Kriegsberichterstattung wandelt sich: im komplexen Verhältnis zu
Entwicklungen in der Militärtechnik, spezifischen Ausformungen
eines jeweiligen Krieges und den Bedingungen, die sich daraus für
den Journalismus ergeben. Jeder Krieg sah und sieht anders aus und
das, obwohl doch Darstellungen, die in und zu kriegerischen
Kontexten entstehen, durchweg auf dasselbe abzielen: Per
detailgetreuer Malerei, fotografischer Augenzeugenschaft oder
mittels Live-Video gilt es, dem zeitgenössischen Publikum jene
Glaubwürdigkeit zu demonstrieren, welche die Bilder echt und den
Krieg notwendig erscheinen lässt. Zwar tritt der Embedded
Journalist in seiner Funktion erstmals im Irakkrieg 2003 derart
explizit vor die Kameras, doch ist das Phänomen eines Vermittlers
vom Ort des Geschehens aus, alles andere als neu. Mit ihrer Präsenz
am Kriegsschauplatz stehen Berichterstattende schon seit jeher für
das ein, was sie abbilden. Doch bedeutet diese jüngste, von
zeitlicher, räumlicher und emotionaler Unmittelbarkeit geprägte
Ausformung des Kriegsberichts ein Extrem. Ein zunehmend flüchtiger
Gestus, wie er von professionellen, in militärische Strukturen
eingebundenen Journalisten vorgeführt wird, zeigt sich unterdessen
auch in der Berichterstattung jener zahlreichen Amateure, die ihre
Kameras allgegenwärtig gebrauchen und dieses Bildmaterial kaum
verzögert über das Internet verbreiten. Strikt zwischen
professioneller und amateurhafter Darstellung zu unterscheiden ist
kaum möglich, zumal deren Stilmittel und Medien dieselben sind. Das
ist ebenso charakteristisch wie verhängnisvoll für die Handhabung
von Fotografie und Video und bedingt im gleichen Augenblick die
Crux und die Chance einer eingebetteten Berichterstattung.
Jule Hillgärtner ist freie Medienwissenschaftlerin. Ihre Dissertation verfasste sie zu "Fotografien und Videos in der Kriegsberichterstattung des eingebetteten Journalismus".
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