In meinem Himmel - Sebold, Alice

Alice Sebold 

In meinem Himmel

Roman

Aus d. Amerikan. v. Almuth Carstens
Broschiertes Buch
 
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***** ausgezeichnet
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In meinem Himmel

Susie Salmon führt das ganz normale Leben eines Teenagers in einer amerikanischen Kleinstadt - bis zu jenem Tag im Dezember, als sie von einem Vergewaltiger getötet wird. Aber Susies Existenz ist damit nicht ausgelöscht. Von ihrem Himmel aus verfolgt sie das Leben auf der Erde, beobachtet ihre Freunde und Familie, die mühevoll nach Wegen suchen, um den Verlust zu verarbeiten. Und erst, als die fragile Balance menschlicher Existenz wiederhergestellt ist, kann auch Susie ihren Seelenfrieden finden...


Produktinformation

  • Verlag: GOLDMANN
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 380 S.
  • Seitenzahl: 380
  • Goldmann Taschenbücher Bd.45836
  • Deutsch
  • Abmessung: 185mm x 119mm x 28mm
  • Gewicht: 297g
  • ISBN-13: 9783442458363
  • ISBN-10: 3442458366
  • Best.Nr.: 12849374
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 02.02.2003

Tote Mädchen sehen besser
Alice Sebolds in Amerika gefeiertes Romandebüt "In meinem Himmel" erscheint nun auch bei uns

"Mein Nachname war Salmon, also Lachs, wie der Fisch; Vorname Susie. Ich war vierzehn, als ich am 6. Dezember 1973 ermordet wurde." So radikal beginnt der Roman, der in den Vereinigten Staaten im vergangenen Jahr zur größten Sensation auf dem Buchmarkt wurde und der diese Woche auf deutsch erscheint. Wohl selten hat so viel dagegen gesprochen, daß ein Buch zum Erfolg wird: "In meinem Himmel", der Debütroman der 39jährigen Alice Sebold, erzählt die Geschichte eines Mädchens, das auf seinem Schulweg von einem Mann aus der Nachbarschaft vergewaltigt und zerstückelt wird und das nach seinem Tod die Geschehnisse auf der Erde vom Himmel aus beobachtet. Sebold erzählt die Geschichte aus Sicht des toten Mädchens, und daß das nicht grauenhaft kitschig und ganz und gar unmöglich wirkt, sondern natürlich, beinahe selbstverständlich, das ist das große Wunder dieses Buches.

Es ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden (auch wenn die Ich-Erzählerin niemals ihren 15. Geburtstag erleben wird); es ist eine Kriminalgeschichte …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 30.04.2003

Mord hat eine blutrote Tür
In ihrem Roman „In meinem Himmel” umarmt Alice Sebold alle und jeden
Überraschend ist nur, dass es im Himmel nach Stinktier riecht. Vielleicht auch nach Kumqats oder Tabak. Doch die Erklärung ist einfach: Der Himmel ist exakt so, wie man ihn sich vorstellt. Wenn man will, entstehen dort Kissenberge und Glamour-Zeitschriften, Eis und Kuchen, altmodische Laternen und Hunde, die auf der Wiese zwischen den Pavillons umherjagen. Noch ein Hauch Skunk und das Leben nach dem Tod ist bezugsfertig! Ein bisschen steril vielleicht das Ganze, aber das gibt sich mit der Zeit.
In Alice Sebolds Bestseller „In meinem Himmel” ist das Paradies ein Service aus Schöner Wohnen: Bei Nichtgefallen wird umdekoriert. Susie Salmon („Salmon, wie Lachs, der Fisch”), vierzehnjährige Titelheldin und Neuankömmling über den Wolken, lernt dies unter Anleitung ihrer „Aufnahmeberaterin” Franny. Und sie begreift schnell: Der Himmel hat Grenzen. Auf der Erde Schicksal zu spielen, ist beispielsweise schwierig und die Rückkehr nach unten so gut wie ausgeschlossen. Am Ende kriegt sie zwar mit viel Mühe eine Stippvisite hin, aber da hat sie es sich …

