Kali - Handke, Peter

Peter Handke 

Kali

Eine Vorwintergeschichte

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Kali

In Peter Handkes letztem Roman berichtet Don Juan von seinen Frauenerlebnissen auf einer Weltreise. In Kali, seinem neuen Buch, einer "Vorwintergeschichte", bricht eine
Sängerin auf ins Handke-Land: nach Abschluß ihrer Tournee reist sie "in die Gegend gleich nebenan, hinter dem Kindheitsfluß. Dort ist der Winter noch Winter. Oder: Es ist eine Auswanderer-Gegend Das Einzige, was ich noch weiß: Der Untergrund
dort besteht bis in die tiefsten Tiefen aus Salz Kali. Auch im Sommer ein schneeweißer Bergrücken mitten in der Ebene."
An jenem Ort treffen sich die unterschiedlichsten Weltenbewohner, "Überlebende des Dritten Weltkriegs, der rund um uns schon seit langem wütet, unerklärt, wenig sichtbar, aber um so böser". Die Situation dieser Desperados ist völlig aussichtslos, seit ein Kind verschwunden ist. Reisen ist für die Sängerin gleichbedeutend mit
der Neuentdeckung der Welt und der anderen Menschen, Reisen erlaubt aufmerksame und zugleich gelassene Anschauung. Und diese erfordert eine spezifische Erzählweise, in der sich außen und innen in einer noch nie dagewesenen Grammatik verschränken.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 160 S.
  • Seitenzahl: 152
  • Best.Nr. des Verlages: 41877
  • Deutsch
  • Abmessung: 209mm x 126mm x 23mm
  • Gewicht: 221g
  • ISBN-13: 9783518418772
  • ISBN-10: 3518418777
  • Best.Nr.: 20948929
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.02.2007

Das ist kein Säuseln des Windes, das ist das Säuseln der Hölle
Vom Tonseil-Einziehen und Herzuhr-Aufziehen: An diesem Wochenende erscheint Peter Handkes Vorwintergeschichte „Kali”
Als beim Festmahl der Sänger anhebt, von den Taten und Fahrten des vielduldenden Odysseus zu singen, dessen Ruhm damals zum breiten Himmel reichte, verhüllt unter den Gästen einer sein Haupt. „Er schämte sich vor den Phäaken, dass er unter den Augenbrauen Tränen vergoss.” Denn der Sänger, den die Muse stachelt, singt von ihm, von dem weitum berühmten Odysseus, den keiner mehr unter den Lebenden wähnt, dem listenreichen Krieger, dem Irrenden, einer bereits mythischen Gestalt.
Nach Sänger Art kann der epische Dichter preisen und jenen hohen Ton pflegen, der seit Hölderlins Tagen so weit heruntergekommen ist, dass ein jeder sich schämt, der es noch probiert damit. Fürs Getragene fehlt nicht das Publikum, sondern die Geduld, und so hat sich der hohe Ton aus der Literatur längst ganz woandershin gerettet, in die Musik, und da namentlich in den Blues. „Untertagblues” nannte Peter Handke sein letztes Stück nach einem Lied von Bob Dylan, und dass Handke auf die …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.02.2007

Ganz in Weiß
Nach all den Kämpfen findet Peter Handke das Glück im Salzberg

Und plötzlich hilft das Wünschen wieder. Oder vielleicht: zum ersten Mal. Am Anfang von Peter Handkes neuem Buch steht die Angst. Die Angst vor der Welt, die Angst vor einer Frau. Doch der Erzähler überwindet sie, gleich zu Beginn, er folgt der Frau hinüber in ein abgeschiedenes Land, wo der Tod, so heißt es, auf sie wartet und ein letztes Mal die Liebe. Es geht auf rasender Fahrt durch ein Untergangsland, eine Untergangswelt, die Zeitungsanpreiser künden vom Ewigen Frieden, doch die so angepriesenen Blätter schreiben wieder nur vom Ewigen Krieg. Die Welt, sie wird regiert vom "schuldlos Schlechten", gegen das das Kämpfen nicht mehr lohnt. Die Frau, eine Sängerin mit magisch schöner Stimme, verabschiedet den Kampf, für immer:

"Immer habe ich eingreifen wollen.

Kämpfen habe ich wollen.

Bekämpfen.

Ausräuchern.

Erlösen, mich und dich, vom Übel.

Wegmusizieren das Unheil, bis morgen,

und warum nicht bis übermorgen?

Immer habe ich einspringen wollen.

Einspringen, das war mein …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Als "hochgestimmtes Epos" mit Handlung beschreibt Rezensent Willi Winkler Peter Handkes neues Buch und schwebt im Ton so empfindsam zitierend und beschwingt rezensierend darüber hinweg, dass man annehmen muss: es hat ihm gefallen. Denn auch hier kann Handke wohl überzeugen, womit er seine Fans immer überzeugt: mit der Beschwörung und Verzauberung "gottverlassener, trostloser Gegenwartswelten" bei gleichzeitigem Ausdruck seiner Wut über ihre Niedrig- und Nichtigkeit. Wesentlicher Schauplatz ist Winkler zufolge ein Kaliwerk. Die Handlung erzählt die Geschichte eines Kindes, das vor zehn Jahren verloren ging. Handke beschreibt die Wahrnehmungen einer Frau, die mit der Suche beauftragt wird. Im Verlauf des Romans erkennt Winkler nicht nur die Früchte einer reichen Lektüre von Adalbert-Stifter-Romanen bis zu Freddy-Quinn-Liedern wieder, sondern auch viele Motive und Erkenntnisse aus früheren Handkebüchern, was das Buch für ihn auch zu einer Art "Alterswerk" macht

© Perlentaucher Medien GmbH

"Lange schon ist man einer Einladung zur Handke-Prosa nicht mehr so gern gefolgt wie in diesem neuen Buch." Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

»Mythisch und aktuell zugleich.«
Peter Handke, geb. am 6. Dezember 1942 in Griffen (Kärnten). Die Familie mütterlicherseits gehört zur slowenischen Minderheit in Österreich; der Vater, ein Deutscher, war in Folge des Zweiten Weltkriegs nach Kärnten gekommen. Zwischen 1954 und 1959 besucht er das Gymnasium in Tanzenberg und das dazugehörige Internat. Nach dem Abitur im Jahr 1961 studiert er in Graz Jura. Im März 1966, Peter Handke hat sein Studium vor der letzten und abschließenden Prüfung abgebrochen, erscheint sein erster Roman Die Hornissen. Im selben Jahr 1966 erfolgt die Inszenierung seines inzwischen legendären Theaterstücks Publikumsbeschimpfung in Frankfurt in der Regie von Claus Peymann. Seitdem hat er mehr als dreißig Erzählungen und Prosawerke verfasst. Darüber hinaus hat Peter Handke viele Prosawerke und Stücke von Schriftsteller-Kollegen ins Deutsche übertragen. Sein Werk wurde mit zahlreichen internationalen Preisen geehrt. Die Formenvielfalt, die Themenwechsel, die Verwendung unterschiedlichster Gattungen (auch als Lyriker, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur ist Peter Handke aufgetreten) erklärte er selbst 2007 mit den Worten 'Ein Künstler ist nur dann ein exemplarischer Mensch, wenn man an seinen Werken erkennen kann, wie das Leben verläuft. Er muß durch drei, vier, zeitweise qualvolle Verwandlungen gehen.'

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