Leseprobe zu "Kopfüber in die Kissen" von Susan E. Phillips
Kenny Traveler war ein richtiger Faulpelz. Das erklärte, warum er im TWA Ambassador Club des Dallas-Fort Worth Airports eingeschlafen war, anstatt rechtzeitig zur Ankunft von Flug 2193 der British Airways im betreffenden Terminal zu erscheinen. Pure Faulheit und die Tatsache, dass er mit Flug 2193 eigentlich gar nichts zu schaffen haben wollte!
Unglücklicherweise wurde er durch das Auftauchen einer geräuschvollen Gruppe von Geschäftsleuten geweckt. Er streckte sich erst mal ausgiebig, dann gähnte er herzhaft. Ein hübsches Fräulein in einem grauen Kostüm lächelte ihn an, und er lächelte zurück. Er warf einen Blick auf seine Armbanduhr, die besagte, dass er schon eine halbe Stunde zu spät dran war. Wieder gähnte er ausgiebig. Und streckte sich erneut.
"Entschuldigen Sie bitte", sagte das Fräulein. "Ich möchte Sie ja nicht stören, aber Sie kommen mir so bekannt vor. Sind Sie nicht ..."
"Ja, Ma'am, ich bin's." Er schob seinen Stetson ein wenig zurück und schenkte ihr ein verschlafenes Grinsen. "Sehr schmeichelhaft, dass Sie mich außerhalb des Rodeorings erkannt haben. Das ist nämlich nicht oft der Fall."
Ein verwirrter Ausdruck breitete sich auf ihrem Gesicht aus. "Rodeo? Tut mir Leid, ich dachte Sie wären ... Sie sehen aus wie Kenny Traveler, der Golfspieler."
"Ich? Ein Golfspieler? O nein, Ma'am! Ich steh doch noch voll im Saft, und Golf ist eine Beschäftigung für Tattergreise. Mir liegen mehr die echten Sportarten."
"Aber ..."
"Rodeo. Also das nenne ich Power! Oder Football. Und Basketball." Langsam entfaltete er seine langen Stelzen und stemmte seinen eins achtundachtzig Meter hohen Luxuskörper aus dem Sessel. "Tennis dagegen ist schon wieder kritisch, würd ich sagen. Und Golf, also damit will ein richtiger Mann bestimmt nichts zu tun haben."
Das Fräulein im grauen Kostüm war nicht von gestern, deshalb kicherte sie. "Nun, ich glaube mich trotzdem zu erinnern, Sie im Fernsehen das AT&T und das Buick Invitational gewinnen gesehen zu haben. Eindeutig war Tiger in der letzten Runde in Torrey Pines den Tränen nahe." Ihr Lächeln erlosch. "Ich kann immer noch nicht glauben, dass Commissioner Beau ..."
"Ich wär Ihnen dankbar, wenn Sie den Namen dieses Antichristen in meiner Anwesenheit nicht in den Mund nehmen würden."
"Entschuldigung! Wie lange, glauben Sie, wird Ihre Suspendierung wohl andauern?"
Kenny warf einen Blick auf seine goldene Rolex. "Vermutlich hängt das davon ab, wie schnell ich zum Terminal der British Airways komme."
"Wie bitte?"
"War echt nett, mit Ihnen zu plaudern, Ma'am!" Er tippte sich an den Stetson und schlenderte aus der Wartehalle.
Eine von Kennys unglücklichen Ex-Freundinnen hatte einmal bemerkt, dass sein Schlendern noch seine schnellste Gangart wäre. Aber Kenny glaubte nun mal ans Energiesparen, ausgenommen beim Golfspielen. Es gefiel ihm, die Dinge gemütlich anzugehen, obwohl ihm das in letzter Zeit zugegebenermaßen schwer geworden war.
Er spazierte am Zeitschriftenstand vorbei, wobei er es geflissentlich vermied, einen Blick auf die Schlagzeilen zu werfen, die seine kürzliche Suspendierung durch den derzeit amtierenden PGA Commissioner Dallas Fremont Beaudine plakatierten - und das ausgerechnet in der heißesten Gewinnphase seines Lebens. Und was fast noch schlimmer war: in knapp zwei Wochen fanden die Masters statt. Ohne ihn.