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Ein außergewöhnliches Leseerlebnis<br /> <em>In meinem Himmel</em> ist erst das zweite Buch von Alice Sebold, aber sie hat damit etwas geschafft, wovon andere Autoren ein Leben lang nur träumen können: Der Roman stand über Wochen auf Platz 1 sämtlicher amerikanischer Bestsellerlisten. Jetzt begeistert er auch international das Publikum und die Kritiker. Alice Sebold hat aus einem Allerweltsstoff ein außergewöhnliches Leseerlebnis komponiert. Susie Salmon, ein 14-jähriges Mädchen, wird von einem Nachbarn vergewaltigt und ermordet. Doch daraus entsteht weder ein Krimi noch ein Rührstück, denn das Geschehen spielt sich aus einem überraschenden Blickwinkel ab: Susie selbst schildert die Ereignisse.<br /> Der Blick vom Himmel<br /> Nach ihrem gewaltsamen Tod existiert Susie in ihrem ganz persönlichen Himmel weiter. Von hier aus verfolgt sie, was auf der Erde passiert. Während sie "ihren Himmel" nach den eigenen Wünschen immer wieder neu gestalten kann, hat sie auf die Lebenden und deren Welt aber keinen Einfluss. Sie kann nur beobachten, wie ihre Familie und ihre Freunde versuchen, mit dem Verlust fertig zu werden. Ihre Schwester Lindsay etwa, die sich mit einem Panzer gegen den Schmerz wappnet. Oder die Mutter, die Mann und Kinder verlässt, um dem Kummer zu entfliehen. Mühevoll tastet sich der Vater zurück zu einer Normalität, die für den kleinen Bruder Buckley keine ist.<br /> Die Lebenden und die Toten<br /> Susie begleitet aber auch immer wieder ihren Mörder, der zwar entlarvt, aber nie geschnappt wurde. Und sie träumt von Ray, dem Jungen, der sie zum ersten Mal geküsst hat. Mit den Jahren sieht sie ihre Freunde und Geschwister erwachsen werden, ist Zuschauerin bei allem, was sie selbst nie erleben durfte. Ganz langsam findet jeder zurück auf seinen Weg und in seine Zukunft. Je mehr die Lebenden es schaffen Susie loszulassen, desto leichter fällt es ihr, ihr Schicksal zu akzeptieren und ihren Frieden zu finden. Susies Geschichte hört sich tränenreich an, aber keine Angst. Alice Sebold gewährt dem Leser den Platz im Himmel, der eine verblüffende Distanz schafft. Ihr geschickter, unverkrampfter Plauderton und ein trockener Humor tun ein Übriges!<br />(Rosina Wälischmiller)

"Wie die Autorin [mit ihrem Thema] umgeht, ist unglaublich, hat mich in lautes Lachen und leise Tränen gestürzt. Das weckt Emotionen, ist von großer Leichtigkeit, aber nie leichtfertig." Leslie Malton im Handelsblatt

"Eine glänzend erzählte Kriminal- und Familiengeschichte. Die Wahrheit ist, dass dieses Buch seine Leser nicht loslässt."<br />(Elke Heidenreich)<br/><br/>"Ein Roman nicht über das Sterben, sondern über das Leben, das kostbar ist und einzigartig und unvergesslich."<br />(Stern)

"Das Buch fand in Amerika und auch in Deutschland großen Anklang. Vielleicht, weil die Autorin keinen Hehl daraus macht, dass überall um uns herum grausame Dinge geschehen, die wir Menschen nicht durchschauen, weil wir sie nicht wahrhaben wollen."

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Eher zurückhaltend äußert sich Irene Binal über Alice Sebolds Debütroman "In meinem Himmel", in dem Sebold die Geschichte der kleinen Susie Salmon erzählt, die nach ihrer Ermordung aus dem Himmel beobachten muss, wie ihre Familie an der Tat zu zerbrechen droht. Immerhin attestiert sie Sebold, "keinerlei Scheu vor heiklen Themen" zu haben. Das allein wiederum mache aber noch keinen guten Roman aus. Mit dem "esoterisch-mystischen Kitsch" eines zauberhaften Himmels, in dem alle glücklich sind, kann die Rezensentin sichtlich wenig anfangen. Andererseits lobt sie eine "stellenweise durchscheinende Poetik der Sprache", die den Roman stilistisch über weite Teile rette.

