Kusswechsel / Stephanie-Plum-Roman Bd.10 - Evanovich, Janet

Janet Evanovich 

Kusswechsel / Stephanie-Plum-Roman Bd.10

Roman

Übersetzung: Thomas Stegers
Broschiertes Buch
 
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Kusswechsel / Stephanie-Plum-Roman Bd.10

"Schnell, scharf und sexy: Mit ihrem zehnten Stephanie-Plum-Abenteuer präsentiert sich Janet Evanovich in Höchstform!" Publishers Weekly

"Stephanie Plum macht einfach süchtig!" Bücherschau


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 347 S.
  • Seitenzahl: 352
  • Goldmann Taschenbücher Bd.46433
  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 119mm x 25mm
  • Gewicht: 297g
  • ISBN-13: 9783442464333
  • ISBN-10: 3442464331
  • Best.Nr.: 20943490
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Dass Serien über durchgeknallte Amerikanerinnen potentiell erfolgreich sind, wissen wir - "Sex and the City" und die "Desperate Housewifes" haben's gezeigt. Doch irgendwann sind auch die lustigsten Sex-, Zoff- und Schuhkaufszenen nur noch Wiederholung. Dann steht ein nettes Ende an: Die Hauptfigur heiratet, wird Mutter oder erwachsen. Nach neun Büchern über die chaotische Stephanie Plum wäre es für Janet Evanovich an der Zeit, zu solch einem Finale zu kommen. Aber nix da: Mit "Kusswechsel" legt die US-Autorin einen weiteren Roman der Serie vor. Diesmal wird Stephanie von einer Ghettogang gejagt, streitet sich (wie immer) mit Dauer-Lover Morelli, schmachtet (wie immer) ihren sexy Kollegen Ranger an und verschlingt (wie immer) tonnenweise Doughnuts. Ganz ehrlich: So viel Redundanz ist zum Gähnen. jul

"Stephanie Plum macht einfach süchtig!"

"Schnell, scharf und sexy: Mit ihrem zehnten Stephanie-Plum-Abenteuer präsentiert sich Janet Evanovich in Höchstform!" (Publishers Weekly)<br/><br/>"Evanovichs Stephanie-Plum-Romane haben denselben Suchteffekt wie Kartoffelchips: Man kann einfach nicht mehr aufhören! Und auch Band zehn ist noch so knackig frisch wie der erste." (People)<br/><br/>"Mit Stephanie Plum verhält es sich ungefähr so, als wäre man mit sechsjährigen Zwillingen beim Einkaufen - je mehr sie sich bemühen, sich zu benehmen, umso größer ist das Chaos, das sie hinterlassen." (New York Times Book Review)
Janet Evanovich stammt aus South River, New Jersey, und lebt heute in New Hampshire. Die Autorin wurde von der Crime Writers Association mit dem "Last Laugh Award" und dem "Silver Dagger" ausgezeichnet und erhielt bereits zweimal den Krimipreis des Verbands der unabhängigen Buchhändler in den USA.

Leseprobe zu "Kusswechsel / Stephanie-Plum-Roman Bd.10"

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Das Leben ist wie ein Doughnut. Erst beim Reinbeißen weiß man, was drin steckt. Und kaum hat man so richtig Geschmack daran gefunden, Klatsch!, landet auch schon ein riesiger Marmeladenklecks auf dem allerbesten T-Shirt.

Ich heiße Stephanie Plum, und ich bekleckere mich oft und in jeder Hinsicht. Zum Beispiel, als ich mal aus Versehen ein Beerdigungsinstitut abgefackelt habe, das war der Megagau aller Marmeladenkleckse. Dafür kam ich sogar in die Zeitung, mit Foto. Und was hatte ich davon? Auf der Straße erkannten mich wildfremde Leute.

"Du bist jetzt berühmt", sagte meine Mutter. "Du musst ein Vorbild sein. Du musst viel Sport treiben, dich richtig ernähren und nett zu alten Leuten sein."

