Legionen des Todes - McBride, Michael

Legionen des Todes

Roman. Deutsche Erstveröffentlichung

Michael McBride 

Übersetzung: Michael Pfingstl
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Legionen des Todes

Wenn das Siegel sich öffnet, ist das Ende nah!
Unter großen Opfern gelang es Phönix und seinen Gefährten, dem personifizierten Krieg und seiner Armee des Schreckens zu widerstehen. Sie konnten diese sogar zurückschlagen. Doch es scheint, als sei der Preis für ihren Sieg zu hoch gewesen, denn kaum ein Dutzend Menschen stehen für die letzte Schlacht bereit. Und nun nähert sich ihnen der vierte Reiter der Apokalypse. Niemand kann ihn besiegen, und am Ende ergibt sich ihm jeder Sterbliche dem Tod!


Produktinformation

  • Verlag: Blanvalet
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 443 S. 183 mm
  • Seitenzahl: 443
  • Blanvalet Taschenbuch Nr.26613
  • Deutsch
  • Abmessung: 183mm x 115mm
  • Gewicht: 335g
  • ISBN-13: 9783442266135
  • ISBN-10: 3442266130
  • Best.Nr.: 29523942
Michael McBride lebt mit seiner Frau und ihren vier Kindern im Schatten der Rocky Mountains.

Leseprobe zu "Legionen des Todes"

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Leseprobe zu "Legionen des Todes" von Michael McBride

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Die Zeit verging, aber nicht die Angst. Mit jedem neuen Tag, an dem die Sonne am Ufer des Großen Salzsees versank, rückte die letzte, alles entscheidende Konfrontation ein Stück näher, auch wenn sie nicht wussten, wann sie stattfinden würde, und jeder Sonnenaufgang schürte von neuem ihre tiefsitzende Angst, dass es heute so weit sein könnte. Zwei Tage waren vergangen seit der Schlacht mit dem Schwarm, mit Krieg und seiner Reptilienarmee. Zwei zermürbende Tage, während deren sie ständig den Horizont nach dem kleinsten Anzeichen von Bewegung abgesucht hatten, nur um sich alle paar Sekunden umzudrehen und nachzusehen, ob sich nicht irgendwer oder irgendetwas von hinten an sie heranschlich. Sie führten ein Leben unter den schwersten aller möglichen Bedingungen, und dennoch war es weit besser als die Alternative. Nachdem der erste Tag ereignislos vorübergegangen war, hatten sie mit dem Versuch begonnen, so etwas wie Normalität wiederherzustellen, auch wenn diese Normalität eher einem Theaterstück glich, das sie für sich selbst und für die anderen aufführten.

Adam stand auf dem weißen Strand neben Phoenix, der nach Osten schaute, wie er es immer zu tun schien. Die Sonne hatte dem nuklearen Winter ein Ende gesetzt, und an den Sturm erinnerten nur ein paar kümmerliche Reste Schnee in den Felsspalten, wo die warmen Strahlen sie nicht erreichen konnten, und ein paar kleine Eisschollen, die noch vereinzelt auf dem See trieben. Es war alles andere als warm, aber zumindest hatte es aufgehört zu schneien, und auch der peitschende Wind schien sie vorübergehend in Ruhe zu lassen. Die Sonnenstrahlen auf ihren Gesichtern fühlten sich einfach göttlich an - dabei hatten sie bis vor kurzem noch befürchtet, den wärmespendenden Himmelskörper nie wiederzusehen.

"Was wird jetzt als Nächstes geschehen?", fragte Adam. "Wir wissen, dass noch mehr von diesen Wesen da draußen sind "Diesmal warten sie darauf, dass wir zu ihnen kommen."

"Und wenn wir ihren Wunsch einfach nicht erfüllen? Von mir aus können sie bis in alle Ewigkeit warten."

"Hier zu bleiben wäre Selbstmord. Zumindest dessen bin ich mir sicher."

"Wie lange bleibt uns also noch?"

"Ich ^ ich weiß es nicht", sagte Phoenix, und es war die Wahrheit. Seit der Schlacht hatte er nicht mehr geträumt, und seine Visionen waren sehr unklar und verschwommen gewesen. Phoenix wusste natürlich, warum, doch war er noch nicht bereit, es vor den anderen einzugestehen, denn die Veränderung, die mit ihm stattgefunden hatte, drohte ihn innerlich zu zerreißen. Er spürte natürlich, wie sehr sein Schweigen Adam beunruhigte, aber mit der Wahrheit würde er noch viel weniger zurechtkommen.