"Hey, Kenny!"
Freundlich nickte er einem übereifrig strahlenden Geschäftsmann zu, der von Kennys erlauchter Gegenwart offensichtlich stark beeindruckt war. Der Mann stammte sicher aus dem Norden der Staaten, da er Kennys Namen richtig proper aussprach anstatt "Kinny" zu sagen, wie jeder anständige Mensch hierorts.
Nun schlug er eine ein wenig schnellere Gangart an, da er fürchtete, der Geschäftsmann könne auf die absurde Idee verfallen, Kennys triumphale letzte Runde in Bay Hill vom vergangenen Monat noch einmal durchdiskutieren zu wollen. Eine Dame mit einer hochaufgetürmten Frisur und knallengen Jeans musterte ihn anzüglich; doch da sie nicht aussah wie ein Golffan, nahm Kenny an, dass es an seinen markanten Zügen und seinen Muckis liegen musste.
Eine seiner früheren Freundinnen hatte einmal gesagt, Kenny sei so unverschämt gut aussehend - wenn man je sein Leben verfilmen wollte, dann wäre der einzige dafür in Frage kommende Star Pierce Brosnan. Kenny war bei dieser Äußerung fast erstickt. Nicht weil sie ihn gut aussehend nannte, das konnte er irgendwie verstehen, sondern wegen ihrer absurden Wahl. Daraufhin hatte er ihr unmissverständlich klargemacht, dass Pierce Brosnan den Part nur dann in seine manikürten Pfoten kriegen würde, wenn er sich erst mal ordentlich gegen den Strich kämmen ließe, seinen gestelzten britischen Akzent los wäre und genügend T-Bone-Steaks vertilgt hätte, um nicht mehr auszusehen, als würde der erste beste Windhauch aus West-Texas ihn aus den Galoschen pusten. Und was am Allerwichtigsten war, er würde erst mal lernen müssen, wie man, um alles in der Welt, einen Golfschläger richtig schwang!
All dieses Schlendern machte einen echt müde.
Er hielt an einem Süßigkeitenstand an, um sich ein wenig auszuruhen, und kaufte sich eine Tüte Gummifrüchte. Dabei flirtete er ein wenig mit der mexikanischen Schönheit, die die Dinger verkaufte, damit sie ihm die Früchte aus dem Angebot aussortierte, die nach Banane schmeckten. Alle anderen Geschmacksrichtungen mochte er, nur eben die Gummibananen nicht. Da es ihm jedoch zu mühsam erschien, die Biester selbst rauszuklauben, pflegte er das gewöhnlich jemandem anders zu überlassen. Wenn es nicht funktionierte, mampfte er sie halt.
Am Terminal der British Airways war nichts mehr los; also lehnte er sich an eine Säule, kramte eine Handvoll Gummifrüchte aus seiner Tüte und kippte sie sich in die Speiseluke. Seine Gedanken wanderten hierhin und dorthin, hauptsächlich indessen hierhin: wie es ihn doch in den Fingern juckte, einer gewissen Francesca Day Beaudine, der kapriziösen Gattin eines gewissen Antichristen und PGA Commissioners den zarten Hals umzudrehen. Einer Person, die er bis dato zu seinen Freunden gezählt hatte.
"Nur diesen einzigen winzigen Gefallen, Kenny", hatte sie ihn angezirpt. "Wenn du dich in den nächsten zwei Wochen um Emma kümmerst, verspreche ich dir, Dallie zu überreden, deine Suspendierung abzukürzen. Das Masters wirst du zwar verpassen, aber ..."
"Und wie stellst du dir das, verdammt noch mal, vor?", hatte er aufrichtig interessiert gefragt.
"Nun, ich hab so meine eigene Methode, mit meinem Mann umzugehen. Hak lieber nicht nach."
Was er dann auch unterließ. Es wusste sowieso jeder, dass Francesca ihren Göttergatten bloß ansehen musste und er schmolz schon dahin, obwohl sie mittlerweile beinahe zwölf Jahre verheiratet waren.
