Jeden Tag, jede Stunde - Dragnic, Natasa
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Natasa Dragnic 

Jeden Tag, jede Stunde

Roman

Gebundenes Buch
 
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Jeden Tag, jede Stunde

Die Geschichte zweier Liebender - feinsinnig, temperamentvoll, unvergesslich

Sechzehn Jahre haben Dora und Luka sich nicht mehr gesehen, obwohl sie einmal unzertrennlich waren: Wunderschöne Sommertage verbrachten sie als Kinder miteinander, am Felsenstrand des kleinen kroatischen Fischerdorfes, in dem sie aufwuchsen. Doch dann zogen Doras Eltern nach Frankreich, und Luka blieb allein zurück. Als Mittzwanziger treffen sie sich nun überraschend in Paris wieder, und es ist klar: Sie gehören einfach zusammen. Drei glückliche Monate folgen, aus denen ein gemeinsames Leben werden soll; nur kurz will Luka in die Heimat zurück, um ein paar Dinge in Ordnung zu bringen - und dann meldet er sich nicht mehr. Jeden Tag, jede Stunde ist eine jener außergewöhnlichen Liebesgeschichten, die zugleich zeitlos und modern sind: zeitlos in ihrem Glauben an die Vorbestimmtheit, mit der zwei Menschen ein Schicksal teilen, und modern in ihrem Wissen, dass das Leben sich als viel schwieriger erweist. Ein Liebesroman, wie er sein sollte: poetisch, von großer emotionaler Strahlkraft, mitreißend erzählt.



"Dieses Buch haut einfach alle um - Ich bin der Liebensgeschichte zwischen Dora und Luka, die eigentlich "Jeden Tag, jede Stunde" füreinander bestimmt sind und es doch so gründlich vergeigen, auch sofort verfallen." -- Angela Wittmann, BRIGITTE

"Wie Nataša Dragnic über zwei Menschen schreibt, die aus demselben Fischerdorf stammen, ist so erfrischend, dass Verleger in aller Welt "Jeden Tag, jede Stunde" haben wollten - bevor das Buch überhaupt irgendwo erschienen war." -- BRIGITTE Woman

"Jede Liebesgeschichte ist etwas ganz besonderes und einmaliges. In der Literatur schaffen es aber nur manche in die Kategorie "Wunderbare Liebesgeschichte" zu kommen. Der neue Roman von Nataša Dragnic ist ein Kandidat für diese Kategorie. Eine große Liebesgeschichte vom Kindergarten bis zu den eigenen Kindern." -- HR 1


Produktinformation

  • Verlag: Dva
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 278 S. 205 mm
  • Seitenzahl: 278
  • Deutsch
  • Abmessung: 207mm x 136mm x 27mm
  • Gewicht: 413g
  • ISBN-13: 9783421045164
  • ISBN-10: 342104516X
  • Best.Nr.: 32549374
"Dieses Buch haut einfach alle um - Ich bin der Liebensgeschichte zwischen Dora und Luka, die eigentlich "Jeden Tag, jede Stunde" füreinander bestimmt sind und es doch so gründlich vergeigen, auch sofort verfallen." -- Angela Wittmann, BRIGITTE<br/><br/>"Jede Liebesgeschichte ist etwas ganz besonderes und einmaliges. In der Literatur schaffen es aber nur manche in die Kategorie "Wunderbare Liebesgeschichte" zu kommen. Der neue Roman von Natasa Dragnic ist ein Kandidat für diese Kategorie. Eine große Liebesgeschichte vom Kindergarten bis zu den eigenen Kindern." -- HR 1<br/><br/>"Wie Natasa Dragnic über zwei Menschen schreibt, die aus demselben Fischerdorf stammen, ist so erfrischend, dass Verleger in aller Welt "Jeden Tag, jede Stunde" haben wollten - bevor das Buch überhaupt irgendwo erschienen war." -- BRIGITTE Woman

"Dieses Buch haut einfach alle um - Ich bin der Liebensgeschichte zwischen Dora und Luka, die eigentlich "Jeden Tag, jede Stunde" füreinander bestimmt sind und es doch so gründlich vergeigen, auch sofort verfallen." Angela Wittmann, BRIGITTE

»Ein deutscher Debütroman einer gebürtigen Kroatin, um den sich internationale Verlage reißen. Ein Phänomen auf dem Buchmarkt und eine echte literarische Entdeckung.«

»Jede Liebesgeschichte ist etwas ganz besonderes und einmaliges. In der Literatur schaffen es aber nur manche in die Kategorie "Wunderbare Liebesgeschichte" zu kommen. Der neue Roman von NataSa Dragnic ist ein Kandidat für diese Kategorie. Eine große Liebesgeschichte vom Kindergarten bis zu den eigenen Kindern.«
Natasa Dragnic wurde 1965 in Split, Kroatien, geboren. Nach dem Germanistik- und Romanistikstudium in Zagreb schloss sie eine Diplomatenausbildung ab. Seit 1994 lebt sie in Erlangen und ist als freiberufliche Fremdsprachen- und Literaturdozentin tätig.

Leseprobe zu "Jeden Tag, jede Stunde" von Natasa Dragnic

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Leseprobe zu "Jeden Tag, jede Stunde" von Natasa Dragnic

"Es ist schwer zu glauben."

"Was?"

"Dass ich hier bin."

"Warum?"

"Nach so vielen Jahren."

"Es ist schön."

"Wie wenn man nach einer langen Reise wieder im eigenen Bett schläft."

"Ich weiß."

"Wenn man einen Geschmack aus der Kindheit wiederentdeckt."

"Einen runden weißen Lutscher."

"Mit einer Figur in der Mitte."

"Und einem farbigen Rand."

Ein Wasserfall der Erinnerungen. Ein kleines Hotelzimmer in der Sommerhitze. Pinienbäume, die den rettenden Schatten schenken. Zu viel Licht. Wenn man Geheimnisse hat. Wenn man ungestört sein möchte. Wenn jeder andere Mensch einer zu viel ist. Wenn man in der Dämmerung besser zurechtkommt. Wenn man vom Bett aus jede Zimmerecke berühren kann.

"Hier hat sich kaum was verändert."

"Findest du?"

"Ich habe dich noch vor Augen." "Aber ohne graue Haare und ohne Stock."

"Wie geht es dir?"

"Die Albträume kommen nur noch selten."

"Gut so."

"Ja."

"Warum lächelst du?"

"Ich habe dich auch noch vor Augen."

Eine schöne, junge Frau. Am Empfang. In einem engen dunkelblauen Kleid. Flache weiße Sandalen. Zwei große Koffer. Eine weiße Handtasche. Finger voller Ringe. Langes lockiges Haar. Verspielt. In den Augen. Sie pustet es immer wieder weg. Blau-weiße Ohrringe. Ein schmales Gesicht. Volle Lippen. Eine breite Nase. Große dunkle Augen. Ungeduldige Hände. Eine elegante Armbanduhr.