© Perlentaucher Medien GmbH

»So sieht also der Himmel aus. Er hat die Gestalt eines Buches und liest sich wie ein Märchen.«
Alice Sebold hat an der Syracuse University studiert, in Manhattan und Kalifornien gelebt und für die "New York Times" sowie die "Chicago Tribune" geschrieben. Nach ihrem Romandebüt und internationalen Bestseller "In meinem Himmel" und den Erinnerungen "Glück gehabt" liegt hiermit nun ihr von zahllosen Lesern sehnsüchtig erwarteter neuer Roman vor. Alice Sebold lebt mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Glen David Gold, in Kalifornien.

Leseprobe zu "In meinem Himmel" von Alice Sebold

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Leseprobe zu "In meinem Himmel" von Alice Sebold

In der Schneekugel auf dem Schreibtisch meines Vaters befand sich ein Pinguin, der einen rotweiß gestreiften Schal trug. Als ich klein war, pflegte mein Vater mich auf seinen Schoß zu ziehen und nach der Schneekugel zu greifen. Er stellte sie auf den Kopf, sodass sich der ganze Schnee oben sammelte, und drehte sie dann schnell um. Wir sahen beide zu, wie der Schnee den Pinguin sacht umrieselte. Der Pinguin war allein da drinnen, dachte ich, und ich machte mir Sorgen um ihn. Als ich meinem Vater davon erzählte, sagte er: "Keine Angst, Susie; er hat ein schönes Leben. Er ist in einer perfekten Welt eingeschlossen."

Mein Nachname war Salmon, also Lachs, wie der Fisch; Vorname Susie. Ich war vierzehn, als ich am 6. Dezember 1973 ermordet wurde. Auf Zeitungsfotos in den Siebzigern sahen die vermissten Mädchen meistens aus wie ich: hellhäutig und mit mausbraunen Haaren. Das war, bevor Bilder von Kindern aller Hautfarben und Geschlechter nach und nach auf Milchtüten und in der Tagespost auftauchten. Damals glaubten die Leute noch, so etwas geschehe einfach nicht.

Für mein Jahrbuch in der Junior High hatte ich mir ein Zitat von einem spanischen Dichter ausgesucht, auf den mich meine Schwester aufmerksam gemacht hatte, Juan Ramón Jiménez. Es ging so: "Wenn sie dir liniertes Papier geben, dann schreib quer dazu." Ich wählte es, weil es meine Verachtung für eine klar strukturierte Umgebung wie mein Klassenzimmer ausdrückte und ich außerdem fand, dass es mich, da es kein bescheuertes Zitat von einer Rockband war, als literarisch gebildet kennzeichnete. Ich war Mitglied des Schachclubs und der Chemie-AG und ließ alles anbrennen, was ich in Mrs. Delminicos Hauswirtschaftsunterricht zuzubereiten versuchte. Mein Lieblingslehrer war Mr. Botte, bei dem wir Biologie hatten, und der die Frösche und Krebse, die wir sezieren mussten, gern zu neuem Leben erweckte, indem er sie in ihren gewachsten Tiegeln tanzen ließ.

Mr. Botte hat mich übrigens nicht getötet. Glauben Sie nicht, dass jeder Mensch, dem Sie hier begegnen, verdächtig ist. Das ist das Problem. Man kann nie wissen. Mr. Botte kam zu meiner Trauerfeier (wie, wenn ich das hinzufügen darf, fast die gesamte Junior High - so beliebt war ich noch nie) und weinte ziemlich heftig. Er hatte ein krankes Kind. Das wussten wir alle, und obwohl wir uns manchmal dazu zwingen mussten, lachten wir deshalb mit, nur, um ihn glücklich zu machen, wenn er über seine eigenen Witze lachte, die schon einen Bart hatten, ehe er mein Lehrer wurde. Seine Tochter starb anderthalb Jahre nach mir. Sie hatte Leukämie, aber in meinem Himmel habe ich sie nie gesehen.

Mein Mörder war ein Mann aus unserer Nachbarschaft. Meiner Mutter gefielen seine Blumenrabatten, und mein Vater unterhielt sich mal mit ihm über Düngemittel. Mein Mörder glaubte an altmodische Zutaten wie Eierschalen und Kaffeesatz, die, wie er sagte, seine eigene Mutter schon benutzt hatte. Mein Vater kam lächelnd nach Hause und riss Witze darüber, dass der Garten des Mannes zwar wunderschön sein mochte, aber zum Himmel stinken würde, sobald eine Hitzewelle zuschlüge.

