Leichnam, seine Familie belauernd - Winkler, Josef

Josef Winkler 

Leichnam, seine Familie belauernd

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Leichnam, seine Familie belauernd

"Bald nach dem Erscheinen meines ersten Buches versprach ich einem jungen Mann, daß ich mich in den nächsten Tagen entleiben werde. Als wir uns einige Zeit später - ich war immer noch am Leben - auf der Straße wieder begegneten, sagte er in einem Tonfall der Enttäuschung und des Vorwurfs: Weißt du, Josef Winkler, gerade von dir habe ich erwartet, daß du dein Wort hälst!"

1979 erschien im Suhrkamp Verlag Josef Winklers erster Roman Menschenkind. Josef Winkler hat Wort gehalten, inzwischen sind zehn Bücher erschienen, zuletzt die römische Novelle Natura morta.

In seinem neuen Buch Leichnam, seine Familie belauernd führt er uns in 80 Prosaminiaturen sein poetisches, stilistisches und geographisches Universum vor. 80 kleine Geschichten über Liebe und Tod, Kindheit und Jugend; über Lesen und Schreiben, über seinen Umgang mit Angst um Sprache und Sprachlosigkeit - gern auch ironisch, sarkastisch, leidenschaftlich und selbstentblößend.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2008
  • Nachdr.
  • Ausstattung/Bilder: Nachdr. 2008. 147 S.
  • Seitenzahl: 147
  • Edition Suhrkamp Nr.2442
  • Best.Nr. des Verlages: 12442
  • Deutsch
  • Abmessung: 177mm x 107mm x 10mm
  • Gewicht: 117g
  • ISBN-13: 9783518124420
  • ISBN-10: 3518124420
  • Best.Nr.: 11373923
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 05.08.2003

Ich blute nicht bei jedem Satz
Neue Prosa von Josef Winkler: Leichnam, seine Familie belauernd
In seiner abgegriffenen Ledertasche trägt Josef Winkler am liebsten Bücher mit sich herum, „die ich mühsam entziffern, Satz für Satz erobern muss, denn sobald mich die Sätze in einem Buch beim Lesen mitzutragen beginnen”, sobald er „zu genießen beginne”, höre er „zu lesen auf. Wenn sich mir ein Satz nicht wie ein Mühlstein um den Hals hängt, wozu soll ich ihn dann loswerden?” Der letzte Halbsatz verblüfft. Und heißt doch nur: Nicht schreiben, um etwas loszuwerden, sondern eben lesen. Letzteres erhält damit eine neue Wichtigkeit, ohne dass das Schreiben einfacher würde: „Nein, nein, ich blute nicht bei jedem Satz, ganz im Gegenteil, die Blutzufuhr kommt erst in Gang, wenn ich den Satz zwanzigmal bearbeitet habe und erst danach das Gefühl bekomme, jetzt ist er es wert, umformuliert oder zerstört zu werden.”
Winklers sprachliche Sorgfalt zeigt sich schon im preziösen Titel des schmalen, in der Edition Suhrkamp erschienenen Bandes „Leichnam, seine Familie belauernd”, in dem das Wort Familie – für diesen Autor – überraschende Konturen …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Vom Lesen handeln diese "eine bis fünfzehn Seiten langen" Geschichten, von der "weihrauch- und blutgeschwängerten Jugend" in einem katholischen Dorf, vom Tod und von homosexuellen Begegnungen - alles Themen, die Josef Winkler schon früher beschäftigt haben, schreibt Hans-Peter Kunisch in seiner Rezension. Auch Indien kommt als Handlungsort wieder vor. Neu in diesem "autobiografisch geprägten Schreiben" ist allerdings Winklers siebenjähriger Sohn, der hier zum ersten Mal auftauche. Auf Winklers Scheiben, auf die Wahl seiner Themen, wirke sich das aber kaum aus. "Eher führt der Familiennachwuchs zu einer Erweiterung, die auch sanfteren, komischeren tönen Raum gibt", meint unser Rezensent. Die hier vorgelegten Geschichten lassen ihn hoffen, dass der nächste Roman des Autors "interessant" wird.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Nach 150 Seiten Lektüre zugeklappt, liegt das Buch in weiß-roter Unschuld auf dem Tisch, und sein geringer Umfang lässt das Ausmaß des Geschauten nicht erahnen ... In filmischen Einstellungen von sinnlicher Opulenz gestaltet Winkler bewegte Gemälde, formt in übermütiger Souveränität neu, was nicht länger [...] zur tödlichen Bedrohung gereicht. Es ist diese spielerische Attitüde eines ausgelassenen Auseinandernehmens und Neumontierens der Furien der Vergangenheit, die die Prosastücke, aller grauslichen Erinnerungsbilder zum Trotz mit einer lichten Heiterkeit überglänzt ... Die Miniaturen komponieren die Motive zu Bildarrangements von höchster Verdichtung, durchgeformt, verkürzt und verknappt in einer das Lesen kunstvoll erschwerenden, Verlangsamung erzwingenden Fülle. In der Entfernung schärft sich der Blick auf die Redseligkeit der Dinge ... Ein weiteres Mal weist sich Josef Winkler mit diesem Text aus als später Nachfahre eines anderen sprachtrunkenen Dichters deutscher Sprache, des Schlesiers Andreas Gryphius, der wie der Kärntner das Auge weit aufsperrte vor den verwesenden Eingeweiden des Lebens." Cornelia Niedermeyer Der Standard
Josef Winkler, geb. am 3.3.1953 in Kamering bei Paternion in Kärnten. Nach der Volksschule besuchte er drei Jahre lang die Handelsschule in Villach. Nachdem er zunächst im Büro einer Oberkärntner Molkerei beschäftigt ist, besuchte er die Abendhandelsakademie in Klagenfurt und arbeitete tagsüber im Betrieb eines Verlags, der Karl-May-Bücher produziert, seit 1971 dann in der Verwaltung der neuen Hochschule für Bildungswissenschaften in Klagenfurt. In seiner Freizeit besuchte er germanistische und philosophische Vorlesungen. Seit 1982 ist Josef Winkler freier Schriftsteller. Er lebt derzeit in Klagenfurt. 2008 erhielt Josef Winkler den Georg-Büchner-Preis.

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