"Ich habe meine Arbeit vergessen."

"Wann?"

"Als du in das Foyer kamst."

"Wann?"

"Damals. Erinnerst du dich noch?"

"Ich muss mich nicht erinnern."

"Dich zu sehen ist "^ wie ein Traum."

"^ wie Weihnachten."

"Und Ostern."

"Und Geburtstag."

"Und Frühlingsanfang."

"Zusammen."

Ihre Körper nebeneinander. Verschwitzt. Müde. Hungrig. Nimmersatt. Glücklich. Auf den nassen Bettlaken. Die Hand auf dem Bauch. Der Fingernagel im Oberarm. Der Mund auf der Brust. Das Bein um die Hüfte. Seine grünen Augen.

"Hast du an mich gedacht?"

"Wie viele Male, Liebste, liebte ich dich blinden Auges, und war meine Erinnerung /ohne deinen Blick zu kennen, ohne dich anzusehn."

"Fast hätte ich es vergessen." "Was?"

"Deinen Neruda."

"Ich habe mir vorgestellt "Was?"

"Das Leben mit dir."

"Für immer und ewig." "Und?"

"Es war voller Wunder."

Das winzige Hotelzimmer. Wie eine ganze Welt. Wie ein ganzes Leben. Grenzenlos. Endlos. Unendlich. Wie die Tiefe der Ozeane. Unerforscht. Geheimnisvoll. Beängstigend. Unwiderstehlich. Faszinierend. Wie die Zahl der Sterne. Unbekannt. Unheimlich. Unzerstörbar. Unsterblich. "Wie geht es deiner Tochter?" "Ich habe zwei." "Gratuliere." "Danke." "Ich danke dir." "Warum?" "Einfach so." "Warum?" "Vergiss es."

"Ich will nicht vergessen." "Wenn du meinst." "Hast du Kinder?"

"Einen Sohn."

"Wie alt?"

"Siebzehn."

"Siebzehn?"

"Ja."

"Ich frage mich "Was?"

"Einen Sohn also."

"Ja."

"Ich liebe dich nur dich immer dich mein ganzes leben lang du bist meine luft mein herzschlag du bist in mir unendlich das meer das ich sehe bist du die fische die ich fange hast du in mein netz gelockt du bist mein tag und meine nacht und der asphalt unter meinen schuhen und die krawatte um meinen hals und die haut an meinem körper und die knochen unter meiner haut und mein boot und mein frühstück und mein wein und meine freunde und der morgenkaffee und meine bilder und meine bilder und meine frau in meinem herzen und meine frau meine frau meine frau "Ich werde jetzt gehen."

"Bitte nicht."

"Warum nicht?"

"Es ist gemein."

"Was?"

"Zu kommen und dann zu gehen."

"Ich habe keine Wahl."

"Man hat immer eine Wahl."

"Ausgerechnet du sagst das."

"Ich war schwach."

"Ja, das warst du." "Ich bin nie darüber hinweggekommen."

"Pech gehabt."

"Ich habe nie aufgehört, dich zu lieben."

"Ich glaube dir."

"Ich möchte, dass du hierbleibst."

"Es ist zu spät."

"Wer hat sich je geliebt wie wir?"

Es war einmal ein kleines Hotel am Meer, von Pinienbäumen vor dem kalten Nordwind geschützt. Die Südmauer schmeckte sogar im Winter nach Salz und Hitze. Große Fenster und Balkontüren spiegelten die Wellen. Das Meer, wie ein sternenvoller Nachthimmel, umarmte den kleinen Kieselstrand unterhalb des Hotels. Wo alles begonnen hatte. Und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie immer noch da. Wo alles enden sollte.

"Sieh mal, die Wolken!"

"Weißt du noch?"

"Und du?"

1 Luka erblickt die Welt mit einem leisen, halbherzigen Schrei und wird dann ganz still, als er das Wasser auf seiner Haut spürt. Man schreibt das Jahr 1959 in Makarska, einer kleinen ruhigen Hafenstadt in Kroatien. Die Hebamme Anka, die gleichzeitig auch die Nachbarin der Familie ist und somit nicht lange gebraucht hat, um auf die panischen Rufe des künftigen Vaters zu antworten, überprüft drei Mal, ob alles gesund und vollzählig ist, und denkt: Was für ein sonderbares Kind. Sie schüttelt leicht den Kopf. Was wird bloß aus ihm werden, so still und nachdenklich, als wäre er achtzig Jahre alt und hätte die Welt schon gesehen. Und doch blind wie ein Kätzchen. Lukas erschöpfte Mutter fragt besorgt, ob mit dem Kind auch bestimmt alles in Ordnung sei, warum es denn nicht mehr weine. Die Hebamme beruhigt sich selbst, indem sie Antica, der Mutter - mit der sie schon unzählige Liter starken türkischen Kaffee getrunken hat -, antwortet, alles sei bestens, sie solle sich jetzt erholen und schlafen und Kräfte sammeln für später, für ihren kleinen Sohn, ein großer Bursche sei das, man werde noch von ihm hören. Die Mutter verlangt nach ihm. Sie will ihn halten. Er heiße Luka, sagt sie stolz und ein wenig verlegen. Die Hebamme weiß das schon und nickt zustimmend, man könne es sofort erkennen, dass das hier ein richtiger Luka sei, und legt den stummen Jungen, dessen Augen weit geöffnet sind, als wären sie sein einziges Fenster zur Welt, in die Arme seiner Mutter. Ein blindes Kätzchen, denkt sie dabei wieder. Augenblicklich schlafen beide ein. Mutter und Sohn. Es ist ein warmer Novembertag. Windstill und heiter. Ein Winter, der noch kein Winter ist.