Vielleicht hatte meine Mutter ja Recht, aber ich komme aus New Jersey, und ich muss zugeben, ich hatte so meine Probleme mit dieser neuen Rolle. Ein typisches New Jersey-Girl taugt eigentlich nicht dazu, als Vorbild für andere zu dienen. Wenn ich allein an meine störrischen braunen Haare denke und an die wenig damenhaften Handbewegungen, die mir bisweilen unterlaufen (beides ein Erbe meiner italienischen Vorfahren väterlicherseits) - was hätte ich daran denn überhaupt ändern können?

Mütterlicherseits kommen meine Vorfahren aus Ungarn, von denen habe ich die blauen Augen und das Talent, so viel Geburtstagstorte essen zu können wie ich will und trotzdem noch den obersten Knopf meiner Jeans zuzukriegen. Angeblich hält die robuste ungarische Verdauung nur bis zum vierzigsten Lebensjahr an, ab jetzt fange ich also an, rückwärts zu zählen. Außerdem bergen die ungarischen Gene eine gewisse Portion Glück und Zigeunerinstinkt in sich, beides kann ich in meinem gegenwärtigen Job gut gebrauchen. Ich bin Kautionsdetektivin und arbeite für meinen Vetter Vincent Plum. Ich mache Jagd auf die Bösen, wie im Film. Ich bin nicht die beste Kautionsdetektivin aller Zeiten, aber auch nicht die schlechteste. Der Beste ist ein ziemlich geiler Typ mit dem Beinamen Ranger, und die Schlechteste ist wahrscheinlich Lula, meine gelegentliche Partnerin.

Vielleicht ist es nicht fair, Lula ins Rennen um die schlechteste Kautionsdetektivin zu schicken. Es laufen genug andere schlechte Kautionsdetektive frei herum. Und genau genommen ist Lula gar keine Kautionsdetektivin. Lula ist eine ehemalige Prostituierte, die im Kautionsbüro angestellt ist, um die Ablage zu machen, aber meistens hängt sie an mir wie eine Klette.

Gerade standen Lula und ich auf dem Kundenparkplatz eines DeliMarts, einem Lebensmittelgeschäft in der Hamilton Avenue; zum Büro war es ungefähr noch einen halben Kilometer. Wir lehnten gegen meinen gelben Ford Escape und überlegten, was wir zu Mittag essen wollten. In die engere Wahl kamen Nachos aus dem Deli und Jumbo-Sandwichs von Giovichinnis.

"Sag mal, was ist eigentlich mit der Ablage?", fragte ich Lula. "Wer macht jetzt die Ablage im Büro?"

"Ich."

"Aber du bist doch nie im Büro."

"Stimmt ja gar nicht! Ich war heute Morgen sogar schon vor dir da."

"Ja, aber da hast du keine Ablage gemacht. Du hast dir die Fingernägel gefeilt."

"Die Ablage mache ich aus dem Kopf. Und wenn ich dir nicht dabei helfen müsste, diesen Penner Roger Banker zu fassen, würde ich immer noch Ablage machen."

Roger war wegen schweren Diebstahls und Drogenbesitzes angeklagt. Laienhaft ausgedrückt: Er ist mit geklauten Autos durch die Gegend gefahren und hat Gras geraucht.

"Offiziell bist du also immer noch Büroangestellte für die Ablage?"

"Quatsch!", sagte Lula. "Das ist wahnsinnig langweilig! Sehe ich vielleicht wie eine Bürotussi aus?"

In Wahrheit sah Lula noch immer wie eine Prostituierte aus. Lula ist eine vollschlanke schwarze Frau, die gerne paillettenbesetzte Spandexkleidung mit Tiermuster trägt. Auf meine Meinung in Sachen Mode gibt sie nicht viel, deswegen sagte ich lieber nichts. Ich beließ es bei einem missbilligendem Blick.

"Die Berufsbezeichnung ist etwas irreführend, da ich ja auch die Arbeit einer Kautionsdetektivin mache, nur hat man mir bisher keine eigenen Fälle übertragen", sagte Lula. "Ich könnte doch dein Bodyguard sein."

"Schreck lass nach!"

Lula kniff die Augen zusammen. "Hast du was dagegen?"

