Klausen - Maier, Andreas

Andreas Maier 

Klausen

Roman. Ausgezeichnet mit dem Clemens-Brentano-Föderpreis 2003

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Klausen

Eines ist klar: "Klausen ist ein Tatort." Was aber wirklich in diesem Südtiroler Ferienidyll für vor allem deutsche Touristen passiert ist, darüber gehen die Meinungen leidenschaftlich auseinander. Man erzählt von einem Überfall, gar einem gezielten Schuss aus dem Hinterhalt. Wer das Opfer ist, wer der Täter - darüber gibt es zunächst nur abenteuerliche Spekulationen. Erste Verdächtigungen gehen naturgemäß in Richtung der Pakistaner und der Albaner auf der Ploderburg, aber bald geraten Hintermänner in den Blick, deren Grundstücksspekulationen die Vorgänge halbwegs plausibel zu machen scheinen. Jedoch werden nicht der einschlägig vorbestrafte Laner und sein Kontrahent Zurner verhaftet, sondern Gasser und seine Saufkumpane. Was beginnt wie eine Provinzposse, wächst sich aus: Ist Klausen etwa Umschlagplatz eines internationalen Drogenkartells? Als umweltengagierte Terroristen den Viadukt der Brennerautobahn zu sprengen versuchen (oder handelt es sich doch bloß um einen Unfall?) u nd
über Klausen ein "kurzer Moment der Stille" hereinbricht, recherchieren bald Fernsehteams in großer Zahl vor Ort. Wie sich Öffentlichkeit bildet, wie eine Verwirrung die nächste stiftet, bis alle Gewissheiten (oder was wir dafür halten) immer wahnhaftere Züge annehmen und schrill auf unser Handeln zurückwirken, das komponiert Andreas Maier zu einer bitterbösen Komödie über dieses vielleicht gar nicht so weltabgelegene Klausen.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2006
  • 2. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 214 S.
  • Seitenzahl: 214
  • Suhrkamp Taschenbücher Nr.3569
  • Best.Nr. des Verlages: 45569
  • Deutsch
  • Abmessung: 179mm x 110mm x 15mm
  • Gewicht: 137g
  • ISBN-13: 9783518455692
  • ISBN-10: 3518455699
  • Best.Nr.: 12051613
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 29.05.2002

Onkel, die auf Schultern klopfen
Die Butterfahrt geht wie geschmiert: Andreas Maier macht einen Ausflug nach Klausen
Hat man einmal den Brenner überquert, den kahlen Pass mit seinen grauen Gebäuden, scheint die Landschaft in einem immer freudiger, beschwingter werdenden Accelerando vorbeizuziehen: Franzensfeste, Brixen, Klausen heißen die Orte im engen Tal. Oder Fortezza, Bressanone und Chiusa. Sie huschen vorüber, mit ihren dunklen Mauern, den Gasthöfen und den knallroten Geranien in den Blumenkästen, während die Autobahn sich bergab schwingt. Manchmal denkt sich der Reisende, das sehe doch sehr mittelalterlich aus hier, auf eine herbe, trutzige Weise interessant. Selten aber fährt tatsächlich einer ab, um die Kaskade nach Süden zu unterbrechen. Und dann öffnet sich das Tal, und Bozen liegt vor dem Reisenden.
Einem dieser Orte, dem von einer doppelten Burg gekrönten Klausen, hat Andreas Maier nun einen Roman gewidmet. Im Schatten der Autobahn begegnen einander ein paar wunderliche Gestalten, Tagediebe scheinen es zumeist zu sein, und auf eine vage, diffuse Art entwickelt sich eine Geschichte, die mit einem sauren Kalbskopf und einem Viertel Roten im …

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"Andreas Maier, Jahrgang 1967, der begabteste Schwadroneur unter den jüngeren Autoren [...] zeigt sich wieder als gewitzter, sprachbegabter Stimmenimitator. Er entwirft [...] das überzeugende Soziogramm des Gerüchts. [...] Literatur und Wirklichkeit fallen auf einmal ineinander, weil die Wirklichkeit nichts als erzähltes Leben ist. [...] Wir erleben überraschend jene Folgen des alltäglichen Gequatsches, die wir uns nur dann bewußt machen, wenn wir dessen Opfer sind. [...] Nach einem ersten Erfolg das zweite Buch zu schreiben, ist bekanntlich schwer, und nicht wenige scheitern daran. Andreas Maier hat die Hürde mit Schwung und Geschick gemeistert."