Luka ist drei Jahre alt. Sein Vater Zoran nimmt ihn zum ersten Mal mit zum Fischen. Er hat ein kleines Boot, das Luka sein Eigen nennt. Dann lächelt Zoran immer und zwinkert Lukas Mutter zu. Sie lächelt dann auch. Der Vater nimmt Lukas Hand in seine, und sie gehen zum Hafen. Mit der rechten Hand hält sich Luka an seinem Vater fest. In der linken Hand trägt er eine kleine Tasche, in der sich eine Menge Buntstifte und sein Malblock befinden. Luka malt und zeichnet sehr gerne. Nirgendwohin geht er ohne diese Tasche. Heute will er vor allem fischen. Aber auch malen. Unterwegs begegnen sie vielen Menschen. Auf dem Kacic-Platz: Alle begrüßen sie, alle kennen sie und lächeln Luka an und fragen ihn, was er denn vorhabe. Luka kann vor Stolz kaum reden. "Fischen", sagt er, zu laut, und versteckt die Maltasche hinter dem Rücken. Die Leute lachen. Einige wundern sich übertrieben, so ein kleiner Junge, das gehe doch nicht, das sei verboten. Luka schwankt zwischen Angst, man könnte es ihm verbieten, und Empörung darüber, dass man es wagt, die Entscheidung seines Vaters anzuzweifeln. Der macht aber nur ein ernstes Gesicht und drückt Lukas verschwitzte Hand: Alles ist in Ordnung, er muss sich keine Gedanken machen. Sie gehen weiter. Sie gehen immer weiter, die Riva entlang, wo Luka sich an der Meeresseite hält und ins Wasser schaut. Jeden Fisch begrüßt er mit einem leisen Aufschrei. Und so bis zum Boot. Es ist kein langer Weg für den Vater, aber für einen Dreijährigen ist es ein großer Ausflug. Die linke Hand tut ihm schon weh. Die Tasche ist schwer. So viele Stifte! Das Boot liegt ruhig zwischen anderen, genauso kleinen Booten. MA 38. Das Kennzeichen in roter Farbe. Fast alle Boote sind weiß mit einem dünnen blauen Strich rundherum. Oder sie sind ganz weiß. Luka kann schon das Boot seines Vaters erkennen. Er war schon Millionen Mal auf diesem Boot. Vielleicht sogar öfter. Nur fischen war er noch nie. Luka liebt das Meer und das Boot über alles. "Wenn ich groß bin, werde ich Seemann", sagt er. Oder Fischer. Der Vater steigt leichtfüßig ins Boot. Er hebt Luka hoch über das Meer und stellt ihn neben sich ab. Das Boot ist zwar nicht groß, aber es hat eine kleine Kabine. Luka setzt sich. Er sieht seinem Vater dabei zu, wie er das Boot geschickt aus dem Hafen steuert. Luka wird einmal auch so wie sein Vater sein. Sie fahren Richtung offenes Meer. Zwischen den Halbinseln Sv. Petar und Osejava hindurch. Am Ende des Meeres, von dem aus er immer noch die übrig gebliebenen Steine der Kapelle Sv. Petar sehen kann - das war das Erdbeben, es war schlimm, das ganze Haus hat gezittert und Mama hat geweint und Papa hat sie alle in den Keller gebracht, und es hat lange gedauert, länger als irgendetwas, das Luka kennt, und er hatte Angst, große Angst, aber sie haben es geschafft, und es ist nichts passiert, nur seine Kuscheltiere sind durcheinandergekommen, Papa hat sich um alles gekümmert -, schaltet der Vater den Motor aus. Das Boot treibt auf dem Wasser. "Wie heißt die Insel dort drüben?", fragt Zoran. Luka mag dieses Spiel. Er ist gut darin. "Brac", sagt er. Lukas Stimme zittert, obwohl er sich seiner Sache sicher ist. "Gut, und dahinter?" "Far", sagt Luka schnell. Der Vater lächelt. "Ja, fast richtig. Hvar heißt sie.

Aber das ist ein schwieriges Wort, manchmal kann nicht einmal ich es aussprechen." Luka ist nachdenklich, er hofft, er hat nichts vermasselt. Der Vater holt die Angelrute. Also alles in Ordnung. Luka muss vor Aufregung ständig schlucken. Er lehnt sich über den Rand und sucht nach den Fischen. Er ruft ihnen zu, sie sollten sich beeilen, sich bereithalten, er komme. Er taucht seine kleine Hand ins Meer hinein. "Hier, hier, kleine Fischlein", flüstert er. Dann hebt er den Blick und begegnet den Augen seines Vaters. Heute ist der schönste Tag meines Lebens, denkt Luka und macht die Augen zu. Meeresbewohner knabbern an seinen Fingern.

Während Lukas Hand die Fische im Meer herausfordert, erblickt Dora die Welt mit einem Schrei, der so schrill ist, dass die Hebamme Anka lachen muss. Man schreibt das Jahr 1962 im Entbindungsraum des Krankenhauses im Franziskanerkloster. So ein starkes, kräftiges Mädchen, sagt Anka. Die Mutter Helena ist erschöpft und kann nichts sagen. Lächeln kann sie auch nicht. Sie kann nur daran denken, dass es endlich vorbei ist. Endlich. Das erste und das letzte Kind, denkt sie. Sie schließt die Augen und schläft ein. Doras lauter Widerstand stört sie dabei nicht. Die Hebamme bewundert die Kraft dieses winzigen Wesens. Sie blickt Dora liebevoll an. Sie streichelt ihr Köpfchen und ihr zitterndes Körperchen. Die Hebamme ist alt - obwohl: Verglichen mit diesem Wesen ist jeder alt - und hat viel Erfahrung. Sie hat unzählige Kinder entbunden. Sie hat sie alle gesehen. Aber dieses Mädchen! Unermüdlich ohrenbetäubend schreiend, schleicht es sich in ihr Herz hinein. Ohne sich zu verirren. Ohne Umwege. Die Hebamme spürt leise Tränen aufkommen. Sie hat keine eigenen Kinder. Sie hat nie geheiratet. Ihr Verlobter ist im Krieg gefallen. Von Italienern erschossen. Danach hat es keinen Mann mehr für sie gegeben. So ist es damals gewesen. Und jetzt, seit dem großen Erdbeben im Januar, bei dem von ihrem Häuschen nur die Westwand geblieben ist, muss sie auch noch bei ihrer jüngeren Schwester wohnen und deren Mann ertragen, der zu oft betrunken ist und so gerne Witze über ihr Alleinleben macht. Gemeine, anstandslose Witze. Sie krümmt ihren Zeigefinger und berührt mit dem Knöchel den kleinen, runden Mund des Mädchens. Überrascht und abgelenkt verstummt es, und seine fast blinden Augen finden die der Hebamme und bleiben an ihnen haften. Dora wird es heißen, aber das ist ja schon bekannt.

Dora ist zwei Jahre alt und ein lebhaftes Mädchen. Ihre Mutter sagt, sie sei wild. Dora versteht das nicht, es ist ihr aber auch egal. Denn ihre Mutter lächelt dabei. Und ihr Vater setzt sie sich auf die Schultern und läuft mit ihr herum, als wäre er ihr Pferdchen. "Dora lacht, und die ganze Stadt bebt", sagt die Mutter. Dora spricht mit zwei Jahren wie kein anderes Kind. So als wäre sie schon fünf. "Und sie versteht auch alles", sagt ihre Mutter nicht ohne Stolz. Dora kann von nichts genug haben. Sie muss alles anfassen, alles sehen, überall hingehen. Auf der Straße, in der Kalalarga, auf der Riva, der Uferpromenade oder auf dem Kacic-Platz ruft sie jedem Vorbeieilenden etwas zu, und der Vorbeieilende, die Eile vergessend, bleibt stehen, lächelt sie an, wenn auch unsicher oder verwundert, und grüßt sie oder antwortet ihr. Dora ist sehr sicher auf den Beinen, sie fällt nie hin, aber sie rennt auch nicht, sie läuft einfach nur sehr schnell. Ihre Schritte sind lang, es sieht merkwürdig, manchmal sogar komisch aus, wenn man sie dabei beobachtet. Springen will Dora auch nicht. Sie steigt von einer Mauer mit einem Schritt ins Leere. "Hast du Angst?", fragt die Mutter. Dora weicht ihrem Blick aus und antwortet nicht. Und springt nicht.

