Kain - Saramago, José

José Saramago 

Kain

Roman

Übersetzung: Schweder-Schreiner, Karin von
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Kain

In "Kain" schreibt José Saramago die Bibel kurzerhand um und lässt den Brudermörder eine ganz eigene Reise durchs Alte Testament antreten. Mit Phantasie, Ironie und einem Schuss Boshaftigkeit führt der große Romancier die göttliche Allmacht ad absurdum."Portugals bedeutendster Romancier" (DIE ZEIT) hat seinen Lesern mit seinem letzten Werk ein kraftvolles, provozierendes Vermächtnis hinterlassen.

"Die Geschichte der Menschheit ist die Geschichte ihrer Uneinigkeiten mit Gott, weder versteht er uns, noch verstehen wir ihn", heißt es in Saramagos "Kain", und es könnte das Motto des Buches sein. Saramago schickt seinen Helden nach dem von ihm begangenen Brudermord an die unterschiedlichsten Schauplätze des Alten Testaments und lässt ihn aktiv an den biblischen Geschichten teilhaben. So trifft Kain, der in der Zeit vor und zurück katapultiert wird, auf die verführerische Lilith, die ihn sofort als Liebhaber vereinnahmt, er ist als Retter zur Stelle, als Abraham sich in Gottes Auftrag anschickt, seinen Sohn Isaak zu opfern, er verfolgt fassungslos die Zerstörung von Sodom und Gomorrha. Stets stellt der staunende, vermeintlich naive Kain die göttliche Vernunft in Frage - ob es sich um Gottes "unrühmliche" Rolle in dem ureigenen Bruderzwist handelt, ob um die Babel'sche Sprachverwirrung oder den Tanz ums Goldene Kalb. Und auch Saramagos geistreicher, unermüdlich kommentierender Erzähler macht einmal mehr deutlich, dass göttliches Handeln mit rationalem Denken nicht nachzuvollziehen ist.


Produktinformation

  • Verlag: Hoffmann Und Campe
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 174 S.
  • Seitenzahl: 176
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 125mm x 21mm
  • Gewicht: 292g
  • ISBN-13: 9783455402957
  • ISBN-10: 345540295X
  • Best.Nr.: 33362303

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Ein wenig pflichtschuldig hat Rezensentin Katharina Döblin Jose Saramagos letzten Roman zur Hand genommen, großes Lesevergnügen hat er ihr nicht bereitet. Saramago tritt ihr hier noch mal als kämpferischer Atheist und Sozialist entgegen, der Kain zum selbstbewussten Gegenspieler Gottes stilisiert, dessen Werk sich bei Saramago als eine Aneinanderreihung antihumanistischer Gemeinheiten erweist. Gott selbst muss man sich laut Döbler als eine Art "iberischen Großgrundbesitzer" vorstellen. Allein den letzten 25 Seiten des Romans konnte die Rezensentin erzählerischen Schwung abgewinnen, da schwingt sich dieser Gesinnungsroman noch einmal zu einem echten Stück fantastischer Literatur auf.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.08.2011

Der liebe Gott muss dringend in Therapie

Im Anfang waren Sex, Macht und Korruption: Der im vorigen Jahr verstorbene Nobelpreisträger José Saramago schickt in seinem letzten Roman den Brudermörder Kain zurück in die Zukunft.

Gott hat eine Schraube locker. Anders kann sich Kain keinen Reim auf all das machen, was er auf jahrzehntelangen Irrfahrten erfuhr. Leichen pflastern Gottes Weg. Sei es nach den skrupellosen Landnahme-Massakern wie in Jericho. Sei es bei undifferenzierten Strafoperationen wie in Sodom, wo mit der sündhaften Bevölkerung auch die unschuldigen Kinder vernichtet werden, oder durch die Sintflut sogar fast die gesamte Menschheit. Sei es durch sadistische Spielchen mit seinen Getreuesten, etwa Hiob, dem er mitleidlos Besitz, Gesundheit, Familie raubt, nur um zu prüfen, ob ihm seine Knechte treu zur Seite stehen. Dazu verlangt er ihnen, wie Abraham, gern sogar die Hinrichtung des eigenen Sohns ab.

Solch ein "abgefeimter Hurensohn" - so nennt Kain gleichermaßen den bereitwillig-kritiklosen Kindesmörder wie seinen Auftraggeber - gälte normalerweise als Personifikation des Bösen. Der Haken ist nur: Das Böse ist kein …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 29.08.2011

Die Not des Brudermörders
Vermächtnis eines Unversöhnten: „Kain“, der letzte Roman des portugiesischen Nobelpreisträgers José Saramago
„Die Geschichte ist zu Ende, mehr gibt es nicht zu erzählen.“ So lakonisch schließt der letzte Roman José Saramagos, der nun posthum auf Deutsch erschienen ist. Selbst im biblischen Alter von 88 Jahren präsentierte Saramago kurz vor seinem Tod seine ganz eigene Version der ersten biblischen Familientragödie. Kains Brudermord ist ein schwerer, bedeutungsvoller Stoff, den Saramago allerdings mit einer virtuosen, anstrengungslosen Lässigkeit bewältigt, wie sie nur ganz großen und sehr alten Autoren vorbehalten ist.
Das fängt schon mit dem Erzähler an, der Kain offenbar immer sehr nahe war, was eigentlich nicht stimmen kann, weil zum Zeitpunkt des Brudermords bekanntlich erst vier Menschen auf der Erde wandelten: Adam und Eva, Kain und, für kurze Zeit noch, Abel. Und eigentlich dürfte es diesen Erzähler gar nicht geben, denn nach seiner Darstellung hat Kain auf der Arche Noah ein fürchterliches Gemetzel angerichtet, das er als einziger Mensch überlebte, von Gott dazu verflucht, einsam bis ans Ende seines …

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José Saramago, geboren am 16. November 1922 in Azinhaga in der portugiesischen Provinz Ribatejo, entstammt einer Landarbeiterfamilie. Nach dem Besuch des Gymnasiums arbeitete er als Maschinenschlosser, technischer Zeichner und Angestellter. Später war er Mitarbeiter eines Verlags und Journalist bei verschiedenen Lissabonner Tageszeitungen. Ab 1966 widmete er sich verstärkt der Schriftstellerei. Während der Salazar-Diktatur gehörte er zur Opposition. Der Romancier, Erzähler, Lyriker, Dramatiker und Essayist erhielt 1998 den Nobelpreis für Literatur. Er starb am 18. Juni 2010 auf Lanzarote. Bei Hoffmann und Campe erschienen zuletzt "Die Reise des Elefanten", "Das Tagebuch" (beide 2010) und der Gedichtband "Über die Liebe und das Meer" (2011).

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