Kriegstagebuch - Bachmann, Ingeborg

Ingeborg Bachmann 

Kriegstagebuch

Mit Briefen von Jack Hamesh an Ingeborg Bachmann

Herausgegeben von Höller, Hans
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Kriegstagebuch

Eine Achtzehnjährige jubelt in ihrem Tagebuch über den schönsten Sommer ihres Lebens. Es ist nicht irgendeine junge Frau und auch nicht irgendein Sommer. Ingeborg Bachmann hält ihr Erleben des Kriegsendes fest. Dabei ist nicht allein der ersehnte Frieden Grund für Ihre Euphorie, sondern auch die tiefe Verbindung mit dem britischen Besatzungssoldaten Jack Hamesh. Die Gespräche mit ihm, dem Juden, der 1938 als Kind aus Wien flüchten mußte und seine Eltern im Holocaust verlor, prägen sie tief. Er wird ihr, nachdem er in das damalige Palästina ausgewandert ist, in berührenden Briefen schildern, wie sie ihm den Glauben an die Menschen zurückgab.
Ingeborg Bachmanns ergreifendem Kriegstagebuch sind in diesem Band die erhaltenen Briefe von Jack Hamesh an sie zur Seite gestellt. Zusammen bilden sie ein einzigartiges Dokument des Dialogs und der Zuneigung zwischen Kindern der Opfer und der Täter.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 112 S.
  • Seitenzahl: 112
  • Suhrkamp Taschenbücher Nr.4243
  • Best.Nr. des Verlages: 46243
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 118mm x 15mm
  • Gewicht: 139g
  • ISBN-13: 9783518462430
  • ISBN-10: 3518462431
  • Best.Nr.: 32453862
"Es ist dies, nach der Publikation des Briefwechsels Herzzeit zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan vor anderthalb Jahren, wieder eine kleine Sensation, die Literaturgeschichte schreiben wird. Auch dank des vorzüglichen Kommentars von Herausgeber Hans Höller entsteht ein Zeitbild, dessen Tentakel bis in Bachmanns künftiges Werk hineinreichen. Die Besonderheit dieser Tagebuchblätter liegt überhaupt eher im Detail des gelebten Widerstands, im Rausch des unverhofften Friedens, im Glück der Befreiung."<br />Ina Hartwig Die Zeit

»Was diesen sensationellen Fund so faszinierend macht, ist nich nur die Tatsache, dass man hier die spätere Literatur-Ikone quasi als Jugendliche kennenlernt, einen Blick in ihr mentales Mädchenzimmer werfen kann. Was vielmehr so verblüffend wie anrührend wirkt, ist die Brechung des Historisch-Politischem im Prisma privater, ja intimer Erfahrung. So als geschähe hier absichtslos und unbewusst, was der Dichterin später in der Lyrik gelang: die Erhellung der Wirklichkeit im Licht der Subjektivität.«

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Miriam Hefti hat Ingeborg Bachmanns "Kriegstagebuch", das Auszüge aus ihrem Tagebuch von 1945 sowie elf an sie gerichtete Briefe des britischen Besatzungssoldaten Jack Hamesh versammelt, nicht nur als aufschlussreiches Dokument für die frühen Jahre der Schriftstellerin gelesen. Indem Bachmanns Aufzeichnungen den Briefen des jungen Soldaten gegenübergestellt werden, entspannt sich ein "stummer Dialog" zweier Einsamer, so die Rezensentin gefesselt. In gewisser Weise werde in der Verbindung der Tochter eines NSDAP-Mitglieds und eines österreichischen Juden, der nur durch einen Kindertransport nach England der Ermordung entkam, schon die Beziehung zu Paul Celan "vorweggenommen" meint Hefti interessiert. Besonders fesselnd fand sie auch den Werdegang von Hamesh, der später nach Palästina ging und sich vom überzeugten Marxisten zum Zionisten wandelte. So spiegelt sich für die faszinierte Rezensentin in diesem Band auch die Einsamkeit und Heimatlosigkeit einer ganzen Generation.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 23.04.2010

Der schönste Sommer meines Lebens

Das Kriegsende hat die Achtzehnjährige nicht als Katastrophe erlebt, sondern als Befreiung: Ingeborg Bachmanns "Kriegstagebuch" und Jack Hameshs Briefe an sie sind eine Entdeckung.

Vor zwei Jahren erschien unter dem Titel "Herzzeit" der Briefwechsel von Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Zu diesem Dokument der Freundschaft zwischen der jungen österreichischen Lyrikerin, die Gedankliches mit dem poetischen Bild so wirkungsvoll ins Gleichgewicht brachte, und dem Dichter des jüdischen Czernowitz, der in seiner "Todesfuge" wie niemand nach ihm das Inferno der Vernichtungslager beschwor, gibt es ein Vorspiel. Das zeigt nun das gerade erschienene "Kriegstagebuch" Ingeborg Bachmanns.

Im Frühsommer 1945 wird die Achtzehnjährige ins Büro der in Kärnten stationierten 8. Britischen Armee (ins Büro der Field Security Section) in Hermagor gerufen, wo sie Jack Hamesh nach ihrer Vergangenheit in der nationalsozialistischen Jugendorganisation des BdM befragt. Ihr Tagebuch beschreibt ihn so: Er "ist klein und eher hässlich, Augengläser, spricht fließend deutsch mit einem Wiener Akzent". Wer ist dieser Jack Hamesh? Er …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 17.04.2010

Im Garten lesen, bis die Bomben kommen
Ein jüdisch-britischer Besatzungssoldat verliebt sich in eine achtzehnjährige Kärntnerin: Zur Erstpublikation von Ingeborg Bachmanns „Kriegstagebuch” aus den Jahren 1944/45
Ob man um die träumerischen Tagebucheinträge eines achtzehnjährigen Backfischs wirklich so viel Aufhebens machen soll? Um nichts weniger als sechs handbeschriebene DIN-A-4-Blätter? Auch wenn das junge Fräulein Ingeborg Bachmann heißt, ist man zunächst doch etwas verwundert. Und die elf Briefe des sechsundzwanzigjährigen britischen Besatzungsoldaten Jack Hamesh, die ihnen zur Seite gestellt sind und drucktechnisch den weitaus größeren Teil ausmachen, verweigern sich von vornherein einem literarischen Anspruch. Dennoch – es geht hier zweifellos um einen auratischen Moment.
Der verdienstvolle Herausgeber Hans Höller befeuert ihn in seinem Nachwort mit wohl sämtlichen auffindbaren Querbezügen zu Bachmanns Werk und fügt ihn nahtlos ein in den philologisch längst aufwendig bestückten Bachmann-Kosmos. Da fällt es immer schwerer, die kurzen Notate ausschließlich als das zu lesen, was sie zunächst sind: Selbstvergewisserungen einer …

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Ingeborg Bachmann, geb. 1926 in Klagenfurt, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen der deutschsprachigen Nachkriegsgeneration. Ihr Werk umfaßt Romane, Kurzprosa und Lyrik, aber auch Übersetzungen aus dem Italienischen. 1964 wurde ihr der Georg-Büchner-Preis verliehen. Sie starb 1973 in Rom.

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