Am 6. Dezember 1973 allerdings schneite es, und ich nahm auf dem Heimweg von der Schule eine Abkürzung durch das Maisfeld. Es war bereits dunkel, da die Tage im Winter kürzer sind, und ich erinnere mich, wie die abgebrochenen Maisstängel mir das Gehen erschwerten. Der Schnee fiel sacht, wie ein Schauer aus kleinen Händen, und ich atmete durch die Nase, bis sie so sehr lief, dass ich den Mund aufmachen musste. Zwei Meter von Mr. Harvey entfernt streckte ich die Zunge heraus, um eine Schneeflocke zu kosten.

"Krieg keinen Schreck", sagte Mr. Harvey.

Natürlich erschrak ich in einem Maisfeld im Dunkeln.

Nachdem ich tot war, fiel mir ein, dass ein leichter Duft von Kölnischwasser in der Luft gelegen hatte, ich jedoch nicht darauf geachtet oder geglaubt hatte, er käme von einem der Häuser vor mir. "Mr. Harvey", sagte ich.

"Du bist das ältere Salmon-Mädchen, stimmt's?" "Ja."

"Wie geht's zu Hause?"

Obgleich Älteste von drei Geschwistern und oft die Beste in einer Klassenarbeit in Naturkunde, fühlte ich mich in Gegenwart von Erwachsenen nie ganz wohl.

"Gut", sagte ich. Ich fror, aber die natürliche Autorität seines Alters und dazu die Tatsache, dass er ein Nachbar war und sich mit meinem Vater über Düngemittel unterhalten hatte, ließen mich wie angewurzelt stehen bleiben.

"Ich habe hier was gebaut", sagte er. "Möchtest du es sehen?"

"Mir ist ein bisschen kalt, Mr. Harvey", sagte ich, "und meine Mom hat es gern, wenn ich vor Einbruch der Dunkelheit zu Hause bin."

"Es ist schon dunkel, Susie", sagte er.

Heute wünschte ich, ich hätte gemerkt, wie unheimlich das war. Ich hatte ihm meinen Namen nie genannt. Vermutlich dachte ich, mein Vater hätte ihm eine der peinlichen Anekdoten erzählt, in denen er selbst bloß Liebesbeweise gegenüber seinen Kindern sah. Mein Vater gehörte zu den Dads, die ein Foto von ihrer nackten dreijährigen Tochter in das Bad im Erdgeschoss hängen, dasjenige, das die Gäste benutzen. Gott sei Dank hat er das mit meiner kleinen Schwester Lindsey gemacht. Diese Erniedrigung blieb mir zumindest erspart. Doch er erzählte gern, wie ich, sobald Lindsey geboren war, so eifersüchtig auf sie wurde, dass ich eines Tages, als er im Nebenzimmer am Telefon war, auf der Couch entlangrobbte - er konnte mich von seinem Standort aus sehen - und versuchte, Lindsey in ihrem tragbaren Bettchen anzupinkeln. Diese Geschichte demütigte mich jedes Mal, wenn er sie erzählte, dem Pastor unserer Kirche, unserer Nachbarin Mrs. Stead, die Therapeutin war und deren Einstellung dazu er hören wollte, und jedem, der irgendwann mal meinte: "Susie hat eine Menge Mumm!"

"Mumm!", pflegte mein Vater dann zu sagen. "Über ihren Mumm kann ich Ihnen was erzählen", und dann ließ er umgehend seine Wie-Susie-Lindsey-anpinkelte-Geschichte vom Stapel.

Wie sich aber erwies, hatte mein Vater uns Mr. Harvey gegenüber nicht erwähnt und ihm auch nicht die Wie-Susie-Lindsey-anpinkelte-Geschichte erzählt.

Später sollte Mr. Harvey, als er auf der Straße mit meiner Mutter zusammenstieß, diese Worte sagen: "Ich habe von der grässlichen, grässlichen Tragödie gehört. Wie hieß Ihre Tochter noch mal?"