Luka ist fünf Jahre alt und bekommt eine Schwester. Sie heißt Ana und ist winzig und weint viel, und seine Mutter kann sich kaum auf den Beinen halten, und sein Vater arbeitet mehr denn je, und Luka sieht ihn immer seltener, und er muss unglaublich viel malen, im ganzen Haus hängen seine Bilder. Er geht jetzt in den Kindergarten, obwohl seine Mutter nicht arbeitet, und die anderen Kinder sind manchmal sehr gemein zu ihm, sodass er auf die Toilette geht und dort weint und malt, wo niemand ihn sieht, auch nicht Tante Vera, die sich eigentlich um alle Kinder kümmert, ihn aber besonders lieb hat. Sie fährt ihm oft mit der Hand über die Haare, lächelt ihn warm an oder zwinkert ihm zu und liest am häufigsten seine Lieblingsgeschichte vor, auch wenn die anderen Kinder schreien, die Geschichte sei langweilig und sie würden sie schon auswendig kennen. Eigentlich möchte Luka den ganzen Tag im Kindergarten bleiben und gar nicht mehr nach Hause gehen, wo diese blöde Schwester weint und Mama müde ist und Papa nicht da und ihm immer mehr zum Heulen ist, auch wenn er es unterdrückt und keiner es sieht. Und trotzdem ist er unglücklich und will, dass alles so ist wie früher, als sein Vater noch mit ihm angeln gegangen ist und sie mit dem Boot weit hinausgefahren sind und er die Fische malen und fangen konnte und sein Vater ihm lustige und manchmal schwierige Fragen gestellt hat, wie zum Beispiel, wenn eine weiße Kuh weiße Milch gibt, was für Milch gibt dann eine schwarze Kuh?, was natürlich keine einfache Frage ist, doch er hat alle Antworten gewusst. Und manchmal sind sie bis nach Sonnenuntergang geblieben, aber immer, immer haben sie viel Spaß miteinander gehabt.

Dora versteht es. Ihre Mutter spricht deutlich und langsam und ist traurig, und Dora versteht es. Aber Dora ist nicht traurig darüber, dass sie jetzt schon, mit zwei Jahren, drei Mal in der Woche in den Kindergarten gehen soll, denn Mama muss wieder arbeiten, und Dora hat keine Großeltern in der Nähe, die auf sie aufpassen könnten. Ihre Großeltern wohnen weit, weit weg. Dora hat sie schon oft besucht. In einer großen Stadt. "Der Hauptstadt, schlicht und ergreifend", sagt Mama; dann ärgert sich Papa und verbessert sie. Belgrad sei die Hauptstadt, Zagreb sei nur eine große Stadt. In Belgrad lebt auch der Präsident. Mama murmelt etwas vor sich hin. Dora sieht, dass sie nicht glücklich ist. Es ist nicht wegen des Präsidenten, den mag jeder, er ist immer von Kindern und Blumen umgeben, aber mit der Stadt, in der er lebt, ist Mama nicht glücklich. Deswegen sagt Dora, wenn sie mit Mama alleine ist: Wir fahren zu Oma und Opa in die Hauptstadt. Und Mama lächelt und sieht sich dabei schnell um. Zagreb. Sie mussten lange mit dem Auto fahren, um dorthin zu kommen. So lange, dass Dora mehrmals eingeschlafen ist. Dora erinnert sich an alles. Ihr Kopf ist voller Bilder, die riechen und sprechen und manchmal auch schmecken. Und sie kann sie alle in Worte fassen. "Das Mädchen hat ein Gedächtnis!", ruft die Mutter und kann es kaum glauben. "Wie ein Elefant", sagt der Vater und wundert sich. Ein merkwürdiges Kind, denken sich einige, sagen aber nichts. Dora macht sich keine Gedanken darüber. Sie steht manchmal lange vor dem Spiegel und beobachtet sich darin, ihr Gesicht, das sich so schnell verändert, als wären es hundert verschiedene, das gefällt ihr gut. So ist sie. Alles das ist sie. Und sie freut sich auf die Kinder im Kindergarten, die sie noch nie gesehen hat. Auf das Spielzeug auch. Sie hat keine Angst. "Für Dora ist das ganze Leben ein Abenteuer", sagt ihre Mutter immer und hebt die Augenbrauen, was sehr lustig aussieht, sodass Dora lachen muss. Und Papa liest die Zeitung.

Luka sieht das neue Mädchen, das gerade hereinkommt. Sein schwarzes Haar, lang und wellig. Und glänzend. Wie der Schuppenpanzer eines Fisches. Es ist klein und dünn und schnell und jünger als alle anderen Kinder im Kindergarten, und er kann die Augen nicht von ihm abwenden. Die Mutter des Mädchens trägt seine Tasche, die weiß und blau gestreift ist. Mit einem großen gelben Fisch in der Mitte. Sie gefällt Luka sehr, diese Tasche. Auch wenn er den Fisch nicht erkennen kann. Er selbst hat einen schwarzen Rucksack, den er sich nicht selbst aussuchen konnte und den er schon einmal mit der Schere angegriffen hat, um einen neuen zu bekommen. Aber es hat nicht geklappt, es ist nur noch schlimmer geworden. Jetzt ist der Rucksack hässlich und kaputt. Deswegen versteckt Luka ihn in einer Plastiktüte und trägt die Tüte mit sich herum. Und niemand merkt es. Wenn er doch nur so eine tolle Tasche hätte wie das neue Mädchen! Er sieht sich schon mit dieser Supertasche herumlaufen, sein Malzeug und Malheft darin, von allen bewundert und beneidet. Stolz überquert er den Kacic-Platz, langsam schreitet er auf die Marineta zu, wo alle Leute sich versammeln, um ihn und seine neue Supertasche zu sehen. Keiner kann die Augen von ihm abwenden! Vielleicht würde Mama dann wieder lächeln und Papa einen Kuss geben, so wie früher, sie würde Papas Namen leise aussprechen, mehrmals würde sie ihn sagen - Zoran, Zoran, Zoran, Luka kann es schon hören -, und Papa würde zufrieden schmunzeln und mit Luka fischen gehen. Ja, sicher würde er das machen und ihm ganz schwierige Fragen stellen wie zum Beispiel, wenn Mama und Papa weiß sind, aber das Kind in Afrika geboren wird, welche Hautfarbe wird es dann haben?, was eine schwierige Frage ist, aber das ist egal, er kennt alle Antworten. Wenn er nur so eine Tasche hätte! Wie das neue Mädchen. Er kann die Augen nicht abwenden von ihr!

