Landesbühne - Lenz, Siegfried

Siegfried Lenz 

Landesbühne

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Landesbühne

Seltsame Dinge geschehen im Gefängnis Isenbüttel: Eine Gruppe Häftlinge nutzt einen Gastauftritt der Landesbühne, um im Theaterbus das Weite zu suchen. Selbst die Wächter halten die Fliehenden für die »Spaßmacher von der Landesbühne«. Kurz darauf feiert ein idyllisches Städtchen talentierte Schauspieler - die gar keine sind. Der ganze Ort wird zur Bühne, doch auch das schönste Stück geht einmal vorbei. Mit heiterer Leichtigkeit und würdevoller Eleganz erzählt Siegfried Lenz von der Freundschaft und davon, was die Phantasie vermag.


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 119 S. 191 mm
  • Seitenzahl: 119
  • dtv Taschenbücher Bd.13985
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 121mm x 15mm
  • Gewicht: 165g
  • ISBN-13: 9783423139854
  • ISBN-10: 3423139854
  • Best.Nr.: 32579562
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.10.2009

Wem Gott will rechte Gunst erweisen
Zwischen Eichendorff und Beckett, Traum und Stadthalle schwebend: Siegfried Lenz hat eine Märchennovelle geschrieben, „Landesbühne” Von Gustav Seibt
Eine Theatertruppe kommt in eine Strafvollzugsanstalt der norddeutschen Provinz, um vor den Gefangenen zu spielen. Einige von ihnen nutzen die Gelegenheit, um sich den Bus der Kompanie zu schnappen und mit der Erklärung „Wir sind die Spaßmacher von der Landesbühne!” aus dem Gefängnis zu entweichen.
Was so beginnt, kann als Verfolgungsjagd in einen Kriminalfall, mindestens in eine Gaunerkomödie münden. Siegfried Lenz, der greise, leise Meister, der das Publikum Jahr um Jahr mit scheinbar simplen, scheinbar realistischen Erzählungen aus einer sonderbar entrückten deutschen Provinzgegenwart bezaubert, geht in eine andere Richtung. Die Vorgaben der Wahrscheinlichkeit treten erst einmal nicht ein. Unbehelligt erreicht die flüchtige Truppe die nächste Kleinstadt, Grünau mit Namen, wo ein alljährliches Nelkenfest gefeiert wird.
An diesem nicht nur dem Namen nach grünen Ort, begrüßt man das Eintreffen der vermeintlichen „Landesbühne” ganz beglückt, …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Die Idee dieses Romans von Siegfried Lenz gefällt dem Rezensenten Nico Bleutge zwar, vor allem seine "zutiefst romantische" Idee, dass sich die "Kluft zwischen Kunst und Leben" zumindest vorübergehend überbrücken lässt, dass die Kunst eine ganze Menge für den Menschen kann. Die Umsetzung allerdings gefällt dem Rezensenten weniger, "Lust auf die Kunst" macht die Geschichte seiner Meinung nach nicht. Stilistisch ist das Buch in Bleutges Augen recht holprig geworden, es "bleibt fern jeder Sinnlichkeit" und besitzt keine von den Qualitäten, die Lenz' in seinen Reiseerzählungen zur Geltung brachte. Auch die Handlung wirkt seiner Meinung nach etwas bemüht.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 26.02.2010

Ende einer Sonderfahrt
Schrullige Komik: "Landesbühne" von Siegfried Lenz

Gefängnisse gehören zu den geläufigen Handlungsorten in den Werken von Siegfried Lenz. Sein berühmtester Roman "Deutschstunde" spielt in einer "Besserungsanstalt" für kriminelle Jugendliche, wo der Bilderdieb Siggi Jepsen zur Strafarbeit eingeschlossen wird; einen Aufsatz über die "Freuden der Pflicht" soll er verfassen. "Deutschstunde" gehört in eine noch zu schreibende Literaturgeschichte des Gefängnisses, die viele große Romane jener Epoche zu behandeln hätte: "Lolita", "Stiller", "Blechtrommel" - allesamt fiktive Beichten hinter Gittern. Vermutlich riefen die tektonischen Verschiebungen der gesellschaftlichen Moral damals nach solchen Szenarien.

