Leseprobe zu "Lernen wie ein Weltmeister" von Gunther Karsten
Vorwort
Dieser Ratgeber ist eines von den Büchern, die wirkliche Begeisterung wecken können! Denn das Werk ist trotz des relativ schwierigen Themas "Lernen" sehr leicht lesbar und bringt nicht nur neue, verblüffende Kenntnisse, sondern ist dabei auch sehr unterhaltsam und sogar spannend geschrieben.
Dem Autor ist es auf schöne Weise gelungen, die Techniken und Methoden allgemeinverständlich zu erklären, die den gesamten Lernprozess immens erleichtern und gleichzeitig zu dauerhafter Abspeicherung von Informationen führen.
Damit enthüllt er genau jene Lernwege, mit denen Weltmeister im Gedächtnissport immer wieder fantastische Mentalleistungen erreichen. Zusätzlich schafft er es auch, die Leser durch zahlreiche Tipps und Beispiele an die Hand zu nehmen, um mit ihnen die unzähligen Anwendungsmöglichkeiten in der Praxis des Lernens zum Beispiel in der Schule oder im Studium zu ergründen.
Tests und Aufgaben regen zu aktiver Mitarbeit an, und so erfährt der junge, aber auch der ältere Leser viel Neues über die eigenen Stärken und Schwächen beim Abenteuer "Lernen", wodurch jeder die Basis für eine bessere Lerneffizienz legt.
Doch hätte dieses Buch den viel versprechenden Titel "Lernen wie ein Weltmeister" nicht verdient, wenn nicht auch die psychologischen Aspekte zum Thema Lernen und Leistung auf sehr motivierende und anschauliche Weise beleuchtet worden wären. Denn Höchstleistungen in allen Bereichen setzen bestimmte in einem selbst liegende Prinzipien voraus - und wer könnte diese besser beschreiben als ein (Gedächtnis-)Weltmeister?
Last but not least machen eingestreute treffende Bemerkungen von berühmten Persönlichkeiten sowie lustige Anekdoten das Werk zu einem anregenden Lesevergnügen und untermauern so die Philosophie des Buches:
"Lernen kann und soll Spaß bringen!"
Diesen meisterlichen Lernspaß wünsche ich allen!
Dr. Michaela Buchvaldová
(Madonna of Memory) 3-fache Frauen-Gedächtnisweltmeisterin
Die sieben Faktoren für ein optimales Gedächtnis
Unsere kleine Abenteuerreise durch das große Gebiet des Lernens muss einfach mit dem Gedächtnis beginnen! Denn welchen Sinn hätte das Lernen, wenn man einen Wissensstoff sofort wieder vergessen würde? Somit ist das Abspeichern, Behalten, Auswendiglernen, Einprägen, sich Merken oder Memorieren ein wesentlicher Teil des Lernens, um den es deshalb auch in diesem ersten Kapitel geht.
Nach vielen Jahren meiner aktiven Zeit als Gedächtnissportler, in der ich mich ständig verbesserte, in zahlreichen Disziplinen Weltmeister wurde und immer wieder neue Gedächtnis-Weltrekorde aufstellen konnte, habe ich mir einmal überlegt, welche geistigen Fähigkeiten ich eigentlich bei meiner Art des Lernens einsetze. Und genau diese Art des Einprägens und Lernens führt dazu, dass ich mir zum Beispiel auf einer Weltmeisterschaft insgesamt über 10 000 Zahlen, Daten, Wörter und Fakten merke! Bei dieser Analyse meines Lernens war es auch für mich erstaunlich, dass es im Grunde nur sieben geistige Fähigkeiten sind, die bei meinen Lernabläufen ständig zum Einsatz kommen.
Die einzelnen Faktoren werde ich im Folgenden genauer erklären. Das eine oder andere Beispiel wird für die meisten vielleicht etwas sonderbar, eigenartig und merkwürdig erscheinen - aber gerade deshalb ist es ja merk-würdig!