Leseprobe zu "In meinem Himmel" von Alice Sebold

22 (S. 269-270)

Dass Ruth auf der Fahrbahn zusammenbrach, bekam ich mit. Dass Mr. Harvey unbeachtet, ungeliebt, ungebeten entschwirrte - das entging mir. Hilflos kippelte ich, mein Gleichgewicht war weg. Ich stürzte durch den offenen Eingang des Pavillons, über den Rasen und die entlegenste Grenze des Himmels, wo ich all die Jahre gelebt hatte. Ich hörte Ray in der Luft über mir schreien, seine Stimme ein Klangbogen. »Ruth, ist alles in Ordnung?« Und dann griff er nach ihr und packte sie. »Ruth, Ruth«, rief er. »Was ist passiert?«

Und ich war in Ruths Augen, und ich schaute hoch. Ich konnte die Wölbung ihres Rückens auf dem Pflaster spüren und Kratzer unter ihren Kleidern, wo die scharfen Ränder von Kieselsteinen das Fleisch aufgerissen hatten. Ich nahm mit allen Sinnen wahr - die Wärme der Sonne, den Geruch des Asphalts -, doch ich konnte Ruth nicht sehen. Ich hörte Ruths Lungen blubbern, fühlte einen Schwindel in ihrem Magen, aber auch die Luft, die noch ihre Lungen füllte. Dann Spannung, die den Körper streckte. Ihren Körper. Darüber Ray, seine Augen - grau, pulsierend, die ohne Hoffnung links und rechts auf der Straße nach Hilfe Ausschau hielten, die nicht kam. Er hatte Mr. Harveys Auto nicht gesehen, sondern war mit einem Strauß Feldblumen für seine Mutter begeistert durch das Gebüsch gekrochen, und da war Ruth, die auf der Fahrbahn lag. Ruth drängte von innen gegen ihre Haut, sie wollte heraus.

Sie kämpfte darum, ihren Körper zu verlassen, und ich war jetzt drinnen, rang mit ihr. Ich zwang sie zurück, wollte jenes göttlich Unmögliche, aber sie wollte raus. Es gab nichts und niemanden, der sie daran hindern konnte, fortzufliegen. Ich schaute zu, wie ich es so oft vom Himmel aus getan hatte, doch diesmal war es ein verwischter Fleck neben mir. Es waren Lust und Zorn, die emporstrebten. »Ruth«, sagte Ray. »Kannst du mich hören, Ruth?« Kurz bevor sie ihre Augen schloss und alle Lichter ausgingen und die Welt außer sich war, sah ich in Ray Singhs graue Augen, auf seine dunkle Haut, auf die Lippen, die ich einst geküsst hatte. Dann strich Ruth, wie eine Hand, die sich aus einem festen Griff lockert, an ihm vorbei.

Rays Blick zog mich vorwärts, während das Beobachten aus mir her ausströmte und einem erbärmlichen Verlangen Platz machte: auf dieser Erde wieder lebendig zu sein. Nicht von oben zuzuschauen, sondern - das Allersüßeste- dabei zu sein. Irgendwo in dem blauen Dazwischen hatte ich sie gesehen - Ruth, die mich streifte, als ich zur Erde fiel. Aber sie war nicht der Schatten einer menschlichen Gestalt, kein Geist. Sie war ein gescheites Mädchen, das alle Regeln übertrat. Und ich war in ihrem Körper. Ich hörte eine Stimme, die mich vom Himmel her rief. Es war Frannys. Sie rannte auf den Pavillon zu und rief dabei meinen Namen. Holiday bellte so laut, dass sich seine Stimme überschlug und sich hinten in seinem Rachen ohne Unterbrechung um sich selbst drehte.

