Kafkas Affe stampft den Blues - Droste, Wiglaf

Wiglaf Droste 

Kafkas Affe stampft den Blues

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Produktbeschreibung zu Kafkas Affe stampft den Blues

So prügelhart wie liebevoll charmant - die neuen Texte von Wiglaf Droste. Er exorziert die "Blusen des Bösen" und die "Achse des Blöden", ermittelt in Sachen "Existentialismus heute" und "Generation Schleim". Seine Beobachtungen zielen aufs Ganze und sind genau; er übertreibt nie, die Belehrungen sind stets nützlich, helfen sie doch, die alltägliche Portion von Drangsal und Irrsinn in Schach zu halten.

Produktinformation


  • Verlag: Reclam, Ditzingen
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 192 S.
  • Seitenzahl: 192
  • Reclam Taschenbuch Bd.20139
  • Best.Nr. des Verlages: 20139
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 121mm x 14mm
  • Gewicht: 187g
  • ISBN-13: 9783150201398
  • ISBN-10: 315020139X
  • Best.Nr.: 22836606
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.06.2006

Der Affe und sein Zucker
Knapp vorbei ist auch daneben: „Neue Texte” von Wiglaf Droste
Hoch an der Zeit wäre es, dass mal jemand was zur Figur des Franz Beckenbauer sagt. Zu deren Eigenart gehört es, dass sie auf ganz merkwürdige Weise den Widerstand lähmt; wer den Franz nicht mag, findet sich, wie von ihm angesteckt, auf die Ohnmacht des Ressentiments zurückgeworfen, in Augenhöhe mit seinem Gegenstand. Wiglaf Droste mag ihn nicht – auf Drostes Instinkt ist immer Verlass. Weniger verlässlich sind die Mittel, die er zu mobilisieren weiß, um seine Antipathie zu gestalten.
„Ja der Wahnsinn, ja der Franz” heißt der entsprechende Text, der sich zusammen mit rund sechzig seinesgleichen im neuen Droste-Sammelband tummelt. Schon im Titel verrät sich die Grenze: Die Äffung klappt gut genug, sie vermag auch durchaus ein zuhörendes Publikum hinzureißen – aber wenn man es dann schwarz auf weiß vor sich hat, merkt man, wie wenig das ist und dass der große Vortragende Droste nicht alle seine Wirkungen in den Hafen des Buchdrucks rettet. „,Bild‘. ,Bild‘ ist Franz, Franz ist ,Bild‘, ohne ,Bild‘ kein Franz. In ,Bild‘ der Ganzfranz. …

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Es ist immer wieder erfreulich, Droste zu hören - oder ersatzweise eben selbst zu lesen. 'Buchkultur' Dem Leser treiben die elaborierten Schimpfkanonaden die Freudentränen in die Augen. Nie war Rache so unterhaltsam, witzig und würdig zugleich. Wiglaf Droste: Das ist der böse Bruder von Max Goldt - und ein Meister der kleinen Form. 'Fuldaer Zeitung'

Es ist immer wieder erfreulich, Droste zu hören - oder ersatzweise eben selbst zu lesen. -- Buchkultur

Dem Leser treiben die elaborierten Schimpfkanonaden die Freudentränen in die Augen. Nie war Rache so unterhaltsam, witzig und würdig zugleich. Wiglaf Droste: Das ist der böse Bruder von Max Goldt - und ein Meister der kleinen Form. -- Fuldaer Zeitung

"Es ist immer wieder erfreulich, Droste zu hören - oder ersatzweise eben selbst zu lesen." -- Buchkultur "Dem Leser treiben die elaborierten Schimpfkanonaden die Freudentränen in die Augen. Nie war Rache so unterhaltsam, witzig und würdig zugleich. Wiglaf Droste: Das ist der böse Bruder von Max Goldt - und ein Meister der kleinen Form." -- Fuldaer Zeitung

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Wiglaf Drostes Band scheint Burkhard Müllers Erwartungen enttäuscht zu haben. In diesem Buch schildert der Satiriker seine Antipathie gegen einige bekannte deutsche Figuren wie Franz Beckenbauer, Peter Maffay oder Horst Köhler. Drostes Witz ist durchaus zielsicher, meint der Rezensent, und auch die Formulierungen sind, wie im Titel, auf jeden Fall ein Hingucker. Aber auf den zweiten Blick merkt Müller dann, dass es Droste nicht allzu oft gelingt, "die vorzüglichen Kalauer aufzufangen, die er sich selbst zugeworfen hat". Manche Witze seien einfach misslungen und gehen ins Leere. Darüber hinaus moniert der Rezensent die nachlässige Zusammenstellung der einzelnen Texte. Nach eigener Aussage nimmt Müller Droste auch deshalb so hart ran, weil dieser tatsächlich "Nase und Temperament eines echten Satirikers" hat, aber immer knapp vor dem Ziel abdreht. Schade, seufzt der Rezensent, der sich hier ein wenig mehr Durchhaltevermögen gewünscht hätte.

