Kein Krieg, nirgends: Die Deutschen und der Terror - Broder, Henryk M.

Henryk M. Broder 

Kein Krieg, nirgends: Die Deutschen und der Terror

Mitwirkender: Mohr, Reinhard
Gebundenes Buch
 
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Kein Krieg, nirgends: Die Deutschen und der Terror

Seit dem 11. September, dem Tag des Terroranschlags auf das World Trade Center in New York, steht die Auseinandersetzung mit dem Geschehen und seinen tieferen Ursachen auf der Tagesordnung des öffentlichen Diskurses in Deutschland. Zunächst mit ungläubigem Staunen, später mit hellem Zorn, verfolgte Henryk Broder die Äußerungen dieser Debatte, den Stimmungswandel, der mehr und mehr den Amerikanern selbst das Geschehene zur Last legte. Ob auf Stammtischniveau oder in Gestalt politischer und letztlich auch philosophischer Analyse, ob in der Form eines plumpen Antiamerikanismus oder unter dem Deckmantel einer naiven Friedensbewegtheit, die Debatte entwickelte sich von ihrem Ausgangspunkt der Empörung über die Tat fort zu einer Anklage der USA, ihrer Politik, ihrer Lebensweise, die das eigentliche Geschehen, den terroristischen Angriff auf unschuldige Menschen, ganz aus dem Blick zu verlieren schien. Broders mit vielen Zitaten arbeitender Bericht ist eine Zustandsbeschreibung deuts cher Befindlichkeiten in der Krise, die Reaktion eines genauen und ethisch hoch empfindlichen Beobachters auf die zum Teil grotesken Äußerungen des deutschen Zeitgeistes.


Produktinformation

  • Verlag: Berlin Verlag
  • 2002
  • Ausstattung/Bilder: 223 Seiten - 21, 5 x 13, 5 cm
  • Seitenzahl: 214
  • Deutsch
  • Gewicht: 337g
  • ISBN-13: 9783827004420
  • ISBN-10: 382700442X
  • Best.Nr.: 10204710
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.03.2002

Der Täter ist immer ein Amerikaner
Henryk M. Broder nimmt die intellektuelle Debatte in Deutschland über den 11. September aufs Korn
Vor genau einem halben Jahr ereignete sich jener schreckliche Terroranschlag, der später unter dem Kürzel „11. September” in zahlreichen Medien und Veranstaltungen zu einer Massenhysterie friedensbewegter Deutscher führte. Das behauptet zumindest der Journalist Henryk M. Broder, ein bekannter Wadlbeißer seiner Zunft. Er hat nachgelesen, was in den Wochen und Monaten danach veröffentlicht oder kommentiert wurde. Sein Verdacht lautet: Ziemlich schnell bildete sich eine Gruppe von Publizisten, Wissenschaftlern und Intellektuellen heraus, die das Ereignis zum Anlass nahmen, ihre unterschiedlichen Verschwörungstheorien neu aufzukochen.
Broder hat hierfür Wortprotokolle, Medienbeiträge und Leserbriefe analysiert und zitiert in seinem Buch genüsslich die Aufgeregtheiten der Vordenker in diesem Land. Heraus gekommen ist dabei erstens eine Art Zitatenschatz für Globalisierungsgegner, USA-Feinde und Dritte-Welt-Retter, und zweitens die sichere Erkenntnis, dass Broder selbst ein Verschwörungstheoretiker ersten Ranges ist.

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"Henryk Broders Buch kommentiert auf fulminante Weise die erschreckende Inkompetenz der kommentierenden Klasse in Deutschland, die flagrante Unfähigkeit, sich mit den neuen weltpolitischen Herausforderungen ernsthaft auseinanderzusetzen." (Reinhard Mohr)

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Richard Herzinger gibt Broder recht. Er preist die Schärfe - wenn auch nicht unbedingt die Präzision - mit der der Publizist die Äußerungen deutscher Intellektuelle nach dem 11. September vorführt und auseinander nimmt. Nach einer kurzen Phase des Schocks, so der Vorwurf, den Herzinger mit Broder teilt, sei sofort wieder die alte Denkroutine der "kommentierenden Klasse" eingerastet - zum Beispiel bei Peter Sloterdijk, Walter Jens und Günter Grass: Hauptsache Amerika ist selber schuld. Was Broder hier unter Zuhilfenahme zahlreicher Zitate leiste, sei die "Bloßstellung eines intellektuellen Mainstreams", der auch noch die Frechheit habe, den "eigenen Meinungskonformismus wie einen gewagten Tabubruch" aussehen zu lassen. Aber auch Broder wendet nach Herzinger eine alte Denkfigur an, die er in früheren Polemiken entwickelt habe: Nach dem Zweiten Weltkrieg, so beschreibt er sie, hätten die Deutschen alles getan, um aus Tätern Opfern zu machen und sich selbst möglichst in die Position des Opfers zu manövrieren. Ganz falsch findet Herzinger das nicht, aber er findet, dass Broder hier allzu pauschal argumentiert, nicht genug differenziert und so den "Chor der verabscheuten Stimmen immer nur das Gleiche sagen" hört.

© Perlentaucher Medien GmbH
Henryk M. Broder, geboren 1946 in Katowice, Polen, ist Journalist beim "Spiegel" und lebt in Berlin und Jerusalem. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht. 2005 erhielt Henryk M. Broder den traditionsreichen Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen und 2007 den Ludwig-Börne-Preis.

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