Julians Bruder - Kordon, Klaus

Klaus Kordon 

Julians Bruder

Roman. Ausgezeichnet mit dem Jugendbuchpreis der Jury der jungen Leser (Literaturhaus Wien) 2005 und dem ver.di Literaturpreis, Kategorie Kinder- und Jugendbuch 2006

Gebundenes Buch
 
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Julians Bruder

Der neue Kordon: Die Geschichte einer bewegenden Freundschaft, einer großen Liebe und einem dunklen und bisher wenig bekannten Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte: Paul und Julian wachsen in Berlin wie Brüder auf. Den Zweiten Weltkrieg erlebt Julian in Verstecken, denn er ist Jude. Nach dem Krieg könnte für sie ein neues Leben beginnen, doch nach wenigen Tagen Frieden werden die beiden verhaftet und kommen in ein sowjetisches Internierungslager - das ehemalige KZ Buchenwald.

Julian und Paul fühlen sich wie Brüder - sie sind fast am selben Tag geboren, gehen in dieselbe Klasse und wachsen beide in der Jablonskistraße 53 auf, mitten im Zentrum des Berlins der 20er und 30er Jahre. Doch Julian ist Jude, und als seine Eltern deportiert werden, muss er untertauchen. Er überlebt die Nazi-Zeit als 'U-Boot' bei Nichtjuden, die ihn verstecken. Auch Paul und seine Schwester Bille, die ihren Jule schon lange liebt, sorgen für ihn. Das Ende des Krieges erleben die beiden Freunde untergetaucht in Ruinen, denn der Flakhelfer Paul will nicht noch in den letzten Kriegstagen für seinen Führer fallen. Als im Frühjahr 1945 endlich die Rote Armee der Sowjetunion die deutsche Reichshauptstadt einnimmt, fühlen sich beide befreit. Der Krieg ist vorbei, die Nazi-Diktatur gestürzt, nun kann ein neues Leben beginnen. Doch für Julian und Paul beginnt stattdessen ein dunkles und bis heute wenig bekanntes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte: Als sie Bille gegen zwei russische Soldaten verteidigen, werden sie als 'Werwölfe' verhaftet und in ein sowjetisches Internierungslager eingewiesen. Das Lager heißt Buchenwald und war bis vor kurzem ein KZ der Nazis. Erst Jahre später wird Paul die Freiheit wiedersehen.

Der neue historische Roman von Klaus Kordon basiert auf Berichten von Überlebenden des sowjetischen Internierungslagers Buchenwald. Ein Zeitpanorama, das bezeichnenderweise nicht mit dem Untergang der Nazi-Diktatur endet.


Produktinformation

  • Verlag: Beltz
  • Seitenzahl: 623
  • Altersempfehlung: 14 bis 17 Jahre
  • Deutsch
  • Abmessung: 213mm x 145mm x 38mm
  • Gewicht: 720g
  • ISBN-13: 9783407809278
  • ISBN-10: 3407809271
  • Best.Nr.: 12790914
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 21.03.2005

Freundschaft für immer
Überlebenskampf - am Beispiel von zwei Berliner Jungen
In seinem Buch stellt Klaus Kordon die Frage, die in allen Diskussionen über die NS-Zeit und den Krieg im Vordergrund steht: die nach Schuld und Sühne. Welche Verantwortung trug der Einzelne an den Verbrechen, gibt es so etwas wie eine deutsche Kollektivschuld, die etwa die Brutalität der russischen Armee am Ende des Krieges rechtfertigte?
Das Schicksal zweier Berliner Jungen, des Juden Julian und seines Freundes Paul, wird in drei großen Kapiteln aufgerollt: die Kindheit während der NS-Zeit; das Überleben während des Krieges, in dem Julian in Berlin untertaucht und Paul zum HJ-Löschkommando und später als Flakhelfer eingezogen wird; und im letzten Teil die Gefangennahme der jungen Männer als angebliche Werwölfe durch die russischen Besatzer und ihre Lagerhaft in Buchenwald.
Das tragende Motiv ist die Freundschaft der beiden, die in einem Berliner Mietshaus aufwachsen und erst, als die NS-Propaganda Einzug in die Schulen hält, merken, dass ihre Beziehung etwas Besonderes und sehr gefährdet ist. Die Rassengesetze und der Terror gegen die Juden verändern das gesamte …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.10.2004

Durch die Welt geschubst
Vor dem Krieg und danach: "Julians Bruder" von Klaus Kordon

Jede Jugend ist doch irgendwie schön", sagte Klaus Kordon einmal, die eigene, mit dem frühen Verlust der Eltern und dem Aufwachsen in Kinderheimen nicht eben leichte, durchaus in Erinnerung. Momente später fügte er hinzu: "Fast jede." Die Kindheit von Julian und Paul, den Hauptfiguren seines neuen Romans, ist zwischen Äpfelklau und Schlittenfahrt, Autorennen auf den Rinnsteinen der Berliner Jablonskistraße, Fußball und Kino lange schön, doch sie endet jäh, als die nationalsozialistische Gesinnung, die "braune Kacke", sich schnell in zahlreichen Köpfen ausbreitet.