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"Obwohl er 2223 Mal im 'Telefonbuch für Deutschland' vorkommt - diesen Namen sollten Sie sich merken: Andreas Maier. Maier mit a-i."

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Klausen ist ein Ortsname, und das, worauf der Name anspielt - von Klause über Klausner bis klaustrophobisch - ist auch ein, wenn nicht das Thema bei Andreas Maier, sagt Frauke Meyer-Gosau, die sich in eine richtige Begeisterung für diesen Roman hineinschreibt. Eine Provinzposse, ein Gebirglerschwank, heißt es in ihrer Kritik, der in literarisch konventioneller Weise das Provinzleben als einen "Kult der Enge" beschreibt. Das Konventionelle bezieht sich ausschließlich auf die Erzählhaltung des Autors, die Meyer-Gosau als die eines allwissenden Anekdotenerzählers umreißt. Ansonsten mache es Maier seinen Lesern keineswegs einfach, sondern stürze sich begeistert in Konjunktive, verschwiemelte Satzkonstruktionen, Assoziationsgestrüpp. Die Abschottung nach Außen und gegen alles Fremde sei das eine Thema des Buches, das Meyer-Gosau beinahe burlesk abgehandelt findet, wohinter sich aber in Wirklichkeit das Problem der Ausgrenzung des Eigenen, des nicht der Norm Entsprechenden verberge. Begeistert äußert sich die Rezensentin über das Geschick des Autors, die Angst der Dorfbewohner vor Veränderung zu entlarven, die sich in einer Art Gerüchteküche und Gedankenmaschinerie heiß reden, bis dann doch alles haarscharf an ihnen und ihrem Dorf vorüberzieht.

© Perlentaucher Medien GmbH

Der moderne Heimatroman oder: Die Provinzposse<br /> Auch sein zweiter Roman ist ein Mikrokosmos, bis zum Bersten gefüllt mit Charakteren, die Andreas Maier meisterhaft darzustellen weiß. Freilich sind es auch diesmal wieder die Fiesen und die Dummen, die es ihm angetan haben. Kleinststadtmenschen und Provinzler, deren Engstirnigkeit, hochfahrende Besserwisserei und Wut auf Fremde er durch die überwiegend in indirekter Rede gehaltene Wiedergabe ihres Geredes entlarvt. Sicherer und lockerer ist dabei sein eigentümlicher Stil geworden, weniger artifiziell, aber immer noch so eindringlich wie in seinem ersten Buch <em>Wäldchestag</em>.<br /> Klausen, Südtirol<br /> Die Handlung, vor dessen Hintergrund Maier seine hochkomisch und bissig-satirisch dargestellten Charaktere in Intrigen, Missverständnisse, Lügen und Mauscheleien verwickelt, ist beängstigend realistisch. Ort ist Klausen, ein kleines Dorf in Südtirol, deren Einwohner im Schatten eines gigantischen, auf hohen Stelzen ruhenden Viadukts der Brennerautobahn leben. Dieses Viadukt wird zum Schauplatz eines spektakulären Geschehens, in dem sich die zuvor aufgeladene Spannung zwischen den gar nicht so friedlichen Dorfbewohnern entlädt. Die Beklemmung, die den Leser im Laufe der Erzählung erfasst, wird dabei weniger durch die Schilderung der Ereignisse als vielmehr durch das damit einhergehende boshafte Gerede erzeugt. Die Wirklichkeit der Ereignisse ist nicht immer die durch das Gerede erzeugte Wirklichkeit. So gerät man in einen schwer zu durchdringende Sumpf von übler Nachrede, Feindschaft und vielleicht auch wahrer Kriminalität. <em>Klausen</em> jedenfalls entwickelt sich schließlich zu einer richtigen Kriminalgeschichte, in der militante Umweltaktivisten, Grundstücksspekulanten und Ausländerhasser ihr Unwesen treiben.<br /> Andreas Maier zählt zu dem Besten, was die deutsche Literatur derzeit zu bieten hat. Mit <em>Klausen</em> hat er es wieder bewiesen und man freut sich auf seinen dritten Roman. (Andreas Rötzer)<br/><br/>