Transformation
Transformation heißt Umwandlung. Hiermit ist gemeint, dass man abstrakte, unanschauliche und trockene Informationen unbedingt zu einer konkreten, anschaulichen und für das Gedächtnis "verdaubaren" Information umwandeln sollte, bevor man sie sich einprägt. So sind zum Beispiel Zahlen, Vokabeln und auch Namen meistens sehr unanschaulich, so dass man versuchen sollte, sie im Geiste so umzuwandeln, dass man sich leichter etwas darunter vorstellen kann.
Beispiele:
1 Wenn du lernen sollst, dass Karl der Große 747 nach Christus geboren wurde, so kannst du diese Geschichtszahl einfach zur Boeing 747 umwandeln und dir vorstellen, dass er in diesem Flugzeug geboren wurde - auch wenn es damals natürlich noch keine Flugzeuge gab.
2 Oder ein Beispiel zu Namen: Du hörst zum ersten Mal etwas vom großen griechischen Philosophen Sokrates und wandelst diesen Namen zu "So (ein) Krater" um, oder zum Satz "So kracht es". Auf diese vielleicht jetzt noch ein bisschen verrückt erscheinende Weise gibst du der zufälligen Reihenfolge der Buchstaben des Namens durch die Transformation eine anschauliche Bedeutung.
Versuche selber ein gutes Beispiel für die Anwendung des Mentalfaktors "Transformation" zu finden.
Dein eigenes Beispiel:
Übrigens machte der Werbepromi Verona Feldbusch es in einem TV-Spot nicht anders, als sie versuchte, den Zuschauern die Telefonnummer der Auskunft "11880" mit der folgenden Transformation einprägbar zu machen: "11 Mann hat eine Fußballmannschaft, 88 wird meine Oma, und ich habe 0 Ahnung!"
Assoziation
Dieser Gedächtnisfaktor ist schon ein wenig bekannter. Hierunter versteht man die Technik, verschiedene Lernstoffe miteinander zu assoziieren, also miteinander zu verbinden. Dies ist gerade dann sinnvoll, wenn man etwas schon sicher weiß, also fest im so genannten Langzeitgedächtnis abgespeichert hat, und nun etwas Neues lernen muss, was sich damit in irgendeiner Weise assoziieren lässt. Beispiele:
1 Wenn in der Biologie die Reihenfolge der Hautschichten des Auges gelernt werden sollen, nämlich Lederhaut, Aderhaut und Netzhaut, so kann man mit den jeweiligen Anfangsbuchstaben das Wort LAN bilden, und so hat man eine Assoziation zu dem LAN-Netz aus dem Computerbereich, das die meisten kennen. Zwar haben beide Informationen nichts miteinander zu tun, aber das ist zum Behalten unwesentlich.
2 Oder du sollst in einem Fach lernen, dass das Gehirn des Menschen aus etwa 100 Milliarden Gehirnzellen besteht. Wenn du nun weißt, dass unsere Galaxie, die wir Milchstraße nennen, aus etwa 100 Milliarden Sternen besteht, so kannst du diese beiden Informationen als Assoziationsbild verbinden: Alle Sterne der Milchstraße befinden sich als Gehirnzellen in deinem Kopf!
Fantasie
Dein eigenes Beispiel:
Fantasie
Alle Menschen haben im Grunde eine fantastische Fantasie. Und gerade diese geistige Leistung wird viel zu selten zum Lernen eingesetzt. Meistens wird der Lernstoff als trockene Wissensansammlung vermittelt, so dass er für uns uninteressant und für unser Gedächtnis nur schwer aufnehmbar ist. Bereitet man den Lernstoff jedoch mit Fantasie und Kreativität auf, so wird er nicht nur viel leichter einprägsam, sondern dass Lernen macht so auch viel, viel mehr Spaß.
Beispiele:
1. Wenn man im Geschichtsunterricht den Namen "Walter" lernen soll, so geht dieser bei den meisten in das eine Ohr rein und zum anderen hinaus. Doch man kann seine Fantasie spielen lassen und versuchen, etwas in dem Namen zu entdecken. So ähnelt ihm beispielsweise das Wort "Falter". Wenn man sich dazu eine fantasievolle Geschichte ausmalt, dass dem Mann beim Sprechen oder Singen immer ein schöner bunter Falter aus dem Mund flattert, so wird man den Namen nicht mehr so leicht vergessen. Und wenn es sich bei dem Namen um den Dichter und Minnesänger Walther von der Vogelweide handelt, dann passt dass fantasievolle Merkbild wirklich prächtig.