Dann waren Franny und Holiday auf einmal verschwunden, und alles war still. Ich spürte etwas, das mich am Boden hielt, und ich spürte eine Hand in meiner. Meine Ohren waren wie Meere, in denen das, was ich gekannt hatte, Stimmen, Gesichter, Tatsachen, allmählich ertranken. Zum ersten Mal, seit ich gestorben war, öffnete ich die Augen und sah graue Augen, die meinen Blick erwiderten. Ich regte mich nicht, während mir langsam dämmerte, dass das herrliche Gewicht, das mich beschwerte, das Gewicht des menschlichen Körpers war. Ich versuchte zu sprechen. »Lass es«, sagte Ray. »Was ist passiert?« Ich bin gestorben, hätte ich am liebsten gesagt. Wie sagt man: »Ich bin gestorben und jetzt wieder unter den Lebenden?«

Kundenbewertungen zu "In meinem Himmel" von "Alice Sebold"

15 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.7 von 5 Sterne bei 15 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
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Bewertung von Kerry aus Berlin am 15.08.2011 ***** gut
Am 6. Dezember 1973 wird die 14-jährige Susie Salmon auf dem Heimweg von der Schule von einem Nachbarn vergewaltigt und ermordet. Er zerstückelt ihre Leiche und lässt sie verschwinden, lediglich ein Ellenbogen kann später gefunden werden. Während dessen machen sich ihre Eltern auf die Suche nach ihr und können sie nicht finden. Nachdem sie die Polizei eingeschaltet haben, wird mit einem Großaufgebot nach ihr gesucht - ohne Ergebnis. Lediglich ein Schulheft, ein Liebesbrief und ihre Mütze kann gefunden werden, später noch ihr Ellenbogen, ansonsten bleibt Susie verschwunden.

Erst als auf einem nahe gelegenen Maisfeld sehr viel Blut von Susie gefunden wird, müssen ihre Eltern nach und nach einsehen, dass Susie ermordet wurde. Doch wer war es, was geschah mit ihrem Körper? Eine Frage, an der die Familie fast zerbricht - die Mutter glaubt an die Polizei und dass diese herausfinden wird, was mit ihrer Tochter passiert ist. Ihr Vater hat diese Hoffnung aufgegeben, doch hat er einen Verdächtigen - den Nachbarn George Harvey. Dies ist jedoch nur eine Intuition, beweisen kann er seinen Verdacht nicht.

Susie indes ist nicht mehr am Leben, aber tot ist sie auch nicht, sie lebt weiter in einer anderen Existenz, in ihrem Himmel. Der Ort zwischen dem Leben, das sie führte und dem, wohin sie letztendlich gehen wird, doch um dort hinzugelangen, muss sie aufhören, sich nach ihrem Leben, ihrer Familie, ihrer Liebe zu sehnen. Das jedoch ist etwas, auf das sie noch nicht verzichten kann und will, stumm beobachtet sie ihre Familie, wie diese mit ihrem Verlust fertig wird, schwelgt in Erinnerungen an frühere Zeiten. Doch auch ihren Mörder lässt sie nicht aus den Augen ...


Eine wunderschöne Geschichte darüber, was danach kommen könnte, wenn dieses Leben vorbei ist. Es handelt sich hierbei nicht um ein Buch über den Tod, sondern über das Leben und den Wert dessen. Spachlich war das Buch einfach gehalten, jedoch konnte mich der Schreibstil nicht fesselnd. Ohne jede Vorwarnung wird man in die Vergangenheit und Susies Erinnerungen katapultiert, was ich bis zum Schluss des Buches ausgesprochen irritierend fand.

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Bewertung von Carina am 23.04.2011 ***** ausgezeichnet
ich habe auch den Film gesehen. Beides(Buch und Film) sind sehr toll, aber auch sehr emotional. Sehr empfehlenswert.

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Bewertung von Raven aus Leipzig am 15.02.2011 ***** sehr gut
In dem Buch geht es um die junge Susie Salmon die von einem Mann aus ihrer Nachbarschaft vergewaltigt und getötet wird. Monate später wird von einem Hund ihr Ellenbogen gefunden, da ist sie natürlich schon längst in ihrem Himmel und versucht von dort aus den Mord aufzklären.
Mit der präzision einer Journalistin schreibt Alice Sebold über eine grausame art zu sterben. ich empfehle das Buch jedm ab dem Alter 13 denn ich denke für menschen unter diesem Alter sind die geschehnisse etwas zu anspruchsvoll.

