Jahrbuch Hochtaunuskreis 2009 - Hochtaunuskreis
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Produktbeschreibung

  • Produktdetails
  • Verlag: Societäts-Verlag
  • Seitenzahl: 240
  • Gewicht: 740g
  • ISBN-13: 9783797311108
  • ISBN-10: 3797311109
  • Best.Nr.: 23799231

Rezensionen

Besprechung von 23.12.2008
Gefahr für des Kaisers neue Kleider
Jahrbuch 2009 des Hochtaunuskreises erschienen

bie. HOCHTAUNUSKREIS. Es gibt Vorschriften, deren Sinn sich dem gemeinen Bürger nur schwer erschließt. Dass man im heutigen Bad Homburger Stadtteil Gonzenheim lange Zeit die Gänse nicht vor 8 Uhr morgens zum Bach treiben durfte, hat einen imperialen Ursprung. Kaiser Wilhelm II. höchstselbst und seine Gattin sollen einst von der morgendlichen Brunnenkur in der offenen Kutsche durch den Ort gefahren sein, als das Federvieh aufschreckte und über den Wagen hinwegflog. Sehr zum Ärger Wilhelms, der sich ausmalte, welche Gefahren für die kaiserlichen Kleider drohten, sollten die Gänse vor Schreck etwas fallen lassen. Ob es die darob folgende Polizeiverordnung wirklich gab, wäre noch zu erforschen. Dass die Gonzenheimer unwilligen Gänsen mit dem Spruch drohten: "Gib nur acht, wenn der Kaiser kommt, dann wirst du geschlachtet!", ist hingegen die verlässliche Erinnerung einer Zeitzeugin.

Nein, Kaiserweck oder Bretzel wie einst wird es in Bad Homburg nicht geben, wenn sich am 27. Januar der Geburtstag des Kaisers zum 150. Mal jährt. Doch in dessen Sommerresidenz stößt man allenthalben auf die Folgen seiner Aufenthalte. Vom Bahnhof über die Erlöserkirche bis zur Saalburg hat Wilhelm Spuren hinterlassen, weshalb die Beschäftigung mit jener Zeit keine falsche Nostalgie zum Anlass braucht. Ulrich Hummel stellt in seinem Beitrag für das aktuelle Jahrbuch de Hochtaunuskreises aktualisierte Recherchen aus dem Jahr 1991 vor, als er mit Schülern noch Zeitzeugen der Kaiseraufenthalte befragen konnte. Einen sowohl geographisch als auch historisch weiteren Blick auf "Preußische Spuren" wirft Barbara Dölemeyer, die sich mit den Hohenzollern in der Region Rhein-Main-Taunus befasst.

Den Schwerpunkt des Jahrbuchs bilden allerdings Beiträge zur Kronberger Geschichte, wozu die Eröffnung des Burgmuseums und der Abschluss der ersten größeren Sanierungsarbeiten Anlass gaben. Die speziellen Kronberger Gewächse wie Esskastanie, Eiben oder die Schwarze Maulbeere sind ebenso Gegenstand von erläuternden Texten wie Kunst und Kultur. Schließlich ist die Stadt für ihre Malerkolonie oder das Kammermusikfestival weithin bekannt. Lebendige Einblicke in eine noch gar nicht so lange zurückliegende Vergangenheit gibt Stadtarchivarin Susanna Kauffels mit der Geschichte der Familie Bonn. Die Frankfurter Bankiers erwarben schon 1862 Grundstücke in Kronberg und bauten bald ein erstes Landhaus. Im Jahrbuch ist der Auszug eines autobiographischen Romans von Emma Bonn abgedruckt, die ihre Kindheitserinnerungen aus dem Jahr 1886 schildert. Zu den bemerkenswerten Umständen des sonntäglichen Ausflugs von Frankfurt in den Taunus gehörte, dass die Familie in Eschborn Wegzoll zahlen musste: "Ein alter Mann öffnete sehr gemächlich das Fenster und streckte an langer Stange die Kupferschale heraus, in die der Kutscher Franz die Münze fallen ließ."

Das vom Kreisausschuss herausgegebenen Jahrbuch 2009 des Hochtaunuskreises ist im Societäts-Verlag erschienen und im Buchhandel sowie dem Bürger-Informations-Service, Ludwig-Erhard-Anlage 1-5, 61352 Bad Homburg, erhältlich.

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