 - "Kunstwerk der Zukunft" und technische Reproduktion 536 - May: Die Simulation der eigenen Existenz 538 - Körperinszenierung und "tertiärer Narzißmus" 539 - Wagners Gesamtkunstwerk: "unerreichbares" Vorbild des Films 539 - "Mediale Selbstreferentialität" 540 - Nietzsches "Wille zur Macht": Halluzination aus dem Geiste des Fötus 541 - Noch weiter zurück: Selbsterzeugungsphantasma 542
Anhang 544
I. Literaturauswahl 544
Kurt Hildebrandt: Wagner und Nietzsche. Ihr Kampf gegen das neunzehnte Jahrhundert 544 - Dieter Borchmeyer/Jörg Salaquarda: Nietzsche und Wagner. Stationen einer epochalen Begegnung 551 - Egon Wayrer-Fauland: Richard Wagner und Karl May. Ein Vergleich 556 - Reinhard Starkl: Wagner-May-Hitler-Einstein. Die irrationalen Sehnsüchte der deutschen Seele 558 - Ernst Bloch: Rettung Wagners durch surrealistische Kolportage 559 - Werner von Krenski: Friedrich Nietzsche und Karl May 560 - Volker Griese: Über Karl Mays Nietzsche-Rezeption 562 - Claudia Marra: Der Einfluß von Nietzsches Zarathustra auf Karl Mays Im Reiche des silbernen Löwen 563 - Hans-Rüdiger Schwab: Der Sieg über den Panther 564
II. Sachsen 566
1. Geschichte, Wirtschaft und Gesellschaft 566
Am Anfang der deutschen Geschichte 566 - Wechselvolle Geschichte mit glanzvollen Höhepunkten 566 - Bedeutungsverlust und Niedergang 567 - Bergbau und Städtebildung, moderate Herrschaftsverhältnisse 568 - Bauernkrieg und Glaubenskrieg, Polarisierung der Gesellschaft 569 - Frühe Industrialisierung und soziales Elend 570 - Volkscharakter 571;
2. Musiker, Dichter und Philosophen 574
Die Blütezeit der geistlichen Musik von Luther bis Bach 574 - Oper und Instrumentalmusik der Klassik und Romantik 576 - Literatur im Geiste des Protestantismus 577 - Rationalismus und Klassizismus 579 - Mystik und protestantische Innerlichkeit 581 - Aufklärung und Wissenschaftsgläubigkeit 582
III. Einführungen 585
1. Zur Methode. Theoretische Ausrichtung, Integration und Vergleich 585 - Die Konzeption der drei Teile 588
2. Lebensläufe. Die Biographie: Plädoyer für eine diskreditierte literarische Gattung 590
3. Entwürfe. Die Grundbestimmung: Freiheit, Selbstbestimmung und Transzendenz 594 - Die Entwurfsstruktur der Kindheit 595
4. Luther und die Reformation. Theologische Lehre 596 - Sprache und Bibelübersetzung 598 - Musik und Kirchenlied 599
5. Erlösung. Altes und Neues Testament 600 - Werksgerechtigkeit oder "sola fide" 601
6. Doppelbegabung. Phänomen und Begriff 603 - Die historische Ausprägung 604 - Kombinationen 605
7. Dilettantismus. Signatur des 19. Jahrhunderts 605 - "Sehnsucht und Suche nach dem ganzen Menschen" 606 - Weltflucht und Egozentrismus 608
IV. Bibliographie1 610
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1 Hier finden sich die vollständigen Literaturangaben, die in den Fußnoten des fortlaufenden Textes nur abgekürzt erscheinen.


Produktinformation

  • Abmessung: 239mm x 159mm x 37mm
  • Gewicht: 960g
  • ISBN-13: 9783826035012
  • ISBN-10: 3826035011
  • Best.Nr.: 22505804
Hans Hintz, geb. 1948, studierte Pädagogik, Germanistik und Philosophie in Essen und Düsseldorf und unterrichtet seit 1978 an einem Düsseldorfer Gymnasium die Fächer Deutsch und Philosophie.

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