Adam ging an den Rand des Sees, dessen Pegel wegen des geschmolzenen Schnees und Eises ein ganzes Stück angestiegen war, sodass die Wellen schon fast über ihren Deich, von dem es nur noch ein paar Meter bis zum Eingang der Höhle und ihrer unterirdischen Behausung waren, hinwegrollten. Wie tote Muscheln schwemmte die Brandung kleine Knochen heran, die letzten Überreste des Schwarms, deren Kadaver die geflügelten Pferde in die Tiefen des Sees hinabgezogen hatten. Jene Geschöpfe, auf die Adam und Phoenix jetzt warteten.

Draußen auf dem See konnte er sie bereits sehen, wie sie mit ihren langen, stacheligen Hälsen die Wasseroberfläche durchstießen und verstohlen wie Seeschlangen immer näher kamen. Es war an der Zeit, nach Salt Lake City aufzubrechen, aber den Weg zu Fuß zurückzulegen kam nicht in Frage. Evelyns Pick-up war ohne Hinterräder zu nichts mehr zu gebrauchen, außerdem war der Tank vollkommen leer. Der Truck, den sie als Fundament für ihre brennende Straßensperre verwendet hatten, um den einzigen, von Westen durch die Berge führenden Zugang zu blockieren, war vollkommen ausgebrannt und lag unter einem riesigen Haufen verkohlten Holzes begraben. Sie konnten es sich nicht leisten, mehrere Tage wegzubleiben, schon gleich gar nicht, wenn die Zukunft so ungewiss war, also blieb ihnen nichts anderes übrig, als zu hoffen, dass sie die Amphibienpferde ein weiteres Mal als Reittiere benutzen konnten. Wie Phoenix es geschafft hatte, sie zu rufen, war ihm ein Rätsel, aber das traf auf so vieles in dieser neuen Welt zu, dass es leichter war, die Tatsachen einfach zu akzeptieren und zu tun, was zu tun war.

Der Strand glich immer noch einem Schlachtfeld, vor allem da, wo sich unter Kriegs Todeszuckungen die Erde zu gähnenden Spalten aufgetan hatte. Nur ganz allmählich füllten sich die matschigen Risse, in denen während der Flut das Wasser stand, mit Sand. Ursprünglich hatten sie vorgehabt, die Speere, auf denen die Angreifer aufgespießt worden waren, die sich von der Klippe über ihnen heruntergestürzt hatten, dort zu lassen, wo sie waren, doch mittlerweile war der Gestank nicht mehr zu ertragen. Außerdem konnten sie jederzeit neue Speere in die Löcher stecken, zwischen all den Furchen, welche die Kreaturen aufgerissen hatten in dem Versuch, sich von den tödlichen Fallen zu befreien. Es waren die kleinen Sandhügel ein Stück weiter südlich, über die Adam sich keine Gedanken machen wollte. Sechs Stück, einer neben dem anderen. Sechs Mahnmale, die sie auf alle Zeiten an die Schuld erinnern würden, die auf ihnen lastete, und daran, welch unglaubliches Geschenk ihnen gemacht worden war.

Gemeinsam hatten sie Darrens und Aprils zerschmetterte und abgenagte Knochen aufgesammelt und die wenigen Überreste im gleichen Grab beerdigt, aus Angst, sie könnten die Knochen durcheinanderbringen; außerdem war Jill der festen Überzeugung gewesen, die beiden hätten es ohnehin so gewollt. Lindsay, deren Leiche noch fast vollständig gewesen war, da der Schwarm auf seiner Jagd nach frischem, lebendigem Fleisch sich nicht lange mit ihren Überresten aufgehalten hatte, lag gleich neben den beiden. Normans Grabhügel hingegen war weitaus kleiner, denn sein Kopf war das Einzige, was sie von ihm noch gefunden hatten. Grays Asche ruhte gleich neben dem Fleckchen, wo er seine Frau, Carrie, beigesetzt hatte, über dessen provisorisch zusammengezimmertes Kreuz bereits mutierte Kletterpflanzen mit seltsamen roten Blüten wucherten. Das letzte Grab gehörte jenem Mann, der auf der Insel versucht hatte, sie vor Richard zu beschützen, und daraufhin erschossen worden war. Aus Dankbarkeit und Anerkennung ihm gegenüber hatten sie seine Knochen zusammen mit denen von Gray aus den Überresten des heruntergebrannten Feuers gefischt und sie hier, an einem Ort, der ihnen nun als heilig galt, beigesetzt. Hier würden sie sie betrauern und ihnen ihre Dankbarkeit erweisen. So lächerlich diese Geste des Dankes auch scheinen mochte, es war alles, was sie im Moment tun konnten.