Kenny wurde durch das schrille Quieken eines Kindes, gefolgt von einer mahnenden Stimme mit einem ausgeprägten britischen Akzent, aus seinen Grübeleien gerissen.
"Lass sofort das Haar deiner Schwester los, Reggie, oder ich werde sehr böse mit dir. Und du musst dich nicht so anstellen, Penny. Wenn du ihn nicht mit deiner Spucke bekleckert hättest, dann hätte er dich auch nicht gehauen."
Er drehte sich um und musste grinsen, als er eine junge Frau mit zwei Kindern um die Ecke biegen sah. Das Erste, was ihm an ihr auffiel, war ihr Hut, eine flotte Nummer aus Stroh, mit einer runden, nach oben weisenden Krempe und einem Strauß leuchtend roter Kirschen in der Mitte, die bei ihrem energischen Gang fröhlich auf und ab wippten. Sie trug einen luftigen grünen Rock, der mit Rosen bedruckt war, dazu eine passende roséfarbene Bluse und praktische flache Sandalen.
An der einen Hand hielt sie einen Jungen, dazu eine Schultertasche in der Größe von Montana. Mit der anderen Hand zerrte sie ein mürrisches kleines Mädchen hinter sich her, einen ebenfalls geblümten Schirm und eine kirschrote Handtasche, prallvoll mit Zeitschriften, aus der ein weiterer, ähnlich gemusterter bunter Schirm hervorlugte. Ihr hellbraunes Haar quoll in wirrer Lockenpracht unter dem Strohhütchen hervor, und das eventuell aufgelegte Make-up war längst verschwunden.
Was vielleicht sogar besser sein könnte, überlegte Kenny, denn selbst ohne Lippenstift besaß sie das hübscheste, erotischste Mündchen, das ihm je untergekommen war: breit, mit einer vollen Unterlippe und einer zarten, deutlich geschwungenen Oberlippe. Trotz ihrer Blümchenausstattung besaß sie ein energisch vorgerecktes Kinn. Doch ihre Wangen wölbten sich voll und rosig, wie bei einem Baby. Ihre Nase war zwar ein wenig kurz, ihre Augen dagegen von einem ausdrucksvollen Goldbraun, dichtbewimpert und einfach fantastisch.
Er stellte sie sich in einem engen Oberteil, einem Minirock und hohen Bleistiftabsätzen vor. Sowie Netzstrümpfen. Noch nie im Leben hatte er für Sex Bares auf den Tisch gelegt, doch bei diesem Pflänzchen hier, überlegte er, wäre er alles andere als abgeneigt, ein wenig Cash für die Zahnbehandlung ihrer Kids beizusteuern.
Zu seiner Überraschung blickte sie ihn direkt an. "Mr. Traveler?"
Fantasieren war eine Sache, die Realität eine ganz andere, und während sein Blick zwischen ihr und den lärmenden Quälgeistern an ihren Seiten hin- und herglitt, breitete sich ein flaues Gefühl in seinem Magen aus. Die Tatsache, dass sie ihn zu erwarten schien, wies zweifellos auf Lady Emma Wells-Finch hin, die Dame also, der er in den nächsten zwei Wochen babysitten sollte. Aber von Kindern hatte Francesca nichts erwähnt.
Zu spät merkte er, dass er automatisch genickt hatte, statt sofort das Weite und seine Golftasche zu suchen. Bloß, das durfte er nicht. Nicht, wenn er wieder auf der Tour mitmachen wollte.
"Ausgezeichnet!", strahlte sie ihn an und schoss vorwärts, dass ihr Rock wehte, die Zeitschriften flatterten, ihre nussbraunen Löckchen und die Kirschen auf dem Strohhut wippten, während die Kinder sich widerstrebend mitziehen ließen.
Ihr bloßer Anblick löste eine lähmende Müdigkeit in ihm aus.
Sie ließ die Hand des kleinen Mädchens fahren, packte Kennys Rechte und pumpte sie kräftig auf und ab. Für eine so kleine Person ein erstaunlicher Griff. "Entzückt, Sie kennen zu lernen, Mr. Traveler!" Die Kirschen wippten. "Emma Wells-Finch."