Dora betritt erwartungsvoll den Kindergarten und sieht sich um. Ein großer Junge steht neben dem Bücherregal und beobachtet sie. Dora stört das nicht. Sie zieht ihre Jacke aus. Sie will nicht, dass Mama ihr hilft, solange der große Junge sie beobachtet. Vielleicht ist das so im Kindergarten. Vielleicht muss einer so den ganzen Tag stehen und andere Kinder beobachten, vielleicht ist das ein ganz tolles Spiel. Dora kann es kaum erwarten, mitspielen zu dürfen. Die Schuhe will sie sich auch alleine ausziehen. "Was ist denn, Dorice", wundert sich Mama. Mama versteht es nicht. Sie weiß nicht, dass das ein ganz tolles, neues Spiel ist und dass der Junge sie beobachtet und dass sie tapfer sein muss, wenn sie mitspielen will, und sie will unbedingt auch so unbeweglich am Regal mit den Bilderbüchern stehen dürfen, oh ja, das will sie auf jeden Fall. Also schüttelt Dora den Kopf und sagt nichts. Denn ihr Kopf fühlt sich plötzlich so schwammig an und voll und leer und aufgeblasen wie ein Luftballon und heiß und leicht und zittrig und durchsichtig. Sie schließt die Augen.

Ihr linker Fuß ist schuhlos. So bleibt sie sitzen. "Was hast du denn, zlato moje", fragt die Mutter noch einmal. Dora sieht sie an. Gleich wird Mama anfangen zu weinen. Moja Dorice!

Luka bewegt sich nicht. Er lehnt sich an das große Bücherregal und hält die Luft an. Er hat Angst, die Tasche könnte verschwinden, wenn er die Muskeln entspannt und einatmet. Er fixiert die Tasche, bis es wehtut und seine Augen anfangen zu tränen. Er zählt: Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben. Dann löst sich seine Welt in nichts auf, und er gleitet zu Boden. Alles ist still um ihn. Er verschwindet nach und nach. Wie die Bilder eines Buches, dessen Seiten er ganz langsam loslässt.

Dora ist die Erste, die bei dem ohnmächtigen Jungen ankommt. Sie geht in die Hocke, wird winziger als winzig. Ihre Augen weiten sich, bis ihr Gesicht, das blasser wird als blass, nur noch aus Augen zu bestehen scheint. Sie beugt ihren Kopf über den des Jungen, und bevor die Frau, die sich auf seiner anderen Seite niederkniet und seine Beine hochhebt, sie wegschicken oder ihr zuvorkommen kann, küsst Dora ihn auf den hellroten Mund. "Dora!", ruft ihre Mutter entsetzt. Keine Zeit für Kosenamen!

Luka hört eine leise Stimme an seinem Gesicht: "Du bist mein Dornröschen, nur mein, wach auf, mein Prinz, du bist mein Prinz, nur mein.." Dann kommen ihm auch andere Stimmen und Worte zu Ohren, und verwirrt und schwach macht er die Augen auf und...

Sie sieht seine Augen, die sich langsam öffnen, seinen verstörten Blick, seine Lippen, die sich lautlos bewegen... aber er kann nichts sagen, also lächelt er schwach und sie lächelt auch und...

Leseprobe zu "Jeden Tag, jede Stunde" von Natasa Dragnic

12 (S. 76-77)

Luka verbringt drei Monate bei Dora in Paris. »Ich will nicht gehen«, sagt Luka am Morgen danach. Dora liegt in seinen Armen. Die Welt ist mehr als in Ordnung. »Du darfst nie mehr weggehen.« Doras Stimme ist verträumt und endet irgendwo an seiner Schulter. »Ich bin noch nie weggegangen.« »Das eine Mal zählt nicht, ich war noch ein Kind und hatte keine Wahl.« Es könnte sein, dass sie gleich einschlafen wird. »Vielleicht, aber trotzdem bin ich geblieben, und du warst fort, und das soll nie wieder vorkommen.«

»Gut, abgemacht. Und es soll auch nie vorkommen, dass du weggehst, auch wenn du noch nie weggegangen bist.« Sie ist kaum zu hören. »Einverstanden.« »Wunderbar.« »Und wie machen wir das? Was machen wir jetzt?« Seine Stimme ist viel wacher als ihre. »Schlafen.« Gesagt, getan.  Luka wohnt bei Dora. »Deine Wohnung gefällt mir, so groß und warm. Und es riecht so gut hier.« Luka läuft herum, Hände in den Hosentaschen, berührt alles mit seinem Blick. »Das bin ich, es riecht hier nach mir. Nach mir mit dir.« Dora folgt ihm, Hände in den Hosentaschen. Seinen. »Aber groß? Ist doch nur eine Studentenbude.« Luka lacht. »Was ist?«

»Du hast keine Ahnung, was eine Studentenbude ist und wie viele Leute in so einer Bude wohnen können.« Er dreht sich um, sieht sie an, und seine Augen sind voller Zärtlichkeit. Bewunderung sogar. Als wäre ihre Ahnungslosigkeit etwas Wertvolles und Einmaliges.  Luka schläft in Doras Bett. Das Bett ist ein echtes französisches für eineinhalb Personen.

Das hat Luka nie verstanden: Was heißt eineinhalb, was soll das für eine Person sein?! Aber es ist gemütlich, und sie haben keine Chance, sich nicht die ganze Nacht zu berühren. »Ich habe noch nie mit jemandem so einschlafen können, umarmt und festgehalten. Ich konnte es nie haben, den Atem eines anderen am Hals zu spüren.« »Du bist eben ein neuer Mensch geworden, und zwar in Rekordzeit.« Sie lächelt und küsst ihn. »Nein, ich bin endlich der Alte geworden, der, der ich schon immer war. Aber ohne dich …«

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Kundenbewertungen zu "Jeden Tag, jede Stunde" von "Natasa Dragnic"

14 Kundenbewertungen (Durchschnitt 3.9 von 5 Sterne bei 14 Bewertungen ***** sehr gut)
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Bewertung von Marie1 aus der Nähe von Stutgart am 11.09.2011 ***** gut
Als großer Kroatien-Fan hatte ich mich sehr auf dieses Buch gefreut.

Die tiefe Freundschaft der Kinder Luca und Dora ließen auf sehr viel Gefühl schließen. Die Geschichte der beiden ist auch einerseits wunderschön, aber andererseits auch tieftraurig.