Von rechts wehte eine sanfte Brise den Rauch von der Feuerstelle herüber, mit der sie den Seetang am Ufer erwärmten, blies ihn über die Gräber und trug ihn dann hinaus auf den See. Etwas, das beinahe aussah wie ein längliches, gezacktes Stück Felsen, durchstieß die raue Wasseroberfläche und erhob sich aus der grauen Rauchwolke. Eine stachelige Mähne, deren Dornen sich verzweigten wie das Geweih eines Hirsches, verlief über seinen Kopf und Hals. Ganz im Gegensatz zu dem Pferd, das es einmal gewesen war, waren die Konturen des Tieres eher kantig. Straffe, graue Haut spannte sich über die leicht hervorstehenden Knochen und die spitze Schnauze. Seine Augen sahen aus, als wären sie aus Marmor, und Adam spürte, wie das türkis-schwarze Muster ihn zu verschlingen drohte. Mit seinen spindeldürren Beinen stand das seltsame Geschöpf knietief im seichten Wasser, und Adam konnte gar nicht anders, als seine eigenartige Schönheit zu bewundern, die in den letzten beiden Tagen etwas unter der Tatsache gelitten hatte, dass die Tiere jeweils zu Sonnenauf- und -untergang an Land gekommen waren, um sich an den verwesenden Überresten des Schwarms zu laben und dann die ausgeweideten Kadaver dorthin mitzunehmen, wo auch immer sie unter der Oberfläche dieses Binnenmeeres lebten.

Phoenix ging auf das Tier zu und ließ es an seiner Hand schnuppern. Wiehernd schüttelte es seinen Kopf, kam dann noch ein Stück näher heran und drehte sich zur Seite, damit Phoenix seine Flanke streicheln konnte, die sich anfühlte wie faseriges Fleisch, das straff über die dünnen Knochen darunter gespannt war. Phoenix folgte der Aufforderung und arbeitete sich mit seiner Hand langsam bis zu den langen Stacheln auf den Schultern des Tieres vor, dann schwang er sich auf seinen Rücken und hielt sich an der dornigen Mähne fest. Einen Moment lang tänzelte das Tier nervös hin und her, dann hatte es sich an Phoenix' Gewicht gewöhnt und an die Hand des Jungen, mit der er es hinter den aufgerichteten Ohren streichelte.

"Komm", sagte Phoenix, ohne Adam anzusehen, während er die sanft gerundete Wange seines Reittiers streichelte.

Adam ergriff einen der Dornen, dann schwang er sich hinter Phoenix auf das Pferd und hielt sich mit beiden Armen an dem Jungen fest, als fürchte er um sein Leben. Der Koloss hob seine Flügel, die aussahen wie die Fangarme einer Gottesanbeterin, und breitete sie zu ihrer vollen Spannweite aus.

Der blasse Sonnenaufgang verfärbte sich von Rot zu Gold, und die anderen kamen aus der Höhle, um ihnen auf Wiedersehen zu sagen.

"Sei vorsichtig!", rief Evelyn, die sich wegen der tiefstehenden Sonne die Hand über die Augen halten musste.

"Mehr als das", erwiderte Adam und hätte Phoenix beinahe zwischen seinen Armen zerdrückt, als das Pferd plötzlich vorwärtssprang und sich dann mit weit gespreizten Flügeln fast senkrecht in die Luft erhob. Sie flogen hinaus auf den See, und Adam blickte noch einmal zurück über seine Schulter, um zuzusehen, wie sich ihre Freunde über den Strand verteilten und ihnen nachschauten, ohne zu winken, so ängstlich und angespannt waren sie.