Der Knabe holte mit dem Fuß aus, und ehe sich's Kenny versah, bekam er eins vors Schienbein, dass er am liebsten aufgejault hätte. "Ich kannse nich leiden!"
Kenny funkelte den Lausejungen wütend an und hätte ihm gerne eine Sponti-Backpfeife verpasst, überlegte dann jedoch, sich selbige für Francesca aufzusparen - gleich nachdem er ihr seine Meinung über dreckige Erpressungsversuche kundgetan hätte.
Lady Emma blickte das Kind an, doch anstatt ihm ordentlich eins zu geigen, wie er es verdient hätte, meinte sie stirnrunzelnd: "Reggie, Schatz, nimm den Finger aus der Nase, das sieht hässlich aus. Und entschuldige dich bei Mr. Traveler!"
Der Schlingel wischte seinen Finger an Kennys Jeans ab.
Kenny war drauf und dran, den Bengel in den Schwitzkasten zu nehmen, als eine gehetzt aussehende Lady auf sie zugeeilt kam. "Emma, meine Liebe, vielen Dank, dass du auf sie aufgepasst hast. Reggie, Penelope, wart ihr auch schön brav zu Miss Wells-Finch?"
"Richtige Engel", erwiderte Lady Emma in einem derart aufrichtigen Ton, dass Kenny eine saure Gummifrucht im Hals stecken blieb.
Hilfsbereit klopfte ihm Lady Emma auf den Rücken, doch unglücklicherweise hatte sie dabei ein ebenso energisches Händchen wie beim Händeschütteln, und er hätte schwören können, eine Rippe knacken zu hören. Als er wieder Luft bekam, waren auch die Kinder der Verdammnis samt ihrer bedauernswerten Mutter verschwunden.
"Nun ...", lächelte Lady Emma ermutigend. "Da wären wir also."
Kenny war ganz schwindlig. Das mochte zum Teil an seiner gebrochenen Rippe liegen, größtenteils jedoch an seiner Verwirrung darüber, wie sich all dieses energisch-frische britische Gehabe mit einem Gesicht vereinbaren ließ, das von Rechts wegen unter eine beleuchtete Straßenlaterne gehört hätte.
Während Kenny noch damit rang, sich von seinem Schock zu erholen, war Emma nicht müßig und fällte ihr eigenes Urteil. Als Prinzipalin, oder wie man in England sagte, Headmistress, der St. Gertrude's School for Girls und langjährige Lehrerin an selbiger Institution sowie ehemalige Schülerin (vom sechsten Lebensjahr an), konnte sie Menschen mittlerweile in Sekundenschnelle einschätzen. Ein Blick genügte, um ihr zu sagen, dass dieser All-American-Cowboy genau das war, was sie suchte - ein Mann mit mehr äußeren als inneren Qualitäten.
Unter seinem beigen Stetson - der aussah, als würde er von Geburt an sein Haupt zieren - quoll dichtes schwarzes Haar hervor. Das marineblaue T-Shirt mit dem Cadillac-Logo spannte sich über einen mehr als respektablen Oberkörper, und die ausgeblichenen Jeans saßen knalleng über sowohl schmalen Hüften als auch muskulösen Oberschenkeln. Seine handgefertigten Cowboyboots fielen ihr ins Auge. Sie waren zwar hübsch eingelaufen - doch von Kuhmist oder Pferdeäpfeln existierte, wie sie ohne Überraschung feststellte, keine Spur. Er besaß eine schmale, gerade Nase, ausgeprägte Wangenknochen, einen wohlgeformten Mund und eine prächtige Reihe gerader weißer Zähne. Und seine Augen: Sie wiesen die Farbe wilder Hyazinthen oder Sumpfveilchen auf. Es war einfach ungerecht, dass die Natur solche Augen an einen Mann verschwendete.
Ihre kurze Prüfung verriet ihr überdies alles, was sie über seinen Charakter wissen musste. Seine lässige Haltung wies auf eine gewisse Unverfrorenheit hin, die Haltung seines Kopfes auf Arroganz, und in seinen halb geschlossenen Veilchenaugen meinte sie etwas eindeutig Lüsternes aufblitzen zu sehen.
