Krieg und Kunst - Brock, Bazon / Koschik, Gerlinde (Hgg.)

Bazon Brock / Gerlinde Koschik (Hgg.) 

Krieg und Kunst

Herausgeber: Koschik, Gerlinde; Brock, Bazon
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Krieg und Kunst

Der dritte Weltkrieg ist bisher ausgegeblieben - er wäre wohl auch der letzte. Gleichwohl brennt die Welt an allen Ecken: radikale Erhebungen nationaler und kultureller Minoritäten, fundamentalistische Ausschreitungen der vermeintlich Rechtgläubigen gegen die Verblendeten lassen jede globale Ordnung aus den Fugen geraten. Mehr denn je scheint Heraklits Satz zu gelten, dass der Krieg der Vater aller Dinge sei, mehr denn je Carl von Clausewitz Einschätzung, er sei selbst ein Mittel der Politik.

Krieg ist ursprünglicher als Frieden, dem wir angeblich unsere Kultur verdanken. Kultur aber wird, wie nicht zuletzt die jüngsten Diskussionen und Debatten erwiesen haben, selber kriegerisch. Angesichts der Schläge und Gegenschläge seit dem 11. September 2001 haben maßgebliche Intellektuelle und Künstler sich in diesem Band zusammengefunden, um über das Verhältnis von Krieg und Kunst neu und kontrovers nachzudenken. Das Ergebnis ist die Diagnose eines bestürzend engen Zusammenhänge zwischen Krieg und Kultur in allen ihren Sparten: von der Fernsehunterhaltung bis zum Historiengemälde, von der Architektur bis zum Design der Vernichtung, vom Computerspiel bis zu den unmenschlichen, weil ohne Menschen betriebenen Waffengängen - überall orientiert sich die »Kulturmenschheit« am barbarischen Ernstfall des Krieges.

Aus dem Inhalt:
Kulturelle Regelsysteme

BAZON BROCK: Säkularisierung der Kulturen
DIRK BAECKER: Kultur und Schrecklichkeit
HEINER MÜHLMANN: Die Ökologie der Kulturen
CHANTAL MOUFFE: Die Fundamente des Politischen
FABIAN STEINHAUER: Der Rest der Souveränität

Formen der kulturellen Instabilität

BORIS GROYS: Im Namen des Mediums. Kunst und Politik der Avantgarde
FRIEDRICH KITTLER: Von Städtern und Nomaden
BAZON BROCK: Der Barbar als Künstler - Der Künstler als Barbar
KLAUS THEWELEIT: Playstation Cordoba/Yugoslavia. Ein Kriegsmodell.

Krieg - Kunst - Medien

NORBERT BOLZ: Warum es keine Kriege mehr gibt
ULRICH HEINEN: Friedenssehnsucht als Antrieb der europäischen Kriegskultur
HEINER MÜHLMANN: Kunst und/oder Krieg - Das Doppelmuseum
K.O. WERCKMEISTER: Ästhetik der Apokalypse
RAIMAR ZONS: Matrix revisited
ANNA ZIKA: Fest und Fanal
RAINER GABRIEL: Epidemiologie der Spaßkultur
ARNE SCHEUERMANN: Unterhaltung durch Kontrast - Actionfilm und Infotainment

Kriegstechnologie und Zivile Technologie

BAZON BROCK: Der verbotene Ernstfall
PETER SLOTERDIJK: Krieg und Lichtung
ZORAN TERZIC: Kunst im Stress! - Die Gesichter der Kulturproduktion im Zeichen des Krieges -Beispiel Jugoslawien


Produktinformation

  • Verlag: Fink (Wilhelm
  • 2002
  • Ausstattung/Bilder: m. Abb.
  • Seitenzahl: 360
  • Deutsch
  • Abmessung: 233mm x 159mm x 22mm
  • Gewicht: 755g
  • ISBN-13: 9783770537426
  • ISBN-10: 3770537424
  • Best.Nr.: 10947251
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.08.2003

Was haben die mit ihrem Körper?
Kriegskunst: Textbausteine von Norbert Bolz bis Friedrich Kittler

Was ist von einem Sammelband zu erwarten, in dem sich die vereinigte Kulturanalystenschickeria - allen voran Norbert Bolz, Bazon Brock und Friedrich Kittler (in streng alphabetischer Reihenfolge) - über das Thema Krieg und Kunst hergemacht hat? Eitles Raunen, wäre in erster Annäherung zu vermuten. Einiges Ärgerliche, zeigt die genauere Lektüre. Denn hier wird etwas sichtbar vom Zustand eines Metiers, das auf den gediegenen Namen "Kulturkritik" Wert legt. Es beginnt schon mit dem Thema, nämlich "Krieg + Kunst", wie der exakte Titel lautet. Was soll das Pluszeichen signalisieren? Einen Überschuß an Sinn durch Zusammenzählen? Eher eine reine Addition dessen, was die Autoren - selbstbewußte Synergetiker von Textbausteinen - ohnehin immer schon über Krieg oder Kunst oder Kultur oder Film oder Kulturkritik geschrieben haben.

Man könnte denn auch eine beliebig lange Liste der Unworte kulturwissenschaftlicher Softtheoriebildung aufstellen, die man anschließend wie beim Bibelstechen sämtlich in diesen Gratisoberflächenanalysen auffinden kann: …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Christine Taubner ist gar nicht begeistert, von diesem Sammelband, in dem sich, in ihren Worten, "die vereinigte Kulturanalystenschickeria - allen voran Norbert Bolz, Bazon Brock und Friedrich Kittler (in streng alphabetischer Reihenfolge)" - über das Thema Kunst und Krieg "hergemacht" habe. So stehe das Pluszeichen im Titel, meint die Rezensentin sarkastisch, offenbar für schlichte Addition - von Textbausteinen. In den versammelten "Gratisoberflächenanalysen" stoße man nur auf alle einschlägigen "Unworte kulturwissenschaftlicher Softtheoriebildung". Und auch Gott komme, witzelt Tauber, "bedenkt man, dass er tot ist, im Personenregister mit elf Einträgen erstaunlich häufig vor". Ausdrücklich ausnehmen möchte die Rezensentin von ihrer "Generalschelte" nur wenige Beiträge. So gehöre Fabian Steinhauers "scharfsinnige Analyse" der derzeitig verbleibenden Handlungsfähigkeit zwischen Kultur, Recht und Politik ebenso wie Ulrich Heinens Überlegungen zu Vergils Aeneis als Ausgangspunkt einer spezifisch europäischen "Weltfriedenskriegskultur" zu den "Highlights" des Bandes. Und auch Peter Sloterdijks Abgesang auf das zwanzigste Jahrhundert, in dem er "dem Zusammenhang von Terrorismus, Produktdesign und Umweltgedanken als prägenden Parametern dieses Jahrhunderts nachspürt", wie die Rezensentin berichtet, zählt für sie "zu den spannenderen Beiträgen" des Bandes.

© Perlentaucher Medien GmbH
Bazon Brock, geboren 1936, ist einer der aktivsten Ästhetiker (mehr als tausend Veranstaltungen in BRD, USA, Holland, Israel, Schweiz, Österreich). Weil Kriegselend, Lagerhaft und Flüchtlingsdasein ihn daran hinderten, ein Wunderkind zu sein, beschloss er jetzt, nach der Emeritierung, sein Leben als Wundergreis zu führen.

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