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Bewertung von MinnieMay aus Dortmund am 28.07.2010 ***** ausgezeichnet
Wunderbar, liebevoll und einfühlsam wagt sich die Autorin Alice Sebold hier an ein Thema, welches in unserer Gesellschaft leider aktueller denn je ist. Susie Salmon ist die Hauptprotagonistin und Ich-Erzählerin in diesem Buch und genau das macht es zu etwas Besonderem, denn die Sichtweise aus der uns die Geschichte erzählt wird ist die von Susie, einem ganz normalen Mädchen, bis zu dem Tag an dem sie vergewaltigt und ermordet wird. Aus "ihrem Himmel" erlebt sie nun das Geschehen auf der Erde weiter, den Schmerz und die Trauer ihrer Familie, die verzweifelte Suche nach Susie und dem Täter. Wir können mit ihr fühlen, weinen, lachen. Dieses Buch ist einfach wundervoll und hat mich auf eine Weise mitgerissen, wie es kaum ein anderes geschafft hat. Dabei schreibt Mrs. Sebold eingängig und sehr gefühlsbetont. Sie schafft es den Leser die Emotionen der Protagonisten nachfühlen zu lassen. Ein Buch das traurig macht und tröstet, das Mut gibt und nachdenklich stimmt. Ich kann es nur empfehlen.

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Bewertung von Barbara aus Bayreuth am 09.07.2010 ***** ausgezeichnet
Ich habe zuerst den Film gesehen und mir danach erst das Buch gekauft.
Das Buch war viel besser als der Film, es wird viel mehr auf das Leid der Familie nach Susies Tod eingegangen als es im Film der Fall war.
Es wird einem echt anders zumute wenn man sieht, dass die Familie langsam daran zerbricht...
Alles in allem ein sehr gutes Buch!

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Bewertung von amma1004 aus berlin am 02.04.2010 ***** ausgezeichnet
Eigentlich will man mit solch einer Geschichte nicht konfrontiert werden. Man muss schon ein Künstler sein und schreiben können, damit einem dieses Thema nicht übelgenommen wird.

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Bewertung von olgica am 09.03.2010 ***** gut
Die 14jährige Susie Salmon lebt in einer glücklichen Familie. Mit ihrer 13jährigen Schwester, dem 4jährigen Bruder und den liebevollen Eltern. Sie ist ein ganz normaler Teenager in einer amerikanischen Kleinstadt, bis sie am 06.12.1973 von ihrem Nachbarn ermordet wird. Ihre Leiche wird, bis auf einen Körperteil, nie gefunden. Von "ihrem Himmel" aus beobachtet Susie wie ihre Familie langsam an der Tragödie zu zerbrechen droht. Verzweifelt versucht sie die ihr lieben Menschen auf den Mörder hinzuweisen.

Alice Sebold hat ein wahnsinnig gefühlvolles Jugendbuch verfasst, das sich neben dem Mord auch mit ganz alltäglichen Teenagergedanken beschäftigt. Susie reflektiert von dem Zwischenhimmel aus, sowohl ihre gerade begonnene Erste Liebe mit dem Klassenkameraden Ray Singh, als auch ihr ganzes irdisches Leben. Bittersüß sind die Beobachtungen von Susie über ihre zurückgelassenen Lieben. Durch die flüssige Schreibweise und die Spannung, ob der Mord polizeilich geklärt werden kann, konnte ich mich kaum noch von dem Buch losreißen, auch wenn es zwischendurch einige Längen gab. Dennoch war immer eine Grundspannung gegeben und das Lesevergügen blieb bis zum Schluss bestehen. Besonders gefiel mir, dass anschaulich beschrieben wurde, was eine Gewalttat in einer Familie auslösen kann und wie sich diese dadurch verändern kann. Einzig ein Ereignis am Schluss hat mir nicht gefallen und dadurch das Buch in meinen Augen ein wenig entwertet.