Sie unterdrückte ein leichtes Schaudern. "Nun, dann wollen wir mal, Mr. Traveler! Sie sind ein bisschen spät dran, nicht wahr? Ich hoffe bloß, dass mein Gepäck noch da ist." Die Lady streckte ihm ihre Reisetasche hin, bumste stattdessen jedoch gegen seine Ringerbrust. Die Times sowie ihre neu erworbene Biografie von Sam Houston fielen heraus, dazu ein Schokoriegel, den ihre Hüften wahrhaftig nicht brauchen konnten, leider aber ihre Seele.
Eilig bückte sie sich, um alles aufzuheben, während er gleichzeitig einen Schritt vorwärts tat. Ihr Strohhut stieß an sein Knie und gesellte sich prompt zu dem Häuflein Sachen am Boden.
Sie stülpte ihn wieder auf ihren Lockenschopf. "Entschuldigung." Normalerweise war sie nicht so ungeschickt; doch die Probleme, die ihr seit einiger Zeit zu schaffen machten, beschäftigten sie total. Ihre beste Freundin, Penelope Briggs, hatte schon geäußert, sie befände sich in unmittelbarer Gefahr, eins von diesen "lieben, zerstreuten Schäfchen" zu werden, über die englische Krimischriftsteller so gerne berichteten.
Die Vorstellung, ein "liebes, zerstreutes Schäfchen" zu werden, wo sie doch kaum dreißig war, deprimierte sie über alle Maßen, also schob sie den Gedanken rasch beiseite. Im Übrigen, wenn alles nach Plan verlief, wäre sie diese Sorge ohnehin bald los.
Er half ihr nicht beim Einsammeln ihrer Habseligkeiten und erbot sich ebensowenig, ihr die Reisetasche zu tragen, als sie fertig war - aber was konnte man von einem derartigen Prachtexemplar von Mann schon erwarten?
"Also dann los!" Sie wies mit ihrem aufgerollten Schirm in die betreffende Richtung.
Erst als sie das Ende der Ankunftshalle fast erreicht hatte, merkte sie, dass er ihr nicht folgte. Sie wandte sich um, um nach dem Rechten zu sehen.
Kenny starrte den Schirm an, den sie noch immer ausgestreckt von sich hielt. Es handelte sich um einen ganz normalen Schirm, und ihr war schleierhaft, was er daran so faszinierend fand. Vielleicht war er mit noch weniger Intelligenz bestückt, als sie angenommen hatte.
"Äh ... zeigen Sie immer so die Richtung an?", erkundigte er sich wie betäubt.
Sie warf einen Blick auf ihren Blümchenschirm und fragte sich, was, um alles in der Welt, er wohl meinen mochte. "Wir müssen zur Gepäckabholung", erklärte sie ihm geduldig und wedelte dabei demonstrativ mit ihrem Parapluie.
"Das ist mir klar."
"Ja, und?"
Der leicht betäubte Ausdruck auf seinem Gesicht vertiefte sich noch. "Ach, nichts weiter."
Sobald er sich in Bewegung setzte, marschierte auch sie wieder frisch drauf los. Der leichte Rock umflatterte dabei ihre Beine, und eine Haarsträhne umwehte ihr Gesicht. Sie hätte sich wohl besser ein wenig herrichten sollen, bevor das Flugzeug landete; doch sie war so mit den Kindern beschäftigt gewesen, die ihr gegenübersaßen, dass sie überhaupt nicht daran gedacht hatte.
"Mr. Traveler, da kommt mir der Gedanke ..." Sie merkte, dass sie mit sich selbst redete.
Sie hielt abrupt an, drehte sich um und sah, dass er vor dem Schaufenster eines Souvenirladens stehen geblieben war. Emma tappte mit dem Fuß, während sie ergeben darauf wartete, dass er sich ihr wieder anschloss.
Unbewegt starrte er ins Schaufenster.
Mit einem Seufzer marschierte sie zu ihm zurück. "Ist was nicht in Ordnung?"
"Nicht in Ordnung?"
"Wir müssen mein Gepäck abholen."
Er blickte auf. "Ich hab gerade gedacht, ich könnt 'nen neuen Schlüsselring gebrauchen."
"Ausgerechnet jetzt?""Ja, ich überleg grad."
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