Mit Heiterkeit erinnert sich der Lenz-Leser auch an "Lehmanns Erzählungen", einen launigen Bericht von der Herrlichkeit des Schwarzmarkts, an dessen Ende Lehmann in einem schäbigen Untersuchungsgefängnis landet. Auch hier herrschen eher belletristische Haftbedingungen. Dank vorzüglicher Verbindungen kann der Schwarzhändler die Anstalt verschönern und aufwerten, so dass der glückliche Direktor seinem Mäzen eine …

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Siegfried Lenz, am 17. März 1926 in Lyck (Ostpreußen) geboren, begann nach dem Krieg in Hamburg das Studium der Literaturgeschichte, Anglistik und Philosophie. Danach wurde er Redakteur. Seit dem Erscheinen seines ersten Romans "Es waren Habichte in der Luft" im Jahre 1951 zählt er zu den profiliertesten deutschen Autoren. Seit 1951 lebt Lenz als freier Schriftsteller in Hamburg. 1988 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. 2004 wurde ihm der Hannelore-Greve-Preis der Hamburger Autorenvereinigung verliehen. 2009 erhielt er den Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte und 2010 wurde Siegfried Lenz mit dem Nonino International Prize ausgezeichnet. 2011 schließlich verlieh man Siegried Lenz die Ehrenbürgerwürde seiner polnischen Geburtsstadt.

Kundenbewertungen zu "Landesbühne" von "Siegfried Lenz"

1 Kundenbewertung (Durchschnitt 3 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** gut)
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(1)
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Bewertung von Uli Geißler aus Fürth/Bay. am 13.07.2011 ***** gut
Ein Gaunerstück in doppelten Sinn

Schon früh nach Beginn der Geschichte zeichnet sich ab, dass es wohl eine augenzwinkernde sein wird. Die Gründe, weshalb einige Typen im Gefängnis einer norddeutschen Stadt einsitzen, weisen schon darauf hin: Einer – Clemens - nutzte angeblich als Professor sein Thema „Sturm und Drang“ aus, um Studentinnen die Praxis nahe zu bringen, ein anderer – Hannes - kassierte als verkleideter Polizist mit Halte-Kelle Bußgelder und viele weitere Kleinkriminelle mehr.

Als kulturelles „Schmankerl“ für die Gefangenen hatte der Direktor das Stadttheater mit dem Stück „Warten auf Godot“ eingeladen. Rund ein Dutzend Gefangener nutzen den Tumult um den Aufbau für das Stück, um im Theaterbus zu fliehen. Schon bald landet die merkwürdige Truppe in einer Kleinstadt und wird prompt mit der erwarteten Theatergruppe verwechselt. So genießen die Gauner das gute Essen, die schönen Reden und engagieren sich im Prinzip ernsthaft an Ideen zur Weiterentwicklung des kulturellen Lebens der Provinzstadt.


Als dann der Schwindel doch auffliegt und die Entflohenen wieder in der Tristess des eingesperrten Daseins ankommen, endet die so Hoffnung stiftende Perspektive für die Männer. Das Einzige, was sie – bis auf einen, der sich selbst zu Tode bringt - am Leben hält, ist die Erkenntnis, dass gemeinsam ertragene Not und der freundschaftliche Zusammenhalt der eigentliche Wert im Leben sind.

Siegfried Lenz erzählt die an sich leichte Geschichte mit einem melancholischen Unterton, lässt die Emotionen nur dort zu, wo sei bei der Leserschaft von selbst entstehen und hält eine überraschend große Distanz zu den Protagonisten aufrecht. Trotz dieser gewissen Oberflächlichkeit wirkt die Geschichte ins eigene Lebensgeflecht hinein, lässt über Ziele, Freiheit, Schein und vor allem Sein sinnieren. Da das ohne großen Tiefgang geschieht, liest sich die Novelle schnell, leidet aber auch etwas darunter, denn – ehrlich – es wäre „mehr“ drin gewesen …! Daher auch nur 3 von 5 Sternen.

© 7/2011 Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

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