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Bewertung von Nana90 aus nähe Stuttgart am 24.02.2010 ***** ausgezeichnet
„Mein Nachname ist Salmon, also Lachs, wie der Fisch; Vorname Susie. Ich war vierzehn, als ich am 6. Dezember 1973 ermordet wurde.“
Mit diesem Satz beginnt der Roman von Alice Sebold.
Susie führt ein schönes Leben, sie hat Eltern die sie lieben und 2 Geschwister die sie gern hat. Doch dann geschieht es. Susie wird von einem Mann aus der Nachbarschaft ermordet. Die Polizei nimmt die Ermittlungen auf, doch es gibt keine Leiche und auch keine anderen Beweise. Der Mörder fühlt sich sicher.
Allerdings ist Susies Vater von der Schuld seines Nachbarn überzeugt und versucht den Fall selbst zu klären. Doch wird ihm dies gelingen, oder bringt er sich nur selbst in Gefahr?
Susie ist in der Zeit in ihrem Himmel, indem alles so ist, wie sie es sich wünscht. Doch schnell merkt sie, dass sie erst frei ist, wenn ihr Mörder geschnappt wurde. Also beobachtet Susie die Menschen auf der Erde, Ihre Freunde, Familie und ihren Mörder. Doch wie soll sie sich verständlich machen?
Ich fand das Buch echt gut. Die Geschichte ist sehr traurig, doch auf einer Art auch wieder sehr schön. Ich denke, dieses Buch sollte man gelesen haben.
Natürlich ist dieses Buch nicht durch und durch Spannend da man von Anfang an weiß wer der Täter ist. Doch man fühlt sich sehr schnell mit den Familienmitgliedern und mit Susie verbunden, deshalb muss man schnell weiter lesen. Gegen Ende des Buches gibt’s allerdings auch einiges an Spannung.
Im Großen und Ganzen ein gutes Buch. Vorallem finde ich, dass man selbst viel vorsichtiger umgeht wenn man dieses Buch kennt. Man denkt über sein Leben nach und muss sich eingestehen, dass man ab und zu leichtsinnig war und wo hätte einem das selbe wie Susie passieren können.

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Bewertung von schatzibaby aus Deutschland am 29.12.2009 ***** ausgezeichnet
Das Buch ist einfach nur wunderbar!
Ich konnte sofort mit den Menschen mitfühlen und es fiel mir mehr schwer das Buch zur Seite zu legen.
Aus der Sicht der Toten beschrieben, sowas gibt es nicht oft und dann noch so toll geschrieben.
Das ist ein Buch das man immer wieder gerne liesst und das irgendwie nie langweillig wird, ganz ganz toll

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Bewertung von Polar aus Aachen am 12.01.2008 ***** ausgezeichnet
Wer den Anlass kennt, dem der Roman zu Grunde liegt, kann nur über den Mut der Autorin erstaunt sein, sich dieser Geschichte zu stellen. Von Anfang an packt einen der Schrecken, über das, was geschehen ist, und vor allem über den leichten Ton, mit dem darüber berichtet wird. Er schärft den Blick dafür, was Menschen angetan wird, die das erleben müssen. Wie Susie Salmons Leben ausgelöscht wird, wie sie als Erzählerin neu aufersteht und zeigt, wie das Leben danach weitergeht, wie Wunden Schorf ansetzen, aber sich nicht schließen wollen, wie sich die Tatsache einmal mehr beweist, daß Sexualtäter im engsten Umfeld zu suchen sind und wie die Autorin der Versuchung widersteht, diesem seiner Strafe zukommen zu lassen, ist fesselnd beschrieben. Trotz aller Hightech-Methoden der Spurenanalyse bleiben viel zu viele Fälle unaufgeklärt. Wie die Angehörigen dann zurück bleiben und verkümmern, zeigt die Geschichte brutal. In der Mitte zerfasert sie zwar ein wenig, gegen Ende jedoch findet sie zu jenem rasanten Ton zurück, der Susie Salmons Familie, ihren Freunden jenes fragile Leben beschert, dass sie nie mehr loswerden, selbst wenn sie es wollen. Sie alle sterben ein wenig mit. Susie Salmons Martyrium, von dem sie so engelhaft aus ihrem Himmel erzählt, schnürt einem den Hals zu.

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gebraucht; sehr gut 5,00 2,00 offene Rechnung Antiquariat Buchhandel Daniel Viertel 97,7% ansehen
deutliche Gebrauchsspuren 5,99 1,50 Kreditkarte, offene Rechnung AHA-BUCH GmbH 99,6% ansehen
leichte Gebrauchsspuren 6,50 1,60 PayPal, Banküberweisung cassiopeia83 100,0% ansehen
wie neu 8,60 1,50 Selbstabholung und Barzahlung, Banküberweisung Buchversand Zorneding 97,3% ansehen
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