Jesabel - Némirovsky, Irène

Irène Némirovsky 

Jesabel

Roman

Aus d. Französ. v. Eva Moldenhauer
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Jesabel

Vom Verlangen nach immerwährender Schönheit Paris, in den 30er Jahren: Gladys Eysenach ist eine schöne Frau und seit ihrer Kindheit von einem einzigen Wunsch besessen: ihr Leben lang von allen Männern bewundert und begehrt zu werden. Für die ewige Jugend und Schönheit ist ihr kein Preis zu hoch. Nicht einmal das Leben ihrer Tochter.

Eine Frau, lebenslang getrieben von der verzehrenden Gier geliebt zu werden, die der Illusion ewiger Jugend nachjagt und dafür sogar die eigene Tochter opfert nach »Suite française « ein frühes Meisterwerk der wieder entdeckten französischen Erzählerin Irène Némirovsky, erstmals in deutscher Übersetzung.An einem Sommertag im Jahre 1935 steht in Paris eine elegante ältere Frau vor Gericht. Sie soll ihren 20-jährigen Liebhaber ermordet haben. Die Menge der Schaulustigen ist groß, denn Gladys Eysenach ist keine Unbekannte, sondern eine der schönsten, reichsten und begehrtesten Frauen ihrer Zeit. Ohne Zögern gesteht sie die Tat. Ein Raunen geht durch den Saal. Wie konnte aus dieser kultivierten Dame eine Mörderin werden? In der Rückschau wird Gladys Eysenachs Leben erzählt. Auf einem Ball begegnen dem fröhlichen, attraktiven und lebenslustigen Mädchen zum ersten Mal die Blicke der Männer. Sie spürt die wohlige Lust,begehrt zu werden. Schon bald wird sie süchtig nach Männern, die ihr zu Füßen liegen. Sie berauscht sich an der Macht und genießt die kurzen Augenblicke der Eroberung. Doch ihre Begierde wächst immer weiter, ist unstillbar.Die Jahre vergehen, und Gladys unternimmt alles, um jung und schön zu bleiben. Ängstlich sieht sie ihre Tochter Marie-Thérèse heranwachsen, hält sie klein, damit kein verräterischer Hinweis auf das wahre Alter der Mutter nach außen dringt. Immer stärker werden die Selbsttäuschungen. Unsicherheit und Panik nisten sich ein. Den Wunsch ihrer Tochter, heiraten zu dürfen, wehrt sie hysterisch ab. Als Marie-Thérèse ihr mitteilt, dass sie sich heimlich verlobt hat und schwanger ist, kommt es zum endgültigen Bruch. Mit allen Mitteln versucht Gladys, die persönliche Schmach eines Enkelkinds zu verhindern. Jahre später wird sie von einem Studenten auf der Straße angesprochen. Und ihr perfekt konstruiertes, zeitlos junges Leben gerät von einem Tag auf den anderen ins Wanken.


Produktinformation

  • Verlag: Btb
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 220 S.
  • Seitenzahl: 220
  • btb Bd.73778
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 118mm x 18mm
  • Gewicht: 211g
  • ISBN-13: 9783442737789
  • ISBN-10: 3442737788
  • Best.Nr.: 23326902
"Eine Aufforderung an alle Liebhaber großer Erzählliteratur, in ihren Regalen reichlich Platz für die viel zu schnell vergessene Autorin freizuräumen." Frankfurter Allgemeine Zeitung<br/><br/>"Némirovsky verfolgt die neurotischen Momente dieses schleichenden Wirklichkeitsverlustes minuziös, immer wieder geht sie auch noch den leisesten Verdachtsmomenten von Selbstverleugnung und Irrationalisierung nach." Neue Zürcher Zeitung<br/><br/>"Wunderbar geschriebene, eindrucksvolle Charakterzeichnung." Hamburger Morgenpost<br/><br/>"Némirovsky schafft eine frische Version des gewählten Stoffes, die sich aus heutiger Sicht geradezu prophetisch ausnimmt." Jüdische Zeitung<br/><br/>"Siebzig Jahre brauchte dieser Klasse-Roman, um erstmals ins Deutsche übersetzt zu werden." Hamburger Abendblatt<br/><br/>"Man kann von Némirovsky nicht genug kriegen: Ihre Texte sind süffig und elaboriert, spannend und durchdacht, leicht zu lesen und streng komponiert." Facts<br/><br/>"Wie einen Krimi, kann man es nicht aus der Hand legen, weil man auf eine Auflösung wartet, die auf der Höhe der Zeit ist." Literaturen

"Wunderbar geschriebene, eindrucksvolle Charakterzeichnung."