Ein Teil von ihm wünschte sich, er hätte dort bleiben können, wo es warm und einigermaßen angenehm war. Auch wenn sie in der Höhle nicht in Sicherheit waren, sie bot zumindest so etwas wie ein Zuhause, was weit besser war, als einfach hinaus ins Unbekannte zu fliegen.

Doch sie mussten es tun. Sie brauchten etwas, wo sie sich besser verteidigen konnten. Und so dankbar er auch für Evelyns Seetangeintopf war, von dem sie sich die ersten beiden Tage ernährt hatten - sie brauchten nahrhafteres Essen.

Er warf einen letzten Blick auf seine Freunde, die unten auf dem Strand immer kleiner wurden, dann schaute er endgültig nach vorn in Richtung der aufgehenden Sonne und zu dem Ort, zu dem sie mussten, der irgendwo darunter lag. Er schickte ein stummes Gebet zum Himmel, dass er und Phoenix zurückkommen würden und die anderen dann noch am Leben wären.

II Jill ließen die Bilder ihrer letzten Vision von den Gosiute nicht mehr los. Sie waren da, wenn sie aufwachte und wenn sie einschlief, blitzten hinter ihren Augenlidern auf, sobald sie nur zwinkerte. Mit Worten ließ sich die Dankbarkeit gar nicht ausdrücken, die sie den Gosiute gegenüber empfand, dafür, dass sie ihr Leben dem Sturm geopfert hatten, um ihnen eine Überlebenschance zu geben. Sie fühlte sich schuldig, weil sie dieses Opfer auf sich genommen hatten. Schließlich war sie nur ein junges Mädchen, hatte gerade einmal den ersten, kleinen Schritt ins Erwachsensein gemacht. Die Tatsache, dass sie ihrem Leben derart große Bedeutung beigemessen und dafür ihren eigenen Stamm bereitwillig geopfert hatten, war eine schwere Last. Es war nichts Besonderes an ihr, zumindest nichts, das Jill hätte gelten lassen. Es gab so viele andere, die klüger waren, hübscher oder wichtiger für das Fortbestehen der Welt, die sie gekannt hatte. Jill konnte sich nichts vorstellen, was sie hätte dazu beitragen können, den Weg in diese neue, völlig offene Zukunft zu bewältigen, das so viele Tote gerechtfertigt hätte. Aber das war es gar nicht, was sie an ihrer Vision so belastete. Es war das Bild, wie sie ihr eigenes Kind auf den Armen hielt, es waren die letzten Worte ihrer geisterhaften Vorfahrin:
Würdest du alles für dieses Kind opfern?

Wieder und wieder hallten diese Worte durch ihren Kopf und ängstigten sie zu Tode. Was in aller Welt sollte sie für dieses Kind opfern, das noch nicht einmal geboren war? Ihr Leben? Zumindest war das das Einzige, das ihr einfiel. Sie würde ihr Leben für ihr Kind opfern müssen, so wie ihre Vorfahren es für sie getan hatten. Aber war sie auch stark genug, um es tatsächlich zu tun, wenn die Zeit gekommen war? Es war nur wenige Monate her, da hatte sie noch im Haus ihrer Eltern auf ihrem Bett gesessen und mit sich gerungen, ob sie Snuffles, ihren fetten Basset, mit aufs College nehmen sollte. Bei Gott, sie hatte sogar geweint deswegen! Und am Ende hatte sie ihn mitgenommen. Sie war selbst noch ein Kind, sie konnte keine Mutter sein, genauso wenig wie sie sich eine Situation vorstellen konnte, in der sie ihr Leben für das eines Kindes geben würde, das noch nicht einmal existierte. Vielleicht war das egoistisch, aber es war das, was sie fühlte ^ Und es brachte sie fast um.

Jill wünschte sich, Snuffles wäre hier, damit sie ihr Gesicht zwischen seinen Speckfalten vergraben und einfach weinen konnte, bis alles vorüber war.