"Kommt mir ein bisschen - hollywoodmäßig vor."

"Na gut, aber manchmal brauchst du doch zusätzliche Feuerkraft, oder? Das könnte ich übernehmen. Du trägst ja die meiste Zeit nicht mal eine Waffe. Ich habe immer eine Waffe dabei. Jetzt auch. Nur so, könnte ja sein ..."

Lula zog eine Glock Kaliber 40 aus ihrer Handtasche.

"Und ich würde sie auch jederzeit benutzen. Ich habe ein scharfes Auge. Mal sehen, ob ich die Flasche da drüben neben dem Fahrrad treffe."

An dem großen Schaufenster des DeliMarts lehnte ein schickes teures Mountainbike, daneben stand eine Literflasche. In den Hals der Flasche war ein Lappen gestopft.

"Nein", rief ich. "Nicht schießen!"

Zu spät. Lula ballerte einen Schuss ab, verfehlte die Flasche, und die Kugel zerfetzte das Hinterrad des Mountainbikes.

"Hoppla", sagte Lula, verzog das Gesicht und steckte die Pistole sofort wieder zurück in ihre Handtasche.

Eine Sekunde später kam ein junger Mann aus dem Laden gelaufen. Er trug einen Mechaniker-Overall und eine rote Teufelsmaske. Über einer Schulter hing ein kleiner Rucksack, in der rechten Hand hielt er eine Pistole. Seine Hautfarbe war etwas dunkler als meine und etwas heller als Lulas. Er schnappte sich die Flasche vom Boden, zündete den Lappen mit einem Feuerzeug an und schleuderte die Flasche in den DeliMart. Dann wollte er sich auf das Fahrrad schwingen, merkte aber, dass das Hinterrad in Fetzen von der Felge hing.

"Scheiße", sagte der Mann. "Scheiße!"

"Das war ich nicht", sagte Lula. "Ich nicht. Jemand anders ist vorbeigekommen und hat auf Ihr Fahrrad geschossen. Sie sind wohl nicht gerade sehr beliebt, oder?"

In dem Laden ging ein irres Gebrüll los, der Mann mit der Teufelsmaske flüchtete, und Victor, der pakistanische Geschäftsführer, kam aus der Tür gerannt. "Ich bin erledigt! Kapiert? Erledigt bin ich!", schrie er. "Das ist der vierte Überfall in diesem Monat, mehr verkrafte ich nicht. Sie sind ein Haufen Hundescheiße!", rief er dem Mann mit der Teufelsmaske hinterher. "Hundescheiße!"

Lula hatte die Hand gleich wieder in ihrer Tasche. "Stehen bleiben! Ich habe eine Waffe!", sagte sie. "Mist, wo ist sie? Wieso findet man das Scheißding nie, wenn man es braucht!"

Victor warf die brennende, aber noch immer heile Flasche nach dem Mann mit der Teufelsmaske und traf ihn am Hinterkopf. Die Flasche prallte vom Schädel des Teufels ab und knallte gegen die Beifahrertür meines Autos. Der Teufel taumelte und riss sich instinktiv die Maske vom Gesicht. Entweder bekam er keine Luft, oder er wollte die Stelle am Kopf abtasten, ob sie blutete, vielleicht handelte er auch einfach nur unüberlegt. Wie auch immer, die Maske war nur eine knappe Sekunde vom Kopf, bevor er sie sich schleunigst wieder überstülpte. Er drehte sich um und sah mich unmittelbar an, dann lief er über die Straße und tauchte in einer Gasse zwischen zwei Häusern unter.

Die Flasche entzündete sich sofort, als sie auf das Autoblech traf. Flammen schossen seitlich und unter dem Fahrwerk hervor.

"Du liebe Scheiße", sagte Lula und blickte von ihrer Handtasche auf. "Verdammt."

"Womit habe ich das verdient?", kreischte ich los. "Wieso passiert so was immer nur mir? Nicht zu fassen: Fackelt mir schon wieder mein Auto ab! Ständig fliegen meine Autos in die Luft. Wie viele Autos sind auf diese Weise schon kaputtgegangen, seit du mich kennst?"

