Produktbeschreibung zu Kultur als Praxis
Cassirers Denken zeichnet sich aus durch eine hohe ethische
Appetenz. Es ist daher auffällig, daß er keine eigene Ethik
geschrieben hat. Das Buch will in einer systematischen
Interpretation Ernst Cassirers Philosophie im Ganzen aus einem
methodischen Primat des Praktischen einsichtig machen: Es ist zu
zeigen, daß nach Cassirers bedeutungstheoretisch grundierter
Konzeption des Menschen und seiner Kultur schon die eigentlich
"theoretischen" Aspekte menschlichen Weltverstehens
allein durch den Charakter der Verwandlung von Gegebenem in ein
anderes Medium und damit von freier und produktiver Tätigkeit zu
begreifen sind. Zieht sich menschliche Produktivität derart wie der
rote Faden von den elementaren bis zu den höchst komplexen
Leistungen durch die Kultur, so ist damit zugleich die Kontinuität
zwischen theoretischem und im engeren Sinne praktischem
Weltverhältnis behauptet.
Cassirers Konzeption von Kultur als prozessuale Totalität der
Bedeutungen unterläuft die Aristotelische Gegenüberstellung von
poiesis und praxis. Ohne ihren werkproduktiven Charakter in Abrede
zu stellen, begreift Cassirer die Kultur als das Medium der praxis
in dem prägnanten Sinn, daß die poietische Gestaltung zugleich der
Ort des Ursprungs und des Vollzuges von Handlungsfreiheit und ihrer
Normativität ist.
Im Zentrum des Interesses steht daraufhin die Rekonstruktion der
bisher kaum bearbeiteten praktischen Philosophie Cassirers, die von
ihm in zahlreichen Elementen in das gesamte Werk eingeschrieben
ist. Eingebunden ist die Darstellung dieser ungeschriebenen Ethik
in den systematischen Prospekt der symbolischen Formen.
Produktinformation
- Verlag: Akademie-Verlag
- 2004
- Ausstattung/Bilder: 2004. 223 S.
- Seitenzahl: 223
- Deutsche Zeitschrift für Philosophie Sonderbd.6
- Deutsch
- Abmessung: 24, 5 cm
- Gewicht: 620g
- ISBN-13: 9783050038704
- ISBN-10: 3050038705
- Best.Nr.: 12256497
Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension
Eine kritische Auseinandersetzung mit Ernst Cassirers Kulturphilosophie sieht Thomas Meyer in Birgit Reckis Buch "Kultur als Praxis", das er als eine von mehreren neuen Arbeiten über Cassirer bespricht. So kritisiere die Autorin, dass Cassirer trotz zahlreicher Äußerungen, die auf ein Primat der Ethik in seiner Philosophie hinwiesen, niemals eine systematische Begründung dieser Idee geliefert habe. Zudem finde sie Cassirers Kultur-Begriff zu "allgemein und unspezifisch". Für wichtiger als Reckis Einwände gegen Cassirer hält Meyer allerdings die Punkte, in denen die Autorin mit dem Philosophen übereinstimmt. Auch Recki schreibe eine Ethik des Antitragischen und komme damit Cassirers "Kritik der Kultur" entgegen; zudem stimmten beide in den wesentlichen Grundannahmen überein. Meyer hält fest, dass Recki auf einem umfassenden Begriff von Kultur als Ort der Gestaltung der Wirklichkeit des Menschen bestehe und zugleich betone, dass der Kulturphilosophie eine Handlungstheorie an die Seite gestellt werden müsse.
© Perlentaucher Medien GmbH
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