Aber nichts würde jemals wieder so sein, wie es einmal gewesen war. Ihre Eltern waren tot. Alle aus ihrer Klasse waren tot. Sie hatte gesehen, wie Tina in der Toilette einer Autobahnraststätte abgeschlachtet worden war, und sie hatte mitgeholfen, das wenige, was von April noch übrig gewesen war, zu begraben. Es gab nichts mehr, woran sie sich festhalten konnte. Sie war allein, eine Verrückte, nur wegen ihrer Visionen überhaupt noch zu irgendetwas zu gebrauchen. Und jetzt, da die Saat der Depression Wurzeln geschlagen hatte, breitete sie sich aus wie Unkraut. Sie konnte sich nicht daraus befreien, wusste nicht einmal, ob sie es überhaupt wollte. Es war weit einfacher, vollkommen in sich selbst zurückgezogen zu leben, als sich Tag für Tag den neuen Herausforderungen ihres Lebens in der realen Welt zu stellen.

"Ich dachte, du würdest dich mittlerweile vielleicht ein bisschen einsam fühlen", sagte Mare. Sie war so in ihre Gedanken versunken gewesen, dass sie nicht einmal gehört hatte, wie er hinter ihr durch die Dachluke geklettert war.

"Lass mich in Ruhe", flüsterte sie und wischte ihre Tränen weg.

"Das kannst du komplett vergessen", meinte Mare nur und hockte sich neben sie. Er legte ihr einen Arm um die Schulter und versuchte, sie näher an sich heranzuziehen, aber Jill schüttelte ihn sofort wieder ab.

Mare versuchte, es sich nicht zu Herzen zu nehmen. Es war so viel Tod um sie herum. Alle ihre Freunde waren jetzt unter der Erde, und doch tat es ihm weh, dass sie ihn ausschloss. Alles, was er wollte, war, dass es ihr ein bisschen besser ging. Kapierte sie denn nicht, dass er sie liebte?

Seine Augen weiteten sich, und Mare hatte das Gefühl, als würde sein Herz stehen bleiben. Hatte er das tatsächlich gerade gedacht? Er spürte, wie seine Wangen feuerrot wurden, und betete, dass Jill es nicht mitbekam. Sie sah ihn ohnehin nicht an. Stattdessen starrte sie nur auf das staubige alte Skelett, das Jill sie partout nicht beerdigen lassen wollte.

"Wer war sie?", fragte Mare, der beschlossen hatte, sich für den Moment damit zufriedenzugeben, einfach in ihrer Nähe zu sein.

"Ich weiß nicht über wie viele Generationen, aber sie war meine Großmutter", murmelte Jill. Sie seufzte und schüttelte den Kopf. "Ich kenne nicht mal ihren Namen."

"Die anderen meinen, dass sie und ihr Stamm dem Sturm ihre Seelen verkauft haben, damit sie zu diesen großen weißen Vögeln werden konnten."

"Sie haben ihr Leben freiwillig gegeben. Für mich. Für uns. Für unser Jill verstummte.

"Für unser was?"

"Nichts", flüsterte sie und rutschte noch ein Stückchen weiter weg, als ihre Ellbogen sich berührten.

"Hab ich irgendwas angestellt?", fragte Mare.

"Was meinst du damit?"

"Hab ich dich mit irgendwas wütend gemacht? Ich meine, seit ein paar Tagen bist du total distanziert, dabei haben wir davor noch.. ich hatte das Gefühl, als wäre da etwas zwischen uns Jill antwortete mit Schweigen. Sie wusste ohnehin nicht, was sie sagen sollte.

"Habe ich mich getäuscht?", fragte er flüsternd.

Sie schüttelte den Kopf.

"Dann sprich mit mir, Jill. Was geht da vor, hinter diesen wunderschönen Augen? Lass mich dir helfen!"

"Niemand kann mir helfen."

Mare lächelte. "Klingt wie eine echte Aufgabe."

Zum ersten Mal sah sie ihn durch ihre tränenverschmierten Augen an, und sie konnte einfach nicht anders, als zu lachen, auch wenn es sich mehr wie ein Schluchzen anhörte.

"Du bist ein hoffnungsloser Fall, weißt du das?"

"Das soll heißen >unwiderstehlich<, oder?"

Wieder lachte Jill, und sie musste sich die Nase abwischen, damit ihr der Rotz nicht über den Mund lief.

"Sehe ich da etwa ein Lächeln?", fragte Mare. "Das ist zumindest schon mal ein guter Anfang."