"Ganz schön viele", sagte Lula.

"Peinlich, peinlich. Wie soll ich das meiner Versicherung beibringen?"

"War ja nicht deine Schuld", sagte Lula.

"Es ist nie meine Schuld. Aber zählt das etwa bei der Versicherung? Einen Dreck interessiert die das!"

"Du hast eben ein schlechtes Autokarma", sagte Lula. "Wenigstens hast du Glück in der Liebe."

Seit zwei Monaten wohne ich mit Joe Morelli zusammen. Morelli ist ein Polizist aus Trenton, sehr sexy, sehr hübsch. Morelli und mich verbindet eine lange Geschichte und wahrscheinlich noch eine lange Zukunft. Wir nehmen es, wie es kommt. Neuer Tag, neues Glück. Keiner von uns hat das Bedürfnis, unsere Bindung irgendwie offiziell bescheinigen zu lassen. Einen Vorteil hat es, wenn man mit einem Polizisten zusammenlebt: Man muss nie zu Hause anrufen, wenn etwas Schreckliches passiert ist. Das kann sich aber auch als Nachteil erweisen, wie Sie sich denken können. Sekunden nachdem der Notruf wegen dem Überfall und dem brennenden Auto mit einer Beschreibung meines gelben Escape eingegangen war, hatten mindestens vierzig verschiedene Polizeifahrzeuge, Krankenwagen und Feuerwehren Morelli über Funk mitgeteilt, dass seine Freundin sich mal wieder ein dickes Ding geleistet hat.

Lula und ich wichen vor dem Feuer zurück, da wir aus Erfahrung wussten, dass sehr wahrscheinlich eine Explosion erfolgen würde. Geduldig warteten wir ab und lauschten den in der Ferne heulenden Sirenen, die von Sekunde zu Sekunde näher kamen. Minuten später würde auch Morellis Zivilstreifenwagen eintreffen. Und irgendwann, zwischen all den Sirenen, würde sich auch mein beruflicher Lehrmeister und Mentor, das Mysterium Ranger, anschleichen, um zu gucken, ob seinem Zögling etwas zugestoßen war.

"Ich glaube, ich verschwinde lieber", sagte Lula. "Die Ablage im Büro wartet. Wenn ich Bullen sehe, kriege ich immer Durchfall."

Abgesehen davon, trug sie verbotenerweise eine verdeckte Waffe bei sich, die dieses Fiasko maßgeblich herbeigeführt hatte.

"Hast du das Gesicht des Mannes erkannt, als er die Maske abnahm?", fragte ich sie.

"Nein, ich habe meine Pistole gesucht. Die war plötzlich weg."

"Dann solltest du wirklich lieber verschwinden", sagte ich. "Kauf mir unterwegs ein Jumbo-Sandwich. Ich glaube nicht, dass es in diesem Laden in absehbarer Zeit wieder Nachos gibt."

"Mir käme ein Jumbo-Sandwich auch ganz gelegen. Wenn ich brennende Autos sehe, meldet sich immer mein Magen."

Lula verzog sich im Powerschritt.

Victor stand auf der anderen Seite des Autos, stampfte vor Wut mit den Füßen auf und raufte sich die Haare. Urplötzlich hörte er damit auf und fixierte mich. "Warum haben Sie ihn nicht erschossen? Ich kenne Sie. Sie sind Kautionsdetektivin. Sie hätten ihn erschießen sollen."

"Ich trage gar keine Waffe", klärte ich Victor auf.

"Sie tragen keine Waffe? Und Sie wollen Kautionsdetektivin sein? Ich gucke Fernsehen, ich kenne mich aus. Kautionsdetektive tragen immer mehrere Waffen."

"Als Kautionsdetektiv schießt man eigentlich nicht auf Menschen."

Ungläubig schüttelte Victor den Kopf. "Vornehm geht die Welt zu Grunde - wenn Kautionsdetektive nicht mal mehr auf Menschen schießen dürfen."