© Perlentaucher Medien GmbH
Wiglaf Droste, geboren 1961, lebt in Berlin. Er schreibt u.a. in der "tageszeitung", der "Weltwoche" und in "junge welt".
Er ist viel unterwegs, am liebsten mit dem Essener Spardosen-Terzett, mit dem er die CD "Für immer" aufgenommen hat. Gemeinsam mit Vincent Klink gibt Wiglaf Droste die Zeitschrift "Häuptling Eigener Herd" heraus. Hin und wieder erscheint eine Auswahl seiner Kolumnen als Buch. Für seine Kolumnen in der taz und im Kritischen Tagebuch beim WDR erhielt der Schriftsteller, Lyriker und Satiriker 2003 den Ben-Witter-Preis. 2005 wurde Wiglaf Droste mit dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis geehrt. In der Begründung der Jury heißt es unter anderem:
"Mit Blick auf die deutsche Literaturgeschichte sind Vergleiche zu Autoren wie Robert Gernhardt oder Kurt Tucholsky angebracht und begründbar. Droste hat seine Vorgänger jedoch nicht kopiert, sondern einen eigenen, unverwechselbaren Ton gefunden. Seine kompromisslosen, häufig mit zynischem Gestus vorgetragenen Satiren und Glossen sind sprachliche Kabinettstückchen von hohem literarischen Rang." Von März bis Juli 2009 war Droste der 29. Stadtschreiber zu Rheinsberg in Brandenburg.

Leseprobe zu "Kafkas Affe stampft den Blues" von Wiglaf Droste

Existentialismus heute

Der Spätsommer ist die Zeit des Dorffestes - mal richtet die Freiwillige Feuerwehr das aus, mal ein Sportverein, und immer ist es die identische Tristesse aus Bratwurst, schlechter Musike und Getränken, die erst zu sich genommen und später von sich gebrochen werden müssen.

Da ich vom Dorf komme, vom Kaff, kenne ich das gut: Männer, die breite Spuren Saures hinter sich her ziehen beim nächtlichen Verlassen des Festplatzes. Je nach Mode waren die Spuren von Persico, Apfelkorn oder anderen Vergiftungsgaranten zu bestaunen. Für eine amtliche dörfliche Sozialisation wird das als unverzichtbar erachtet, und später, bei der jährlichen Wiederholung, gilt es dann als Tradition, die man ja pflegen soll.

Um ordentlich in Schwung und Stimmung zu kommen, ist Musik vonnöten - bevorzugt die von früher, als man jung war, da kann man dann sentimental werden. Auf dem Dorf altert man schnell, die Ehe rumpelt vor sich hin, das Idyll existiert nur in den Augen der Fremden - für die Einheimischen ist das Leben eine Mischung aus Ereignislosigkeit, Geldknappheit, Konvention und Langeweile.

Matt schleppt sich alles zum Dorffest, die Kinder immerhin finden es wirklich aufregend - so lange, bis der für die Musikbeschallung zuständige Mann die Walzerstunde für die Älteren einläutet. Später, im Dunkeln, spielt er dann die Hits von damals. In der ehemaligen Bundesrepublik sind das vor allem englische und deutsche Schreckensschlager, im deutschen Osten ist es das gehobene deutschsprachige Unterhaltungslied aus DDR-Zeiten. Das macht die Sache aber nicht besser.

Das Lied, das auf einem mecklenburgischen Dorffest Furore macht, heißt "Jugendliebe", gesungen wird es von Ute Freudenberg und der Gruppe Elefant, was in der DDR, wie ich erfahre, zu Ute Elefant zusammengezogen wurde. Ich weiß nicht, wie es ist, wenn man mit diesem Lied aufwuchs - ich weiß nur, wie es sich anfühlt, wenn man dieses Lied im Alter von 43 Jahren zum ersten Mal hört. "Er traf sie wieder, / viele Jahre sind seit damals schon verga-hahangen / Sieht in ihre Augen, / und er denkt zurück: Wie hat es angefa-ha-hangen?", singt Ute Elefant.

Die Augen der erloschenen Paare werden noch einmal feucht, der musikalkoholische Knopfdruck hat funktioniert, manche Hand findet einen Weg in eine andere hinein, um eine stämmige Schulter herum oder auf einen massigen Hintern hinab. Das Lied schaukelt sich hoch zum Refrain: "Jugendliebe bringt / den Tag, wo man beginnt, / alles um sich her ganz anders anzusehn, / Ha-Ha, Lachen treibt die Zeit, / die unvergessen bleibt, / denn sie ist traumhaft schö-hö-hö-hön."

Es ist billig, das Grauen mit Distanz und Ironie wahrzunehmen. Man muss es ungefiltert durchstehen. Sich in eine gehübschte Vorstellung vom Leben verknallen kann jeder, das ist Hüchel. Das Land und seine Bevölkerung vor Augen und Ute Elefant in den Ohren haben, das ist Existentialismus heute, das ist der Mythos von Sisyphos, das ist Camus und der Mensch in der Revolte. Nicht ausweichen, die volle Dosis Elend nehmen, die ganze Portion, bis zur Neige, und dann sagen: Ja, ich will - das ist Leben.

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