Was dem folgt, davon hat man, wenn auch in einem Jugendbuch nicht in dieser schmerzenden Plastizität, auch schon an anderer Stelle gelesen: von den Mordkommandos der Wehrmacht, den Todesfabriken der Konzentrationslager, von Hinrichtungsgruben und zerfetzten Körpern, von brutaler Folter und ekelhaftem Leichengeruch, von donnernden Bombenangriffen und tausendfachem Tod. Aber auch von Widerstand, Mut und Menschlichkeit. Kordon, ein im besten Sinne politischer Autor, wird nicht müde, der …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Roswitha Budeus-Budde ist von diesem Roman über zwei Berliner Jungen, die NS-Herrschaft, Krieg und russische Gefangenschaft zusammen erleben, beeindruckt und gefesselt. Klaus Kordon geht es in seinem Buch um Fragen nach einer individuellen beziehungsweise kollektiven Schuld und nach Verantwortung, wobei er in drei großen Kapiteln das Schicksal des Juden Julian und seines Freundes Paul erzählt, erklärt die Rezensentin. Der Autor schildert neben seinen beiden Hauptfiguren das gesellschaftliche und familiäre Umfeld der Jungen und obwohl die Personen als "typisch" vorgestellt werden, verlieren sie durch "Dialoge und die fesselnde Handlungsführung" dennoch nicht an Lebendigkeit, lobt Budeus-Budde. Auch ist ihr positiv aufgefallen, wie "spannend" Kordon aus der Perspektive der beiden Jungen zu berichten weiß. Ohne die Leser zu "schonen" erzählt der Autor wie Julians Eltern an den Visumsbestimmungen europäischer und amerikanischer Staaten scheitern, weshalb es ihnen nicht rechtszeitig gelingt, Deutschland zu verlassen. Er schildert "minutiös" den Krieg in Berlin und stellt dem Bombenkrieg der Alliierten das Vorgehen der Wehrmacht im Russlandfeldzug gegenüber, konstatiert die Rezensentin. Kordon "rechnet" die Opfer des Krieges nicht "gegeneinander auf" sondern "bekennt" sich mit seinem Roman "beispielhaft zur Humanität", so die Rezensentin eingenommen.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Kaum einer erzählt Kindern und Jugendlichen deutsche Geschichte so gut wie Klaus Kordon - und Erwachsenen übrigens auch." (Brigitte)<br />"Die Gefühle und Wahrnehmungen, die Menschen und Situationen so spannend und klar, farbig und ungeschönt in Worte zu fassen, dass man es liest, als wäre man dabei, mit allen Konflikten, unversöhnlichen Gegensätzen, mit Widersprüchen und Brüchen, mit Witz und Tragik - das versteht kein Autor so gut wie Klaus Kordon." (Literaturblatt)
Klaus Kordon, geb. 1943, gehört zu den renommiertesten Jugendbuch-Autoren. Seine Romane wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Für sein Gesamtwerk erhielt er den Alex-Wedding-Preis der Akademie der Künste und den Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur.

Kundenbewertungen zu "Julians Bruder" von "Klaus Kordon"

3 Kundenbewertungen (Durchschnitt 5 von 5 Sterne bei 3 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
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Bewertung von Katharina aus Hannover am 16.07.2010 ***** ausgezeichnet
Julian und Paul wachsen wie Brüder auf. Sie wohnen in Berlin in den 20er Jahren. Jedoch sind Julians Eltern Juden. Schon vor dem Krieg hat es Julian nicht leicht, da sein rechtsextremistischer Lehrer auf ihm rumhackt. Schließlich muss Julian auf eine jüdische Schule, die sehr weit weg ist. Er bekommt immer weniger Rechte und wie viele Juden taucht Julian unter. Paul und seine Schwester Bille kümmern sich auch um ihn. Schließlich muss Paul auch untertauchen, da er nicht in den Krieg möchte. Endlich ist der Krieg vorbei und sie können wieder zu Pauls Eltern. Als sie Bille vor zwei Soldaten verteidigen, werden sie in ein Lager gebracht. Jahre später kommt Paul wieder frei, jedoch ist Julian gestorben.
Die Geschichte einer innigen Freundschaft in einer schweren Zeit ist ein ergreifender Nachkriegsroman. Das Buch ist auf jeden Fall weiter zu empfehlen, da man viel über diese Zeit erfährt und es doch keine einfache Auflistung von Geschehnissen ist.

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Bewertung von M. Bhrens aus Cuxhaven am 11.06.2008 ***** ausgezeichnet
Bevor ich dieses Buch gelesen habe, sagte mir der Name Klaus Kordon rein gar nichts. Doch nun muss ich sagen, dass der Autor ohne Zweifel mit zu den Besten zählt. Er beschreibt dieses dunkle Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte so plausibel und detailliert, dass der Leser das Gefühl hat, dabeigewesen zu sein. Außerdem berührt einen die tiefe, enge Freundschaft zwischen dem Judenjungen Julian und dem Nichtjuden Paul, die im Laufe der Kriegsjahre und danach auf eine harte Belastungsprobe gestellt wurde. Dabei wird Klaus Kordon niemals ausfallend oder lässt in seinem Schreibstil erkennen, dass er für eine bestimmte Seite Partei ergreift. Er verhält sich neutral und beschreibt lediglich, was sich in den Kriegswirren abspielte und wie Menschen damit fertig werden mussten. Doch das macht er so spannend, dass ich Nächte damit verbracht habe, dieses Buch durchzulesen. Ein Meisterwerk deutscher Geschichte.

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Bewertung von G.Brennecke aus Berlin am 02.11.2006 ***** ausgezeichnet
Das Buch ist sehr "brutal" geschrieben. Obwohl ich aus Fachliteratur diese Dinge glauben kann. Für einen Leser zwischen 1960 bis 1990 geboren ist das Geschriebene sehr schwer nachzuvollziehen. Trotzdem ist meine Bewertung für dieses Buch ausgezeichnet .

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