Er streckte ihr seine Hand hin, und diesmal nahm Jill sie. Ihre kleinen Finger waren eiskalt, und sie drückte so fest zu, dass Mares Knöchel bald zu schmerzen begannen. So saßen sie schweigend da und starrten das Skelett an, dessen windschiefer Kopf zurückstarrte, als warte er darauf, dass etwas passierte. Der Brustkorb darunter war voller Spinnweben, und die Knochen darum herum verfärbten sich langsam zu dem Braun ausgespuckten Kautabaks, aber sie genossen es, einfach nur dazusitzen und die Welt draußen eine Zeit lang ohne sie weiterhasten zu lassen.

Schließlich ließ Jill seine Hand los, zog die Knie an die Brust und schlang die Arme um ihre Beine. Sie zitterte.

"Soll ich dich allein lassen?", fragte Mare nach einer Weile.

"Nein", flüsterte Jill, die immer noch alles Mögliche anschaute, nur nicht sein Gesicht. "Bitte ^ bleib einfach nur bei mir."

Er wollte sie in die Arme schließen, um ihr zu zeigen, dass alles wieder in Ordnung kommen und er immer für sie da sein würde, aber für den Moment würde er sich wohl damit zufriedengeben müssen, nur in ihrer Nähe zu sein. Irgendwann würde sie über das sprechen wollen, was innerlich so sehr an ihr nagte, und wenn es so weit war, würde er da sein. Das musste genügen. Er würde sie und das, was sie aneinander hatten, nicht aufgeben.

"Dann erzähl mir doch mal von deiner Großmutter", sagte er und betrachtete das Skelett, während er sich Jills Gesichtszüge auf dem nackten Schädel vorstellte.

Endlich schaute Jill ihn an, und ein kleines Lächeln umspielte ihre Lippen.

"Ich weiß nur, dass sie ihre Familie sehr geliebt hat und bereit war, absolut alles für sie zu tun."

Würdest du alles für dieses Kind opfern?

Sie fing wieder an zu weinen und lehnte sich an Mares Schulter, und diesmal ließ sie es zu, dass er sie umarmte und tröstete.

III "Spürst du schon irgendwelche Superkräfte in dir?"

"Was?" Um ein Haar wäre Ray von dem Fleckchen Felsen, auf dem er neben dem Feuer saß, aufgesprungen. Die Stimme hatte ihn aufgeschreckt; er hatte nicht gehört, wie die Schritte unter dem Prasseln des Feuers näher gekommen waren. Abrupt drehte er den Kopf und schaute mit seinen leeren Augenhöhlen in die Richtung, aus der die Worte gekommen waren, so wie es seine Instinkte ihm noch immer geboten.

"Als Daredevil sein Augenlicht verlor, hat das mit seinen übernatürlichen Kräfte angefangen", sagte Jake.

Ray lächelte. "Bis jetzt noch nicht. Aber ich verspreche dir, wenn es so weit ist, bist du der Erste, dem ich es erzähle." Er hatte sich angewöhnt, einen abgerissenen Hemdsärmel über seine Augen zu binden, damit die anderen nicht ständig die gähnenden, schwarzen Löcher und das vernarbte Fleisch um seine Augen herum sehen mussten. Seine Haare ließ er jetzt lose übers Gesicht hängen und machte sich nicht mehr die Mühe, sie ständig mit seiner charakteristischen Geste zurück hinter die Ohren zu klemmen.

"Tut mir leid, das zu hören", sagte Jake mit einem Anflug von Traurigkeit in seiner Stimme. "Ich habe gedacht, du hättest vielleicht schon was gemerkt."

Ray hörte Schritte und dann das schabende Geräusch von Jeansstoff auf nacktem Felsen, als Jake sich neben ihn setzte.

"Im Moment würde ich meine übernatürlichen Fähigkeiten ohne zu zögern gegen einen labberigen Burger eintauschen. Einen, der so dick ist, dass du ihn kaum in den Mund kriegst, der bei jedem Bissen Ketchup und Mayonnaise auf dein T-Shirt spritzt."

"Ich hätte lieber eine Pizza. Peperoni. Die mit Käse am Rand."

"Halt bloß die Klappe", erwiderte Ray.

"Du hast damit angefangen."

"Ja, wahrscheinlich hab ich das", sagte Ray kichernd. Seine Gedanken flogen davon, und er dachte an das letzte Mal, als er Pizza gegessen hatte. Tina war dabei gewesen. Tina, die immer noch den Großteil seiner Gedanken ausfüllte.

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