Ein Streifenwagen fuhr vor, und zwei Uniformierte stiegen aus, stellten sich hin, stemmten die Fäuste in die Seiten und betrachteten die Szenerie. Ich kannte die beiden Polizisten. Andy Zajak und Robin Russell.

Andy Zajak fuhr wieder Streife. Vor zwei Monaten war er noch in Zivil unterwegs gewesen, dann hatte er im Zuge von Ermittlungen in einem Raubüberfall während eines Verhörs einem örtlichen Politiker einige peinliche Fragen gestellt, danach wurde er wieder zum Uniformtragen verdonnert. Es hätte schlimmer kommen können. Zajak hätte auch zu Schreibtischarbeit im "Büro der Bedeutungslosigkeit" verknackt werden können. Manche Dinge waren eben heikel bei der Polizei von Trenton.

Zajak winkte mir zu, als er mich erkannte. Er sagte etwas zu Russell, und beide lachten, feixten bestimmt über Pechvogel Plums neueste Panne.

Mit Robin Russell bin ich zusammen zur Schule gegangen. Sie war eine Klasse unter mir, deswegen waren wir nicht die dicksten Freundinnen, aber ich fand sie trotzdem ganz nett. Sie war kein Ass in Sport, eher eine von den Stillen, mit Köpfchen, und es überraschte uns alle, als sie zwei Jahre später zur Polizei ging.

Nach Zajak und Russell traf ein Löschzug der Feuerwehr ein, dann zwei weitere Streifenwagen und ein Krankenwagen. Als Morelli endlich kam, waren die Schläuche längst ausgerollt und die Feuerlöscher verrichteten ihre Arbeit.

Morelli stellte seinen Wagen schräg hinter den von Robin Russell und kam zu mir herübergeschlendert. Morelli war schlank und muskelbepackt und hatte wachsame Bullenaugen, die im Schlafzimmer sanfter wurden. Sein Haar war fast schwarz, fiel ihm vorne wellenartig in die Stirn und reichte bis zum Hemdkragen. Er trug ein blaues Hemd, das eine Nummer zu groß war, die Ärmel hochgekrempelt, schwarze Jeans und schwarze Boots mit Profilsohle. Er hatte den Pistolenhalfter umgeschnallt, aber ob mit oder ohne, Morelli strahlte immer etwas aus, dass man sich nicht mit ihm anlegen wollte. Sein Mund stand etwas schief, was man als Schmunzeln interpretieren konnte. Andererseits konnte es genauso gut eine genervte Miene sein. "Ist dir auch nichts passiert?", fragte er.

"Es war nicht meine Schuld", sagte ich.

Diesmal war das Lächeln echt. "Du bist nie schuld, Pilzköpfchen." Sein Blick wanderte zu dem roten Mountainbike mit dem zerfetzten Reifen. "Was ist mit dem Fahrrad los?"

"Lula hat versehentlich den Reifen zerschossen. Dann kam ein Kerl mit einer roten Teufelsmaske auf dem Kopf aus dem DeliMart gerannt, guckte sich kurz das Rad an, schleuderte einen Molotowcocktail in den Laden und ist weggerannt. Die Flasche ist aber nicht zerbrochen, deswegen hat Victor sie aufgehoben und damit nach dem Kerl geworfen. Dabei ist sie gegen mein Auto geprallt."

"Dass Lula auf den Reifen geschossen hat, habe ich überhört."

"Ich habe mir schon gedacht, dass es nicht nötig ist, Lula in dem offiziellen Polizeibericht zu erwähnen."

Ich sah an Morelli vorbei, weil ein schwarzer Porsche Turbo 911 am Straßenrand hielt. Es gibt nicht viele Leute in Trenton, die sich so einen Schlitten leisten können. Hauptsächlich Drogenbosse - und Ranger.