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 19.03.2002

In dieser Sekunde standen ihre Schwingen still
Frau Fama fliegt nach Südtirol: Andreas Maiers Roman "Klausen" entdeckt die Wahrheit als Gerücht, das noch niemand vernommen hat

Vor ungefähr einem Jahr wurde ein seltsames Wesen beobachtet, das sich mit großer Geschwindigkeit aus der Gegend um Frankfurt nach Süden bewegte. Es sei eine geflügelte Frau gewesen, sagten die einen, und sie habe furchterregend ausgesehen: mit zahllosen Augen, Mündern und Ohren. Nein, sagten andere, es sei ein alter Mann gewesen: Er habe ein Maul gehabt, das bis zu den Ohren reichte, und in diesem Maul sieben Zungen, von denen jede wiederum siebenmal gespalten war. Im übrigen sei der häßliche Alte lahm und blind gewesen. Es gab noch andere Beschreibungen des Wesens, aber keine glich der anderen. Nur in einem Punkt waren sich die Beobachter einig: Man könne sicher sein, daß dieses Wesen aus der nördlich von Frankfurt gelegenen Wetterau gekommen sei und nach Südtirol gewollt habe, nach Brixen, wie manche meinten, nach Klausen, wie andere sagten.

Das seltsame Wesen gibt es tatsächlich. Bei den Griechen hieß es Pheme und wurde als mächtige Gottheit mehr …

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Andreas Maier wurde 1967 im hessischen Bad Nauheim geboren. Er studierte Altphilologie, Germanistik und Philosophie in Frankfurt am Main und ist Doktor der Philosophie im Bereich Germanistik. Er lebte wechselweise in der Wetterau und in Südtirol. Andreas Maier wohnt in Frankfurt am Main.

Kundenbewertungen zu "Klausen" von "Andreas Maier"

1 Kundenbewertung (Durchschnitt 3 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** gut)
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(1)
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Bewertung von Herbert Huber aus Wasserburg am Inn am 08.11.2008 ***** gut
Im südtirolischen Klausen treffen recht skurrile Personen aufeinander. Alle sind untereinander verfilzt. Der Erzähler leitet daraus das Paradox ab, dass alle so verfilzt sind, dass alles offen zutage tritt (S. 37). Obwohl kaum einer dem anderen offen entgegentritt.
Neben das Thema Dorfverschandelung tritt die "Verschandelung" der Leute, sei es durch den Aufenthalt im fernen Berlin oder durch die mondäne Welt des Films.
Das dritte Thema ist die Kommunikation im Dorfe. Angeblich tritt zwar alles offen zutage, doch es handelt sich nur um Vorurteile, Beschuldigungen und Gerüchte. Je weniger man die Quelle des Gerüchts kannte, also je mehr Stationen es vom Urheber entfernt war, desto exakter wurde es (S. 47). Nix Genaues weiß man nicht. Diese Gerüchteküche spiegelt sich auch in zahlreichen Andeutungen, Ungewissheiten und Vorankündigungen. Mit einer solchen beginnt der Roman und es folgen noch viele. Wobei ich nie eine dieser Andeutungen eingelöst sah.
Das Gebrodel von liebevoll gezeichneten Charakterfiguren und banalen Diskursen gerät erst ziemlich spät (S. 204) in eine Tatort-Situation (wie es der Klappentext verspricht). Da fallen dann die Fernsehteams in den Ort ein. Doch leider ist dann nach zehn Seiten der Roman schon zu Ende.
Andreas Maier gönnt den Lesern keinen Absatz und arbeitet mit reichlich Konjunktiv. Das schafft Stimmung und ist ambitioniert. Doch es mutete dem Leser einiges zu.
Klausen ist ein ambitionierter Roman, den man anfangs recht wohlgesonnen liest, der aber den Biss missen läßt. Das Ziel erreicht er nicht ganz.

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