Irre - Goetz, Rainald

Rainald Goetz 

Irre

Broschiertes Buch
 
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Irre

Rainald Goetz schreibt in seinem ersten Roman über die Psychiatrie und einen Helden unserer Tage. Wie weh tut der Irrsinn den Irren? Wie schlimm ist das Arbeiten als Arzt in einer psychiatrischen Klinik? Wie, bitteschön, geht das Leben? Muß das wirklich so zerrissen und zerfetzt sein?


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2009
  • Nachdr.
  • Ausstattung/Bilder: Nachdr. 2009. 330 S. m. Abb.
  • Seitenzahl: 333
  • Suhrkamp Taschenbücher Nr.1224
  • Best.Nr. des Verlages: 37724
  • Deutsch
  • Abmessung: 176mm x 108mm x 19mm
  • Gewicht: 205g
  • ISBN-13: 9783518377246
  • ISBN-10: 3518377248
  • Best.Nr.: 02743302
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 17.03.2002

Rainald Goetz: Irre
1983 - Das Buch denkt und bleibt im Hirn wie ein Popsong

Von diesem Buch zu erzählen: Das heißt, von seinem Leser viel mehr als von seinem Autor zu erzählen - was, paradoxerweise, auch daran liegt, daß der Autor ja da war, gut sichtbar, nicht in irgendeinem Dichterversteck verborgen, sondern am Rand der Tanzfläche beispielsweise, im damals sogenannten Tanzlokal Größenwahn in der Münchner Klenzestraße (und wer, bitteschön, konnte es sich damals, 1983, leisten, nicht in München zu wohnen); oder, noch viel besser ausgeleuchtet, im Fernsehen, Kulturberichterstattung aus Klagenfurt, vom Ingeborg-Bachmann-Preis, der damals noch was zu bedeuten hatte, und dort war es eben nicht nur das Blut, das floß, nachdem der Autor sich mit einer Rasierklinge in die Stirn geritzt hatte; es war schon auch der Text, in welchem er genau die Peinsäcke als Peinsäcke beschimpfte, welche man selber auch gern Peinsäcke genannt hätte, wäre einem das Wort Peinsack nicht zum erstenmal in Goetz' Prosa begegnet.

Was nicht heißt, daß der Autor aufs Einverständnis des Lesers gehofft hätte - und das Einverständnis der Rezensenten …

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Einfach irre Irre ist wie ein Horrortrip ohne Ende: So muss es sich anfühlen, wenn einem das eigene Leben entgleist und es im Nirgendwo verschwindet. Für die Menschen in dem Roman ist der Zug abgefahren, egal ob sie zu denen gehören, die in der Klinik festsitzen, oder zu den Ärzten, die so tun, als könnten sie etwas gegen den Irrsinn unternehmen. Alles scheiße, findet der Protagonist, ein Alter Ego des Autors, schmeißt seinen Arztkittel hin und macht kaputt, was ihn kaputt macht. Rainald Goetz verabreicht dem Leser die nackte Wahrheit, und die ist ebenso unappetitlich wie die Arbeit der Pfleger im Buch, die den Kot der Patienten von den Krankenhauswänden kratzen; wohl auch, weil er uns mit seinem irren Sprachrhythmus in die Köpfe der Wahnsinnigen hineinzwingt. Wie gelähmt schaut man aus deren sedierten Gemütern auf die Welt und sieht einen Zug nach dem anderen vorbeirasen. Während Goetz 1983 an den Klagenfurter Literaturtagen aus dem Buch vorlas, ritzte er sich mit einer Rasierklinge die Stirn auf und ließ sein Blut übers Manuskript laufen. Ein medialer Stunt des angehenden Popliteraten, oder die konsequente Umsetzung seines radikalen Literaturverständnisses? Man muss Irre gelesen haben, um diesen Akt als rationale Selbstverletzung in einer verrückten Welt zu verstehen.
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Rainald Goetz, geboren 1954, studierte Medizin und Geschichte in München und Paris. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche Preise, unter anderem den Heinrich-Böll-Preis, den Wilhelm-Raabe-Preis, dreimal den Mühlheimer Dramatikerpreis und den Berliner Literaturpreis 2012. Weiterhin wurde er mit dem Literaturpreis der Preußischen Seehandlung und der damit verbundenen Heiner-Müller-Professur ausgezeichnet. Rainald Goetz lebt in Berlin.

Kundenbewertungen zu "Irre" von "Rainald Goetz"

2 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.5 von 5 Sterne bei 2 Bewertungen **** ausgezeichnet)
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Bewertung von Polar aus Aachen am 24.05.2008 ***** ausgezeichnet
Als der Roman erschien, hatte der Autor einen spektakulären Auftritt beim Ingeborg Bachmann-Preis hinter sich, wo er sich vor Augen der Jury die Stirn aufschlitzte, während er aus dem Manuskript vorlas. Was als Werbegag hätte abgetan werden können, bewies sich als Kampfansage für den verstaubten Literaturbetrieb. Im Nachhinein tauchte hier ein Autor auf, der mit gängigen Kriterien nicht abzuurteilen war und sich auch nicht darum scherte. Irre ist ein fulminanter Roman über die Psychiatrie, beschreibt die Arbeit in einer Klinik und stellt die Frage nach einem menschenwürdigen Leben auf beiden Seiten. Stilistisch läßt er einem Leser nicht viel Raum, sich zurückzulehnen und zu goutieren. Wir begegnen einer Melange aus Popmusik, Kneipenleben und Psychiatrie, in der die Nerven allesamt gespannt, die Sucht nach Erfahrung groß ist. Goetz gehört zu den wenigen Autoren, die ein schillerndes Debüt durch spätere Werke bestätigt haben, ohne an Kraft zu verlieren.

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Bewertung von Oliver Eichhof aus Bremerhaven am 07.11.2000 ***** sehr gut
Wirr würde es am besten beschreiben. Es fängt mit einer Person an, die im Verlauf des Buches so langsam bekannt gibt, dass es der Rainald ist. Diese Person spaltet sich oder wird in anderen Zeiten erzählt. So trifft Rainald als Arzt auf den Rainald als Kind. Wiederum trifft sich die bessere und schlechtere Hälfte einer Person. Was aber nie genau dargestellt wird. Wenn man sich nicht von den Geschichten der Anstalt ablenken lässt, wird man es erkennen. Das Highlight ist die Selbsttherapie am Ende.

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