Ranger glitt hinter dem Steuer hervor und kam zu mir herüber. Er war ungefähr so groß wie Morelli, aber er hatte mehr Muskelmasse. Morelli war eine Katze, Ranger eine Kreuzung aus Rambo und Batman. Ranger trug die schwarze Cargohose der SWAT, einer taktischen Spezialeinheit der Strafverfolgungsbehörden, und ein schwarzes T-Shirt. Er hatte dunkles Haar, seine Augen waren ebenfalls dunkel, und seine Hautfarbe wies auf seine kubanische Herkunft hin. Niemand kannte Rangers genaues Alter, aber ich vermute mal, dass er so ungefähr meine Preisklasse war, Ende zwanzig, Anfang dreißig. Es wusste auch niemand, wo er wohnte, und woher er seine Autos und sein Geld bezog. Wahrscheinlich war es besser so.

Ranger nickte Morelli zu und suchte meinen Blick. Wenn Ranger einem in die Augen sah, konnte man manchmal glauben, er wüsste genau, was für Zeug einem alles durch den Kopf ging. Es war etwas nervig, so durchschaut zu werden, aber es sparte auch Zeit, weil man nicht viele Worte verlieren musste.

"Babe", sagte Ranger nur und ging wieder.

Morelli sah zu, wie Ranger in seinen Porsche stieg und wegfuhr. "Mal bin ich heilfroh, dass er auf dich aufpasst, mal macht es mir Angst. Er läuft immer in Schwarz herum, die Adresse auf seinem Führerschein ist ein unbebautes Grundstück, und nie sagt er einen Ton."

"Vielleicht hat er eine dunkle Vergangenheit, so wie Batman. Eine gemarterte Seele."

"Ranger? Eine gemarterte Seele? Ich bitte dich, Pilzköpfchen! Der Mann ist ein Söldner." Morelli zwirbelte eine Haarsträhne von mir um seinen Finger. "Du hast wieder zu viel Dr. Phil geguckt. Oder war es Oprah? Geraldo? Oder hast du in Crossing Over mit John Edward wieder Kontakt zu Toten aufgenommen?"

"Diesmal war es Crossing Over mit John Edward. Und Ranger ist kein Söldner. Jedenfalls ist er in Trenton nicht offiziell registriert. Er ist Kautionsdetektiv, so wie ich."

"Schon klar. Mir passt das alles sowieso nicht."

Ich weiß auch, dass ich einen Scheißjob habe. Die Bezahlung ist nicht gerade umwerfend, und manchmal wird auf mich geschossen. Trotzdem muss sich ja jemand darum kümmern, dass die Angeklagten vor Gericht erscheinen. "Ich leiste Dienst an der Gemeinschaft", klärte ich Morelli auf. "Wenn es Leute wie mich nicht gäbe, müsste die Polizei die Flüchtigen aufspüren. Und der Steuerzahler müsste am Ende für eine Verstärkung der Polizeikräfte aufkommen."

"Es geht hier nicht um den Job an sich. Es passt mir nur nicht, dass du ihn machst."

Unter meinem Auto war ein ersticktes Buff zu hören, Flammen schossen hervor und ein qualmendes Rad sprang ab und rollte über den Platz.

"Das ist der vierzehnte Überfall, den der rote Teufel verübt hat", sagte Morelli. "Und immer läuft es nach dem gleichen Muster ab. Mit vorgehaltener Waffe den Laden ausrauben. Auf dem Fahrrad abhauen. Und die Flucht mit einem Molotowcocktail vertuschen. Noch nie hat ihn jemand gesehen, so dass er ihn wiedererkennen könnte."

"Bis jetzt", sagte ich. "Ich habe das Gesicht des Mannes gesehen. Er ist mir noch nie begegnet, aber bei einer Gegenüberstellung würde ich ihn wohl wiedererkennen."

Eine Stunde später setzte mich Morelli mit seinem Auto vor dem Büro ab. Als ich aus seiner zivilen Polizeikarre ausstieg, einem Crown Vic, der schon bessere Tage gesehen hatte, zog er mich an einem Hemdzipfel zurück. "Du bist doch vorsichtig, ja?"

"Ja."

"Und pass auf, dass Lula nicht wieder wild drauflosballert."

Ich stöhnte innerlich auf. Morelli verlangte das Unmögliche. "Manchmal ist Lula nicht zu bändigen."

"Dann such dir einen neuen Partner."

"Wie wäre es mit Ranger?"

