Kultur der Ausrede - Breithaupt, Fritz

Fritz Breithaupt 

Kultur der Ausrede

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Kultur der Ausrede

Warum erzählen Menschen? Wie haben sie Erzählen gelernt? Welche kulturellen Leistungen sind mit dem Erzählen verbunden? Und was ist Erzählen überhaupt? Auf diese Fragen gibt Fritz Breithaupt eine verblüffende Antwort. Erzählen erlaubt es, Ausreden vorzutragen. Wer eine Ausrede hat, kann den Kopf aus der Schlinge ziehen. Das Wesen der Ausrede besteht darin, neue, meist komplexere Beschreibungen für bereits beurteilte Handlungen zu liefern. In der ersten Ausrede der Menschheitsgeschichte bekennt Adam zwar, daß er den Apfel aß, bestreitet aber seine Verantwortung, da Eva ihm die Tat eingeflüstert habe. Beginnend mit dieser Urszene, verfolgt das Buch die ineinander verschlungenen Pfade von juristischer Verantwortung und Literatur und zieht dabei auch evolutionsbiologische Erkenntnisse heran.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 2012. 235 S.
  • Seitenzahl: 235
  • Suhrkamp Taschenbücher Wissenschaft Nr.2001
  • Best.Nr. des Verlages: 29601
  • Deutsch
  • Abmessung: 176mm x 111mm x 20mm
  • Gewicht: 146g
  • ISBN-13: 9783518296011
  • ISBN-10: 3518296019
  • Best.Nr.: 32453842
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 23.02.2012

Zieh den Kopf aus der Schlinge, Bruder Adam!
Alles nur erzählt: Der Literaturwissenschaftler Fritz Breithaupt besinnt sich auf die "Kultur der Ausrede"

Gewiss wirkte man integrer, wenn man auf Ausreden gänzlich verzichtete. Im täglichen Miteinander, das sich nicht nur an hehren Maßstäben der Moral orientiert, sind verbale Ausflüchte aber sehr gebräuchlich. Wem bestätigt wird, er sei nie um eine Ausrede verlegen, der darf sich nicht nur getadelt fühlen, sondern erfährt auch eine Anerkennung seiner Kreativität. Der an der Indiana University in Bloomington lehrende deutsche Literaturwissenschaftler Fritz Breithaupt hält das Phänomen dennoch für unterschätzt. Er geht so weit, auf ihm eine ganze Erzähl- und Kulturtheorie zu gründen. Erzählen, argumentiert er, bedeute im Grunde, eine Ausrede zu formulieren.

Breithaupts Studie "Kultur der Ausrede" beginnt mit den ersten Menschen, dem Sündenfall des Alten Testaments. Adam leugnet nicht, die verbotene Frucht gegessen zu haben, meint aber, Eva trage die Verantwortung, schließlich habe sie ihm die Frucht gereicht. Eva verweist auf die Schlange, die sie verführt und betrogen habe. Zwar …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Glaubt man Detlev Claussen, so haben wir es bei Fritz Breithaupts "Kultur der Ausrede" mit der Frucht einer auf Zweckmäßigkeit und Selbstvermarktung angelegten Geisteswissenschaft zu tun, die leider nicht vom "Baum der Erkenntnis" gepflückt ist. Der Literaturwissenschaftler Breithaupt strebt mit diesem und seinen anderen Büchern, auf die er wiederholt hinweist, gleich eine ganze Kulturgeschichte an, die sich zwar in Bescheidenheitsfloskeln ergeht, sich aber trotzdem auf Wissenschaftlichkeit pocht, meint der Rezensent. Claussen allerdings findet hier für seinen Geschmack eine allzu ungenaue Begrifflichkeit und ein Wissenspotpourri, das beim Sündenfall als Urszene der Ausrede ansetzt. Und so sind es vor allem "unklare Sinngehalte", denen Breithaupt nicht zuletzt mit "sprechakttheoretischen" Verrenkungen wissenschaftliche Glaubwürdigkeit zu verleihen sucht, meint der Rezensent wenig beeindruckt.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 24.04.2012

Eva, Adam,
Apfelmus
Ach, Kulturwissenschaft: Fritz
Breithaupts „Theorie“ der Ausrede
„Kultur der Ausrede“ – der Titel klingt so, als ob er dem ausgeschiedenen Präsidenten Wulff hätte weiterhelfen können – zumindest, sich gut zu fühlen. Aber je weiter man in diesem Text kommt, umso mehr wundert man sich, was man aus klaren Begriffen alles machen kann.
Wer den Autor Fritz Breithaupt, Professor für Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft und Affiliate Professor für Kognitionswissenschaften an der Indiana Universität in Bloomington, nicht kennt, wird von ihm selbst auf seine früheren Werke verwiesen, die mit diesem „Essay“ zusammengenommen, eine neue „Kulturtheorie, die sich aus der Dynamik von Institutionalisierungen ergibt“, begründen sollen.
Gibt es nicht schon Kulturtheorien genug? Brauchen wir die? Wozu? In einem utilitaristischen Zeitalter, wie dem gegenwärtigen, stehen die Geisteswissenschaften unter einem enormen Legitimationsdruck. Das gilt extrem für die Germanistik in den Vereinigten Staaten. Pompöse Titel von Professuren und Büchern gehören zum Geschäft der Selbstvermarktung.
Wenn …

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»Der Literaturwissenschaftler Fritz Breithaupt korrigiert in einem sehr anschaulichen Buch das Vorurteil gegenüber der Ausrede.«

»Der Literaturwissenschaftler Fritz Breithaupt korrigiert in einem sehr anschaulichen Buch das Vorurteil gegenüber der Ausrede.«
Fritz Breithaupt (1967) ist Professor für deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft, sowie affiliierter Professor für Kognitionswissenschaften an der Indiana University in Bloomington. Seit 2006 ist er zudem Kolumnist bei ZEIT Campus. Ziel seiner Arbeit ist die Erforschung der Prozesse, Mechanismen und imaginären Institutionen, mittels deren sich Kulturen verfestigen. Bei Suhrkamp erschien bisher Kulturen der Empathie.

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