Gottfried Benn darf wohl ohne Übertreibung zu den reflektiertesten
deutschen Dichtern gezählt werden. Es ist sein nicht unbedeutender
Verdienst in lyrischen und essayistischen Schriften die
Aufmerksamkeit auf zentrale Aspekte des modernen Menschen zu
lenken, die auch gegenwärtig ihre Brisanz nicht verloren und somit
ihre Aktualität bewahrt haben. Benn gelingt es, die existenzielle
Verunsicherung des modernen Menschen in all seinen facettenreichen
Befindlichkeiten darzustellen. Mit der Schöpfung individueller
Bewusstseinslagen durch eine Trennung von Geist und Welt ruft Benn
eine radikale Gegenüberstellung von Mensch und Welt, Mensch und
Wirklichkeit, Mensch und Gott, aber auch von Mensch und Traum
hervor. Destruktion wird zur einer schöpferischen Methode eines
bewusst formenden Geistes, und schließlich wird die Kunst zu einem
anthropologischen Prinzip erhoben, das in der Spätphase zu einer
autonom-statischen Eigenwirklichkeit heranreift. Das Verhältnis von
Leben und Geist ist in diesem Zusammenhang ein entscheidendes
Element in Benns Kunstverständnis, das Ralf Reddmann sowohl
hinsichtlich seiner philosophisch-theoretischen Bedeutung als auch
anhand seiner ästhetisch-produktiven Wirkung thematisiert.
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