Die Landschaft rund um das wunderschöne Makarska wird wunderbar beschrieben und man kann sich das tiefblaue Meer sehr gut vorstellen. Wenn man diese Gegend kennt, kann man sich auf jeden Fall besser mit der Geschichte an sich identifizieren! Trotz wunderschön geschriebener Passagen fällt es einem aber auch manchmal sehr schwer, dem Ganzen zu folgen. Zwischendurch war ich manchmal tatsächlich versucht, das Buch beiseite zu legen, habe aber dann immer wieder "weitergekämpft" Und es hat sich eigentlich letztendlich doch gelohnt. Der Schluß ist dann auch dementsprechend überraschend!

Fazit: Das Buch ist eigentlich ganz gut zu lesen. Für 19,99 Euro würde ich es mir aber auf keinen Fall kaufen!!!

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Bewertung von bookorpc aus Kumhausen am 05.06.2011 ***** sehr gut
Ihr erster Roman Jeden Tag, jede Stunde beginnt im Geburtsland der Autorin Natasa Dragnic Kroatien und in Paris.

Inhalt: Luka und Dora lernen sich im Kindergarten kennen und schon damals ist ihnen und auch allen anderen klar, ihre Freundschaft ist etwas besonderes. Sie teilen nicht nur das Geheimnis um den Felsen, an dem sie sich immer zum Wolken beobachten treffen, sondern auch das Dora Luka vor dem Luftanhalten und dadurch Ohnmächtig werden bewart. Ihre Unzertrennlichkeit wird durch den Umzug von Dora mit sechs Jahren in das ferne Paris zwar durchtrennt, nicht aber ihre Verbundenheit bzw. Liebe. Jahre später treffen sie sich wieder und sofort ist ihnen klar, das sie füreinander bestimmt sind. Leider ist das Schicksal andere Ansicht.

Meine Meinung: Eine interessante Liebesgeschichte, die durch ihre verzwickte Entwicklung und die ständigen Hürden nicht neu, aber doch lesenswert ist. Das Buch fängt mit einem Abstecher ans Ende der Geschichte an. Dieser wirft viele Fragen auf und ich fand es auch sehr verwirrend, dass ich das Buch im ersten Moment beiseite legen wollte. Im nachhinein bin ich froh, dass ich es nicht getan hab. Mit seinen 278 Seiten sollte es eigentlich gemütlicher Lesestoff für einige Abende sein, aber da die Dialoge teileweise die Seiten sehr leer erscheinen lassen, ist es doch schneller zu Ende als man meint.

Fazit: Eine nette Liebesgeschichte mit vielen Hürden und Hindernissen.

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Bewertung von MsBookeria am 22.05.2011 ***** ausgezeichnet
Bei „Jeden Tag, jede Stunde“ handelt es sich um eine Liebesgeschichte zwischen Luka und Dora. Schon unzertrennlich vereint seit dem Kindergarten werden sie bald auseinander gerissen, da Doras Eltern nach Paris ziehen. Beide haben keinen Kontakt mehr zueinander bis sie sich als Erwachsene auf einer Ausstellung in Paris wiedersehen, denn Luka ist ein erfolgreicher Maler geworden. Dora ist Schauspielerin im Theater und verlässt sofort den Mann, der ihr einen vor kurzen einen Heiratsantrag gemacht hat.

Die beiden verbringen 3 Monate miteinander in Paris, dann will Luka ein paar Dinge in Kroatien klären, um danach wieder zu Dora nach Paris zurückzukommen, denn für beide steht fest, dass sie ihr Leben miteinander verbringen wollen. Doch Luka kommt nicht zurück und meldet sich nicht bei ihr. Dora reist in ihr Heimatdorf und stellt dort fest, dass es nicht an der Liebe liegt, die nach wie vor zwischen ihnen vorhanden ist, sondern dass Luka aus Schuldgefühlen seine Ex-Freundin Klara geheiratet hat, welche bereits ein Baby von ihm erwartet.

Ihnen bleiben nun gute 2 Monate miteinander bis sie sich wieder trennen müssen und Dora zurück nach Paris geht…. Doch dies soll nicht ihr letztes Aufeinandertreffen sein, auch wenn einige Zeit vergehen wird und das Leben weitergeht.



Der Schreibstil der Autorin ist stellenweise durch sehr kurze Gedankenfetzten-artige und unvollständige Sätze geprägt, die ihren besonderen Stil ausmachen. Das ist bestimmt nicht jedermanns Sache, aber nach einer kurzen Einlesephase habe ich mich daran gewöhnt und finde auch, dass die Passagen mit diesen kurzen Sätzen eine gewisse Schnelligkeit in das Buch bringen und man das Gefühl bekommt, dass es voran geht, was meiner Meinung nach auch zum besseren Lesefluss beiträgt. Mir gefällt der Schreibstil von Natasa Dragnic. Eine Besonderheit ist noch, dass das Buch mit dem vorletzten Kapitel beginnt, also schon ungefähr weiß, wie es ausgehen wird.

Ich muss zugeben, ich konnte am Anfang nicht ganz nachvollziehen, wie diese beiden kleinen Kinder im Alter von wenigen Jahren durch nur einen Blick wissen sollen, dass sie für einander bestimmt sind als sie sich im Kindergarten das erste Mal sehen. Dieser Teil der Geschichte wirkt etwas weit hergeholt für mich, dennoch kann man als sie sich als Erwachsene wiedersehen die Anziehung zwischen ihnen wirklich spüren, hier geht das Schema dann doch auf.

Als danach Luka jedoch, der nie auch nur eine Sekunde an seiner einmaligen und einzigen wirklichen Liebe zu Dora zweifelt, beschließt nicht nach Paris zurückzukehren und Klara zu heiraten, kommt nur ein Gedanke auf: Warum macht er das? Die Situation scheint nicht so verworren zu sein, dass er sein Schicksal nicht hätte selbst steuern können, auch scheint er nicht so wirklich der Typ zu sein, der viele Schuldgefühle diesbezüglich zu haben scheint und sich deshalb unbedingt selbst bestrafen muss. Er wirkte immer sehr gleichgültig und abgeklärt allen seiner Freundinnen oder Bettgeschichten gegenüber, so dass dies kein sehr plausibler Grund für sein handeln darstellt. Daher kommt bei mir die Frage auf, ob er einfach den Weg des geringsten Widerstandes gewählt hat, was bedeutet, dass man an seiner enormen Liebe zu Dora doch zu zweifeln beginnt, oder aber er ist ein kompletter Feigling… Dora hingegen tut mir an dieser Stelle einfach nur Leid.

Insgesamt ist es eine schöne Liebesgeschichte voller Poesie und sehr gut geschrieben ohne als übertrieben kitschig zu wirken. Ich würde das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen und es hat mich bis zur letzten Seite gefesselt. Durch den Charakter von Luka ziehe ich in Gedanken einen Stern ab. Sonst ist noch kurz zu erwähnen, dass das Buchcover einfach wahnsinnig gut zu der Stimmung zu dem Buch passt und sehr gut ausgewählt wurde.

