'Krieg der Geister'. Erster Weltkrieg und literarische Moderne
Der epochale Einschnitt, den der Erste Weltkrieg in politischer und
sozialer, vor allem aber auch in kultureller und literarischer
Hinsicht darstellt, ist immer noch ein Stiefkind der
Literaturwissenschaften. Der Sammelband möchte ein Kaleidoskop der
intellektuellen Auseinandersetzungen mit dem Ersten Weltkrieg über
die literarischen Wortmeldungen zum Krieg erstellen und
intellektuelle Positionen nachzeichnen, die im Krieg einen
möglichen Motor der Moderne sahen. Erst im Vergleich individueller
Aussagen und divergierender Einstellungen zum 'großen
Krieg' läßt sich der Spannungsbogen zwischen konservativer
Kriegsbejahung und pazifistischen Tendenzen in den ästhetischen,
gesellschaftlichen und politischen Ausdrucksformen literarischer
Moderne näher fassen. Der Band vereint Studien zu Autoren, die
bereits zu Beginn des Jahrhunderts hohe Wertschätzung erfuhren bzw.
in dieser Schaffensperiode den Grundstock für eine spätere
Kanonisierung gelegt haben, deren Äußerungen im Zusammenhang mit
dem Krieg jedoch vom 'kulturellen Gedächtnis' weitestgehend
getilgt wurden. Die massive Präsenz von Literaten in der Diskussion
um das Phänomen des Ersten Weltkrieges soll nicht nur betont,
sondern auch der Vergessenheit entrissen werden.
Inhalt:
Vorwort - Walter Müller-Seidel: Literarische Moderne und Erster
Weltkrieg - Arthur Schnitzler in seiner Zeit - Peter Sprengel:
"Im Kriege erscheint Kultur als ein künstlicher Zustand"
- Gerhart Hauptmann und der Erste Weltkrieg - Uwe Schneider: Krieg,
Kultur, Kitsch - Positionen Frank Wedekinds zum Ersten Weltkrieg -
Ralph-Rainer Wuthenow: Weltverhängnis - Stefan George, der Krieg
und die Krise - Klaus Schuhmacher: Heinrich Mann - Der andere
Repräsentant oder die Kritik des Krieges aus dem Geiste der
Enthüllung - Andreas Schumann: "Macht mir aber viel
Freude" - Hugo von Hofmannsthals Publizistik während des
Ersten Weltkriegs - Anthony Stephens: Das "gleiche tägliche
Entsetzen" und die Stimme des Dichters - Rainer Maria Rilke
1914-1918 - Jürgen Eder: Die Geburt des "Zauberbergs" aus
dem Geiste der Verwirrung - Thomas Mann und der Erste Weltkrieg -
Klaus Schuhmacher: "Deutsche Selbsteinkehr" - Rudolf
Borchardts Inversion des Krieges - Theodore Ziolkowski: Spiegel der
gestörten Psyche - Hermann Hesse und der Erste Weltkrieg - Arno
Russegger: "Daß Krieg wurde, werden mußte, ist die Summe all
der widerstrebenden Strömungen und Einflüsse und Bewegungen, die
ich zeige." Erster Weltkrieg und literarische Moderne - am
Beispiel von Robert Musil - Thomas Anz: Kafka, der Krieg und das
größte Theater der Welt - Bettina Heyl: Stefan Zweig im Ersten
Weltkrieg - Ulrich Dittmann: Oskar Maria Graf - Der
"Schandfleck der ganzen bayerischen Armee"
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