"Sehr witzig."

Morelli gab mir einen sattfeuchten Zungenkuss zum Abschied, und ich fand, dass ich Lula vielleicht doch irgendwie bändigen konnte. Ein Kuss von Morelli, und alles schien möglich. Morelli war ein wirklich guter Küsser.

Sein Pager piepste und Morelli ließ mich los, um das Display zu lesen. "Ich muss los", sagte er und scheuchte mich nach draußen.

Ich steckte noch mal den Kopf durchs Fenster. "Nicht vergessen: Wir haben meiner Mutter versprochen, heute Abend zum Essen zu kommen."

"Das ist nicht wahr. Du hast ihr das versprochen. Nicht ich. Ich habe gerade erst vor drei Tagen bei deinen Eltern zu Abend gegessen. Einmal die Woche reicht. Valerie und die Kinder sind bestimmt auch da, nicht? Und Kloughn. Ich kriege Sodbrennen, wenn ich nur daran denke. Jeder, der mit so einer Truppe sein Essen fasst, hat sich eine Kampfzulage verdient."

Recht hatte er. Ich startete keinen neuen Versuch. Vor etwas über einem Jahr ist der Mann meiner Schwester auf Nimmerwiedersehen mit dem Babysitter durchgebrannt.Valerie war daraufhin sofort mit ihren zwei Kindern wieder bei meinen Eltern eingezogen und hatte eine Stelle bei einem Anwalt angenommen, Albert Kloughn, der sich schwer abrackerte, um auf einen grünen Zweig zu kommen. Trotz alledem hatte Kloughn es irgendwie fertig gebracht, Val zu schwängern, und neun Monate später wohnten in dem kleinen Haus meiner Eltern im Stadtteil Chambersburg von Trenton - drei Schlafzimmer, Wohn-/Esszimmer, Küche, Bad - meine Mutter, mein Vater, Grandma Mazur, Valerie, Albert Kloughn, Valeries zwei kleine Töchter und das Baby.

Kundenbewertungen zu "Kusswechsel / Stephanie-Plum-Roman Bd.10"

4 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.3 von 5 Sterne bei 4 Bewertungen **** sehr gut)
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Bewertung von Ani aus Krefeld am 29.04.2011 ***** ausgezeichnet
Kusswechsel von Janet Evanovich ist ein weiterer Stephanie-Plum-Roman. Stephanie ist mal wieder zur falschen Zeit am falschen Ort. Als die Kopfgeldjägerin sich mit ihrer Kollegin Lula, die gerne aber nicht treffsicher schießt, einen Imbiss gönnt, wird der Laden überfallen. Das Dumme daran ist, dass Stefphanie den Räuber erkennt und er wiederum weiß, dass es eine Zeugin gibt, die ihn identifizieren kann. Nicht das Stephanie nicht schon genug Feinde hätte, der eine macht ihr auch nichts mehr. Ihr Teilzeitlebengefährte Joe Morelli würde die am liebsten zu Hause einsperren. Also taucht Stephanie eine Zeit bei dem attraktiven Ranger unter, doch zu lange kann sie dort nicht bleiben, da es noch Kautionsflüchtige zu schnappen gibt. Am Ende hat Stephanie noch einmal Glück gehabt, aber die Jagd nach ihr geht weiter.
Ich finde, es ist ein sehr gelungenes Buch und die Charaktere werden werden mit viel Witz und Charme beschrieben. Das Buch ist sehr fesselnd, sodass man es gar nicht mehr weglegen möchte.

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Bewertung von Blacky (blacky-book@live.de) am 30.06.2010 ***** sehr gut
Kurzbeschreibung zu: "Kusswechsel"

Für Stephanie Plum - Kautionsjägerin und Chaosmagnet - ist das Leben wie ein Doughnut: Erst beim Reinbeißen weiß man, was drin steckt. Und kaum hat man so richtig Geschmack daran gefunden, landet auch schon ein riesiger Marmeladenklecks auf dem allerbesten T-Shirt. Bei dieser Lebensphilosophie ist es nicht weiter verwunderlich, dass Stephanie es einmal mehr geschafft hat, zur völlig falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Und das so effektiv, dass sich Trentons halbe Unterwelt an ihre Fersen heftet, Teilzeitlebensgefährte Joe Morelli mit Hausarrest droht und Stephanie schließlich bei dem unwiderstehlichen Ranger Unterschlupf suchen muss ..