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Bewertung von Isegrimm am 26.04.2011 ***** weniger gut
Jeden Tag, jede Stunde würden Dora und Luka gerne miteinander verbringen, doch obwohl sie sich seit ihrer Kindheit lieben, reißt das Schicksal sie immer wieder auseinander. Glücklich jedoch können die beiden nur miteinander sein. Was Grundlage für einen wunderschönen Liebesroman sein könnte, wird dem Leser leider selbst auf 278 Seiten zu lang. Grund dafür ist der ungewöhnliche Stil der Autorin. Bei Dialogen ist oft nicht ersichtlich, wer was sagt, viele sehr kurze Sätze machen das Lesen anstrengend und schaffen eine Distanz zu den Hauptfiguren, die es schwer macht, die beiden zu verstehen, obwohl ihre Gefühlswelt immer wieder beschrieben wird. Aber was sagt es einem, dass Dora ganz schwindelig im Kopf ist, wenn sie eine Rolle gespielt hat und Luka es sich verbietet, Wolken anzusehen? Entwickeln sich die beiden überhaupt irgendann irgendwohin? Auch wenn Truffout erwähnt und Neruda teilweise zitiert wird, Dora und Luka scheinen als Erwachsene kaum kompliziertere Gedankengänge zu haben, als sie als kleine Kinder hatten. Mir sind die beiden zu meinem Bedauern nicht ans Herz gewachsen, ich hätte den Roman wirklich gerne gemocht.

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Bewertung von Nica aus Norddeutschland am 11.04.2011 ***** sehr gut
"Jeden Tag, jede Stunde" ist eines dieser Bücher, das man entweder mag - oder nicht. Ich gehöre eindeutig zu den Liebhabern diesers Buches, obwohl auch ich während des Lesens mir manchmal gerne die Haare gerauft hätte.

Denn seien wir ehrlich, insgesamt gesehen, ist die Story um Luka und Dora nicht wirklich neu. Das hat man schon öfters so gelesen. Trotzdem entfaltet dieses Buch einen Sog, dem ich mich schwer entziehen konnte. Das liegt am Schreibstil, der so wunderbar poetisch, luftig und einfach nur schön ist. Darum liest man dieses Buch auch so gerne, selbst wenn es vielleicht ein wenig zu klischeebehaftet ist und insofern den Leser nichts Neues erwartet. Aber der Schreibstil...das ist das schönste an diesem Buch. Das, und dieses bezaubernde Cover, dass die Stimmung des Buches so wunderbar einfängt. Na ja, und die tollen Zitate von Neruda. Ich kannte Pablo Neruda bis zu dieser Lektüre gar nicht und war absolut hingerissen, wie toll die Zitate passten und eingewebt waren in die Handlung.

Ich denke, viele werden an dem Schreibstil scheitern. Weil er eben anders ist und man sich darauf einlassen muss. Wenn man das aber tut, bekommt man eine tolle Geschichte, ich möchte nicht sagen, Liebesgeschichte, denn das ist sie in meinen Augen nicht. Ja, sie ist realistisch und sie ist auch schön, aber gleichzeitig so furchtbar dramatisch und wie gesagt, ich hätte die Charaktere, besonders Luka, einfach manchmal nur schütteln mögen. Er hätte alles haben können, wenn er einfach nur mal den Mund aufgetan hätte. Daher ist es eine Geschichte mit Liebe, die aber deutlich Obsessionscharakter hat.

Am Ende ist man sich als Leser nicht sicher, wie es ausgehen soll. Das Ende ist offen. Man ist selbst zerrissen. Das Zitat "wie zwei tragische Figuren bei Shakespeare" hat für mich wunderbar den Roman resümiert und passt einfach nur hervorragend.

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Bewertung von Nefret am 18.03.2011 ***** weniger gut
Als Kinder sind Dora und Luka unzertrennlich. Dann zieht Dora um und es dauert 16 Jahre, bis die beiden sich wieder sehen. Es ist die große Liebe. Bis Luka heim reist und sich plötzlich nicht mehr meldet.

Natasa Dragnics Buch handelt von der Seelenverwandtschaft zweier Menschen, die immer wieder vom Schicksal getrennt werden, aber doch immer wieder aufeinander treffen.

Ich muss gestehen, dass mich dieses Buch weder besonders gefesselt, noch besonders berührt hat. Zum einen lag es daran, dass mir der Schreibstil der Autorin nicht besonders lag. Die kurzen, abgehackten Sätze führten dazu, dass die Handlung eher gehetzt wirkte und ich immer eine gewisse Distanz zu den Protagonisten hatte. Ich konnte nicht nachempfinden, warum Dora und Luka Seelenverwandte seien sollen und nicht ohne einander können. Selbst ihre Verzweiflung ließ mich kalt. Hinzu kommt, dass mir Luka aufgrund seiner egoistischen Haltung im Laufe der Geschichte immer unsympathischer wurde.

Ich hatte mir von diesem Buch mehr erhofft.

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Bewertung von Julz aus Hildesheim am 16.03.2011 ***** ausgezeichnet
Bereits die Leseprobe zu dem Roman ,Jeden Tag, jede Stunde' hat mich an die Geschichte gefesselt. Die Geschichte dreht sich um Luka und Dora, die sich im Kindergarten kennenlernen und sich ineinander ,verlieben'. Besonders Dora ist von der Zusammengehörigkeit zu Luka überzeugt - für sie gibt es niemanden anderes. Als sie erfährt, dass ihre Familie nach Frankreich gehen wird, ist sie unbeschreiblich traurig. Für sie stirbt ein Teil ihrer Seele.

Als sie einander viele Jahre später in Paris wiedertreffen, ist Dora überglücklich und kann es kaum fassen: Die Liebesgeschichte, die in ihrer Kindheit zwanghaft beendet worden ist, kann wietergehen, glaubt sie. Doch alles kommt ganz anders... Luka entschwindet immer wieder aus ihren Händen und ihrem Blick.

Ich muss sagen, dass mich der Roman nicht enttäuscht hat; zwar glaube ich nicht, dass jemand in dem Kindesalter, in dem die beiden von einander getrennt worden sind, verstehen, was wahre Liebe ist und ihre Gedanken sich nur um den anderen drehen, aber für einen Roman würde ich es durchgehen lassen. Sprachlich war der Roman sehr fesselnd, lebendig und gut geschrieben. Ich habe mich immer neben den Protagonisten gefühlt und ihre Gedanken mitangehört, was die Autorin sehr geschickt gestaltet hat. Die Geschichte ist zwar nicht immer realistisch, was ein Liebesroman selten ist, aber er erlaubt das Träumen und entführt den Leser in eine andere Welt .

