Die Studie geht der Frage nach, wie Thukydides den Peloponnesischen
Krieg (431 - 404 v. Chr.) erzählerisch vergegenwärtigt hat. Die
Frage drängt sich deshalb auf, weil dieser Krieg sich über eine
extrem lange Zeit hin jeweils an mehreren Orten gleichzeitig
abgespielt hat und sich damit als höchst komplexes Geschehen
präsentierte. Das so gegebene darstellerische Problem hat
Thukydides dadurch bewältigt, daß er das Gesamtgeschehen zum einen
in mehrere Geschehensstränge ausdifferenziert hat. Außerdem hat er
die Geschehensstränge nicht je für sich erzählerisch entfaltet.
Vielmehr hat er sie sich am Leitfaden der Chronologie miteinander
verschlingen lassen. Die diesbezüglichen umfänglichen, am Material
der Bücher 3 - 7 durchgeführten Analysen suchen nicht nur die
Struktur des thukydideischen Werks, sondern insbesondere dessen
spezifische Eigenart als eines Geschichtswerks zu erhellen. Die
Geschehensstränge, so zeigt sich, lassen jeweils paradigmatisch das
Kriegsganze sichtbar werden, namentlich deshalb, weil Thukydides
bei ihrer Entfaltung stets pointiert herausgearbeitet hat, welch
ungeheuere Leiden gerade dieses Kriegsgeschehen durchgängig
quantitativ und qualitativ generiert hat. In diesem Weg vermag
Thukydides von einem, allerdings von einem für ihn entscheidenden
Aspekt aus zu demonstrieren, was zu erweisen von Beginn an sein
Ziel war: daß dieser Krieg der größte Krieg ist, der jemals in
Griechenland stattgehabt hat.