Eine gelungene Mischung!!
Einerseits ist es sehr spannend, adererseits kommt man aus dem lachen nicht mehr heraus.
Es ist Krimi, Familienroman und auch ein bischen Liebesroman in einem, gemischt mit einer ordentlichen Prise Humor

Reihenfolge der "Stephanie Plum"-Romane

1* Einmal ist keinmal
2* Zweimal ist einmal zuviel
3* Eins, zwei, drei und du bist frei
4* Aller guten Dinge sind vier
5* Vier Morde und ein Hochzeitsfest
6* Tödliche Versuchung
7* Mitten ins Herz
8* Heiße Beute
9* Reine Glückssache
10 * Kusswechsel
11* Die Chaos-Queen
12* Kalt erwischt
13* Ein echter Schatz
14* Kuss mit Lustig
15* Finger Lickin' Fifteen ( noch nicht auf deutsch erschienen)
16* Sizzling Sixteen (noch nicht auf deutsch erschienen)

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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Bewertung von Blacky (blacky-book@live.de) am 30.06.2010 ***** sehr gut
Kurzbeschreibung :
Für Stephanie Plum - Kautionsjägerin und Chaosmagnet - ist das Leben wie ein Doughnut: Erst beim Reinbeißen weiß man, was drin steckt. Und kaum hat man so richtig Geschmack daran gefunden, landet auch schon ein riesiger Marmeladenklecks auf dem allerbesten T-Shirt. Bei dieser Lebensphilosophie ist es nicht weiter verwunderlich, dass Stephanie es einmal mehr geschafft hat, zur völlig falschen Zeit am falschen Ort zu sein. Und das so effektiv, dass sich Trentons halbe Unterwelt an ihre Fersen heftet, Teilzeitlebensgefährte Joe Morelli mit Hausarrest droht und Stephanie schließlich bei dem unwiderstehlichen Ranger Unterschlupf suchen muss ..

Eine gelungene Mischung!!
Einerseits ist es sehr spannend, adererseits kommt man aus dem lachen nicht mehr heraus.
Es ist Krimi, Familienroman und auch ein bischen Liebesroman in einem, gemischt mit einer ordentlichen Prise Humor

Reihenfolge der "Stephanie Plum"-Romane

1* Einmal ist keinmal
2* Zweimal ist einmal zuviel
3* Eins, zwei, drei und du bist frei
4* Aller guten Dinge sind vier
5* Vier Morde und ein Hochzeitsfest
6* Tödliche Versuchung
7* Mitten ins Herz
8* Heiße Beute
9* Reine Glückssache
10 * Kusswechsel
11* Die Chaos-Queen
12* Kalt erwischt
13* Ein echter Schatz
14* Kuss mit Lustig
15* Finger Lickin' Fifteen ( noch nicht auf deutsch erschienen)
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Bewertung von Roth aus Homburg am 25.06.2007 ***** sehr gut
Stephanie Plum ist auch in diesem Roman wieder auf Verbrecherjagd. Dabei passiert das Unwahrscheinlichste und Skurrilste, womit selbst Stephanie Plum nicht rechnen kann. Die Figuren sind wieder in Höchstform, allen voran Grandma Mazur.
Man kommt nicht daran vorbei diesen neuen Fall an einem Stück lesen zu wollen. Die gelungene Mischung aus Krimi und den zwischenmenschlichen Wirrungen, die Stephanie abermals beschäftigen, sucht seines gleichen. Dieses Buch ist genau das richtige für einen verregneten Sonntagnachmittag

Es gibt 1 Kommentar zu dieser Bewertung
  • Susanne aus Bayern am 09.06.2008
    Guter Bericht, ich bin völlig Deiner Meinung, lg
     (Inhalt anstößig?)

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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