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Bewertung von Stina am 14.03.2011 ***** ausgezeichnet
Natasa Dragnic hat mit dem Roman "Jeden Tag, jede Stunde" die Gefühlvolle Geschichte von Dora und Luca beschrieben. Zwei Menschen, die bereits als Kinder wissen, dass sie für einander bestimmt sind. Immer wieder werden in ihrem Leben aber Entscheidungen getroffen, die ihren Wüschen Steine in den Weg legen.

Die Geschichte ist so mitreißend geschrieben, dass man meint, die Emotionen und Ereignisse selbst zu erleben. Man spürt die Freude, die Liebe, die Trauer und auch den Hass den die Protagonisten im Laufe ihres Lebens empfinden. Es ist ein wirklich gelungenes Werk und ein Verlust für jeden, der versäumt es zu lesen.

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Bewertung von Nina am 11.03.2011 ***** gut
Der Roman liest sich ausgesprochen schnell, in zwei Tagen war ich durch.

"Jeden Tag, jede Stunde" beschreibt eine große Liebe, eine Lebensliebe.

Sprachlich ist das Buch recht poetisch geschrieben.
Allerdings bewirkt der stets gleichbleibend - poetische Ton der Autorin auch eine gewisse Gleichmütigkeit, es gibt keinen dramatische Steigerung m Roman.

Zum Inhalt:

Luka und Dora werden beide in Makarska, einer Stadt in Dalmatien, geboren und sind erst einmal beste Freunde. Aus der Freundschaft von Kindern wird eine tiefe Liebe.

Ich fand das Buch unterhaltsam, mehr als eine zauberhafte Liebesgeschichte darf man aber nicht unbedingt erwarten.
Keine Gesellschaftskritik - so wird der Sozialismus nur tangiert, der Krieg in den neunziger Jahren wird erwähnt, aber nicht zentral thematisiert. Zu den Figuren; Luka ist still, introvertiert, ein bisschen neurotisch - ein Künstler! Ein Maler. Dora ist laut, impulsiv - eine Künstlerin! Eine Schauspielerin,um genau zu sein.
Doras Familie zieht nach Paris, welches fast als Parisklischee beschrieben wird, alles ist herrlich.
Luka bleibt zurück, aber die Wege der beiden kreuzen sich wieder, obwohl auch andere Partner da sind. Etwa Lukas spätere Frau Klara,welche als egoistisch beschrieben wird.
Dora wird also Lukas Geliebte, Luka kann sich nicht trennen und bleibt aus Pflichtgefühl bei Klara und seiner Tochter Katja. Dora heiratet später einen Franzosen - bekommt aber trotzdem ein Kind von Luka. Doras Eltern feiern dies mit Sekt im Krankenhaus und finden nichts dabei.

Dora und Luka altern, aber ihre Liebe nicht. Im Roman wird vor allem die mediterrane Schönheit Dalmatiens gut beschrieben.Die Figuren bleiben jedoch einigermassen statisch und entwickeln sich nicht.

Grosse Katastrophen und großer Erfolg sind dabei - etwa der Suizid von Lukas Mutter oder Doras Triumph am Theater. Luka rezitiert Neruda, Dora will auch die Übersetzung - Liebeslyrik steht für das Drama des Getrenntseins, aber es nervt.
Ich hätte mir mehr Tiefe im Roman gewünscht- Leidenschaft, wenn es um Leidenschaft geht. Trauer, wenn es um Trauer geht. Es gibt nicht viel Action im Roman, aber das passt auch zu einem Liebesroman.

Schön finde ich aber, dass Luka & Dora noch als älteres Paar attraktiv sind.
Der Roman ist etwas für Leute, die ein Buch zum Thema "amour fou" suchen.

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Bewertung von leflole aus Isny am 04.03.2011 ***** ausgezeichnet
Die Story:

Die Geschichte beginnt in den Sechzigerjahren in Makarska, einer kleinen kroatischen Küstenstadt. Es wird zuerst beschrieben, wie und in welche Familien die Protagonisten Luka und Dora hineingeboren werden. Danach beginnt die eigentliche Geschichte richtig…

Luka ist ein außergewöhnlicher Junge, etwas still und im Abseits, beginnt er schon als kleines Kind die schönsten Bilder zu malen, ein richtiger Künstler.
Eines Tages im Kindergarten steht er wieder am Rande des Geschehens und beobachtet die anderen, als ein kleines Mädchen mit einer nagelneuen, sehr schönen Tasche in den Kindergarten kommt. Es ist Doras erster Tag im Kindergarten, denn sie ist 3 Jahre jünger als Luka.

Luka ist so fasziniert von Doras Tasche, dass er vergisst zu atmen und in Ohnmacht fällt! Keiner beachtet ihn – aber Dora sieht es und stürzt zu ihm. Sie küsst ihn auf den Mund und flüstert ihm sanft zu: „Du bist mein Dornröschen, nur mein, wach auf, mein Prinz, du bist mein Prinz, nur mein…“ und er macht die Augen auf…

Von diesem Tag an sind die Beiden unzertrennlich und verbringen soviel Zeit wie möglich miteinander – bis Dora ein paar Jahre später mit ihrer Familie nach Paris zieht! Für Luka bricht eine Welt zusammen und Dora verdrängt die Erinnerungen total, denn es schmerzt zu sehr!

16 Jahre später geht Dora mit ihrem Freund zu einer Vernissage. Als sie den Raum betritt starrt sie ein junger Mann an und fällt in Ohnmacht – Luka! Sie geht zu ihm, küsst ihn auf den Mund und flüstert ihm zu: „Du bist mein Dornröschen, nur mein, wach auf, mein Prinz, du bist mein Prinz, nur mein…“ und er macht die Augen auf…

Endlich haben sie sich wieder gefunden, doch das Schicksal hat tragische Pläne geschmiedet…


Meine Meinung:

Die fast 300 Seiten des Buches sind gefüllt mit einer herzerwärmenden, romantischen Liebesgeschichte die durch tragische Umstände immer wieder Steine in den Weg gelegt bekommt!

Ich habe das Buch sehr zügig und flüssig gelesen, einzig die vielen ungewöhnlichen Namen fand ich etwas kompliziert. Aber trotzdem war es kein Problem, dem Verlauf der Story zu folgen. Man kam schnell wieder dahinter, wer wer war und wo welcher Ort ist… auch nach einer Pause.

Die Geschichte wurde mit sehr viel Gefühl geschrieben, man konnte beim Lesen einfach mitfühlen… Die Details wurden sehr gut beschrieben, sodass man ein schönes Bild der Orte und Personen vor Augen hatte.

Mir gefielen auch die poetischen Einwürfe an manchen Stellen, das vertieft einfach die romantischen Begebenheiten noch sehr.

Auch wenn vieles sehr unrealistisch ist – mir gefällt dieses Buch mit seiner gefühlvollen Geschichte sehr gut und ich kann mir gut vorstellen, noch mehr Bücher dieser Autorin zu lesen.

Meine vollste Empfehlung für Liebhaber von Liebesgeschichten…

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