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.09.2006

Frau Welt liebt sich
Die Großmutter frißt ihren Enkel: Irène Némirovskys früher Roman

Wär er nur die Erzählung von einer Frau, die ihre außergewöhnliche Schönheit gegen Alter und Verfall verteidigt; wären ihre Abschiede von den vielen Liebhabern nichts als die rührenden Szenen, in denen seelentiefe Blicke getauscht und Handküsse gehaucht werden - so wäre Irène Némirovskys "Jesabel" ein Nachttischbuch für Leserinnen, die sich im zwanzigsten Jahrhundert noch das Bewußtsein des neunzehnten leisten. Auch solche Leserinnen, falls es sie noch geben sollte, würden am Morgen erwachen wie Gladys Eysenach, die Heldin: "Wie gewöhnlich, noch bevor sie die Augen geöffnet hatte, suchte ihre Hand mechanisch nach dem Spiegel. Seit sie eine Frau war, war dies beim Erwachen ihre erste Regung, ihr erster Gedanke. Lange liebkoste sie mit dem Blick ihr Gesicht."

Eine Frau von solch obsessiver Selbstliebe setzt natürlich alles daran, geliebt zu werden, und es gelingt ihr tatsächlich bis ins Alter von weit über fünfzig Jahren: "Er wurde nicht müde", heißt es von ihrem ersten Gatten, "ihr zuzusehen, wie sie sich ankleidete, lange zwischen zwei …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Hat man Irene Nemirovskys Romanfragment "Suite francaise" gelesen, für den die 1942 in einem deutschen Konzentrationslager umgebrachte Autorin postum mit dem Prix Renaudot geehrt wurde, ist man von der scheinbaren Trivialität des frühen Romans "Jesabel" zunächst irritiert, warnt Hannelore Schlaffer. Eine ehemals sehr schöne Frau wehrt sich gegen den eigenen Alterungsprozess und erschießt ihren Enkel, der sie mit der Anrede "Großmutter" traktiert. Die Geschichte sei sowohl als Allegorie auf die untergehende Bourgeoisie als auch als ein religiöses "Mysterienspiel" zur Vergänglichkeit zu lesen, informiert die Rezensentin. Die staffageartigen Figuren dieses Buches seien allesamt "Marionetten" in einem "Welttheater", erklärt Schlaffer, die schon hier das spätere Meisterwerk "Suite francaise" angelegt sieht.

© Perlentaucher Medien GmbH

Irène Némirovsky war eine große Erzählerin. Sie beherrscht alle Szenen und Genres, Familienidylle und konflikte, Liebesabenteuer, Rollenspiele von Männern, Frauen und Kindern. Politik und Geschäfte. Die Welt
Irène Némirovsky, geb. 1903 als Tochter eines reichen russischen Bankiers in Kiew geboren, kam während der Oktoberrevolution nach Paris. Dort studierte sie französische Literatur an der Sorbonne. Irène heiratete den weißrussischen Bankier Michel Epstein, bekam zwei Töchter und veröffentlichte ihren Roman 'David Golder', der sie schlagartig berühmt und zum Star der Pariser Literaturszene machte. Viele weitere Veröffentlichungen folgten. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach und die Deutschen auf Paris zu marschierten, floh sie mit ihrem Mann und den Töchtern in die Provinz. Während der deutschen Besetzung erhielt sie als Jüdin Veröffentlichungsverbot. In dieser Zeit arbeitete sie an einem großen Roman über die Okkupation. Am 13.7.1942 wurde Irène Némirovsky verhaftet und starb wenige Wochen später in Auschwitz. 2005 entzifferte Némirovskys Tochter Denise Epstein das Manuskript, das als Suite française veröffentlicht und zur literarischen Sensation wurde.

Leseprobe zu "Jesabel" von Irène Némirovsky

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