Jener Tag im Winter - Phillips, Caryl

Caryl Phillips 

Jener Tag im Winter

Roman

Aus d. Engl. v. Giovanni Bandini u. Ditte Bandini
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Jener Tag im Winter

Das einfühlsame Psychogramm eines Menschen in der Krise
Keith Gordons Leben ist eigentlich schon unerquicklich genug: Drei Jahre ist es her, dass der Mittvierziger von seiner Frau wegen eines unbedeutenden Seitensprungs nach zwei Jahrzehnten Ehe vor die Tür gesetzt wurde, und obwohl von vielen Frauen angezogen, konnte ihn bisher keine andere wirklich fesseln. Auch Yvette nicht, seine rund zwanzig Jahre jüngere Mitarbeiterin, mit der er seit einiger Zeit eine heimliche Affäre hat. Nonchalant macht er eines Abends mit ihr Schluss. Doch als er am nächsten Morgen ins Büro kommt, trifft ihn ihre Rache ...

"Jener Tag im Winter" ist das mitreißende Psychogramm eines Mannes in der Krise, die nur oberflächlich eine Midlife-Crisis mit all ihren tragikomischen Auswüchsen ist. Caryl Phillips hat einen bezwingenden, weil psychologisch überaus glaubwürdigen Roman vorgelegt, verfasst in einer präzisen Sprache, die in ihrer Konsequenz staunen macht.


Produktinformation

  • Verlag: Dva
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 362 S.
  • Seitenzahl: 362
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 146mm x 34mm
  • Gewicht: 612g
  • ISBN-13: 9783421044594
  • ISBN-10: 3421044597
  • Best.Nr.: 32547178
"Zu Recht nennt die New York Times Phillips einen der literarischen Großmeister unserer Zeit ." (Bolero (CH))<br/><br/>"Phillips besondere Stärke sind die Dialoge und das Spiel mit den Zeitebenen." (Financial Times Deutschland)<br/><br/>"Caryl Phillips ist einer der literarischen Großmeister unserer Zeit." (The New York Times)

»Ein feines, leises Buch über einen Mann, der tragikomisch durch sein Leben krabbelt.«

»Ein feines, leises Buch über einen Mann, der tragikomisch durch sein Leben krabbelt.«
Caryl Phillips, 1958 auf der karibischen Insel Saint Kitts geboren, wuchs in England auf, studierte in Oxford englische Sprache und Literatur und lebt heute in New York City. Zurzeit hat er eine Professur an der Yale Universität inne. Phillips, der seit Anfang der 80er Jahre Belletristisches wie Sachbücher veröffentlicht, zählt zu den wichtigsten britischen Schriftstellern seiner Generation und wurde u.a. mit dem Commonwealth Writers Prize ausgezeichnet.

Leseprobe zu "Jener Tag im Winter" von Caryl Phillips

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Leseprobe zu "Jener Tag im Winter" von Caryl Phillips

"Fünftes Kapitel (S.205-206)

Der scharfe, beißende Geruch im Krankensaal erschreckt ihn. Das Geräusch der metronomhaft präzise piependen Geräte und der Anblick der in verschiedenen Stadien der Hilflosigkeit daliegenden Menschen sind beunruhigend, aber was ihn wirklich mitnimmt, ist der durchdringende Gestank nach Sauberkeit. Mit einem Mal drängt es ihn unwiderstehlich hinaus in die frische Luft, aber jetzt ist es zu spät. Er geht langsam zum hinteren Ende des Krankensaals, wo er seinen Vater kraftlos, mit geschlossenen Augen, im schmalen Bett unter dem Fenster liegen sieht, in der Innenseite seines Unterarms eine mit Heftpflaster fixierte Infusionsnadel, sein Herzschlag eine neongrüne Linie, die auf einem kleinen Bildschirm zackenförmig auf und ab schwingt. Sein Vater schläft, aber die Stirn ist nach wie vor tief gerunzelt, woraus er schließen kann, dass es kein schmerzloser Schlummer ist.

Er blickt auf das überraschend geschrumpfte, wie eine Walnuss zerfurchte Gesicht hinunter, sein Vater scheint binnen weniger Tage um ein Jahrzehnt gealtert zu sein. Neben dem Fußende des Bettes steht ein strategisch ausgerichteter schlichter Metallklappstuhl, also stellt er seine Reisetasche daneben auf den Boden und setzt sich schwerfällig und starrt auf den schlafenden Mann. Würde sein Vater jetzt die Augen öffnen, wüsste er nicht recht, was er zu ihm sagen sollte, deswegen ist er dankbar für diesen Moment stiller Kontemplation. Der Zug hatte gerade wieder Geschwindigkeit aufgenommen und jagte durch die ländlichen Midlands, als sein Handy klingelte.

Vor ihm lag sein aufgeschlagener Terminkalender, da er gerade überlegte, wann sich am besten ein Treffen mit Laurie arrangieren ließe, aber bald wurde ihm bewusst, dass er den Terminkalender nicht brauchte, da er arbeitslos und weitgehend Herr seiner Zeit war. Rings um seinen Terminkalender lagen ganze Stöße von Beschreibungen von Zwei- und Dreizimmerwohnungen, die er aus dem Internet ausgedruckt hatte. Weder neben ihm noch in den zwei Sitzen vor ihm saß jemand, und so konnte er seine Unterlagen auf dem ganzen Tisch ausbreiten, ohne jemandem lästig zu werden.

Er geriet momentan in Panik, da sein Handy irgendwo unter den Papieren begraben lag, aber dann fand er es und klappte es auf. Baron sprach gewohnt unverblümt und sachlich. »Dein Vater liegt mit Herzinfarkt im Krankenhaus. Heut Morgen hat er keine Luft gekriegt, da hab ich den Rettungswagen gerufen, aber die haben ihn jetzt stabilisiert und alles. Wär keine Gefahr, meinen die, weil wir ihn rechtzeitig ins Krankenhaus geschafft haben, aber es wär witzlos, zu ihm nach Hause zu fahren. Am besten kommst du direkt zum St. Joseph’s, und da findest du ihn dann ja.« Im ersten Moment wusste er nicht, was er Baron antworten sollte, aber dann sah er sich in der Scheibe des Zugfensters gespiegelt, das Handy am Ohr, die Kinnlade dümmlich heruntergeklappt.

»Keith, bist du noch da?« Er bemühte sich um einen möglichst unaufgeregten Ton, als er Baron mitteilte, er würde vom Bahnhof aus mit dem Taxi direkt zum Krankenhaus fahren. Aber nachfragen musste er doch. »Aber du sagst, es ist alles okay?« Baron produzierte das tiefe, grollende Lachen, das er noch von seiner Kindheit her kannte. »Die behalten ihn bloß im Auge oder wie immer das bei denen heißt. Halten ihn unter Beobachtung.« Sobald er aufgelegt hatte, machte er sich ein paar Minuten lang damit zu schaffen, seine Computerausdrucke wegzuräumen."

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