2. Auch andere Vornamen kann man sich problemlos mit Fantasie einprägen: Bei einer Sarah kann man sich vorstellen, dass sie Sahara-Sand in den Haaren hat. Einem Markus kommen dagegen Markstücke aus dem Mund.
Dein eigenes Beispiel:
Emotion
Viele haben sicherlich schon erfahren, dass sie ein Erlebnis, welches mit vielen Gefühlen verbunden war - egal ob schlechten oder guten -, ohne Anstrengung gut behalten konnten. Dies liegt vermutlich daran, dass das für Emotionen zuständige Areal im Gehirn einem wichtigen Gefühlsareal sehr nahe liegt. Das Interessante dabei ist nun, dass man Emotionen auch gezielt für das Lernen einsetzen kann, indem man beim Einprägen eines Lernstoffes bewusst Gefühle hineinbringt. Das wird zum Beispiel bei teilweise dokumentarischen Spielfilmen gemacht. Vor dem Hintergrund geschichtlicher Ereignisse spielt dann meistens eine spannende Kriminal- oder Liebesgeschichte, wodurch man die geschichtlichen Fakten emotional ganz anders verarbeitet, als wenn sie trocken vom Lehrer vorgetragen oder im Geschichtsbuch gelesen werden (die Filme "Pearl Harbour" oder "Der Untergang der Titanic" sind gute Beispiele dafür). Beispiele:
1 Ein Geschichtsereignis wie die Entdeckung Amerikas durch Kolumbus im Jahr 1492 solltest du dir so vergegenwärtigen, als wenn du selbst Kolumbus wärst. Produziere in dir dabei selbst das unbeschreibliche Hochgefühl nach vielen Monaten auf See, erschöpft, hungrig und durstig, endlich das erhoffte Land zu sehen!
2 Auch solltest du dir einen französischen Namen geben, wenn du Französisch lernst; wie wäre es mit Frédéric oder Joséphine? Dadurch schaffst du dir eine emotionale Welt, aus der heraus du die französische Sprache nicht mehr als so fremd und feindselig erlebst (natürlich gilt das auch für andere Sprachen). Probiere es einfach aus!
Dein eigenes Beispiel:
Was ist an einer 50-stelligen Zahl so lustig?
Ich hatte gerade mal gut ein Jahr mit meiner ersten Kindergruppe Gedächtnistraining gemacht, und prompt konnte das beste Mädchen im Kurs die deutschen Jugend-Gedächtnismeisterschaften gewinnen (übrigens wurde sie seitdem mehrfach Junioren-Gedächtnisweltmeisterin und 2003 jüngste Abiturientin Deutschlands!) Natürlich waren die Medien sehr daran interessiert, was wir im Kurs eigentlich machen und wie das Ganze funktioniert. Also kam ein Fernsehteam, das unsere Christiane gerne in Aktion sehen wollte: Sie gaben ihr eine 50-stellige Zahl, die sie sich in etwa drei Minuten einprägen sollte. Ganz verdutzt waren sie jedoch dann, dass Christiane bei dieser schwierigen Aufgabe nicht angespannt und verbissen dreinschaute, sondern häufig herzhaft auflachte und dann später auch noch alle Ziffern in der richtigen Reihenfolge korrekt aufsagen konnte. (Nur Geduld, du wirst das bald verstehen!)
LogikNatürlich darf die Logik als Gedächtnisfaktor in dieser Auflistung nicht fehlen. Denn immer wenn wir einen logischen Zusammenhang mit unserer Intelligenz im Lernstoff erkannt haben, verbessert dies unsere Erinnerungsleistung. Am besten funktioniert das in den eher durch Logik bestimmten Fächern, wie Mathematik, Physik oder Chemie. Doch was macht man, wenn es eigentlich keine logisch erklärbare Basis für eine Lerninformation gibt? Nun, dann muss man sich eben eine eigene logische Eselsbrücke schaffen! Beispiele:
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