Jussifs Gesichter - Wali, Najem

Najem Wali 

Jussifs Gesichter

Roman aus der Mekka-Bar

Aus d. Arab. v. Imke Ahlf-Wien
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Jussifs Gesichter

Ein bewegender, dunkler, intensiver Roman über den Irak

Am »Tisch der Hoffnungslosen« in der Mekka-Bar finden sich Tag für Tag Männer ein, um sich Geschichten zu erzählen: Jussif und Junis sind Brüder. Als Jungen waren sie beide in dasselbe Mädchen verliebt. Weil sie Jussif bevorzugte, gab Junis ihr einen Kuchen mit Nägeln zu essen. Sie starb, aber nicht Junis, sondern Jussif kam dafür ins Gefängnis. Seitdem ist das Verhältnis der Brüder ein Spiel mit Rollen und Masken, aus dem im Krieg tödlicher Ernst wird.


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 272 S.
  • Seitenzahl: 267
  • dtv Taschenbücher Bd.13850
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 121mm x 18mm
  • Gewicht: 224g
  • ISBN-13: 9783423138505
  • ISBN-10: 3423138505
  • Best.Nr.: 26360885

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Najem Walis Roman über ein verfeindetes Brüderpaar im Irak des Saddam Hussein hat Sabine Berking spürbar mitgenommen, allerdings stört sie, dass der aus dem irakischen Basra stammende, in Berlin lebende Autor es für nötig hielt, seine für sich sprechende Darstellung mit existenzialistischen Verweisen auf Werke von Dostojewski, Camus und Kafka zu überfrachten. Jussef gerät erst unschuldig ins Gefängnis, dann in die Armee, schließlich in die Folterkeller der Geheimpolizei und in die Irrenanstalt, während sein Bruder Junis Saddam als Folterer und Henker dient, fasst die Rezensentin zusammen. Es entspinnt sich eine "düstere Parabel über das Leben in Zeiten von Diktatur und Krieg", wobei die verwirrende Figurenvielfalt, die Identitätswechsel der Protagonisten und die Zeit- und Raumsprünge die Lektüre recht schwierig gestalten, wie Berking zugeben muss. So liest sich die Grausamkeit auf Grausamkeit türmende Geschichte ein wenig "surreal und absurd", findet die Rezensentin. Aber vielleicht ist das ja auch die einzige Möglichkeit, überhaupt darüber zu schreiben, meint Berking in Anlehnung an das von ihr zitierte Diktum von Kurt Vonnegut, dass sich "über ein Blutbad nichts Gescheites sagen" lässt.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 11.03.2008

Ein mit Nägeln gefüllter Kuchen
Gott hat uns erschaffen im Paradies des Zweistromlands, doch ist er dann nach China ausgewandert: Najem Walis Roman über die Mekka-Bar in Bagdad: „Jussifs Gesichter” Von Volker Breidecker
Jussif liebt Sareb, und Sareb liebt Jussif. Halbe Kinder noch, treffen sie sich täglich unter einem uralten Lotusbaum zum Austausch zärtlicher Küsse. Nach Auffassung der Bewohner aus der Umgebung könnte dieser Lotusbaum noch aus dem Paradies stammen. Denn hier, im Zweistromland des Euphrat und des Tigris, soll das Paradies und mit ihm auch der Anfang aller menschlichen Erzählungen gelegen haben. In der geschundenen Stadt Bagdad, wo an jeder Straßenecke der Tod lauern kann, erzählt man sich heute dagegen eher Geschichten vom Jüngsten Tag.
Ein Ort solcher Erzählungen ist die Mekka-Bar. Aber man suche sie nicht auf dem Stadtplan, denn es ist ein geheimer Ort, klein und schmuddelig, in dem erschöpfte, vorzeitig gealterte Männern mit aschfahlen Gesichtern ihre Plätze am – von ihnen selbst so genannten – „Tisch der Hoffnungslosen” einnehmen. Ihren Schmerz spülen sie mit starkem Arrak hinunter, ohne doch vergessen zu können, …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.10.2008

Bruder Folterknecht

Lässt sich über ein Blutbad etwas Gescheites sagen? Najem Wali zieht mit seinem Kriegsroman eine mehr als düstere Bilanz der Saddam-Hussein-Diktatur.

Eine harmlose Süßigkeit wird zur Mordwaffe und steht am Anfang eines Martyriums. Rettung im Kampf ums Überleben verspricht nur die Flucht in die Fälschung des eigenen Namens. Am Ende vermag der Gehetzte sich nicht mehr aus dem Netz aus Lügen zu befreien und läuft seinen Peinigern in die Arme. Wie Josef K. in Kafkas "Prozess" weiß er nicht, warum ihm das geschieht. Es wäre auch eine unerhörte Frage. Wir sind im Irak. Gott hatte das Zweistromland als Paradies erschaffen; als die Halbgötter kamen, allen voran der Diktator Saddam Hussein, ist der Allmächtige ausgewandert. Zurück blieb eine in ewiger Nacht bevölkerte Hölle.

Über das Leben in dieser Hölle hat der 1956 im irakischen Basra geborene Najem Wali einen Roman geschrieben: ein verstörendes Buch, das mit Anspielungen auf zahlreiche ins Existentialistische überinterpretierte Werke der Weltliteratur von Dostojewski über Camus bis hin zu Kafka zuweilen den Bogen überspannt. Die Geschichte könnte auf diese …

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"Ein grosser Vexierspiegel, in dem das entstellte Abbild eines verwundeten und verwirrten Landes deutlich wird. ... - verwirrend, verunsichernd, aber auch irgendwie verführerisch." (Irene Binal, Neue Zürcher Zeitung, 24.05.08)"Der Triumph des Menschlichen wird allen Widrigkeiten zum Trotz als Möglichkeit erahnbar, und die Liebe ist stets eine schlagende Option." (Andreas Pflitsch, Der Tagesspiegel, 01.06.08)
Najem Wali, geboren 1956 in Basra / Irak, erlitt als Regierungsgegner Haft und Folter. 1980, nach Ausbruch des Iran-Irakkriegs, ist er nach Europa emigriert, studierte Deutsche und Spanische Literatur in Hamburg und Madrid und lebt heute als Schriftsteller und Kulturkorrespondent der arabischen Zeitung "Al-Hayat" in Berlin. Wali ist die Stimme des aufgeklärten Irak in Deutschland. Sein Denken und Wirken zielt auf Verständigung und friedlicher Koexistenz zwischen westlicher und arabischer Welt.

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